Bisztynek
Bisztynek
Wappen von Bisztynek
Bisztynek (Polen)
Bisztynek
Bisztynek
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Bartoszyce
Fläche: 2,16 km²
Geographische Lage: 54° 4′ N, 20° 54′ O54.06666666666720.9Koordinaten: 54° 4′ 0″ N, 20° 54′ 0″ O
Einwohner:

2436
(31. Dez. 2010)[1]

Postleitzahl: 11-230
Telefonvorwahl: (+48) 89
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 203,6 km²
Einwohner:

6456
(31. Dez. 2010) [2]

Bevölkerungsdichte: 32 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2801043
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jan Wójcik
Adresse: ul. Kościuszki 2
11-330 Bisztynek
Webpräsenz: bisztynek-ugim.bip-wm.pl

Bisztynek [bʲiʃˈtɨnɛk] (deutsch Bischofstein) ist eine Kleinstadt im früheren Ostpreußen, heute im Norden der polnischen Wojewodschaft Ermland-Masuren gelegen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Nur 38 Kilometer von der polnisch-russischen Grenze, durchquert von der wichtigen Landesstraße 57, die Warschau mit der Oblast Kaliningrad verbindet, liegt die Stadt am Übergang der Allensteiner Seenplatte zur Schippelbeiler Tiefebene. Neun Kilometer südlich liegt der etwa acht km² große Lauternsee (Jezioro Luterskie) zu Füßen des 220 Meter hohen Voigtsdorfer Berges. Die nächstgrößere 21 Kilometer nördlich gelegene Stadt Bartoszyce (Bartenstein) liegt nur noch auf einer Höhe von 47 Metern. Die weiteren Nachbarstädte sind in Uhrzeigerrichtung Lidzbark Warminski (Heilsberg), Ketrzyn (Rastenburg) und Biskupiec (Bischofsburg). Die Woiwodschafts-Hauptstadt Olsztyn (Allenstein) ist 70 Kilometer entfernt. Rund um die Stadt erheben sich zahlreiche kleinere Berge, und der Südosten wird von Nadelwäldern bedeckt.

Geschichte

Über viele Jahrhunderte bestimmte das Geschick des Fürstbistums Ermland auch die Entwicklung der Stadt.[3] Ihre Entstehung unterscheidet sich aber erheblich von der ihrer Nachbarstädte Heilsberg und Rastenburg, die eng mit der Gründung des Bistums zusammenhängen, und daher älter sind. Und während diese Städte ihren Ursprung in bischöflichen Burgen aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts haben, entwickelte sich Bischofstein aus einer dörflichen Siedlung, die der ermländische Vogt Bruno von Luter angelegt hatte und der er mit der Gründungsurkunde von 1346 den Namen Schönfließ verlieh. Da der Ort offenbar mehrheitlich von Prußen bewohnt war, setzte sich in der Folgezeit der prußische Name Strowangen durch. Ein Dorf war jedoch zu wenig für die Siedlungspläne des Bistums, denn es konnte den Raum zwischen den schon bestehenden Städten Heilsberg und Rößel nicht genügend ausfüllen. So veranlasste der ermländische Bischof Heinrich III. Sorbom die Gründung einer Stadt, die neben dem Dorf Strowangen errichtet werden sollte. Der in der Handfeste vom 30. April 1385 festgelegte Name Bischofstein nahm zum einen Bezug auf den Gründer und zum anderen auf einen in der Nähe befindlichen auffallend großen Findlingsstein, dem so genannten „Griffstein“. Die Stadt erhielt zum Schutz eine feste Mauer mit drei Stadttoren, das Dorf Strowangen blieb zunächst außen vor. Im Jahre 1400 weihte Bischof Heinrich die aus Findlingen und Backsteinen errichtete Kirche dem Heiligen Matthias. Einer Legende zufolge floss dabei Blut aus einer Hostie, und dieses Ereignis wurde mit dem kurz darauf folgenden Tode des Bischofs in Verbindung gebracht und als Wunder ausgelegt. Bischofstein wurde daraufhin zum Wallfahrtsort. Der von 1424 bis 1457 residierende Bischof Franz Kuhschmalz war der Stadt besonders zugetan, denn mit seinem am 26. Dezember 1448 ausgestellten Privileg überließ er Bischofstein ein großes Waldgebiet zur Nutzung. Da Bischofstein nicht als Kammersitz vorgesehen war, blieb der Bau einer befestigten Burg aus und das Bistum ließ lediglich ein Amtshaus zur Stationierung seiner Beamten errichten, das erstmals 1429 als „Gerichtshof“ Erwähnung fand. Schon 1457 fiel das Gebäude einem Brand zum Opfer, das Bistum verzichtete jedoch auf den Wiederaufbau. Das Grundstück blieb aber über Jahrhunderte als „Richthof“ in der Erinnerung der Bewohner. Bischofsburg blieb bis zur Preußenzeit dem Kammeramt Rößel unterstellt. Der Brand von 1457 hatte seine Ursache im dreizehn Jahre andauernden „Städtekrieg“, den der von Städten im Ordensstaat gegründete Preußische Bund von 1454 bis 1466 gegen den Deutschen Orden führte, um sich gegen die finanzielle Ausbeutung zu wehren. Der ermländische Bischof Paul von Legendorf hatte den Brand selbst befohlen, um die Stadt nicht in die Hände der Aufständischen fallen zu lassen. Der Wiederaufbau der Stadt dauerte über zwei Jahrzehnte und wurde am 5. März 1481 mit einer erneuerten Handfeste besiegelt.

Der Zweite Thorner Frieden von 1466, der den Städtekrieg beendete und die Niederlage des Ordens bestätigte, brachte Bischofstein zusammen mit dem Ermland unter polnische Herrschaft. Während des „Reiterkrieges“ von 1519 bis 1521 zwischen dem Deutschen Orden und Polen wurde Bischofstein von Söldner des Ordens erheblich zerstört. Ein weiteres Mal erlitt die Stadt großen Schaden, als am 9. Juni 1547 ein Feuer ausbrach. Im Jahre 1566 erhielt die Stadt das bischöfliche Privileg, wöchentlich einen Markt abzuhalten. Die Einwohner lebten im 16. und 17. Jahrhundert hauptsächlich vom Mühlen- und Gerbereigewerbe, das heimische Produkte verarbeitete. Am 12. April 1589 brach ein großes Feuer in der Stadt aus, vor dem nur die Kirche und das Pfarrhaus gerettet werden konnte. Im selben Jahr kam eine Pestepidemie über die Stadt, der viele Einwohner zum Opfer fielen. Während des ersten schwedisch-polnischen Krieges fielen 1626 schwedische Truppen in die Stadt ein und erzwangen die Abgabe von Lebensmitteln und Fuhrwerken. Von April bis November 1662 wütete erneut die Pest, an der diesmal über 700 Bewohner starben. Auch im dritten Schwedenkrieg (1700 - 1721) litt Bischofstein unter Truppendurchmärschen, und 1707 brannte die Stadt zum wiederholten Mal ab.

Bisztynek

Mit der ersten polnischen Teilung von 1772 kam Bischofstein mit dem Ermland unter preußische Herrschaft. Nachdem das ermländische Siedlungsverbot für evangelische Christen aufgehoben worden war, bekannten sich in Bischofstein 20 Familien zum lutherischen Glauben. Sie erhielten bereits 1773 das Recht, ihre Gottesdienste im Rathaussaal abzuhalten und konnten sich 1803 mit finanzieller Hilfe des preußischen Königs eine eigene Kirche bauen. Nach dem Sieg Napoleons über Preußen besetzten französische Truppen am 8. Januar 1807 Bischofstein, und zwei Generäle nahmen dort Quartier. Die Stadt hatte Kontributionszahlung zu leisten, die insgesamt 13.363 Taler betrugen. Nach Napoleons Niederlage in Russland zogen 1812 noch einmal französische Soldaten durch Bischofstein, plünderten das städtische Vorratslager für Lebensmittel und entwendeten zahlreiche Transportmittel. Am 28. Mai 1812 bezog der preußische Thronfolger für einige Tage Quartier in der Stadt, während gleichzeitig der französische Marschall Ney das Pfarrhaus besetzt hielt. Als Ostpreußen 1813 für den Befreiungskrieg eine Landwehr aufstellte, schlossen sich ihr 217 Bürger von Bischofstein an.

Als nach Kriegsende Preußen 1815 seine Kreisverwaltung neu organisierte, wurde Bischofstein dem Kreis Rößel zugeordnet. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in der Stadt etwa 760 Familien, die hauptsächlich von der Landwirtschaft lebten. Hinzu kamen zahlreiche Töpfer, die am nahen Ziegelberg Ton von guter Qualität vorfanden. Um 1850 war Bischofstein an die neu gebaute Chaussee Bartenstein - Bischofsburg angeschlossen worden. Da aber der Eisenbahnanschluss erst 1908 mit der Strecke Heilsberg - Rößel erfolgte, siedelte sich in Bischofstein kaum Industrie an. So veränderten sich auch die Einwohnerzahlen nur geringfügig. 1852 hatte die Stadt 2.966 Einwohner, die zu 90 Prozent katholisch waren. 1910 lag die Einwohnerzahl bei 3.183. Als nach dem 1. Weltkrieg neben anderen südlichen Kreisen Ostpreußens auch im Kreis Rößel eine Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zu Ostpreußen oder Polen durchgeführt werden musste, stimmten etwa 90 Prozent in Bischofstein für den Verbleib bei Ostpreußen. Auch im 20. Jahrhundert blieb die Stadt nicht von großen Stadtbränden verschont, so 1909 und zuletzt 1939. Im Zuge der Eroberung Ostpreußens durch die sowjetische Rote Armee wurde Bischofstein Ende Januar 1945 von deren Truppen besetzt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war die Stadt zu großen Teilen zerstört. Nach der Übernahme durch die polnische Verwaltung wurde die nicht geflohenen Deutschen ausgewiesen und die Stadt mit Polen, vorwiegend aus den sowjetisch besetzten polnischen Ostgebieten, besiedelt.

Heute ist der Ort Zentrum der Gemeinde Bisztynek (Gmina Bisztynek) im Powiat Bartoszycki. Bedeutendstes Bauwerk der relativ gut erhaltenen Kleinstadt ist die Kirche St. Matthias (um 1400) mit ihrem markanten eingezogenen Barockturm.

Gmina Bisztynek

Zur Gmina gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name
(seit 1945)
deutscher Name polnischer Name
(seit 1945)
deutscher Name polnischer Name
(seit 1945)
deutscher Name
Biegonity Begnitten Łędławki Linglack Sułowo Schulen
Bisztynek Bischofstein Mołdyty Molditten Swędrówka Zandersdorf
Bisztynek-Kolonia Niski Młyn Niedermühl Troksy Truchsen
Dąbrowa Damerau Nisko Niederhof Troszkowo Klackendorf
Grzęda Sturmhübel Nowa Wieś Reszelska Rosenschön Unikowo Glockstein
Janowiec Johannisruhe Paluzy Plausen Warmiany Schönwalde
Kokoszewo Gerthen Pleśnik Plössenhof Winiec Wienken
Krzewina Strauchmühl Pleśno Plössen Wojkowo Heinrichsdorf
Księżno Fürstenau Prosity Prossitten Wozławki Wuslack
Łabławki Lablack Sątopy Santoppen
Lądek Landau Sątopy-Samulewo Bischdorf

Persönlichkeiten

  • Franz Goerig (1825-1887), Arzt, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Bisztynek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2010. Główny Urząd Statystyczny (GUS), abgerufen am 23. Juni 2011.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2010. Główny Urząd Statystyczny (GUS), abgerufen am 23. Juni 2011.
  3. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 231-232.

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