Bismarckarchipel
Karte des Bismarck-Archipels
Karte aus dem Deutschen Koloniallexikon von 1920: die deutschen Besitzungen (1885 - 1918) im Stillen Ozean
Ansicht Bismarck-Archipel von Rudolf Hellgrewe zur Kolonialzeit

Der Bismarck-Archipel (früher auch: Neubritannien-Archipel) liegt im westlichen Pazifik und gehört heute zum Staat Papua-Neuguinea.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Archipel besteht aus mehreren Inseln, die geografisch Melanesien zugeordnet sind. Der Archipel umfasst 4 Provinzen mit den wichtigsten Inseln

East New Britain Province 15.320 km²
Neubritannien (früher Neupommern), Hauptinsel, mit der Gazelle-Halbinsel
Duke-of-York-Inseln (früher Neulauenburg)
Manus Province 2.102 km²
Manus, Hauptinsel
Admiralitäts-Inseln mit
Baluan-Insel
Purdy-Inseln
Rambutyo-Insel
Westliche Inseln mit
Eremiteninseln
Wuvulu-Insel
New Ireland Province 9.600 km²
Neuirland (früher Neumecklenburg), Hauptinsel
Neuhannover (New Hanover), auch Lavongai
Feni-Inseln
Lihir-Inseln
St.-Matthias-Inseln
Tabar-Inseln
Tanga-Inseln
West New Britain Province 20.487 km²
Neubritannien (früher Neupommern), Hauptinsel, mit der Gazelle-Halbinsel
Vitu-Inseln

Die Inseln sind halbkreisförmig angeordnet und liegen gegenüber der Ostküste von Neuguinea, jenseits der Dampierstraße (ca. 90 km breit). Die Hauptinseln Neubritannien und Neuirland sind durch den St.-Georgs-Kanal getrennt. Westlich befindet sich die Bismarcksee.

Die Ausdehnung ist zwischen 2° und 6°30' südliche Breite und 148° bis 155° östliche Länge.

Sie sind vulkanischen Ursprungs und gebirgig bis 1200 m, dabei aber fruchtbar mit einer Fauna wie der auf Neuguinea (jedoch beherbergen sie den Bismarck-Ringpython (Bothrochilus boa), der ausschließlich (endemisch) auf den Inseln des Bismarck-Archipels vorkommt und deshalb auch diesen deutschen Trivialnamen trägt).

Der Archipel umfasst eine Gesamtfläche von ca. 47.100 km².

Geschichte

Hochseetüchtiges Schiff aus Luf, um 1890 (Ethnologisches Museum, Berlin-Dahlem)
Tatanua-Maske aus Neuirland

Erstmals wurden die Inseln von Le Maire und Schouten gesichtet, aber erst Dampier benannte sie: Neubritannien, Neuirland, die York-Insel und Neu-Hannover.

1874 und 1875 entstanden Handelsstationen der Hamburger Handelsgesellschaft Johann Cesar Godeffroy und Sohn, die aber zwei Jahre später ruiniert waren. Daneben entstand eine Station des Hauses Hernsheim und Comp. auf Makada bei Neulauenburg.

Die 1880 gegründete Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft der Südseeinseln baute den Handel aus und erbat sich kaiserlichen Schutz. 1884 wurde von ihr eine Neuguinea-Compagnie gegründet, die einen Staat unter deutschem Schutz gründen wollte. Am 19. August 1884 sagte Otto von Bismarck seine Unterstützung zu. Im November 1884 erreichte die Kaiserliche Kriegsmarine mit den Kriegsschiffen SMS Elisabeth und SMS Hyäne das Archipel und hissten die deutsche Flagge auf Matupi, später auf Neupommern, Neulauenburg und Neuguinea. Kurz zuvor war bereits der Südosten der Insel Neuguinea (Papua) von England beansprucht worden. 1885 erhielt dann die Neuguinea-Compagnie den kaiserlichen Schutzbrief. Die Inselgruppe wurde nach Otto von Bismarck benannt.

1886 erfolgte eine Gebietsabsprache mit England, hierbei wurden auch die benachbarten Salomonen aufgeteilt.

Von 1885 bis 1918 gehörten die Inseln zum Deutschen Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea im Stillen Ozean unter dem Schutz des Ostasiengeschwaders.

Die deutsche Besatzung kapitulierte am 17. September 1914 vor einer australisch-französischen Flotte. Am 21. September 1914 erfolgte die friedliche Übergabe von Herbertshöhe.

Bevölkerung

Im Jahr 1899 wurde die melanesische Bevölkerung des Archipels auf 180 - 200.000 Einwohner geschätzt.

Handel

Die landesübliche Währung war um 1900 noch Diwarra, das Muschelgeld. Der Außenhandel neben den erwähnten Gesellschaften auch durch das Haus Forsayth (Ralum) geführt. Man führte die Naturstoffe Kopra, Baumwolle, Trepang, Perlmutter und Schildpatt aus. Der Wert betrug 1896/97 etwa 700.000 Mark.

Stationen der Europäer

Herbertshöhe (Regierungssitz auf Neu-Pommern), Mioko (Neu-Lauenburg), Matupi (Blanchebai), Ralum u.a.

Weblinks

Quellen

  • Deutsche Kolonialgesellschaft: Kleiner Deutscher Kolonialatlas, Verlag Dietrich Reimer, Berlin 1899.
  • Deutsches Kolonial-Lexikon (1920) Bd. I, S. 213 ff.
  • Karlheinz Graudenz/ Hanns-Michael Schindler: Die deutschen Kolonien, Weltbildverlag, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-701-9.

-3.9916666666667149.743055555567Koordinaten: 4° 0′ S, 149° 45′ O


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