Binder-Krieglstein (Familie)

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die aus Colmar im Elsass stammende Patrizierfamilie Binder erhielt 1509 einen Wappenbrief, wurde 1550 in den Reichsadel erhoben, 1723 mit dem Prädikat von Krieglstein in den Reichsritterstand und 1759 schließlich in den Reichsfreiherrenstand. Sie stellte in den vergangenen Jahrhunderten eine Reihe von Verwaltungsbeamten, Politikern und Militärs.

Das wohl bedeutendste Mitglied der Familie war der Referent der Geheimen Staatskanzlei, der spätere Staatsrat und wirkliche geheime Rat Friedrich Freiherr Binder von Krieglstein (1708–1782), der als enger Vertrauter und Mitarbeiter des Staatskanzlers Fürst Kaunitz fünfunddreißig Jahre hindurch für das Haus Habsburg tätig war.

Dem im Jahr 1724 geborenen Christian Freiherrn Binder von Krieglstein wurde nach der Schlacht bei Frankfurt an der Oder 1759 aufgrund seiner Tapferkeit die höchste Auszeichnung der Monarchie, das Ritterkreuz des Maria-Theresia-Ordens zuerkannt.

Als Diplomat war Hofrat Anton Freiherr Binder von Krieglstein († 1791) lange Jahre in Neapel, in der Türkei und zuletzt auch als k. und k. bevollmächtigter Minister in Niedersachsen tätig.

Franz Freiherr Binder von Krieglstein (1774–1855) stand 42 Jahre im aktiven diplomatischen Dienst, zählte zu den engeren Mitarbeitern Philipps Graf Stadion und des Fürsten Metternich und gilt als einer der Wegbereiter des Wiener Kongresses.

Carl Freiherr Binder von Krieglstein (1869–1905), der als österreichischer Offizier in den preußischen Generalstab wechselte, verfasste einige bedeutende militärgeschichtliche Werke. Sein Bruder Eugen Freiherr Binder von Krieglstein (1873–1914) war ebenfalls zuerst Offizier, dann Kriegsberichterstatter für verschiedene Zeitungen und schrieb eine Reihe Reiseromane [Anmerkung 1].

Wappen der Freiherren Binder von Krieglstein

Familienwappen laut Adelsdiplom von 1759

Mit der Erhebung des k. und k. Reichshofrates Johann von Binder und seines Bruders Ludwig in den alten Reichsritterstand mit dem Prädikat Edle von Krieglstein am 12. Juni 1723 bestätigte Kaiser Karl Vl. gleichzeitig auch eine Besserung des bereits geführten Wappens.

In der Descriptio armorum im Adelsbrief wird auf die Gestaltung des nun quadrierten Wappenschildes eingegangen, der sich aus je zwei Teilen des alten Wappens der Familie Binder von 1648 sowie des der Krieglsteiner von 1598 zusammensetzt:

[...] einen quartrierten Schild mit einer rothen mitten in dem Schild befindlichen Sonne, in dessen vorder obern blau od(er] laßurfarb Feldung sich ein sechseckigter Stern zeiget, die hinten untern ist in mitte übereck gleich abgetheilet, deß der untere Theil blau, worinnen ein gelber Sonnenschein mit sieben unter sich gehenden Strahlen erscheinet, der obere aber gelb, in demselben gelben liegen übereck zwey lange blawe Quadrat-stein, und in mitte auch derenselben noch ein solcher blauer langer Quadrat-stein, also, daß darzwischen die gelbe Farb gesehen wird, in der vordern hinteren weiß- oder silberfarben Feldung befindet sich ein rother Thurm mit vom obeneinander dreyen Fenstern, und in der Höhe mit fünf Zinnen, in der untern vordern aber welche ebenfalls weis- oder silberfarb ist, ein offener Granatapfel mit grünem Stengel und Blätern [...]

Am 17. Mai 1759 wird Johann Binder Edler von Krieglstein, der zum damaligen Zeitpunkt Administrations Commisarius in den preussischen Landen war, [...] wegen seiner gantz besondern ausnehmenden Gelehrtheit, Fähig- und Geschicklichkeit [...] durch viele Jahre in seiner aufgehabten Reichs-Hof-Raths Bedienung [...] in den erbländischen und Reichsfreiherrnstand mit dem Ehrenwort Wohlgeboren erhoben.

Im Wappenbrief vom 17. Mai 1759 wird von vielen weiteren Besserungen gesprochen. Unter anderem befindet sich nun zu jeder Seite des Haupt-Schilds ein goldener Greif als Schildhalter.

Heutiger Stand der Familie

Mitglieder der Familie leben heute in Österreich, Deutschland und Belgien. In Österreich tragen derzeit rund 30 Personen den Namen Binder-Krieglstein. Die Anzahl der zur Familie zählenden Personen ist allerdings um ein Vielfaches größer.

In der Öffentlichkeit heute vielleicht am bekanntesten ist der Musiker Rainer Binder-Krieglstein (Urenkel des oben erwähnten Schriftstellers Eugen Freiherrn Binder von Krieglstein), der in den 2000er Jahren unter dem Namen Binder & Krieglstein vier Alben veröffentlicht hat.

In der Steiermark bekannt war Hofrat Bruno Binder-Krieglstein (1908–1990), der im Amt der steiermärkischen Landesregierung tätig war.

Literaturhinweise

  • Friedrich Johann Binder Freiherr von Krieg[e]lstein: Abhandlung über die Vorzüge des Erzhauses Oesterreich bey Reichsbelehnungen. Wien, 1780. [1]
  • Carl Freiherr Binder von Krieg[e]lstein: Ueber Sinn und Wesen der periodischen Durchforstungen in den Holzbeständen. Wien, Ferdinand Ullrich, 1834. [2] [3]
  • Carl Freiherr Binder-Krieglstein: Vor dreißig Jahren. Eine Erinnerung an den Tag von Solferino. Dresden (usw.), (G. Pätz in Naumburg a. S.), 1889. [4]
  • Carl Freiherr Binder-Krieglstein: Realismus und Naturalismus in der Dichtung. Ihre Ursachen und ihr Werth. Eine Studie von Karl Freiherr v. Binder-Krieglstein. Leipzig, Duncker und Humblot, 1892. [5]
  • Carl Binder Freiherr von Krieg[e]lstein: Zur Psychologie des grossen Krieges v. C. von B.-K.. Wien/Leipzig, Braumüller, 1893–1897. [6] [7] 3 Teile in einem Band, mit 3 gefalteten Karten, Halblederband mit rotem Rückenschild. Teil 1: Arcole. Studie aus den Lehrjahren eines grossen Generals[8]; Teil 2: Ein Krieg ohne Chancen[9]; Teil 3: Statistik und Psyche.
  • Carl Binder Freiherr von Krieg[e]lstein: Friedens- und Kriegsmoral der Heere am Ausgange des 19. Jahrhunderts. Wien, 1895. [10]
  • Carl Binder Freiherr von Krieglstein: Geist und Stoff im Kriege. Wien, 1896. [11]
  • Carl Binder Freiherr von Krieg[e]lstein: Regensburg 1809. Berlin, 1902. [12]
  • Carl Binder Freiherr von Krieglstein: Ferdinand v. Schill. Berlin, 1902. [13]
  • Eugen Binder von Krieglstein: Ferdinand von Schill: ein Lebensbild; zugleich ein Beitrag zur Geschichte der preußischen Armee. Berlin, Voss, 1902 [14]
  • Eugen Freiherr Binder von Krieglstein: Die Kämpfe des deutschen Expeditionskorps in China und ihre militärischen Lehren. Dargestellt vom Kriegsberichterstatter E. Baron Binder-Krieglstein. Mit 10 Skizzen und 1 Uebersichtskarte in Steindruck. Berlin, Mittler, 1902 [15] [16]
  • Carl Freiherr Binder von Krieglstein, Max Ritter von Hoen: Der Krieg Napoleons gegen Oesterreich 1809. Berlin, 1906 [17]
  • Carl Freiherr Binder von Krieglstein: Aus dem Lande der Verdammnis von Eugen Krieglstein. 2. Aufl., Berlin, Viter, 1909 [18]
  • Eugen Freiherr Binder von Krieglstein: Zwischen Weiss und Gelb. Neue Erzählungen aus dem Lande der Verdammnis. Berlin, Vita, Deutsches Verlagshaus, circa 1909 [19] [20]
  • Eugen von Binder-Krieglstein: Geschichten aus der Wüste. München, Müller, 1918 [21]
  • Eugen Binder von Krieglstein, Hanns Heinz Ewers: Aus dem Lande der Verdammnis. Mit einem Geleitwort von Hanns Heinz Ewers. Berlin, Th. Knaur Nachf., 1927 [22]
  • Bruno Binder-Krieglstein [Hrsg.]: Erzherzog-Johann-Gedächtnisausstellung. (Veranst. über Auftr. d. Steiermärk. Landesregierung u. deren Kulturreferenten Hanns Koren v. d. Steiermärk. Landesbibliothek am Joanneum unter d. Gesamtleitung v. Bruno Binder-Krieglstein [Illustr.]) Graz, Joanneum, 1958 [23]
  • Bruno Binder-Krieglstein: Erzherzog-Johann-Gedächtnisausstellung. (Veranstaltet von der Steiermärkischen Landesbibliothek am Joanneum unter der Gesamtleitung von Bruno Binder-Krieglstein) Graz, Joanneum, 1958 [24]
  • Bruno Binder-Krieglstein [Hrsg.]: Steirische Bewährung 1945–1955. 10 Jahre Aufbau in d. Steiermark. Festschrift hrsg. v. d. Steiermärk. Landesregierung anläßlich des 10. Jahrestages d. Beendigung des Zweiten Weltkrieges. (Zsstellung u. Red.: Bruno Binder-Krieglstein. Phot. v. S. Baumgartner [u. a.] Graph. Darst.: Friedrich Neumann.) Graz, Steirische Landesregierung, 1959 [25]
  • Bruno Binder-Krieglstein: Jugenderinnerungen eines alt-österreichischen Salonlöwen. Hrsg. von Birgit Strimitzer. Graz, Verl. für Sammler, 1994 ISBN 3-85365-128-3 [26]
  • Birgit Strimitzer: Die Freiherrn [sic!] Binder von Krieglstein: Studien zur Genealogie und Besitzgeschichte einer elsäßisch-österreichischen Adelsfamilie unter besonderer Berücksichtigung der Bedeutung einzelner Familienmitglieder in der Zeit Maria Theresias und der Ära Metternich. Universität Graz, Diss., 1995. [27] [auch: Dissertationen der Karl-Franzens-Universität Graz, 110, Graz, dbv-Verl., 1998 ISBN 3-7041-9070-5]
  • Reinhard Binder-Krieglstein: Österreichisches Adelsrecht 1868–1918/19: von der Ausgestaltung des Adelsrechts der cisleithanischen Reichshälfte bis zum Adelsaufhebungsgesetz der Republik. Universität Wien, Diss., 1997 [28] [auch: Österreichisches Adelsrecht 1868–1918/19, Frankfurt am Main/Wien, Lang, 2000 ISBN 3-631-34833-9]

Krieglstein, Eugen (Freiherr Binder von Krieglstein), Zwischen Weiss und Gelb, Erscheinungsjahr: ohne Angabe, Knaur, Berlin. Die Serie "Romane der Welt" wurde von Thomas Mann und H. G. Scheffauer herausgegeben.

Einzelnachweise

  1. Katalogzettel Universitätsbibliothek Wien
  2. Google Books
  3. Bestandsnachweis Österreichischer Bibliothekenverbund
  4. Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek
  5. Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek
  6. Katalogkarte (Altbestand) Universitätsbibliothek Salzburg
  7. Katalogzettel Universitätsbibliothek Wien
  8. Bestandsnachweis Universitätsbibliothek Graz
  9. Bestandsnachweis Universitätsbibliothek Graz
  10. Katalogzettel Universitätsbibliothek Wien
  11. Katalogzettel Universitätsbibliothek Wien
  12. Katalogzettel Universitätsbibliothek Wien
  13. Katalogzettel Universitätsbibliothek Wien
  14. Bestandsnachweis Universitätsbibliothek Salzburg
  15. Permalink The Library of Congress
  16. Katalogkarte Universitätsbibliothek Tübingen
  17. Katalogzettel Universitätsbibliothek Wien
  18. Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek
  19. Permalink The Library of Congress
  20. Katalogzettel HLB Wiesbaden
  21. Permalink Bayerische StaatsBibliothek
  22. Bestandsnachweis Universitätsbibliothek Klagenfurt
  23. Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek
  24. Bestandsnachweis Universitätsbibliothek Leoben
  25. Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek
  26. Bestandsnachweis Universitäts- und Landesbibliothek Tirol
  27. Bestandsnachweis Universitätsbibliothek Graz
  28. Bestandsnachweis Universitätsbibliothek Wien

Anmerkungen

  1. Allerlei. Österreich. Selbstmordversuch der Witwe Binder-Kriegelsteins. Badener Zeitung, 20. Oktober 1926, S. 5 [1]

Siehe auch


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