Bitscher Ländchen

Das Pays de Bitche (dt. Bitscher Land) umfasst die drei nördlichen Kantone Volmunster, Bitche und Rohrbach-lès-Bitche im Département Moselle in der Region Lothringen in Frankreich. Es entspricht dem heute französischen Anteil am ehemaligen Herrschaftsgebiet Zweibrücken-Bitsch.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Das Bitscher Land mit seinen insgesamt 57 Gemeinden umfasst im Osten den lothringischen Anteil am Naturpark Nordvogesen. Im Westen und Südwesten hat es Anteil an der landwirtschaftlich geprägten lothringischen Hochfläche. Im Süden grenzt es sich zum sog. Krummen Elsass ab, das zum Arrondissement Saverne gehört, im Osten zum Kanton Weißenburg. Im Norden schließen Rheinland-Pfalz und das Saarland an, während im Westen die Kantone Sarralbe und Saargemünd-Land des Arrondissements Sarreguemines angrenzen, zu dem auch das Bitscher Land gehört. Der Kanton Rohrbach reicht hier bis an die Saar heran. Die Nord-Südlinie Liederschiedt - Rahling bezeichnet die recht scharfe Trennung der unterschiedlichen Landschaften. Westlich dieser Linie ist der Untergrund fast ausschließlich durch den vorherrschenden Kalkstein geprägt, während östlich davon sich bewaldete Buntsandsteinhügel endlos ausdehnen, die durch tiefe Taleinschnitte zergliedert sind. Seit dem 16. Jahrhundert wurden in diesem Landschaftsteil viele Teiche und Seen angelegt, meist für landwirtschaftliche und industrielle Zwecke.

Die Hauptabflüsse (Schwalb, Bickenalb, Hornbach) verlaufen überwiegend in Süd-Nord-Richtung und entwässern über die Blies zur Saar.

Der Hasselfurther Weiher im Osten des Pays de Bitche, Aufnahme aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg

Der Falkensteinerbach und die Nördliche Zinsel, die im Lemberger Raum ihre Quellbäche haben, verlaufen nach Südosten in Richtung Rhein. Nach Westen fließt die Ache, die bei Kalhausen in die Saar mündet. Niedrigster Punkt im Bitscher Land ist Baerenthal an der Nördlichen Zinsel mit 190 m, die höchste Stelle mit 510 m liegt unweit davon am Garnfirst bei Philippsbourg direkt an der Grenze zum Kanton Bad Niederbronn.

Geschichte

Mittelalter

Wie in der ganzen Region finden sich auch im Bitscher Land zahlreiche römische Zeugnisse, so um Bettviller. Die eigentliche Geschichte beginnt aber mit dem Vertrag von Verdun im Jahr 843, der die Gründung des lothringischen Herrschaftsgebiets zur Folge hatte. Eberhard I. von Zweibrücken, Mitregent Walram I. und Simons, organisierte angesichts der territorialen Zersplitterung ein Austauschabkommen mit Lothringen, das in den Verträgen vom 13. Mai 1297 und 1. Juli 1302 eine Neuordnung dieses Raumes besiegelte.

Die Grafschaft Zweibrücken-Bitsch bis 1604

Im Jahr 1333 entstand schließlich das Haus Zweibrücken-Bitsch, indem Eberhard sich mit seinem Bruder Walram II. auf eine Teilung der Grafschaft Zweibrücken in zwei einigermaßen homogene Gebiete verständigte. Dies kann als die Geburtsstunde des Bitscher Landes als historischer Raum angesehen werden, das damals allerdings auch ein großes Gebiet umfasste, das heute zu den saarländischen Gemeinden Gersheim und Blieskastel bzw. zu der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Pirmasens-Land im Zweibrücker Hügelland gehört. Noch im 19. Jahrhundert war für diese Landschaft die Bezeichnung Deutsch-Lothringen’ gebräuchlich. Der Sitz dieser neuen Herrschaft war zunächst in Lemberg und wurde bald nach Bitsch verlegt. 1447 wurde Bitsch von den Herren Jakob und Wilhelm von Lützelstein besetzt. Diese Besetzung rief allgemeine Missbilligung im Reich hervor und führte letztendlich zur Auslöschung der Herrschaft Lützelstein im Jahr 1452. Anfang des 16. Jahrhunderts erreichte der Bauernkrieg die Gegend um Bitsch, wobei Hans Zoller aus der Ortschaft Rimling als der regionale Führer der Bewegung gilt. Die Schlösser in Bitsch und Lemberg und die Abtei Stürzelbronn gingen in Flammen auf. Schließlich wurden tausende Bauern umgebracht. 1559 erbte Graf Jakob auch die Herrschaft Ochsenstein, die seit 1485 von der Nebenlinie Zweibrücken-Bitsch-Ochsenstein regiert worden war. Er war der letzte Graf von Zweibrücken-Bitsch, mit ihm starb das Geschlecht 1570 aus. Erbberechtigt waren seine Tochter und seine Nichte, von denen die eine mit Graf Philipp I. von Leiningen-Westerburg, die andere mit Graf Philipp V. von Hanau-Lichtenberg verheiratet war. In der Folge erkannte Lothringen die Erbberechtigung von Hanau-Lichtenberg an. Philipp V. führte jedoch 1572 in allen seinen Landen die Reformation nach lutherischem Bekenntnis ein, woraufhin er 1572 aufgrund von Beschwerden des Abtes von Stürzelbronn beim Herzog von Lothringen einbestellt wurde. Als er sich weigerte zu erscheinen, wurde der Südteil des Bitscher Landes – die drei jetzigen Kantone und wenige Gemeinden im heutigen Saarland - von Lothringen besetzt und die katholische Religion wieder eingeführt. Philipp, der der militärischen Macht Lothringens nicht gewachsen war, beschritt daraufhin den Rechtsweg vor dem Reichskammergericht, wobei er aber wegen der Verträge von 1297/1302 schlechte Karten hatte, weil darin eine Oberhoheit Lothringens festgeschrieben war. Im folgenden wüteten Fanatismus und Intoleranz und es kam zu zahlreichen Hexenprozessen. So wurden alleine im Jahr 1588 in Bitsch 15 Personen wegen Hexerei verbrannt. Anfang des 17. Jahrhunderts war Lothringen um einvernehmliche Grenzregelungen mit den Nachbarherrschaften bemüht. Zunächst wurde bereits 1601 die Grenze zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken während einer Zusammenkunft in Hornbach festgelegt und die Aussteinung veranlasst. Diese Aussteinung wird noch in den heutigen Tagen in gewissen Abständen durch Vertreter des Arrondissements Saargemünd und des Landkreises Südwestpfalz kontrolliert. Am 6. Februar 1604 folgte dann ein Grenzvertrag mit der Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Im lothringischen Gebiet des Bitscher Landes verblieben 68 Ortschaften. Im Großen und Ganzen war damit auch die heutige Grenze zwischen Frankreich und Deutschland für diesen Landstrich bestimmt.

Das lothringische Bitscher Land

Die Verwaltung wurde modernisiert, die Gerichtsbarkeit neu geregelt und es folgte zunächst ein gewisser wirtschaftliche Aufschwung, der jedoch bereits im 2. Viertel des 17. Jahrhunderts in eine langanhaltende Rezession umschlug. Das Volk hatte sich in Folge des Dreißigjährigen Krieges mit marodierenden Truppen von Kroaten, Kosaken, Schweden und Franzosen (Richelieu) und grassierenden Epidemien (Pestepidemie 1627) herumzuschlagen, die das Land auszehrten. Schließlich war das Land verwüstet und entvölkert. Einige Ortschaften und zahlreiche Burgen waren ganz verschwunden. Die Wiederbesiedelung begann ab 1662 mit Schweizer Einwanderern, denen 1670 Zuzügler aus der Picardie folgten. Sie waren auch die ersten, die in das bis dahin rein deutschsprachige Gebiet die französische Sprache mitbrachten. Ihnen folgten ab 1672 Savoyarden. Der nächste Rückschlag erfolgte aber schon kurz darauf durch den pfälzischen Erbfolgekrieg. Turenne, der das linksrheinische Gebiet für Frankreich erobert hatte, besuchte im Winter 1674 Bitsch und überzeugte Ludwig XIV., an diesem strategischen Punkt eine Befestigung zu errichten. So wurde Vauban 1675 mit dem Bau der Zitadelle von Bitsch beauftragt und arbeitet daran zunächst bis 1679. Als sich jedoch mit der Formierung der Augsburger Allianz das Schicksal gegen Ludwig XIV. zu wenden begann, betrieb dieser eine Politik der verbrannten Erde, die im Bitscher Land und im Zweibrückischen zur Zerstörung von rund 400 Ortschaften einschließlich der Stadt Zweibrücken führte. Die Menschen flüchteten in die Vogesenwälder. Als 1678 der Frieden von Nimwegen zur Wiedereingliederung Lothringens und damit auch des Bitscher Landes ins Deutsche Reich führte, akzeptierte dies Karl V. nicht und rief den französischen König zu Hilfe, der das Land besetzen ließ. In der Folge wurde durch die Gewährung von Steuer- und Landprivilegien eine Wiederbelebung der Gegend erreicht, sodass sich etwa 60 Ortschaften neu- oder wiederbegründeten. Im Frieden von Rijswijk wurde 1697 Lothringen an Leopold I. zurückgegeben.

Als 1701 der Spanische Erbfolgekrieg ausbricht, wird Bitsch erneut französisch besetzt. Von 1709 bis 1714 folgten Hungerjahre, die Tausende hinweg rafften. In dieser Zeit wurde auch angeordnet, an den Schulen die deutsche und die französische Sprache nebeneinander zu unterrichten.

Stanislaus Leszczynski, Herzog von Lothringen, Gemälde in Schloss Molsdorf

Als Franz I. Stephan sich von seinem Schwiegervater Karl VI. im Jahr 1735 zum Verzicht auf Lothringen zu Gunsten des abgedankten Polenkönigs Stanislaus I. Leszczyński überreden ließ, bedeutete dies gleichzeitig, dass mit Lothringen das Bitscher Land erneut an Frankreich fallen würde. Sogleich wurde unter Marschall Bournay und ab 1740 unter Graf Henri François de Bombelles mit dem Ausbau der Zitadelle von Bitsch begonnen. 1744 konnte ein österreichischer Angriff erfolgreich abgewehrt werden. In einem Dekret vom 26. September 1748 wurde im Bitscher Land offiziell Französisch als Amtssprache eingeführt. Wirtschaftliche Nöte veranlassten in dieser Zeit – ebenso wie in der benachbarten Pfalz – viele Menschen zur Auswanderung, vorwiegend in die Regionen Banat und Batschka im Königreich Ungarn. Nach dem Tod Stanislaus Leszczynskis, des letzten Herzogs von Lothringen, wurde Bitsch auch formal französisches Gebiet. Die Verwaltungsreform Ende des 18. Jahrhunderts führte zur Gliederung des Bitscher Landes in fünf Kantone, neben den drei heute noch bestehenden Kantonen Rohrbach, Bitche und Volmunster gab es noch Breidenbach und Lemberg. Die beiden letzteren wurden nach 1802 in die drei Erstgenannten integriert. In der Folge wechselte das Bitscher Land mit dem gesamten Département Moselle immer wieder seine Nationalität, zwischen 1870 und 1945 sechs mal aufgrund dreier Kriege, die das Land wegen seiner Grenzlage besonders bitter trafen und auch zu Flucht und Evakuierung zwangen. In den abgelegeneren Orten nimmt die Bevölkerung teilweise dramatisch ab, andererseits gibt es auch Ortschaften mit Bevölkerungszuwachs. Dies liegt auch daran, dass seit einigen Jahren die günstigeren Immobilienpreise verstärkt Umsiedler aus Deutschland anziehen.

Wirtschaft

Nach wie vor spielt, vor allem im Westen des Bitscher Landes, die Landwirtschaft ihre Rolle. Im Osten ist entsprechend die Forstwirtschaft zu nennen. Die durch die Äbte von Sturzelbronn geförderte Fischzucht hat ihre wirtschaftliche Bedeutung weitgehend eingebüßt.

Die Kristallfabrik von Münzthal im Jahr 1836

Dagegen hat die im Mittelalter entstandenen Glasindustrie auch heute noch einigen Stellenwert, vor allem in Münzthal und Goetzenbruck. Die Betriebe sind allerdings mittlerweile in der Hand von Konzernen. Dagegen arbeitet die Kristallglasfabrik von Montbronn auch heute noch selbständig. An den Vogesenbächen östlich von Lemberg entstand in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts Eisenindustrie, die auf Holz und Wasser angewiesen war. Im Gegensatz zur Glasfabrikation hat sich dies aber nicht bis heute erhalten. Eine Besonderheit ist die Kerzenfabrikation von Petit-Réderching. Die Bedeutung des Tourismus konzentriert sich hauptsächlich auf den Kanton Bitsch mit der Stadt Bitsch selbst und den malerisch gelegenen Vogesendörfern. Man findet gute Gastronomie und diverse Übernachtungsmöglichkeiten.

Verkehr

Bahnhof von Bitsch in der Zeit zwischen den Weltkriegen, im Hintergrund die Festung

Das Bitscher Land wird in west-östlicher Richtung von der N 62 SarregueminesHaguenau gequert, welche die Hauptverkehrsachse darstellt. Sie wurde um 1826 erbaut. Wichtig sind auch die Départementalstraßen D 620 und D 35a, wobei letztere beim Grenzübergang Schweyen den Anschluss an die deutsche B 424 herstellt. 1869 wurde die Eisenbahn HagenauSaargemünd eröffnet, die das Bitscher Land ebenfalls west-östlich durchquert. Der Abschnitt Bitsch – Bad Niederbronn ist jedoch eingestellt, sodass das Gebiet nur noch aus Richtung Saargemünd mit der Bahn zentral zu erreichen ist. Im äußersten Südwesten wird der Kanton Rohrbach von der RegionalExpress-Verbindung Saarbrücken - Saargemünd - Straßburg - Offenburg berührt. In Kalhausen befindet sich ein Haltepunkt dieser Strecke mit Umsteigemöglichkeit in Richtung Sarre-Union.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten

Lothringerkreuz bei Rolbing

Prägend für das Bitscher Land sind die typischen Lothringerkreuze, die einem auf Schritt und Tritt begegnen. Hauptsehenswürdigkeit ist jedoch die Zitadelle von Bitsch, die mit einer multimedialen Führung besucht werden kann. Von dort führt der Garten des Friedens in die Stadt, der im Rahmen des Projekts Gärten ohne Grenzen gestaltet wurde. In der Gegend sind noch viele Zeugnisse der Maginot-Linie anzutreffen. Die Ruinen der Burg Lemberg künden von der ehemaligen Bedeutung dieses ersten Bitscher Grafensitzes. Von der Abtei in Sturzelbronn ist nur noch wenig vorhanden, eher sind noch die romanischen Bauwerke in Schorbach von Bedeutung, vor allem das Beinhaus ist ein vielbesuchtes Ziel.

Beinhaus von Schorbach

In Soucht erinnert das Holzschuhmachermuseum an dieses ausgestorbene Handwerk. In der Töpferei Hérisson in Phillipsbourg wird die Töpfereitechnik demonstriert. In Petit-Réderching kann die einzige Kerzenfabrik des Départements angesehen werden.

Kultur

Das Volmunster-Platt-Theater versucht, die überlieferte regionale deutsche Mundart zu bewahren, die in den letzten 150 Jahren einer starken Verdrängung durch das Französische unterworfen ist. Versuche mit zweisprachigen Kindergärten und Schulen, wie sie vor einiger Zeit von der Kulturpolitik ermöglicht wurden, sind bisher nur ganz vereinzelt zustande gekommen.

Freizeit und Tourismus

Die Museumsmühle von Eschviller zählt zu den Attraktionen im westlichen Pays de Bitche

Auch für den Tourismus steht die Zitadelle von Bitsch als erstes Ziel fest. Aber auch die Straße des Kristalls, die von den Glasmanufakturen des Bitscher Landes bis nach Baccarat führt, ist ein touristischer Magnet. In den Vogesenwäldern hat der Vogesenclub ein engmaschiges Wanderwegenetz markiert. Hier finden sich auch Seen und Campingplätze. Jedoch liegt zwischen Bitsch und Sturzelbronn auch der Truppenübungsplatz Bitsch, der zu Einschränkungen und Belästigungen führt. In der offenen Landschaft des Westens soll der Europäische Mühlenradweg, der entlang von Schwalb und Bickenalb verläuft, für etwas touristische Belebung sorgen. An ihm liegt unter anderem die Moulin d Eschviller mit einem interessanten Mühlenmuseum.

Weblinks

Literatur

  • Le Pays de Bitche, Didier Hemmert 1990.
  • Bitche et son pays, André Schutz 1992.
  • Les grelots du vent, images et mirages du Pays de Bitche, abbé Bernard Robin 1984.

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