Bint ʿamm

Die bint ʿamm (arabisch ‏بنت عم‎, „Tochter des Vaterbruders“) ist die klassifikatorische patrilaterale Parallelkusine, die eine besondere Rolle im traditionellen Heiratsverhalten semitischer und muslimischer Bevölkerungen spielt, da sie als die ideale Braut gilt.

Die bint ʿamm ist entweder die Tochter des Bruders des Vaters eines Mannes, oder die Tochter eines anderen männlichen Verwandten dieses Mannes, dessen Verwandtschaft nur über männliche Verwandte läuft, d. h. in der Praxis die Tochter eines Mannes aus der gleichen Großfamilie (hamula) wie der Bräutigam, die jedoch nicht dessen Schwester ist.

Bereits zur Zeit der biblischen Patriarchen galt die bint ʿamm als die ideale Braut. Der biblische Isaak heiratete Rebekka ebenso wie Jakob Lea und Rachel jeweils die bint ʿamm. Beduinische Frauen und Mädchen werden inoffiziell oft verheiratet. Meistens sind die Mädchen noch sehr jung, ihr Ehemann aber schon über 50.

Dieser Brauch setzt sich bis in die Gegenwart besonders bei Beduinen, aber auch insgesamt bei arabischsprachigen und/oder muslimischen Bevölkerungen, etwa den Kurden oder türkischen Yörüken, fort. In manchen Gegenden, die diesen Brauch kennen, wird der größte Teil der möglichen Eheschließungen mit der bint ʿamm auch tatsächlich geschlossen.

Da die bint ʿamm zur Familie des Bräutigams gehört, ist kein Brautpreis, der ja an die Familie der Braut fallen würde, zu zahlen. Außerdem wird als Vorteil gesehen, dass mit der Familie der Braut, die ja die eigene ist, keine Probleme zwischen den zwei verschwägerten Familien auftreten können.

Kinder aus solchen Ehen leiden signifikant öfter an Erbkrankheiten und Behinderungen, besonders da man in diesen Kulturen oft Generation nach Generation einen Verwandten heiratet.[1][2]

Einzelnachweise

  1. Duisburgerin kämpft gegen Verwandten-Hochzeit bei Migranten, wdr.de
  2. Verwandt, verlobt, verheiratet!, zeit.de

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