Biomasse
Tropischer Regenwald in Amazonien, Brasilien; Biomasse entsteht hier sowohl im Wald als auch im Gewässer
Zuckerrohr ist ein wichtiger Lieferant von Biomasse, die als Nahrung oder energetisch genutzt wird

Als Biomasse wird die gesamte Masse von Lebewesen bezeichnet. Basis für die Bildung von Biomasse ist die vor allem von Pflanzen betriebene Photosynthese, bei der Lichtenergie der Sonne absorbiert und zur Bildung von Biomasse verwendet wird (Biomasse-Primärproduktion). Zur Biomasse werden sowohl lebende Pflanzen, als auch die von ihnen abgeleitete Biomasse, wie Tiere und Mikroorganismen, als auch tote Biomasse wie Totholz, Laub, Stroh und anderes gezählt. Man bezeichnet die Bestandteile der Biomasse daher auch als nachwachsende Rohstoffe. Die aus Biomasse entstandenen fossilen Energieträger (Kohle, Erdöl und Erdgas) werden ihr nicht zugeordnet. Jährlich werden große Mengen an Biomasse produziert, von der ein kleiner Teil als Nahrung, Futtermittel oder nachwachsender Rohstoff (Nawaro) zur stofflichen Nutzung oder zur Energiebereitstellung (Bioenergie) genutzt wird.

Inhaltsverzeichnis

Typen von Biomasse

Biomasse wird nach zwei unterschiedlichen Kriterien typisiert. Das erste Kriterium ist die Herkunft: Stammt die Biomasse von Pflanzen, von Tieren oder von Mikroorganismen (einschließlich Pilzen)? Das zweite Kriterium ist die Lebendigkeit: Befindet sich die Biomasse an/in lebenden Organismen oder befindet sie sich an/in toten Organismen beziehungsweise ist sie abgestorben?

Biomassetypen nach Herkunft der Biomasse:

  • Phytomasse: Die Biomasse stammt von Pflanzen.
  • Zoomasse: Die Biomasse stammt von Tieren.
  • Mikrobielle Biomasse: Die Biomasse stammt von Mikroorganismen (einschließlich Pilzen).[1]

Biomassetypen nach Lebendigkeit der Biomasse:

  • Lebende Biomasse: Die Biomasse befindet sich an/in lebenden Organismen.
  • Tote Biomasse: Die Biomasse befindet sich an/in toten Organismen beziehungsweise ist abgestorben.

Lebende Biomasse

An der Basis der Bildung von Biomasse stehen die Primärproduzenten. Das sind Organismen, die energiearme Baustoffe der unbelebten Umwelt entnehmen und in Nährstoffe umwandeln. Die Energie, die sie für diese Umwandlung benötigen, entnehmen sie ebenfalls der unbelebten Umwelt (Autotrophie). Unbelebte Energiequellen der Autotrophie sind Licht (Photoautotrophie) und bestimmte chemische Reaktionen (Chemoautotrophie). Die meistverbreiteten, vielzelligen Primärproduzenten des Festlandes sind die photoautotrophen Landpflanzen. Die meistverbreiteten Primärproduzenten der lichtdurchfluteten Meeresbereiche sind mikroskopisch klein und gehören somit zum Phytoplankton.

Konsumenten ernähren sich von den Primärproduzenten und/oder von anderen Konsumenten. Die verzehrten Organismen oder Organismenteile werden von den Konsumenten verdaut und anschließend genutzt, um eigene Biomasse aufzubauen. Auf diese Weise wird zum Beispiel pflanzliche Biomasse umgewandelt in tierische Biomasse (→ zum Beispiel Veredelung).

Nahrungspyramide: 1000 kg Getreide pro Jahr werden von 3000 Feldmäusen in 90 kg Körpergewicht umgesetzt. Ein Mäusebussard frisst 3000 Feldmäuse pro Jahr und wiegt 1 kg. Somit wird nur ein geringer Teil der Biomasse in die nächste Trophiestufe weitergegeben.

Dabei kann nicht sämtliche verzehrte Biomasse vollständig verdaut werden. Ein gewisser Anteil wird wieder weitgehend unverdaut ausgeschieden. Zudem verwenden Konsumenten den größten Teil der verdaubaren Biomasse zur Energiebereitstellung (Katabolismus). Nur ein kleiner Teil wird in körpereigene Biomasse gewandelt (Anabolismus). Demzufolge stellen Konsumenten nur einen geringen Teil der gesamten Biomasse.

Auch abgestorbene Pflanzen, Tiere und andere Lebewesen werden als Biomasse bezeichnet. Solche Biomasse wird wiederum von Destruenten zersetzt und zum Aufbau eigener Biomasse genutzt. Destruenten führen letztlich zum weitestgehenden Abbau von Biomasse. Am Ende werden wieder jene energiearmen Baustoffe freigesetzt, aus denen die Primärproduzenten neue Biomasse aufbauen können: Der Stoffkreislauf wird geschlossen.

Tote Biomasse

Einen großen Anteil der Biomasse macht tote organ(ism)ische Substanz aus. Bei Pflanzen besteht die tote Biomasse (tote Phytomasse) aus abgestorbenen oder abgestoßenen Pflanzenteilen. Dazu zählen abgebrochene/abgerissene Blätter, Seitensprosse, Zweige und Äste. Außerdem das gefallene Laub, überzählige Pollen und Spermatozoiden, nicht gekeimte Pflanzensporen und -samen, sowie liegen gebliebene Früchte. Es können aber auch ganze Pflanzen absterben. Größere tote Äste und ganze abgestorbene Bäume werden Totholz genannt.

Bei Tieren besteht die tote Biomasse (tote Zoomasse) ebenfalls aus abgestorbenen oder abgestoßenen Körperteilen. Dazu zählen ausgefallene oder ausgerissene Haare, Federn und Schuppen. Ebenso Exuvien, Puppenhüllen, Kokonreste, Eierschalen, Eihäute-Reste und abgestoßene Plazenten. Außerdem ausgerissene und abgetrennte Körperteile (→ Autotomie) und übrig gebliebenes Sperma (bei äußerer Befruchtung → Fischmilch). Es können aber natürlich auch ganze Tiere absterben (→ Kadaver) oder nicht befruchtete Eier anfallen. Zur toten Zoomasse gehören weiterhin viele Ausscheidungen, zuvörderst die Exkremente.

Tote Biomasse wird allgemein Bestandsabfall genannt. Tote Phytomasse von Landpflanzen (ohne Totholz) heißt Streu. Streu bildet mit der Zeit auf der Erdoberfläche eine dicke Schicht (Streuschicht/Streuauflage). Die Streuschicht bettet in sich auch die tote Zoomasse.
Der Bestandsabfall, der in Gewässern anfällt, wird Detritus genannt. Neben dem Begriff der toten Biomasse existiert auch der Begriff der Nekromasse. In der fachwissenschaftlichen Literatur werden beide Begriffe allerdings nur in einigen Fällen synonym verwendet.[2] In anderen Fällen bezeichnet Nekromasse demhingegen ausschließlich tote Phytomasse.[3]

Ein Teil der toten Biomasse lagert sich in Bereichen ab, an denen Destruenten kaum existieren können. In derart destruentenarmen Bereichen herrscht meistens extreme Sauerstoffarmut (Hypoxie) und gar Sauerstofffreiheit (Anoxie). Wegen der stark eingeschränkten Destruententätigkeit können sich in jenen Bereichen allmählich umfangreiche Mengen kaum zersetzter Biomasse ansammeln. Diese kaum zersetzte Biomasse wird zum Ausgangsstoff für Fossile Energieträger. Dazu zählen Erdgas und Erdöl sowie die beiden biogenen Sedimente Kohle und Torf. Fossile Energieträger werden nicht mehr als Biomasse betrachtet. Das gleiche gilt für die übrigen biogenen Sedimente. Zwar gehen auch biogene Kalksteine, biogene Kieselgesteine und biogene Phosphorite auf bestimmte Formen toter Biomasse zurück. Dennoch werden sie ebenfalls nicht mehr zur Biomasse gezählt.

Zusammensetzung von Biomasse

Lebewesen benötigen zum Wachstum verschiedene Nährstoffe. Dieses sind Verbindungen, die aus verschiedenen Elementen bestehen. In größerer Menge benötigte Elemente werden als Hauptnährelement (Makroelement), in geringer Menge benötigte Elemente als Spurenelement (Mikroelement) bezeichnet. In der Pflanzenernährung stellen Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel, Phosphor, Kalium, Calcium und Magnesium die Hauptelemente dar. Spurenelemente sind Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Chlor, Bor, Molybdän und andere. Aus diesen mit den Nährstoffen zugeführten Elementen werden durch den pflanzlichen Stoffwechsel zahlreiche verschiedene Verbindungen synthetisiert. Die quantitativ wichtigsten Verbindungen lassen sich zu drei Verbindungsklassen zusammenfassen:

Daneben finden sich noch viele weiter Verbindungen in Biomasse, wie Lignin, Nukleotide und anderes.

Den größten Teil der Biomasse machen lebende bzw. abgestorbene Pflanzen aus. Lebende Pflanzen bestehen vor allem aus Kohlenhydraten wie Cellulose. Mehrjährige Pflanzen bilden Holz, das vor allem aus Lignocellulose, einer Verknüpfung von Lignin und Cellulose, besteht. Nach dem Absterben von Pflanzen werden leicht abbaubare Verbindungen wie Proteine, Fette und Mono- und Oligosaccharide meist schnell abgebaut. Schwer bis sehr schwer abbaubare Verbindungen wie Cellulose und Lignocellulose überdauern deutlich länger. Im Falle von Lignin ist dies auf den hohen Anteil an Benzol-Ringen in der chemischen Struktur zurückzuführen[4].

Menge

Abhängig von den Faktoren, die berücksichtigt werden, ergeben sich unterschiedliche Biomassepotentiale.
(siehe auch Artikel Biomassepotenzial)
(zum Potenzial von Bioenergie siehe auch Artikel Bioenergie)

Die Gesamtmasse aller Lebewesen soll 1800·109 t, die der tierischen Lebewesen 2,2·109 t und die des Menschen 0,4·109 t betragen.[5]

Die Gesamtmenge der Biomasse auf der Erde ist jedoch schwer abzuschätzen. In der Literatur finden sich unterschiedliche und zum Teil sehr widersprüchliche Angaben. Uneinigkeit besteht vor allem in drei zentralen Angaben:

  • Die Menge an Biomasse, die global derzeit existiert.
  • Die Menge an Biomasse, die global jährlich neu produziert wird.
  • Die Anteile an Biomasse, die global jährlich neu einerseits von terrestrischen und andererseits von marinen Organismen produziert werden.

Mengen an Biomasse werden häufig angegeben in Gigatonnen (109 t) Kohlenstoff. Es geht also darum abzuschätzen, wie viel Kohlenstoff in Biomasse gespeichert vorliegt. Und es geht darum abzuschätzen, wie viel anorganischer Kohlenstoff (in Kohlendioxid und Hydrogencarbonat) jährlich der unbelebten Umwelt entnommen und von den Lebewesen in Biomasse neu eingebaut wird.

Die Gesamtmasse des Kohlenstoffs in lebenden Organismen wird einmal auf 280·109 t, die Masse des Kohlenstoffs in der gesamten Biomasse auf 5600·109 t geschätzt.[6]

Die jährlich durch Photosynthese erzeugte Biomasse wird laut anderer Quellen mit 150·109 t[7], 170·109 t[8] oder 173·109 Tonnen angegeben. Bei der letztgenannten Schätzung werden 118·109 t im Festlandbereich und 55·109 t im marinen Bereich angenommen. Andere Wissenschaftler meinen, dass mehr als 99 Prozent der gesamten pflanzlichen Biomasse von Landpflanzen erarbeitet wird.[9] Eine weitere Schätzung geht davon aus, dass ungefähr der Hälfte der weltweiten jährlichen Primärproduktion von marinen Algen durchgeführt wird und dass dabei rund 50·109 t Kohlenstoff gebunden werden.[10] Die Menge der marin erzeugten Biomasse könnte aber auch um mehr als das Zehnfache höher liegen.[11]

Die Schätzungen geraten natürlich umso genauer, je einfacher die untersuchten Ökosysteme für Menschen erreichbar sind (Beispiel Wald). Biomasse-Umfang und Biomasse-Produktion von nur schwerlich untersuchbaren Bereichen der Ökosphäre (Beispiel Tiefsee) sind darum vergleichsweise schwieriger abzuschätzen. Und bisher kaum abzuschätzen sind Biomasse-Umfang und Biomasse-Produktion rein mikrobieller und schwer zugänglicher Ökosysteme. So soll tatsächlich ein erheblicher Anteil der gesamten irdischen Biomasse – bisher fast gänzlich umbemerkt – in die Zellen von Archaeen und Bakterien vorliegen, die tiefe Ozeansedimente bewohnen.[12]

Es wird geschätzt, dass sich global jährlich 45-50·109 t Kohlenstoff des Kohlendioxids in Phytoplankton binden.[13] In den Weltmeeren sinkt das abgestorbene Phytoplankton auf den Meeresgrund. Es nimmt dabei etwa 15 % oder 8·109 t des zuvor in Oberflächennähe assimilierten Kohlenstoffs mit in die Tiefe. Andere Wissenschaftler schätzen die Menge der jährlich marin gebildeten Biomasse auf ungefähr 530·109 t. Sie gehen also von einem mehr als zehnmal höheren Wert aus. Von diesen 530 Gigatonnen sinken zirka drei Prozent oder 16 ·109 t als Meeresschnee hinab in sonnenferne Meeresbereiche. In der lichtlosen Tiefe wird dieser Bastandsabfall zur Grundlage eigener Ökosysteme.[14] Aus abgestorbener Biomasse, die in der Tiefsee unter hohem Druck steht, kann nach vielen Jahrtausenden schließlich Erdöl oder Erdgas entstehen.

Wenn das Phytoplankton der Meere nicht derart viel Kohlendioxid zu Biomasse umwandeln würde, läge die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre vermutlich statt bei 365 ppm bei 565 ppm.[15]

Die jährliche Bio-Trockenmasse-Produktion wird auf 120 bis 164·109 t geschätzt.[16][17] Die Biomasseproduktion auf den weltweit 40 Millionen km² Waldfläche soll 170·109 t betragen.[18] Das Volumen der landwirtschaftlichen Abfälle wird auf 10 bis 14 km³ geschätzt.[19] Das sind jährlich durchschnittlich 42,5 t neuer Biomasse pro ha. In naturbelassenen Wäldern steht dieser Produktion ein Abbau von Biomasse (Totholz, Laub etc.) in ähnlicher Dimension gegenüber, so dass netto keine Zu- oder Abnahme erfolgt. Die jährlich allein in den Wäldern produzierte Biomasse enthält das 25-fache der Energie des jährlich geförderten Erdöls.[20]

Eine durchschnittliche 80-jährige Buche hat etwa eine Höhe von 25 Meter und besitzt eine Trockenmasse von 12 Tonnen Holz. In ihr sind etwa 6 Tonnen Kohlenstoff oder 22 Tonnen Kohlendioxid gebunden. Die Energiemenge des Holzes dieser Buche entspricht etwa 6000 Liter Heizöl. Eine lebende Buche erzeugt den Sauerstoffbedarf für 10 Menschen.

Aus technischen, ökonomischen, ökologische und anderen Gründen ist nur ein Teil der Biomasse für die Nutzung durch den Menschen erschließbar, so dass ihr potentieller Beitrag zur Energieversorgung begrenzt ist.

Die Energie der jährlich erzeugten pflanzlichen Nahrungsmittel für die Erdbevölkerung entspricht etwa 20 Exajoule. Reste der Nahrungsmittelproduktion (Reis, Weizen, Mais, Zuckerrohr), die für den menschlichen Organismus nicht verwertbar sind wie Stängel, Hülsen usw. mit einem theoretisch gewinnbaren Energieinhalt von ca. 65 Exajoule werden derzeit einfach verbrannt. Die verbrannte Biomasse aus Resten der Nahrungsmittelproduktion beträgt jährlich etwa 2 Gigatonnen. Mindestens 38 Exajoule wären energetisch jährlich nutzbar.[21]

Das theoretisch nutzbare Biomassepotenzial der Erde entspricht einem Energieinhalt von 2000–2900 Exajoule der Landmasse und etwa 1000 Exajoule in Gewässern und Meeren. Technisch könnte man jährlich ca. 1200 Exajoule nutzen.[21] Manche technisch möglichen Nutzungen haben jedoch bei ökonomischen Belangen Grenzen. Ökonomisch nutzbar nach Abwägung der Kosten wären nur ca. 800 Exajoule im Jahr. Der weltweite Verbrauch an Primärenergie (Erdöl, Erdgas, Kohle, Atomenergie, erneuerbarer Energie) betrug im Jahre 2004 etwa 463 Exajoule.[22]

Biomassenutzung

→ (siehe auch Artikel Bioenergie)

Biomasse hat eine wichtige Funktion als Lebens- und Futtermittel, Rohstoff (Nachwachsender Rohstoff - abgekürzt Nawaro) und Energieträger (so genannte Bioenergien wie Brennholz, Biokraftstoff etc.). Aber auch vom Menschen nicht genutzte Biomasse hat eine wichtige Funktion in Ökosystemen, z.B. als Nährstoff oder Lebensraum für verschiedenste Lebewesen. Darüber hinaus sind große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in Biomasse gespeichert, so dass sie eine bedeutende Rolle für das Klima spielt. Der Mensch nutzt derzeit einen beträchtlichen Teil der weltweit verfügbaren Biomasse.

Vorteile

  • Die Nutzung von Nawaros kann der Schonung von Rohstoffressourcen, wie z.B. Erdöl, dienen. Bei regionaler Bereitstellung der Nawaros kann die politische und ökonomische Abhängigkeit z.B. von Staaten mit großen Erdölvorkommen, sinken.
  • Erneuerbare Energien aus Nawaros ermöglichen eine CO2-neutrale bzw. eine CO2-ärmere Energieerzeugung. (siehe Artikel Bioenergie und Biokraftstoff)

Nachteile

  • Bei Ausweitung der Biomassenutzung auf bislang ungenutzte Naturflächen (z.B. Rodung von Wäldern) können Ökosysteme zerstört und die Biodiversität gefährdet werden. Vor allem bei der Brandrodung werden außerdem große Mengen CO2 freigesetzt.
  • Die zunehmende energetische und stoffliche Nutzung kann zur Flächenkonkurrenz gegenüber der Nahrungsmittelproduktion führen. (siehe Artikel Flächenkonkurrenz, Bioenergie und Biokraftstoff)
  • Bei der landwirtschaftlichen Biomasseerzeugung werden Düngemittel (Stickstoff-, Phosphor-, Kalidünger etc.) eingesetzt, die zu Treibhausgasemissionen (Lachgas aus Stickstoffdünger), Nitrat-Eintrag (NO3-) ins Grundwasser, Nährstoffeintrag in Oberflächengewässer (Eutrophierung) etc. führt. Durch Pestizideinsatz können Umwelt- und Gesundheitsschäden entstehen.
  • Durch die Ausweitung der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen werden Wasserressourcen genutzt, die ökologisch wichtig sind oder andernorts die Trinkwasserversorgung sicherstellen.[23]
  • Die Verbrennung fester Biomasse (z.B. Holz) ist ohne zusätzliche Maßnahmen mit höheren Schadstoffemissionen (Kohlenmonoxid, Ruß, PAK) verbunden als bei Öl oder Gas.[24]

Biomassenutzung in Deutschland

→ (siehe auch Artikel Bioenergie)

Der größte Teil der in Deutschland genutzten Biomasse dient der Erzeugung von Lebensmitteln und Futtermitteln, als Nawaro zur stofflichen Nutzung (Nutzholz, Stärke etc.) oder der klassischen energetischen Verwendung in Form von Brennholz. Eine rechtliche Definition von Biomasse enthält die Biomasseverordnung (BiomasseV).

Seit mehreren Jahren findet eine deutliche Zunahme der Biomassenutzung statt. Hauptgrund ist die zunehmende energetische Verwendung (Bioenergie). Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird u.a. der Einsatz von Biomasse zur Stromerzeugung gefördert, wie beispielsweise die Verbrennung von Holz in Biomasseheizwerken bzw. Biomasseheizkraftwerken, oder die Vergärung von Gülle und Silage aus Energiepflanzen in Biogasanlagen und anschließende Verstromung des Biogases.

Biokraftstoffe werden durch reduzierte Steuersätze (Energiesteuergesetz) und Beimischungsquoten (Biokraftstoffquotengesetz) staatlich unterstützt, da sie fossile Rohstoffe schonen, das Klima weniger belasten und die Importabhängigkeit reduzieren.

Der nachhaltige Anbau (d.h. die Beachtung ökologischer und sozialer Kriterien) wird durch die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV) sichergestellt: Hersteller von Bioenergie oder Biokraftstoffen müssen nachweisen, dass die Produkte umwelt-, klima- und naturschonend hergestellt wurden. Der Nachweis erfolgt im Rahmen einer Zertifizierung durch akkreditierte Zertifizierungsstellen wie zum Beispiel Bureau Veritas oder den Technischen Überwachungs-Verein. Damit werden ökologische Schäden, wie z.B. die energetische Nutzung von Palmöl aus abgeholzten Regenwaldgebieten, vermieden.

Die Wärmeerzeugung aus Bioenergie wird durch das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) gefördert, v.a. die Nutzung von Biomasse für Pelletheizungen und Hackschnitzelheizungen.

Die Nutzung von Holz und Stroh zu Heizzwecken in Deutschland steigerte sich zwischen 1995 bis 2006 von 124 Petajoule auf 334 Petajoule. Die Herstellung von Biodiesel erhöhte sich von 2 Petajoule im Jahr 1995 auf 163 Petajoule im Jahr 2006. Die Biogasproduktion nahm von 14 Petajoule im Jahr 1995 auf 66 Petajoule im Jahr 2006 zu.[25] Zum Vergleich: Der gesamte Mineralölverbrauch in Deutschland betrug 5179 Petajoule im Jahr 2006. Bei der Stromerzeugung steigerte sich der Anteil aus Biomasse und biogenem Abfall von 670 GWh bzw. 1.350 GWh im Jahr 1995 auf 14.988 GWh bzw. 3.600 GWh im Jahr 2006. Die Stromerzeugung aus Biomasse entsprach im Jahr 2006 etwa der Stromerzeugung aus Wasserkraft.[25]

Siehe auch

Literatur

  • Nachhaltige Bioenergie: Stand und Ausblick – Zusammenfassender Endbericht zum Vorhaben "Entwicklung von Strategien und Nachhaltigkeitsstandards zur Zertifizierung von Biomasse für den internationalen Handel" von Öko-Institut/IFEU, i.A. des Umweltbundesamts. Darmstadt/Heidelberg 2010. (PDF-Datei; 343 kB)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gisi U: Bodenökologie. Stuttgart·New York, 1997 ISBN 3-13-747202-4 zitiert nach Skorupski R: Bestimmung der mikrobiellen Biomasse mit Bodenatmungskurven. Berlin, 2003: 9 pdf
  2. Gisi U: Bodenökologie. Stuttgart·New York, 1997 ISBN 3-13-747202-4 zitiert nach Skorupski R: Bestimmung der mikrobiellen Biomasse mit Bodenatmungskurven. Berlin, 2003: 9 pdf
  3. Schaefer M: Wörterbuch der Ökologie. Heidelberg·Berlin, 2003 ISBN 3-8274-0167-4: 263
  4. Electricity from wood through the combination of gasification and solid oxide fuel cells, Ph.D. Thesis by Florian Nagel, Swiss Federal Institute of Technology Zurich, 2008
  5. http://www.brefeld.homepage.t-online.de/leben-auf-der-erde.html Das Leben auf der Erde und seine Masse
  6. http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d54/54d.htm
  7. http://www.enviam.de/welt/energie_und_wissen/energie_erzeugung/biomasse_ursprung.html
  8. http://gw.eduhi.at/thema/energie/biomass/biomass.htm
  9. Sonnewald U: Physiologie. In: Strasburger Lehrbuch der Botanik. Heidelberg, 2008: 274 ISBN 978-3-8274-1455-7
  10. Probst W: Algen - allgegenwärtig und vielseitig nutzbar. In: Unterricht Biologie 365 (2011): 6
  11. McClain CR: Üppige Vielfalt trotz Nahrungsmangel. In: Spektrum der Wissenschaft 11 (2011): 68
  12. Fischer JP, Ferdelman TG: Vierzig Tage in der Wasserwüste. In: Spektrum der Wissenschaft 03 (2010): 16-18
  13. Probst W: Algen - allgegenwärtig und vielseitig nutzbar. In: Unterricht Biologie 365 (2011): 6
  14. McClain CR: Üppige Vielfalt trotz Nahrungsmangel. In: Spektrum der Wissenschaft 11 (2011): 68
  15. Paul G. Falkowski: Der unsichtbare Wald im Meer, Spektrum der Wissenschaften, Heft 6/2003, S. 56 ff.
  16. http://www.vdi-nachrichten.com/vdi-nachrichten/aktuelle_ausgabe/article.asp?cat=1&id=3250&source=archiv
  17. http://www.uni-potsdam.de/u/zfu/ub/vc/3_4_funktionen.htm
  18. http://www.bine.info/hauptnavigation/publikationen/publikation/holz-energie-aus-biomasse/
  19. Deutschlandfunk / Forschung aktuell vom 8. Nov. 2009
  20. Craig Morris: Zukunftsenergie – Die Wende zum nachhaltigen Energiesystem, Heise Zeitschriften Verlag GmbH & Co. KG, Hannover 2006, S. 39 ff
  21. a b Landolt-Börnstein, New Series VIII 3C, 5. Biomass, S. 334 ff
  22. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Energiedaten, Tab. 31, Primärenergieverbrauch nach Ländern und Regionen
  23. "Wenn die Flüsse versiegen", Fred Pearce, Verlag Antje Kunstmann, 1. Auflage 2007
  24. "Feinstaubentwicklung:CO2-neutrales Heizen mit Haken", VDI-Nachrichten vom 26. März 2010, S. 18
  25. a b Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Energiedaten, Tab. 20, Erneuerbare Energien

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