Biologischer Weinbau

Der Ökologische Weinbau ist eine Form des Weinbaus, der den Schutz des Ökosystems bei der Herstellung von Wein besonders stark berücksichtigt. Er wird auch als Biologischer Weinbau oder Biologisch-organischer Weinbau (=Organisch-biologischer Weinbau) bezeichnet. Das Produkt dieser Anbaumethoden bezeichnet man als Wein aus Trauben aus biologischem bzw. ökologischem Anbau, da sich die Anbauregelung bisher nur auf die Traubenproduktion bezieht. Die Begriffe Biowein oder Ökowein sind zwar allgemein gebräuchlich, jedoch nicht ganz korrekt.

Inhaltsverzeichnis

Ziele und Methoden

Wesentliche Ziele sind die Erhaltung und Steigerung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit durch geeignete Kulturmaßnahmen und die Unterlassung aller Maßnahmen, wie die Anwendung chemisch synthetisierter Dünger, die diesem Ziel widersprechen.

Dabei werden möglichst gesunde, widerstandsfähige Rebstöcke ohne Einsatz von Herbiziden, chemisch-synthetischen Insektiziden und organischen Fungiziden unter Vermeidung von schädlichen Gegenregulationen aus dem Ökosystem eingesetzt. Es werden zunehmend Rebenneuzüchtungen mit erhöhten natürlichen Resistenzen wie Regent, Phoenix oder Saphira angepflanzt. Die Verwendung genmanipulierter Pflanzen (Reben, Begrünungspflanzen) ist verboten.

Eine völlige Freiheit von chemischen Mitteln ist aber praktisch nicht möglich. Pilzkrankheiten, wie Echter und Falscher Mehltau können eine ganze Ernte zerstören, Insektenbefall kann tödliche Viren verbreiten oder die Reben schädigen. Ein völliger Verzicht auf chemische Mittel birgt untragbare Risiken. So wird als Alternative zu gänzlich organischem Vorgehen die Beschränkung auf die absolut notwendigen Mittel immer populärer. Neben Pflanzenstärkungsmitteln wie Gesteinsmehle und Silikate sind auch die beiden Pflanzenschutzmittel Netzschwefel und Kupferpräparate für den Ökoweinbau zugelassen. Die meisten deutschen Verbände erlauben beispielsweise 3kg Kupferpräperate pro Hektar und Jahr. Kupfermittel sind aber sehr umstritten, da sie sich im Boden anreichern und nicht abgebaut werden. Deshalb wird hier nach Alternativen gesucht.

Ziel ist auch die Förderung und Mehrung der Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt im Ökosystem Weinberg. Dies soll erreicht werden durch Verwendung schadstoffarmer Rohstoffe und Abfälle, Wiederherstellung eines weitgehend geschlossenen Produktionskreislaufs[1]. Verwandte Weinbaumethoden sind der Biologisch-dynamische Weinbau als Teil der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.

Qualität

Die Richtlinien für umweltschonenden und biologischen Weinbau dienen in erster Linie der Schonung der Umwelt. Allein daraus zu folgern, Biowein birge Qualität ist allerdings naiv, denn Weinqualität entsteht im Weinberg nur durch entsprechende ertragsreduzierende Maßnahmen, die nichts mit den biologischen Produktionsvorschriften zu tun haben, wie z.B. Rebschnitt, grüne Lese und strenge Selektion bei der Ernte. Aber auch bei einem Wein mit Verband-Label ist nicht sofort klar, was es eigentlich genau garantiert. Denn es existieren international eine große Zahl an Verbänden mit unterschiedlichen Richtlinien und eigenem Label.

Verbände

Für Biowinzer gibt es zum einen die Möglichkeit sich nach der EU-Bioverordnung zertifizieren zu lassen. Voraussetzung hierfür ist die Kontrolle und Bestätigung der Einhaltung der ökologischen Wirtschaftsweise durch eine unabhängige Kontrollstelle, sowie die Nennung der staatl. Kontrollnummer auf dem Flaschenetikett. Zusätzlich hierzu kann eine Zertifizierung durch einen der bekannten Bio-Anbauverbände angestrebt werden, welche im Vergleich zur EU-Bioverordnung strengere Richtlinien für Anbau und Produktion vorgeben.

Hier eine Übersicht über Verbände, welche Bioweingüter als Mitglieder führen:

Geschichte

Entwickelt wurden die Konzepte des ökologischen Weinbaus in den 1960er Jahren. Ab den 1980er Jahren wurde der Bioweinanbau immer mehr von den Bioanbauverbänden und deren unterschiedliche Anbauregeln geprägt. Seit 1985 gibt es auf nationaler Ebene Richtlinien.

Seit 1991 gibt es nun EU-einheitliche Vorschriften für Biowein (EG-Öko-Verordnung 2092/91), die u. a. die Verwendung von ökologischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln regeln und die Kontrollen festlegt. In diesen Regeln sind die Vorstellungen der Bioanbauverbände weitestgehend zusammengefasst und verwirklicht. Die intensivsten Regeln gibt es bis jetzt nur für den Anbau im Weinberg. Der Weinausbau im Keller und die Vermarktung des Weines spielen dagegen eher eine untergeordnete Rolle.

Zertifizierungen werden von den Öko-Kontrollstellen durchführt. Kontrollen während des Jahres von EU-zertifizierten Instituten oder Verbänden stellen die Einhaltung der Bio-Anbauregeln sicher. Die Qualität der Produkte war zunächst nicht mit denen der herkömmlichen Erzeuger vergleichbar. Erst seit den 1990ern steigt die Qualität, ist aber immer noch schwankend.

Für die gesamtheitliche Arbeitsweise vom Weinanbau im Weinberg über den Weinausbau im Keller bis hin zur Vermarktung ausgezeichnet wurde Helmut Schätzlein als damaliger Geschäftsführer der Gebietswinzergenossenschaft Franken e.G.. Der fränkische Biowinzer und Naturheilpraktiker aus Eibelstadt bei Würzburg erhielt 1996 den Umweltpreis des B.A.U.M. e.V. aus Hamburg[2].

Weblinks

Quellen

  1. Richtlinien des Ecovin Bundesverbandes Ökologischer Weinbau e.V. zur Erzeugung von Trauben, Saft, Wein und Sekt aus ökologischem Anbau
  2. BAUM e.V.: Umweltpreis 1996

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