Bitola
Bitola
Битола
Manastir
Wappen von Bitola
Bitola (Mazedonien)
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Basisdaten
Staat: Mazedonien
Region: Pelagonien
Koordinaten: 41° 2′ N, 21° 20′ O41.03333333333321.333333333333576Koordinaten: 41° 2′ 0″ N, 21° 20′ 0″ O
Höhe: 576 m. i. J.
Fläche: 787,95 km²
Einwohner: 86.528 (2002)
Bevölkerungsdichte: 110 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+389) 047
Postleitzahl: 7000
Kfz-Kennzeichen: BT
Struktur und Verwaltung
Gemeindeart: Opština
Gliederung: keine
Bürgermeister: Vladimir Taleski
Webpräsenz:

Bitola (mazedonisch Битола, albanisch Manastir/Manastiri, türkisch Manastır, aromunisch Bitule, bulgarisch Битоля/Bitolja, griechisch Μοναστήρι/Monastiri, serbokroatisch Битољ/Bitolj) ist mit 86.528 Einwohnern (2002) die drittgrößte Stadt Mazedoniens. Dazu ist es der Verwaltungssitz der gleichnamigen Gemeinde Bitola.

Bitola ist ein wichtiges Handels- und Industriezentrum sowie ein bedeutender Bildungsstandort in Mazedonien. In der osmanischen Ära war die Stadt eine wichtige Handelsstadt und ein islamisches Zentrum mit einst 69 Moscheen, die aber seither mehrheitlich zerstört wurden. Nur 6 Moscheen überstanden die Zerstörungen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Lage

Bitola liegt im Südwesten des Landes auf 615 m. ü. Adria am Dragor. 15 km westlich der Stadt befindet sich der Gebirgszug Baba mit dem Bergmassiv Pelister (2601 m). Die Mineralwasserquelle Pelisterka wird in Bitola abgefüllt und landesweit verkauft. Das Mineralwasser ist sehr beliebt im Land. 1948 wurde ein 12.500 ha großes Gebiet bei diesem Gebirge zum Nationalpark erklärt.

Nahe der Stadt liegt der bedeutende archäologische Fundplatz Heracleia Lyncestis.

Die Entfernung zur nördlich gelegenen Hauptstadt Skopje beträgt 169 km, nach Ohrid sind es 70 km.

Bevölkerung

In der Stadt leben neben slawischen Mazedoniern (88,7 %) auch Albaner (4,4 %), Roma (2,7 %), Türken (1,7 %) und Aromunen (1,3 %).[2]

Geschichte

Edward Lear: Bitola, 19. Jahrhundert, Aquarell
Religiöse Prozession (1902)

Die Region wurde erstmals in der Antike von den Illyrern bewohnt. Danach eroberten die antiken Makedonen die Region.

In der Nähe der heutigen Stadt lag die antike Stadt Heracleia Lyncestis (altgriechisch Ηράκλεια Λυγκηστίς), von der in den letzten Jahrzehnten bedeutende Teile ausgegraben worden sind. In römischer Zeit war Heracleia eine wichtige Station an der Via Egnatia und Vorort der Landschaft Lynkestis. Bereits im 4. und 5. Jahrhundert war die Stadt Bischofssitz, und seine Metropoliten sind als Teilnehmer an den ökumenischen Konzilien bezeugt. In Folge der Slawischen Landnahme wurde die Region mehrmals geplündert.

Um 680 ließ sich der Bulgarenfürst Kuver mit Teilen der Sermesianoi und den von den Awaren 626 verschleppten in Pannonien angesiedelten römischen Gefangenen nach einer erfolglosen Belagerung Thessalonikis (682–684)[3] und einem Vertrag mit dem byzantinischen Kaiser Konstantin IV. Pogonatos[4] im Gebiet von Bitola nieder, das zum byzantinischen Thema Thesalonika gehörte.[5] Hier errichtete Kuver 680 ein Khaganat,[6] das auch den Namen Bulgarien trug. Die Bezeichnung dieses Reiches als Westbulgarisches Reich ist jedoch umstritten.

Um 814, während der Herrschaft Krums wurde die Region um Bitola Teil des Ersten Bulgarenreichs. Zwischen 1016–1018 war Bitola bulgarische Hauptstadt. Erstmals wurde die Stadt in der Bitola-Inschrift des Zaren Iwan Wladislaw (1015–1018) im 11. Jahrhundert unter den Namen Bitola urkundlich erwähnt. 1018 eroberten die Byzantiner die Region zurück und gliederten sie in das Thema Bulgaria ein.

1395 eroberten die Osmanen die Stadt und bauten sie zu einem ihrer wichtigsten Verwaltungs- und Handelszentren auf dem Balkan aus. Die osmanische Regierung gründete hier eine Militärakademie, deren berühmtester Schüler Mustafa Kemal Atatürk war. Im Laufe des 19. Jahrhunderts richteten die meisten europäischen Großmächte konsularische Vertretungen in Bitola ein.

Im Zuge der Tanzimat-Reformen von 1856 konnte sich in den 1860er-Jahren eine bulgarische Kirchengemeinde bilden. Der Konflikt für eine vom griechisch geprägten ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unabhängige bulgarische Kirche spitze sich zu, als die bulgarische Gemeinde Bitolas die Kirche „Hl. Nedelja“ (geweiht 1863) und eine dazugehörige Klosterschule stiftete. Nach der Errichtung des Bulgarischen Exarchat wurde hier eine vierklassige Mädchenschule errichtet. Das Volkstheater, das ebenfalls im 19. Jahrhundert errichtet wurde, ist heute das älteste Theater Mazedoniens.

1903 war Bitola Zentrum des Illinden-Aufstands, der gegen die osmanische Herrschaft gerichtet war. 1908 fand in Bitola der Kongress von Monastir statt, bei dem sich die Albaner für den ausschließlichen Gebrauch der lateinischen Schrift entschieden. Nach dem Ersten Balkankrieg fiel Bitola 1912 an Serbien.

Im Ersten Weltkrieg wurde in der Gegend von Bitola mehrfach gekämpft, denn zeitweise verlief hier die Thessaloniki-Front. Auf Seiten der Entente standen französische und serbische Truppen, von den Mittelmächten waren Deutsche, Österreicher und Bulgaren beteiligt. Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb Bitola serbisch, zwischen 1941 und 1944 besetzte Bulgarien die Stadt, und nach dem Krieg gehörte sie zur neu errichteten jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien.

Im Jahr 2001 wurde Bitola von den ethnischen Auseinandersetzungen zwischen den Mazedoniern und der albanischen Minderheit erfasst.[7]

Bei verheerenden Waldbränden im Juli 2007 wurde eine Person getötet und mehrere verletzt. Einige Häuser im Stadtteil Bair wurden durch die Flammen vernichtet. Das Feuer wütete mehrere Tage und wurde durch explodierende Bomben aus dem Ersten Weltkrieg immer wieder verstärkt.

Kultur

Blick auf ein Werbeplakat für das Manaki-Filmfestival in der Flaniermeile im Jahre 2003

In Erinnerung an die Brüder Manaki aus Bitola, die in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu den Filmpionieren des Balkan gehörten, findet in der Stadt ein internationales Film-Festival statt, das Brothers Manaki International Film Festival.

Ilindenski Denovi ist ein seit 1971 jährlich stattfindendes Festival der Volkstänze und Lieder. Dieses Festival findet jedes Jahr im Zeitraum vom 29. Juli bis zum Nationalfeiertag am 2. August (Ilinden) statt. Es treten Folkloregruppen aus ganz Mazedonien auf, aber auch Gruppen aus anderen Staaten (Japan, Deutschland, Bulgarien, Serbien, Türkei und weitere) präsentieren ihre nationalen Volkstänze und Lieder.

Sehenswürdigkeiten

Die Innenstadt wird durch historische Bauten aus der Zeit der osmanischen Ära geprägt. Neben den zahlreichen Moscheen gibt es in Bitola eine Reihe orthodoxer Kirchen sowie ein katholisches Gotteshaus. Aus der osmanischen Zeit sind noch der überdachte Markt (Besistan), die Isak-Moschee, die Weiße Moschee, die Yeni Cami oder die Yahdar-Kadi-Moschee erhalten geblieben. Diese Bauwerke wurden im 16. Jahrhundert errichtet. Die Yahdar-Kadi-Moschee wurde von Sinan, dem berühmtesten osmanischen Architekten jener Epoche errichtet.

Das Wahrzeichen der Stadt ist der Sahat-Kula (Uhrturm). Der Turm ist 30 m hoch und sein Grundriss quadratisch. In historischen Aufzeichnungen wurde der Turm schon im 16. Jahrhundert erwähnt. Es ist allerdings nicht eindeutig belegbar, ob es sich dabei um den heutigen Bau handelt. Das Uhrwerk der Sahat Kula ist ein Geschenk des Naziregimes an die Stadt, die den Deutschen Friedhof für die gefallenen deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg gebaut hat.

Der Sirok Sokak oder Korzo ist die zentrale Einkaufsstraße (Flaniermeile) der Stadt. In dieser Straße befinden sich auch die ältesten Gebäude der Stadt.

Im Museum der Stadt kann man die leere Rückseite[8] der berühmten Bitola-Inschrift des bulgarischen Zaren Iwan Wladislaw (1015–1018) anschauen. Die Inschrift wurde im Dezember 1956 bei Abrissarbeiten an einer Moschee in Bitola gefunden. Sie ist verkehrt herum angebracht, weil sie der heutigen Geschichtsschreibung in der Republik Mazedonien widerspricht und den Beweis liefert, dass Zar Samuil und Zar Iwan Wladislaw Bulgaren sind und es im Mittelalter kein von Bulgarien separates Makedonisches Reich gab.

Wirtschaft

Bitola ist der wichtigste Standort der mazedonischen Energiewirtschaft. 80 % der benötigten Elektrizität Mazedoniens werden im Kohlekraftwerk REK Bitola produziert. Die größte Talsperre Mazedoniens, Strezevo, befindet sich nördlich der Stadt und versorgt Bitola und die Umgebung mit Trinkwasser. Zahlreiche Textilunternehmen und der größte Produzent Mazedoniens von Milchprodukten, Industriska Mlekara Bitola IMB, sind in der Stadt ansässig. Bitolska Pivara ist eine der ältesten Brauereien im Land.

Jährlich findet eine regionale Messe für Handwerk, Landwirtschaft und Tourismus in Bitola statt. Dort präsentieren sich neben Unternehmen aus der Stadt und den Nachbargemeinden auch Unternehmen aus den angrenzenden Regionen in Griechenland und Albanien. Seit den 1990er Jahren ist die Region um Bitola für griechische Investitionen bekannt.

Südlich von Bitola, auf der Hauptstrasse M5 nahe dem Dorf Zabeni, entsteht eine neue Industriezone. Sie ist etwa 5 km von der Grenze zu Griechenland entfernt und wird sich über eine Fläche von 85 ha erstrecken. Zurzeit ist die Planung für die Infrastruktur der Industriezone in Arbeit.

Verkehr

Von Bitola verkehren mehrmals täglich Züge der Makedonski Železnici nach Skopje. Die Strecke ins griechische Florina ist seit Jahren stillgelegt.

In Bitola ist das Busunternehmen Transkop ansässig. Es unterhält sowohl innerstädtische Linien als auch Verbindungen nach Skopje, Ohrid und Strumica. Internationale Verbindungen gibt es nach Belgrad, einigen deutschen Städte und Wien (Österreich).

Medien

TERA, Orbis und Medi sind Rundfunksender, die ihren Sitz in Bitola haben. Es erscheint eine regionale Wochenzeitung, Bitolski Vesnik. Daneben gibt es einige lokale Radiosender. Die bekanntesten sind Radio Bitola und Radio Bombarder.

Städtepartnerschaften

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Folklorot i etnologijata na Bitola i Bitolsko. (dt. Folklore und Ethnologie des Gebiets von Bitola) Materijali od Naucnijot Sobir odrzan vo Bitola 30, 31 Maj 1980 godina, hrsg. von Michailo Apostolski im Auftrag von Makedonska Akademija na Naukite i Umetnostite, Drustvo za Nauka i Umetnost. Bitola 1981.
  • Gligor Todorovski (Hrsg.): Srpskata reokupacija na Bitola i Bitolsko. (dt. „Die serbische Rückeroberung von Bitola und Umgebung“) I na delovi od Prilepsko, Resensko i Ohridsko. (1916–1917). Skopje 1995.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 69 Moscheen in Bitola, heute sind nur noch 6 erhalten.
  2. Angaben nach der Volkszählung in Mazedonien 2002
  3. Lexikon des Mittelalters, Band V, Artemis Verlag, München, 1991, ISBN 3-7608-8905-0, Sp. 1558
  4. Acta Sancti Demetrii (in Гръцки извори за българската история)
  5. Raymond Detrez: Historical dictionary of Bulgaria, Scarecrow Pr., 1997, ISBN 0-8108-3177-5, S. 267
  6. Zlatarskis Auffassung nach sollten sie sich um 687 westlich vom Fluss Struma niedergelassen haben.
  7. Johnathan Steele: Right off the map: Macedonia’s intellectual elite proposes a land and population swap with the Albanians. In: The Guardian, 11. Juni 2001, S. 18.
  8. Samuil’s Stone Stirred Macedonia. In: Standart News, Thursday, 1 April 2004.

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