Bischleben-Stedten
Bischleben-Stedten
Landeshauptstadt Erfurt
Koordinaten: 50° 56′ N, 10° 59′ O50.932510.984722222222210Koordinaten: 50° 55′ 57″ N, 10° 59′ 5″ O
Höhe: 210–233 m ü. NN
Fläche: 6,61 km²
Einwohner: 1.676 (31. Dez. 2010)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Eingemeindet nach: Erfurt
Postleitzahl: 99094
Vorwahl: 0361
Karte

Lage von Bischleben-Stedten in Erfurt

Bischleben-Stedten ist ein Erfurter Ortsteil in Thüringen.

Bischleben liegt an der Gera zwischen Hochheim im Norden und Stedten im Süden. Das Stadtzentrum Erfurts liegt etwa fünf Kilometer nordöstlich von Bischleben. Östlich des Ortes liegt der Steigerwald.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bischleben wurde 874 als Busileba erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1298 war der Ort Sitz der Herren von Bischofsleben. 1333 kam der Ort an die Grafen von Gleichen, 1385 an Gleichen-Tonna, 1403 bis 1423 pfandweise an Erfurt, 1426 wieder an die Grafen von Gleichen und 1444 an die Herzöge von Sachsen. Unter sächsischer Oberhoheit behielten die Grafen von Gleichen das Dorf und verliehen es weiterhin.[2] Dem Herzogtum Sachsen-Gotha gehörte das Dorf bis 1920. Danach zählte es zum Landkreis Gotha und gehörte zu Thüringen, während das nur fünf Kilometer entfernt liegende Erfurt zu Preußen (Provinz Sachsen) gehörte. 1626 gab es in Bischleben eine schwere Pestepidemie, die fast 100 Einwohner tötete.

1847 erhielt Bischleben einen Eisenbahnanschluss an der Bahnstrecke Berlin-Erfurt-Frankfurt am Main, die heute dreigleisig ausgebaut ist und von ICEs auf dieser Relation befahren wird. Die Bahnstrecke bescherte dem Ort im 19. Jahrhundert einen großen Aufschwung. Allerdings ereignete sich in Bischleben auf jener Bahnstrecke am 11. Juni 1981 das schwerste Zugunglück Thüringens in Friedenszeiten, eine Folge maroder Gleise.[3] Dabei fuhr der Interzonenzug 1453 von Düsseldorf nach Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) mit -erlaubten- 120 km/h auf eine durch zu große Sonneneinstrahlung entstandene Gleisverwerfung im Bahnhof auf und entgleiste trotz Schnellbremsung. Dabei starben 14 Menschen, 93 wurden zum Teil schwer verletzt. Ein weiteres Unglück hatte sich bei Bischleben am 10. Mai 1945 ereignet, als im Bahnhof ein amerikanischer Munitionszug explodierte. Dabei starben zwei Menschen, und es kam zu erheblichen Schäden an Gebäuden in Bahnhofsnähe. Eine größere Katastrophe wurde nur durch die Geistesgegenwart des Eisenbahners Werner Kühne verhindert, der unter Lebensgefahr einen Teil der Waggons entkoppelte.[4]

1994 hatte die Gera ein großes Osterhochwasser, bei dem am Pegel im nahen Möbisburg ein Stand von 4,18 Meter gemessen wurde. Das Hochwasser richtete im Dorf erhebliche Schäden an.

Auf dem Kirchhof von Bischleben finden sich drei Gedenksteine "Zum Gedenken der Opfer des 2. Weltkrieges 1939 - 1945" mit etwa 110 Namen.

Bischleben ist der Geburtsort des deutschen Malers und Graphikers Uwe Bremer (geb. 1940).

Stedten

Einzelnachweise

  1. Stadt Erfurt: Daten und Fakten 2011 (abgerufen am 22. April 2011)
  2. Prof. Dr. P. Lehfeldt: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Heft VIII. Herzogthum Sachsen-Coburg und Gotha, Jena, 1891, S. 7
  3. Jan Eik und Klaus Behling: "Verschlusssache. Die größten Geheimnisse der DDR". Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2008. ISBN 978-3-360-01944-8. S.200
  4. Jubiläumsschrift "100 Jahre Reichsbahndirektion Erfurt 1882-1982". Zitiert nach Helmut Wolf: "Erfurt im Luftkrieg 1939-1945". Schriften des Vereins für Geschichte und Altertumskunde von Erfurt e.V., Glaux-Verlag Jena 2005. ISBN 3-931743-89-6. S. 252

Weblinks

 Commons: Bischleben-Stedten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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