Binnenwasserstraße Seine-Schelde

Der Canal Seine-Nord Europe (CSNE), auch Binnenwasserstraße Seine-Schelde und Canal Seine-Nord, ist das Projekt eines 106 km langen Kanals in Süd-Nord-Richtung durch Nordfrankreich zwischen den Einzugsgebieten der Flüsse Seine und Schelde. Schiffe bis zur Kategorie Vb (Schubverband mit zwei Leichtern) sollen die neue Binnenwasserstraße befahren können. Das Projekt ist in den Verkehrswegeplan der Europäischen Union aufgenommen, die Planung soll 2010 beendet, der Kanal 2014 oder 2015 in Betrieb genommen werden.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Der Kanal soll parallel zum nur für Péniches befahrbaren Canal du Nord entlang einer Linie CompiègneNoyonPéronneCambrai führen und die Oise, einen rechten Nebenfluss der Seine, mit dem Großschiffahrtsweg Dünkirchen-Schelde (Canal Dunkerque-Escaut) verbinden. Zwischen Compiègne und Noyon soll der vorhandene Oise-Seitenkanal ausgebaut werden bis auf einen Neubauabschnitt zwischen Thourotte und Ribécourt-Dreslincourt. Ab Noyon ist eine neue Trasse geplant, sie führt zunächst zum Tal der Somme und überquert an dessen Westrand die Autoroute A29 zwischen Amiens und Saint-Quentin und westlich von Péronne mit einer 1330 m langen und 40 m hohen Brücke die Somme. Der Großschiffahrtsweg Dünkirchen-Schelde wird nordwestlich von Cambrai bei Aubencheul-au-Bac erreicht. Sieben Schleusen, drei Kanalviadukte und zwei Wasserspeicher sollen entlang des Kanals errichtet werden.

Bedeutung

Der Canal Seine-Nord Europe wird die Region von Paris und die Häfen von Le Havre und Rouen an die Seehäfen Dünkirchen, Antwerpen und Rotterdam sowie das belgische, niederländische und deutsche Wasserstraßennetz anschließen. Eine deutliche Entlastung des Straßengüterverkehrs vor allem auf der parallel verlaufenden Autoroute A1 wird vom Betrieb des Kanals erwartet, jährlich sollen 7 Mio. Tonnen Frachtgüter, vorwiegend Containerfracht, von der Straße auf das Schiff verlagert werden können.[1] Mit günstige Auswirkungen auf die Wirtschaft der an der neuen Wasserstraße liegenden Regionen wird gerechnet, der Bau mehrerer Häfen und Verladeanlagen sowie die Errichtung der Infrastruktur für hafennahe Gewerbezonen und Logistikzentren sind geplant, ebenso ein Industriegebiet am Kanal in Marquion westlich von Cambrai. Bei Nesle soll ein Umschlagplatz Wasser-Schiene mit Anbindung an die Eisenbahnstrecke AmiensLaonReims entstehen. Auch neue Yachthäfen sind vorgesehen.

Planung

Die Entscheidung für die jetzt anvisierte Trassenführung fiel 2002, nachdem auch weiter östlich gelegene Alternativrouten unter anderem entlang des Canal de Saint-Quentin untersucht worden waren. Am 20. November 2006 wurde das Planfeststellungsverfahren für den Canal Seine-Nord Europe von der französischen Regierung eingeleitet, die Bauarbeiten sollen 2010 beginnen. Die Finanzierung soll in öffentlich-privater Partnerschaft erfolgen unter Beteiligung des französischen Staates, der Regionen Île-de-France, Picardie, Haute-Normandie und Nord-Pas-de-Calais sowie der Europäischen Union. Die Baukosten werden auf über 3 Mrd. Euro geschätzt.[2] Der belgische Staat wird gleichzeitig benachbarte Wasserstraßen ausbauen, um die Verbindung zur Maas für größere Schiffstypen befahrbar zu machen.

Während der Planungsphase wurden unter anderem sicherheitsrelevante und denkmalschützerische Bedenken vorgebracht. Die vorgesehene Auslegung insbesondere der Kanalviadukte wird als nicht ausreichend bezeichnet, um ein Austreten erheblicher Wassermengen bei Unfällen oder Anschlägen zu verhindern.[3] Die Kanaltrasse verläuft über Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs, an die zahlreiche Denkmäler und Soldatenfriedhöfe erinnern. Deren Beschädigung wird befürchtet, ebenso die Beeinträchtigung des seit dem Krieg wenig veränderten Aussehens der ländlichen Gegenden, die Kriegsschauplatz waren.

Quellen

  1. Ministère de l'écologie et du développement durable: Ces grosses "boîtes" qui relancent le transport fluvial 15. Dezember 2006
  2. L'Humanité: A travers les régions 29. November 2006
  3. Le Moniteur-expert: Seine-Nord Europe. Les commissaires enquêteurs expriment une réserve sur la sécurité du pont canal 10. Juli 2007

Weblinks


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