Bipolam
Strukturformel
Allgemeines
Freiname Lamotrigin
Andere Namen

3,5-Diamino-6-(2,3-dichlorphenyl)- 1,2,4-triazin

Summenformel C9H7Cl2N5
CAS-Nummer 84057-84-1
PubChem 3878
ATC-Code

N03AX09

DrugBank DB00555
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antikonvulsivum

Wirkmechanismus

Natrium- und Calciumkanal-Blocker

Fertigpräparate
  • Bipolam®
  • Elmendos®
  • Lamapol®
  • Lamictal®
Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 256,091 g/mol
Schmelzpunkt

216–218 °C

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung [1]

T
Giftig
R- und S-Sätze R: 25
S: 45
Bitte beachten Sie die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
LD50

205 mg/kg (Ratte, peroral) [2]

WGK 3 (stark wassergefährdend) [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Lamotrigin ist ein seit 1993 zugelassener Arzneistoff aus der Gruppe der Antiepileptika, der für Patienten ab 12 Jahren geeignet ist. Neben der Therapie von Epilepsie wird es auch bei affektiven Störungen eingesetzt. Entwickelt und erstvertrieben wurde Lamotrigin von GlaxoSmithKline. Seit Juni 2005 ist es als Generikum erhältlich.

Inhaltsverzeichnis

Pharmakologie

Pharmakodynamik (Wirkmechanismus)

Lamotrigin blockiert Natrium- und spannungsabhängige Calciumkanäle der Nervenzellen und verhindert die Freisetzung der erregenden Neurotransmitter Aspartat und Glutamat. So können sich Reize nur noch vermindert von einer Nervenzelle zu einer anderen ausbreiten.

Einsatzgebiete

In der Epilepsiebehandlung führt es bei 40–60 % zur einer Anfallsfreiheit. Allerdings zeigen Erfahrungen, dass die Wirksamkeit bei Myoklonien herabgesetzt sein kann.

Neben der Epilepsiebehandlung wird es vor allem zur Prophylaxe von rezidivierenden Depressionen und von depressiven Zuständen bei einer bipolaren Störung eingesetzt. Dieser Effekt ist auch in kontrollierten Studien gut belegt. Bei der Behandlung von Manien zeigt es dagegen eher geringe Effekte. Lamotrigin wirkt stimmungsstabilisierend („mood-stabilizer“) und reiht sich damit bei den Phasenprophylaktika ein.

Zudem wurde in einer Studie von Schlaganfallpatienten bei 30 % der Beteiligten eine Minderung der Schmerzen beobachtet. Ebenfalls wird eine gute Wirksamkeit bei HIV-assoziierter Polyneuropathie beschrieben.

In jüngerer Zeit wird das Mittel von Neurologen auch gegen Migräne eingesetzt - allerdings nicht gegen die Kopfschmerzen, sondern in Fällen, in denen die Aura (neurologische Ausfälle, Lähmungserscheinungen, Gesichtsfeldausfälle aufgrund der Migräne) im Vordergrund steht.

Verträglichkeit, bekannte Nebenwirkungen

Lamotrigin ist in der Regel gut verträglich. In Folge von zu schneller Aufdosierung kann es aber zu gefährlichen Haut- und Schleimhautreaktionen (Exanthem, exfoliative Dermatitis, Stevens-Johnson-Syndrom) kommen.

In seltenen Fällen sind als Nebenwirkungen Doppelbilder, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Übelkeit, Störungen im Bewegungsablauf (Ataxie), Muskelzittern (Tremor), Lyell-Syndrom (Syndrom der verbrühten Haut), Agranulozytose, Schlafstörungen oder gar Verhaltensstörungen beschrieben.

In 3 % der Fälle kann es zu einer paradoxen Anfallshäufung kommen (Rebound-Anfälle).

Eine Leberschädigung zu Beginn der Behandlung kann nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollte gerade zu Beginn der medikamentösen Therapie die Leberfunktion überwacht werden.

Sollten nach acht Behandlungswochen keine der Nebenwirkungen aufgetreten sein, kann davon ausgegangen werden, dass das Medikament vertragen wird. Ausgenommen bei Umstellung von einem anderen Medikament, Paralleleinnahme von anderen Medikamenten und leichteren Symptomen kurz nach einer Aufdosierung.

Für Schwangere scheint dieser Wirkstoff geeignet zu sein. Insbesondere bei Einnahme in der Frühschwangerschaft wurde keine erhöhte Teratogenität gefunden, was einen Vorteil gegenüber anderen Antiepileptika wie Carbamazepin oder Valproinsäure darstellt.[3]

Wechselwirkungen

Das Schmerzmittel Paracetamol kann den Lamotrigin-Abbau im Körper erhöhen. Als Alternative bieten sich hier Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen an.

Auch eine Malaria-Therapie bzw. Prophylaxe kann zur Minderung der Wirksamkeit des Lamotrigins oder des Anti-Malaria-Wirkstoffes führen.

Bei einer Therapie mit Lamotrigin und anderen Antiepileptika kann es zu vermehrten Nebenwirkungen kommen. Bei einer Carbamazepintherapie wird Lamotrigin schneller abgebaut, da Carbamazepin ein Enzyminduktor ist. Es muss daher mehr Substanz genommen werden.Ebenso verhält es sich bei Medikamenten mit den Wirkstoffen Phenytoin, Phenobarbital und Primidon. Bei einer Valproinsäuretherapie (Inhibitor) wird Lamotrigin langsamer abgebaut. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, muss Lamotrigin in Kombination mit Valproinsäure viel langsamer aufdosiert werden.

Die Lamotriginkonzentration im Plasma wird durch die Einnahme der Antibabypille gestört. Die Einnahme der Pille reduziert den Lamotrigin-Spiegel um bis zu 50 %. Es können vermehrt Anfälle auftreten. Absetzen der Pille führt zu einem Spiegelanstieg, so dass die Nebenwirkungsrate steigt. Lamotrigin kann umgekehrt eventuell auch die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel stören, da das Gestagen Levonorgestrel schneller abgebaut wird. Daher sollten die Patientinnen angehalten werden, über Veränderungen in ihrem Menstruationsmuster, d.h. Durchbruchblutungen, sofort zu berichten. Für andere Gestagene liegen keine Daten vor.[4]

Dosierung

Bei Erwachsenen wird die Dosis einschleichend alle 14 Tage um 25 mg erhöht, bis schließlich eine Tagesdosis von 100 mg bis 400 mg (in seltenen Fällen bis zu 700 mg) erreicht wird. Die Einnahme erfolgt dabei entweder einmal täglich oder in zwei Dosen über den Tag verteilt. Besonders vorsichtig sollte die Dosis bei gleichzeitiger Einnahme von Valproinsäure vorgenommen werden. (siehe Wechselwirkungen). Die Erhaltungsdosis liegt üblicherweise bei 100 bis 200 mg.

Erhältlich sind Tabletten mit 25 mg, 50 mg, 100 mg und 200 mg sowie Verpackungsgrößen von 50, 100 und 200 Tabletten.

Einzelnachweise

  1. a b Datenblatt für Lamotrigine ≥98%, powder – Sigma-Aldrich 21. Juli 2008
  2. Lamotrigin bei ChemIDplus
  3. http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/gynaekologie/?sid=311282 Verwendung während der Schwangerschaft
  4. Fachinformation des Arzneimittel-Kompendium der Schweiz: Lamotrigin Sandoz®; Juli 2006

Literatur

  • Brunnhuber, S., Frauenknecht, S. & Lieb, K. (2005). Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer: München. ISBN 3-437-42131-X

Weblinks

Gesundheitshinweis
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