Billy Shears
The Beatles – Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
Veröffentlichung

1. Juni 1967

Label

Parlophone / Capitol / EMI

Format(e)

LP, Vinyl, CD

Genre(s)

Rock

Anzahl der Titel

13

Laufzeit

39 min 43 sec

Besetzung
Produktion

George Martin

Studio(s)

Abbey Road Studios

Chronik
A Collection of Oldies ... but Goldies
(1966)
Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band Magical Mystery Tour
(1967)

Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band ist ein Album der Beatles. Es gilt als eines der ersten Konzeptalben der Popmusik. Das Album erschien offiziell am 1. Juni 1967 in Großbritannien.

Dieser Termin wurde in der Realität allerdings auf den 26. Mai 1967 vorgezogen. Der Grund war, dass der Privatsender „Radio London“ das Album schon am 12. Mai 1967 in voller Länge ausgestrahlt hatte und fortan damit Werbung machte, der erste Sender mit der Platte gewesen zu sein. Auch in den Vereinigten Staaten hatten verschiedene Stationen zumindest Auszüge des Albums gespielt. Da kurz darauf schon erste illegale Pressungen kursierten, wurde die Veröffentlichung vorgezogen.[1]

Das Album erreichte schon am Veröffentlichungstag genügend Verkäufe für eine Goldene Schallplatte. Bis zum 1. Januar 1971 wurde es rund sieben Millionen Mal verkauft. In Großbritannien liegt es in der Rangliste der insgesamt meistverkauften Alben an zweiter Stelle.[2] Die US-amerikanische Musikzeitschrift Rolling Stone veröffentlichte 2003 eine Liste der „500 Greatest Albums of All Time“, in der Sgt. Pepper’s auf Platz eins gewählt wurde.[3] Es gewann vier Grammies.

Laut Paul McCartney und Produzent George Martin wurde Sgt. Pepper’s vom Album Pet Sounds der Beach Boys aus dem Jahr 1966 inspiriert. „Ohne Pet Sounds hätte es Sgt. Pepper nicht gegeben. Sgt. Pepper war ein Versuch, Pet Sounds gleichzukommen“, kommentierte George Martin. Gleichzeitig verhinderte die Veröffentlichung von Sgt. Pepper das Erscheinen von Brian Wilsons Smile, das teilweise eine Antwort auf Revolver hätte werden sollen.[4]

Das Album sollte ursprünglich als Doppelalbum und mit einer anderen Titelabfolge herauskommen. Aufgrund finanzieller Bedenken der Plattenfirma erschien es in der jetzt bekannten Form.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung des Albums

Die Veröffentlichung des Albums bestärkte den Wandel in der Popmusik, der 1966 begonnen hatte. Sgt. Peppers gilt künstlerisch wie auch kommerziell als Meilenstein. Kaum ein Album der Popmusik war mit einem vergleichbaren Aufwand produziert worden. Zudem passte Sgt. Pepper durch seine psychedelische Verspieltheit in den sogenannten „Sommer der Liebe“.[5][6]

Das Album wurde als Gesamtkunstwerk konzipiert, das Lebensfreude widerspiegeln und einem neuen Zeitgeist Rechnung tragen sollte („A splendid time is guaranteed for all.“, dt.: „Eine herrliche Zeit wird für alle garantiert.“, aus: Being for the Benefit of Mr. Kite). Eine Art Konzeptalbum mit tiefsinnigen, sarkastischen, verschachtelten und surrealistischen Texten war entstanden. Um dies zu erreichen, hatten die Beatles alle studiotechnischen Mittel der damaligen Zeit ausgeschöpft. Das Album ist beispielsweise vollständig lediglich mit Hilfe der Vierspurtechnik produziert, wobei besondere Techniken angewandt wurden, wie das wegen Gleichlaufschwankungen äußerst schwierige parallele Verwenden von zwei Vierspurgeräten. Zu den surrealistischen Klanggebilden kamen ein 40-köpfiges Orchester sowie das Mellotron zum Einsatz. Diese Musik war live nicht reproduzierbar. Die Beatles hatten am 29. August 1966 ihr letztes Konzert im Candlestick Park in San Francisco absolviert. Vom „Summer of Love“ hatten sich auch die Beatles beeinflussen lassen. George Harrison wandelte in bunten Kleidern durch Haight-Ashbury, die Beatles trafen den „LSD-Papst“ Timothy Leary. In dieser Atmosphäre entstand das Album, das als einer der Wegbereiter der Rockmusik neue musikalische und technische Möglichkeiten zeigte und eröffnete.

Erstmals druckten die Beatles auch ihre Texte auf der Plattenhülle ab, um die lyrische Bedeutung sichtbar zu machen. Die Titel wurden größtenteils vom Alltag der Musiker inspiriert.

Die Zeitschrift it meinte am 2. Juli 1967: „Die Botschaft der Beatles ist zu einer Botschaft der Liebe gereift, voller hinduistischer Einflüsse. An jene Menschen, die sich hinter einer Mauer der Illusion verbergen, ergeht die Botschaft: ‚When you’ve seen beyond yourself / then you may find / peace of mind / is waiting there / with our love / we could save the world / if they only knew‘ (Lied: Within You Without You).“

Sgt. Pepper’s wurde von der friedfertigen Gegenkultur zur musikalischen „Bibel“ erkoren, die Beatles zu ihren kulturellen Wortführern. Um die Botschaft der Liebe allen Menschen zugänglich zu machen, stellten sie am 27. Juni 1967 einem weltweiten Fernsehpublikum mittels Satellit live das Lied All You Need Is Love vor, das aber nicht auf dem Album enthalten war und als Single erschien.

Sgt. Pepper’s traf den Zeitgeist, obwohl es in musikalischer Hinsicht kein reines Psychedelic-Album ist wie etwa Pink Floyds The Piper at the Gates of Dawn. Einige Stücke jedoch, unter anderem Lucy in the Sky with Diamonds, Within You Without You und A Day in the Life zeigen ihre psychedelische Herkunft.

McCartney war meistens für die Pop-Lieder verantwortlich, Lennon und Harrison hatten mehr für die psychedelischen Komponenten gesorgt. Zu hören ist dies auf Being for the Benefit of Mr. Kite, das, elektronisch verfremdet, eine Hommage an die Zeiten des viktorianischen Zirkus ist. Höhepunkt aus psychedelischer Sicht ist Within You Without You, das von Harrisons Sitar geprägt wurde. Harrisons Interesse an Meditation und indischer Philosophie kommt dabei zum Tragen, mit Hilfe psychoaktiver Substanzen verstärkt, symbolisiert es die Suche nach Wahrheit und Sinn.

Bei den 10. Grammy Awards 1968 wurde Sgt. Pepper's als bestes Album ausgezeichnet.

Titel

Mit Ausnahme des Titels Within You, Without You, der von Harrison komponiert wurde, stammen alle Lieder von Lennon und McCartney.

Seite 1
01.  Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
02.  With a Little Help from My Friends
03.  Lucy in the Sky with Diamonds
04.  Getting Better
05.  Fixing a Hole
06.  She’s Leaving Home
07.  Being for the Benefit of Mr. Kite!
Seite 2
08.  Within You Without You
09.  When I’m Sixty-Four
10.  Lovely Rita
11.  Good Morning Good Morning
12.  Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Reprise)
13.  A Day in the Life

Während die Nadel des Plattenspielers über die Auslaufrille der zweiten LP-Seite gleitet, ist auf frühen Pressungen ein hoher Pfeifton von 15 kHz zu hören, der Aufmerksamkeit bei zuhörenden Hunden wecken sollte.[7] In der (konzentrischen) Endrille selber findet sich der versteckte Titel Sgt. Pepper’s Inner Groove, der selbst zwar nur etwa zwei Sekunden dauert, jedoch (nur auf manuell zu bedienenden Plattenspielern) ad infinitum wiederholt wird. Manche behaupten, rückwärts abgespielt sei der Satz „Will Paul return as superman?“ zu hören (siehe Paul is dead), andere hören den Satz „We fuck you like the supermen“ heraus. Der Pfeifton und die bespielte Leerrille entfielen bei späteren Pressungen bzw. wurden als normaler Track hinter A Day in the Life angehängt.

Während der Entstehung des Albums nahmen die Beatles noch vier weitere Titel auf: Strawberry Fields Forever und Penny Lane, die vorzeitig als Single veröffentlicht wurden und deshalb nicht mehr auf das Album kamen, sowie Only a Northern Song, das erst 1969 veröffentlicht wurde, und das bislang unveröffentlichte Stück Carnival of Light.

Albumcover

Das Cover des Albums wurde – in Zusammenarbeit mit Paul McCartney – von dem Art Director Robert Fraser, dem Pop-Art-Künstler Peter Blake und dem Fotografen Michael Cooper gestaltet. Es ist heute eine Ikone in der Geschichte der Cover-Kunst. Das Gruppenbild mit Blumen, aufgereiht in den Chelsea-Manor-Studios in London am 30. März 1967, zeigt die Beatles in bunten Fantasie-Uniformen, umringt von einer Gruppe von insgesamt 70 Persönlichkeiten aus aller Welt, montiert und vereint als eine Gemeinschaft der „neuen freien Menschen“, von denen Timothy Leary gesprochen hatte. Sie hatten eines gemeinsam: Sie versuchten die irdischen Gegensätze dieser Welt in irgendeiner Form bewusstseinsverändernd umzusetzen. Sie repräsentierten alle Einflüsse, die die Beatles und ihre Musik selbst prägten.

Davor wird aus roten Hyazinthen der Name Beatles über einer Gitarre aus gelben Hyazinthen in einem Blumenbeet zusammengesetzt, umgeben von Utensilien wie Mobil-Fernseher, Buddha-Statuen, Wasserpfeifen, Gartenzwergen oder japanischen Steinfiguren.

Folgende Berühmtheiten und Gegenstände sind auf dem Cover zu sehen (bei mehreren Erscheinungen Anzahl in Klammern)

Die gezeigten „Doppelgänger“ entstammen Madame Tussauds Londoner Wachsfigurenkabinett. John Lennon hatte sich auch Jesus, Elvis Presley und Adolf Hitler für das Cover gewünscht. Der vorbereitete Pappaufsteller von Hitler wurde aber während der Vorbereitungen für die Aufnahme nicht verwendet, da Bedenken wegen einer Kontroverse bestanden, die Beatles könnten ihn – und damit den Nationalsozialismus – verherrlichen wollen. Ein Abbild Jesu wurde erst gar nicht vorbereitet wegen des Presserummels nach Lennons Äußerung („Wir [die Beatles] sind größer als Jesus“) wenige Monate zuvor. Mahatma Gandhi war auf der Originalaufnahme vertreten, wurde aber im fertigen Bild retuschiert, da EMI fürchtete, man würde die Band beschuldigen, sich über Gandhi lustig zu machen. Ebenfalls nachträglich entfernt wurde Schauspieler Leo Gorcey, da er für das Abbilden seines Konterfeis auf dem Albumcover Bezahlung erwartete.

Mehrere Künstler parodierten später dieses Cover, darunter beispielsweise die Kölner Gruppe Bläck Fööss auf ihrem Album Et es 20 Johr jenau jetz her, sowie Frank Zappa und die Mothers of Invention auf ihrem 1968 erschienenen Album We’re Only in It for the Money. Selbst eine offizielle russische Version mit kyrillischen Buchstaben in der Pauken-Beschriftung existiert.

Die Rückseite des Covers ist in einem kräftigen Rotton gehalten. Erstmals auf einem Beatles-Album sind hier die Liedtexte komplett abgedruckt. Auf dem abgebildeten Foto sind die Beatles in den gleichen Fantasie-Uniformen wie auf der Frontseite zu sehen. Lediglich Paul McCartney steht mit dem Rücken zum Betrachter und wirkt größer als seine Kollegen – für Verschwörungstheoretiker ein Hinweis darauf, dass McCartney 1966 durch einen Doppelgänger ersetzt wurde, nachdem er bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sei (Paul is dead).

Billy Shears

Billy Shears war das Pseudonym von Ringo Starr auf dem Album. Shears wird dabei nur im Titelsong erwähnt, wo er als Sänger für das folgende Lied With a Little Help From My Friends angekündigt wird.

„So let me introduce to you the one and only Billy Shears.“

Der Name Billy Shears tauchte 1973 in Ringo Starrs Lied I’m the Greatest (eine Komposition von John Lennon) ein zweites Mal auf:

„Yes, my name is Billy Shears, you know it has been for so many years.“

Es wird manchmal im Zusammenhang mit der oben erwähnten Paul-is-dead-Theorie dargestellt, dass Billy Shears in Wirklichkeit ein Hinweis auf den Sänger William Shears Campbell gewesen sei, der McCartney nach dessen (angeblichem) Tod ersetzt habe.

Im 1978 von der RSO produzierten Spielfilm „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“ wird die Figur Billy Shears vom britischen Musiker Peter Frampton gespielt.

Literatur

  • George Martin; William Pearson: With a little help from my friends: The making of Sgt. Pepper. Little/Brown, Boston 1994. ISBN 0-316-54783-2
  • Allan F. Moore: The Beatles: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Cambridge University Press, Cambridge/New York 1997. ISBN 0-521-57381-5
  • Walter Grasskamp: Das Cover von Sgt. Pepper (2004); Eine Momentaufnahme der Popkultur; Berlin: Wagenbach. ISBN 3-8031-5171-6
  • George Martin; William Pearson: Summer of Love: Wie Sgt. Pepper entstand Henschel Verlag/Berlin 1997. ISBN 3-89487-271-3

Weblinks

Einzelnachweise

  1. SWR1 Legends of Pop - 26. Mai 2007
  2. BPI: Best selling UK albums of all time.
  3. The RS 500 Greatest Albums of All Time. In: Rolling Stone, November 2003.
  4. Peter Doggett: Smile. Das große verlorene Album in Kingsley Abbott (Hrsg.): Die Beach Boys und Brian Wilson, ISBN 978-3-85445-160-0, Hanibal, Verlagsgruppe Koch
  5. Ian MacDonald: Revolution in the Head, Chicago 2007, S. 249f
  6. George Martin: Summer of Love: The Making of Sgt.Pepper, London 1994, S. 1−5
  7. Mark Lewisohn: The Complete Beatles Recording Sessions. Hamlyn, London 1988.


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