Binningen (Baienfurt)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Baienfurt
Baienfurt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Baienfurt hervorgehoben
47.8269444444449.6516666666667459Koordinaten: 47° 50′ N, 9° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Ravensburg
Gemeindeverwal-
tungsverband:
Mittleres Schussental
Höhe: 459 m ü. NN
Fläche: 16,02 km²
Einwohner: 7190 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 449 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88255
Vorwahl: 0751
Kfz-Kennzeichen: RV
Gemeindeschlüssel: 08 4 36 011
Adresse der Gemeindeverwaltung: Marktplatz 1
88255 Baienfurt
Webpräsenz:
Bürgermeister: Robert Wiedemann

Baienfurt ist eine Gemeinde im oberschwäbischen Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg (Deutschland).

Die Gemeinde Baienfurt, die zum Gemeindeverwaltungsverband Mittleres Schussental gehört und sich auf 16,02 km² Fläche erstreckt, hat rund 7.200 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Die Gemeinde Baienfurt ist Teil des Siedlungsgebiets „Mittleres Schussental“, das sich von Eschach (südlicher Stadtteil Ravensburgs) über die beiden Städte Ravensburg und Weingarten bis nach Baienfurt und Baindt im Norden erstreckt. Sie befindet sich wenige Kilometer westlich des Altdorfer Walds am Talostrand der Schussen, die ein nördlicher Bodensee- bzw. Rhein-Zufluss ist, und wird vom Schussen-Zufluss Wolfegger Ach durchflossen.

Geschichte

Blick auf Baienfurt von Westen

Durch Bodenfunde sind keltische Siedlungsspuren im Gemeindegebiet belegt. Aus der Hallstattepoche gibt es einen Grabhügel. Auf dem Gebiet der heutigen Teilorte Rain und Kickach gab es römische Landgüter.

Die Siedlung Baienfurt ist wahrscheinlich im 9. Jahrhundert entstanden. Der Name Baienfurt, in frühen Dokumenten auch Baier, Beierfurt oder Paigerfurt geschrieben, geht auf eine Furt durch die Wolfegger Ach zurück. Baien wird von baie, beige (= Öffnung) abgeleitet, andere Quellen nennen eine Herkunft von Bai (= Riedgras).

Wahrscheinlich vor 1090 unter Welf IV. erhielten die Herren von Waldburg den Ort als Lehen. 1143 wird der Ort Binningen erstmals als Eigentum des Klosters Weingarten urkundlich genannt, Kickach wird 1148 erstmals urkundlich erwähnt. 1278 wurde eine Blasiuskapelle in Briach errichtet. 1525 waren Baienfurt und seine Umgebung ein Schauplatz des Deutschen Bauernkriegs. Die Truchsessen von Waldburg hatten die Herrschaft bis 1587 inne, als sie die Landeshoheit in einem Vergleich der vorderösterreichischen Landvogtei Schwaben mit Sitz im benachbarten Altdorf (heute Weingarten) übertrugen. Baienfurt wurde Kameralort der Landvogtei, Grundbesitz hatten neben der Landvogtei aber auch die Klöster Weingarten und Baindt. 1806 wurde Baienfurt mit der Landvogtei Schwaben Teil des Königreichs Württemberg (Oberamt Ravensburg, Amt Um-Altdorf).

1826 wurde der Ort zusammen mit anderen Teilen des ehemaligen Amtes Um-Altdorf und der Siedlung um das Kloster Baindt zur Gemeinde Baindt vereinigt, deren Schultheissensitz Baienfurt war. Schon 22 Jahre später hatten die stetigen Bemühungen der Baienfurter um Selbständigkeit jedoch Erfolg, als die Gemeinde am 20. September 1848 zur selbständigen Schultheißerei ernannt wurde.

Mit der Entstehung einer Papierfabrik ab 1870 wurde das bis dahin bäuerlich geprägte Dorf Industriestandort und wuchs seither stetig.

1970 bis 1977 wurde ein modernes Ortszentrum mit Rathaus, Gemeindehalle, Marktplatz und Hallenschwimmbad errichtet. Eine zunächst vorgesehene Fusionierung der Gemeinde mit Ravensburg, Weingarten und Baindt im Zuge der Gemeindereform 1975 kam wegen mangelnder Zustimmung der Bevölkerung im Schussental nicht zustande.

Bevölkerungsentwicklung

  • 1849: 800 Einwohner
  • 1999: 7200 Einwohner
  • 2004: 7247 Einwohner
  • 2005: 7293 Einwohner
  • 2007: 7198 Einwohner

Politik

Gemeinderat

Die Kommunalwahl am 13. Juni 2004 brachte folgendes Ergebnis:

  1. CDU 39,9 % (-1,2) - 7 Sitze (-1)
  2. FWG 33,8 % (+0,1) - 6 Sitze (=)
  3. GRÜNE 15,8 % (+5,1) - 3 Sitze (+1)
  4. SPD 10,5 % (-4,0) - 2 Sitze (=)
Detail vom Kardeldenkmal: Anbau von Kardeln

Wappen

Wappenbeschreibung: In Grün eine goldene (gelbe) Weberkardel.

Von 1850 bis ca. 1918 wurden in Baienfurt Kardeln (Weberdisteln) angebaut. Kardeln dienten zum Aufrauhen von Leinentuchen und wurden bei einem eigenen Kardelnmarkt in Baienfurt verkauft, der durch das Aushängen von blau-weißen Fahnen angekündigt wurde. Der Kardel wurde im Juli 2000 auf dem Platz vor der evangelischen Kirche ein bronzenes Denkmal gesetzt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kunst, Musik, Theater

  • Im denkmalgeschützten Speidlerhaus von 1673 veranstaltet der Kulturverein Manufaktur seit 1997 Konzerte, Theateraufführungen, Kleinkunstveranstaltungen und Ausstellungen.

Bauwerke

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
  • Die Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Marienkirche) wurde 1925-1927 von Otto Linder erbaut. Der Stahlbetonbau mit charakteristischem Parabelgewölbe ist nicht zuletzt durch die gut erhaltene, von dunkelblauen Tönen geprägte stimmungsvolle Ausmalung von Alois Schenk ein einzigartiges Beispiel der Kirchenbaukunst des Expressionismus der 1920er Jahre. Der Turm wurde erst 1953 vollendet.

Regelmäßige Veranstaltungen

„Kardelhannes“ der Narrenzunft Henkerhaus
  • Die Begeisterung der Baienfurter für die schwäbisch-alemannische Fasnet seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist wohl von den nahen Fasnetshochburgen Bad Waldsee und Weingarten beeinflusst. Am Fasnetssamstag findet in Baienfurt ein Narrensprung statt. Die Blumen- und Vogelmasken der 1936 begründeten Baienfurter Narrenzunft „Henkerhaus“ wurden nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffen. Zum 60jährigen Zunftjubiläum 1996 entstand mit dem „Kardelhannes“ eine weitere geschichtsbezogene Fasnetfigur. Seit 2004 ist sie Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte. Die Zunft wurde nach dem historischen Henkerhaus der Reichsabtei Weingarten benannt. Als die Landvogtei Schwaben die Hohe Gerichtsbarkeit über Baienfurt im späten 17. Jahrhundert gegen ein Darlehen für zwanzig Jahre an den Weingartener Abt verpfändete, erbaute dieser einen Galgen und ein großzügiges Wohnhaus für den Henker. Schon 1705 zog der Henker wieder in die Siedlung Altdorf unterhalb des Klosters Weingarten, und in das Henkerhaus zogen Klosterknechte ein - daher heißt der Standort heute noch „Knechtehaus“. Das Haus selbst fiel 1972 einem Brand zum Opfer.
  • Der Weingartener Blutritt am Tag nach Christi Himmelfahrt, eine Reiterprozession mit knapp 3000 Pferden, führt auch durch Baienfurt.
  • Marktplatzfest, jährlich im Juli

Wirtschaft und Infrastruktur

Neben wenigen landwirtschaftliche Betrieben (mit Dauergrünland, Ackerland und Obstbau) und Forstwirtschaft (etwa 20 % der Gemeindefläche sind Waldgebiet) ist der Ort weitgehend von Industrie, Handwerk und Handel geprägt.

Schon im 13. Jahrhundert wurden an der Wolfegger Aach drei Mühlen betrieben. Im 19. Jahrhundert war der Fluss Grundlage für die Entstehung einer Papierfabrik (1870–1873). Sie gehörte ab 1968 zum Feldmühle-Konzern und heute seit 1990 zur finnisch-schwedischen Stora Enso-Gruppe. Zum Jahresende 2008 will der Konzern das Werk Baienfurt komplett schließen.[2]

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden außerdem eine Zigarrenfabrik und eine Eisen- und Metallgießerei.

Verkehr

Bahnhof Niederbiegen

Bildung

In Baienfurt gibt es mit der Achtalschule eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Für die jüngsten Einwohner bestehen zwei gemeindliche, zwei römisch-katholische und ein evangelischer Kindergarten. Außerdem gibt es im Ort eine Außenstelle der Volkshochschule Ravensburg-Weingarten.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • 1932, 25. Januar, Max Gögler, deutscher Politiker (CDU), Regierungspräsident in Tübingen.
  • 1939, 14. Januar, Karl Dodrimont, deutscher Ringer, Bronzemedaillengewinner bei der Freistil-WM 1965 im Bantamgewicht.

Literatur

  • Baienfurt St. Maria. Kunstführer Nr. 1427. Schnell und Steiner, München 1983
  • Baienfurt. Bilder aus vergangenen Tagen. Geiger, Horb 1986 ISBN 3-924932-84-0
  • Baienfurt. Im Wandel der Zeit. Geiger, Horb 1989 ISBN 3-89264-336-9
  • Siegfried Diercks: Hinterlassene Spuren. Begegnung mit tausend Jahren Baienfurter Geschichte. 900 Jahre Köpfingen. Festschrift zum Jubiläum. Gemeinde Baienfurt, Baienfurt 1994
  • Johann Daniel Georg von Memminger: Gemeinde Baindt. In: Beschreibung des Oberamts Ravensburg. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1836 (Volltext bei Wikisource)

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsstand
  2. Schwäbische Zeitung, Lokalausgabe Ravensburg, 11. September 2008

Weblinks


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