Bitterfeld
Bitterfeld
Wappen von Bitterfeld
Koordinaten: 51° 38′ N, 12° 20′ O51.62638888888912.327777777778Koordinaten: 51° 37′ 35″ N, 12° 19′ 40″ O
Fläche: 27,85 km²
Einwohner: 15.376 (30. Juni 2008)
Eingemeindung: 1. Juli 2007
Postleitzahlen: 06766, 06749
Vorwahl: 03493
Bitterfeld vom Bitterfelder Bogen aus nördlich gesehen, Juli 2009
Goitzschesee, Mai 2009

Bitterfeld ist ein Ortsteil der Stadt Bitterfeld-Wolfen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt und ein Zentrum der chemischen Industrie. Bis zum 30. Juni 2007 war Bitterfeld eine eigenständige Stadt und Kreisstadt des Landkreises Bitterfeld. Bitterfeld liegt etwa 25 km nordöstlich von Halle (Saale) und etwa 35 km nördlich von Leipzig. Östlich befindet sich der Muldestausee. Im Norden schließt sich der Ortsteil Wolfen und südöstlich der Stadt die Goitzsche an, ein Naturschutzgebiet mit 24 km² Wasserfläche.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Klima

Klimadiagramm von Bitterfeld[1]

Die durchschnittliche Lufttemperatur in Bitterfeld beträgt 10,0 °C, der Jahresniederschlag 516 Millimeter. Er ist damit extrem niedrig, er fällt in das untere Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fällt doppelt soviel Niederschlag wie im Februar. Die Niederschläge variieren kaum und sind gleichmäßig über das Jahr verteilt.

Geschichte

Entwicklung

Bitterfeld wird erstmals am 28. Juni 1224 urkundlich erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort 1637 durch die Schweden geplündert. Nachdem Bitterfeld lange Zeit zu Sachsen gehörte, wurde es im Zuge des Wiener Kongresses 1815 der preußischen Provinz Sachsen angegliedert.

Zum wirtschaftlichen Aufschwung kam es in Bitterfeld durch Industrieansiedlung und Anbindung an das Eisenbahnnetz nach 1857. In den Chemie- und Rüstungsbetrieben der Stadt mussten in der Zeit des Nationalsozialismus mehrere hundert Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalität Zwangsarbeit verrichten.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Bitterfeld ein für die damalige Zeit modernes Industriezentrum, in dem auch kriegswichtige Substanzen hergestellt wurden. In der DDR wurde es zu einem Symbol für die marode Ausstattung der Wirtschaft und gefährliche Umweltverschmutzung, da keine Modernisierung der Anlagen durchgeführt wurde und so die Verschmutzung der Umwelt genauso weiterging wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Akkumulation von Giften aus den vielen Jahren umweltzerstörendem Wirtschaftens, vor allem auch während der Weltkriege, hatte beträchtliche Schäden an der Umwelt in dieser Region zur Folge. In jenen Jahren trug die Stadt auch den wenig schmeichelhaften Titel „dreckigste Stadt Europas“.[2] Wie durch einen speziellen Farbfilter betrachtet, lag eine monochrome, graubraungrünliche Lasur über Häusern, Landschaft und Fabriken.[3]

Elektrochemisches Kombinat, 1959

Bitterfeld gehört zu den wichtigsten Zentren des Volksaufstands gegen die SED-Diktatur.[4] Am 17. Juni 1953 demonstrierten auf dem zentralen Platz der Jugend und den Binnengartenwiesen bis zu 50.000 Menschen – mehr als Bitterfeld damals Einwohner zählte. Der Lehrer Wilhelm Fiebelkorn verlas ein Telegramm an die Regierung der DDR, in dem der sofortige Rücktritt der Regierung, freie Wahlen, die Freilassung politischer Gefangener und die Abschaffung der Volksarmee gefordert wurden.[5] Das Streikkomitee, dem der am 20. Juni als „Rädelsführer“ verhaftete Elektriker Paul Othma angehörte, setzte den Bürgermeister Heinz-Rudolf Strauch ab. Demonstranten besetzten die SED-Kreisleitung sowie das MfS-Gebäude und verlasen die Namen von Spitzeln.[6]

Am 11. Juli 1968 wurde Bitterfeld von einem gewaltigen Explosionsunglück erschüttert. Im Chemiekombinat ereignete sich eine Detonation in der PVC-Halle. 42 der 57 in der Halle befindlichen Arbeiter waren sofort tot, insgesamt 200 Menschen mussten ärztlich versorgt werden. Weite Teile des Werks waren zerstört. Die verantwortlichen Betriebs- und Parteigremien waren bestrebt, dass dieses Ereignis nicht an die Öffentlichkeit gelangte, was natürlich auf Grund der Zerstörungen auch in der Stadt nicht gelingen konnte.[7]

In der Zeit von 1974 bis 1993 wurde in Bitterfeld Bernstein im Tagebau abgebaut, zunächst von Hand, ab 1976 mit maschinellen Hilfsmitteln.

Am 27. September 1988 machte das ARD-Magazin Kontraste auf die Umweltverschmutzung der Region, vor allem am Beispiel des Silbersees aufmerksam (die ORWO-Filmfabrik entsorgte in dieses Restloch des Tagebaus Grube Johannes diverse Abfälle)[8] – mit dem Beitrag Bitteres aus Bitterfeld von Rainer Hällfritzsch, Ulrike Hemberger und Margit Miosga unter Mitarbeit von Hans Zimmermann aus Bitterfeld und Ulrich Neumann aus Ost-Berlin vom Grün-ökologischen Netzwerk Arche.[9]

Nach der Friedlichen Revolution von 1989 und den sich ergebenden Industriestilllegungen konnten Menschen, Pflanzen und Natur bildlich gesprochen wieder aufatmen. Wenn auch der Wegfall vieler Arbeitsplätze vielfach eine enorme Belastung für die Menschen bedeutete, konnte nun daran gedacht werden, die geschundene Region wieder lebenswerter zu machen. Mit milliardenschweren Rekultivierungsleistungen wurde die Bergbaufolgelandschaft um Bitterfeld in eine Wald- und Seenlandschaft verwandelt, welche heute Ziel für Wanderer und Wassersportler ist. Stück für Stück kann beobachtet werden, wie die Natur ihre alten Narben überwächst. Monika Maron porträtierte in ihrem Roman Flugasche die äußerst schwierigen Produktionsbedingungen in Bitterfelder Chemiebetrieben.

Trotz Stilllegung zahlreicher Industriebetriebe und wirtschaftlicher Probleme ist Bitterfeld als Teil des „Mitteldeutschen Chemiedreiecks“ um Halle (Saale) und Leipzig mit dem neuen „Chemiepark“ (siehe unten) noch immer ein bedeutender Standort der modernen chemischen Industrie. Im Jahr 2000 war Bitterfeld eine Korrespondenzregion der Expo 2000 in Hannover. Eines der noch heute sichtbaren Expo-Resultate ist das Berufsschulzentrum August von Parseval. Es wurde im Jahr 2000 der Nutzung übergeben.

Städtefusion 2007

Bitterfeld ist am 1. Juli 2007 mit der Nachbarstadt Wolfen und den Gemeinden Greppin, Holzweißig und Thalheim zur neu gegründeten Stadt Bitterfeld-Wolfen fusioniert.[10] Die Stadt Bitterfeld-Wolfen fusionierte planmäßig am 1. September 2009 mit Bobbau (laut Bürgeranhörung waren 54 % der Einwohner Bobbaus gegen die Fusion mit Bitterfeld-Wolfen). Die Stadt Bitterfeld-Wolfen hat Ende 2010 ca. 45.000 Einwohner und ist damit die fünftgrößte Stadt Sachsen-Anhalts. Zudem schlossen sich im Zuge des Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt die Landkreise Bitterfeld und Köthen mit großen Teilen des Landkreises Anhalt-Zerbst zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld zusammen.

Bitterfeld-Syndrom

Das Bitterfeld-Syndrom bezeichnet eine anthropogen bedingte Bodendegradation durch lokale Kontamination, Abfallakkumulation und Altlasten. In Bitterfeld wurde dieses Syndrom erstmals in den 1990er-Jahren diagnostiziert. Die Ursachen für die starken Umweltprobleme in Bitterfeld lagen in der Ansiedelung von Chemieindustrie ohne ausreichende Umweltschutzmaßnahmen. Dies führt zu ökologischen Störungen und erhöhten Gesundheitsgefährdungen bei Menschen.

Einwohnerentwicklung

1840 bis 1939
Jahr Einwohner
1840 04.649
1870 05.693
1880 06.531
1890 09.047
1925 18.384
1933 21.328
1939 23.949
1946 bis 1995
Jahr Einwohner
1946 32.833 [EW 1]
1950 32.814 [EW 2]
1960 31.687
1981 22.199
1984 21.279
1990 18.099 [EW 3]
1995 16.868
2000 bis 2006[11]
Jahr Einwohner
2000 16.507
2001 16.237
2002 15.985
2003 15.798
2004 15.755
2005 15.728
2006 15.709 [EW 4]

(ab 1840 jeweils zum 31. Dezember):[12]

Politik

Rathaus

Städtepartnerschaften

Bitterfeld unterhält Städtepartnerschaften zu folgenden Städten:

Ortschaftsrat

Der Ortschaftsrat des Ortsteils Bitterfeld hat 19 Sitze. Bei der letzten Wahl zum Ortschaftsrat am 22. April 2007 ergab sich folgende Sitzverteilung:

CDU 7 Sitze
SPD 4 Sitze
Die Linke 4 Sitze
Wählerliste Sport (Freie Wähler) 3 Sitze
FDP 1 Sitz

Flagge

Die Flagge ist Rot-Weiß gestreift. Das Stadtwappen ist mittig auf die Flagge aufgelegt.

Bitterfelder Wappen

Wappen

Das Wappen wurde am 14. Februar 2000 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 4/2000 registriert. Blasonierung: „In Silber auf gewölbtem grünen Schildgrund ein roter Rundturm mit grünem, rot bekreuztem Spitzdach und offenem Rundbogenfenster über offenem Rundbogentor; der Turm beseitet von je einem schwebenden Dreieckschild, rechts: neunmal von Schwarz über Gold geteilt, schrägrechts belegt mit einem grünen Rautenkranz (Sachsen), links: in Silber drei (2:1) rote Seeblätter (Grafen von Brehna)“. Das Wappen wurde vom Magdeburger Kommunalheradiker Jörg Mantzsch neugestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Evangelische Kirche
Katholische Kirche

Denkmale

  • Gedenkstein aus dem Jahre 1962 auf einer Grünanlage in der Dessauer Straße zur Erinnerung an den kommunistischen Parteivorsitzenden Ernst Thälmann, der in Bitterfeld mehrmals als Redner im Rotfrontkämpferbund auftrat. Ein weiterer Stein und zwei Tafeln befinden sich auf dem Gelände der Concordia-Festsäle
  • Gedenkstätte aus dem Jahre 1951 für die Opfer des Faschismus auf dem Neuen Friedhof Friedensstraße 43 mit den Massengräbern von 43 Zwangsarbeitern, sechs unbekannten KZ-Häftlingen eines Todesmarsches, eines polnischen Naziopfers sowie zweier deutscher NS-Widerstandskämpfer
  • Sowjetisches Ehrenmal aus dem Jahre 1949 auf dem Neuen Friedhof für 60 Zwangsarbeiter, 60 Kriegsgefangene und 69 verstorbene Rotarmisten
  • Gedenkstein aus dem Jahre 1950 im einstigen Chemiekombinat, Kreuzung B183/B184 („Säurekreuzung“), für sechs ermordete sowjetische Kriegsgefangene
  • Gedenktafel aus dem Jahre 1950 an der Hauptwerkstatt des ehemaligen Kombinats zur Erinnerung an den Antifaschisten Paul Schiebel, der 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden ermordet wurde
  • Gedenktafel aus dem Jahre 1981 in der Dürener Straße (zur DDR-Zeit Richard-Stahn-Straße) zur Erinnerung an den 1938 im KZ Buchenwald ermordeten Kommunisten Richard Stahn, an den früher auch der Name einer Hilfsschule am Hahnstückenweg 4 erinnerte
  • Gedenktafel aus dem Jahre 2003 am Bitterfelder Rathaus für Paul Othma (1905–1969), Streikführer vom 17. Juni 1953, der an den Folgen seiner elfeinhalbjährigen politischen Haft verstarb.[13]

Museen

In dem 1839 in der Stadtmitte als Schulgebäude errichteten Kreismuseum befinden sich Dauerausstellungen zur Regionalgeschichte, Geologie, Biologie und Archäologie. Daneben ist eine Dauerausstellung der Ballonfahrt gewidmet, die in Bitterfeld auf eine 90jährige Tradition zurückblicken kann. Im Keller ist eine ständige Ausstellung zum Bitterfelder Bernstein zu sehen, die die einzige deutsche, im Abbau befindliche Bernsteinlagerstätte nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt.

Sport

Zweimal fand in Bitterfeld die FAI World Gas Balloon Championship, die Gasballonweltmeisterschaft, statt. 1996 gewann das deutsche Team um Thomas Fink und Co-Pilot Rainer Hassold aus Augsburg mit dem Ballon GER 1. 2004 fand die letzte Gasballonweltmeisterschaft nach acht Jahren wieder in Bitterfeld statt. Wieder siegte ein deutsches Team.

Seit der Saison 2010/2011 ist Bitterfeld mit den BSW Sixers in der 2. Bundesliga Pro B im Basketball vertreten.

Wirtschaft und Infrastruktur

Entwicklung

Tagebaurestlöcher in Bitterfeld, 1991

Mit Beginn des Braunkohletagebaus 1839 südlich von Bitterfeld nahm der Ort einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Die über den Kohlefeldern lagernden Tonschichten begünstigten ein schnelles Wachstum der Steinzeugindustrie, die neben der im Rheinland zu den wichtigsten des Deutschen Reiches gehörte. 1893 errichtete Walther Rathenau die Elektrochemischen Werke, denen noch im gleichen Jahr die Chemische Fabrik Griesheim als weiterer Betrieb der Elektrochemie folgt. Hiermit war der Grundstein für Bitterfeld als bedeutendster Ort der europäischen Chlorchemie gelegt. Ausschlaggebender Grund für die Ansiedlung waren die ausgiebigen und preiswerten Kohlevorkommen, die zur Herstellung von elektrischer Energie benötigt wurden. Die chemische Industrie expandierte enorm und gewann während des Ersten Weltkriegs zusätzlich an Bedeutung, als das rohstoffarme Deutschland gezwungen war, auf chemischem Wege gewonnene Ersatzprodukte zu schaffen. In Bitterfeld wurde 1915 eine der größten Aluminiumhütten errichtet, daneben entstanden Großkraftwerke. Auch der Braunkohletagebau erweiterte sich zusehends, was negative Auswirkungen auf die Landschaft hatte. Mit Bildung der I.G. Farbenindustrie AG 1925 wurde Bitterfeld ab 1926 Sitz der I.G. Farben Betriebsgemeinschaft Mitteldeutschland. In den Folgejahren kamen die Braunkohlengruben in den Besitz der I.G. Farben.

Nach Kriegsende wurden die Betriebe 1946 in Sowjetische Aktiengesellschaften überführt, um dann als Volkseigene Betriebe der DDR übereignet zu werden. In Bitterfeld entstanden so die VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld (EKB) die 1969 in den VEB Chemiekombinat Bitterfeld (CKB) übergingen. Bitterfeld beherbergte mit dem VEB Industrie- und Kraftwerksrohrleitungsbau Bitterfeld (IKR) einen weiteren bedeutenden Betrieb der DDR-Wirtschaft. Die Betriebe der Steinzeugwerke wurden in den VEB Steinzeugwerke Bitterfeld überführt, der bis 1959 bestand. Ein weiteres bedeutendes Unternehmen war das Braunkohlenkombinat Bitterfeld (BKK). Die Umweltprobleme, die die Bitterfelder Industrie aufgrund einer stark überalterten Ausstattung ohne Umweltschutzmaßnahmen verursachte, sind legendär. Plakativ, aber nicht ganz ohne Anlass wurde Bitterfeld daher als „schmutzigste Stadt Europas“ bezeichnet.

1990 erfolgte die großflächige Stilllegung von Industriebetrieben und das Ende des Braunkohlenbergbaus. Die Tagebaubrachen wurden größtenteils geflutet und mit erheblichen Fördermitteln renaturiert. Das Gelände der chemischen Industrie wurde privatisiert, und daraus hervorgegangene Betriebe führten zusammen mit namhaften Neuansiedlern (Bayer, Heraeus, Akzo Nobel, Degussa) die Tradition Bitterfelds als bedeutenden Chemiestandort fort. Im Bayer-Werk Bitterfeld werden z.B. fast alle Aspirin-Tabletten für den europäischen Markt produziert. Als Standortvorteil erweist sich ein Stoffverbund, der über ein weitverzweigtes Rohrbrückensystem innerhalb des Chemieparks zwischen verschiedenen Anliegern, speziell im Bereich der Chlorchemie, durchgeführt wird. Der politische Wechsel 1989/1990 und die anschließende Umgestaltung und Privatisierung der Industrie führte zu einer Arbeitslosigkeit von über 20 Prozent, die seit längerer Zeit mit Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit abgemildert wird. Gegenwärtig nimmt die hiesige Wirtschaft eine zunehmend positive Entwicklung. Die Gründung des Q-Cells-Konzerns mit seinen Töchterfirmen hat Bitterfeld-Wolfen und das angrenzende Thalheim zu einem Weltzentrum der Solarindustrie gemacht. Bereits über 3000 Mitarbeiter wurden eingestellt und sorgen für eine zunehmende Wirtschafts- und Kaufkraft am Standort Bitterfeld. Sie bilden nun das so genannte Solar Valley der Solarindustrie.

Teil des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen, Juli 2009

Unternehmen

Folgende Unternehmen (Auswahl) sind im 2001 entstandenen Preiss-Daimler ChemiePark Bitterfeld Wolfen angesiedelt[14], der sich auch über die Ortsteile Wolfen, Thalheim und Greppin erstreckt: Akzo Nobel Chemicals GmbH, Bayer Bitterfeld GmbH, Degussa AG, Dow Wolff Cellulosics, Heraeus Tenevo AG / Heraeus Quarzglas GmbH & Co. KG, Linde AG Geschäftsbereich Linde Gas, Q-Cells SE, Sovello AG, Solibro GmbH.

Verkehr

Anschluss an ein reguläres Wegenetz erhielt der Kreis Bitterfeld 1823 mit Anbindung an die Chaussee von Berlin über Halle (Saale) nach Kassel. Ihr Verlauf entspricht auf Kreisgebiet dem der heutigen Bundesstraße 100. Die im Jahr 1840 eröffnete Bahnverbindung Magdeburg–Halle (Saale) schloss den Kreis Bitterfeld an das noch junge deutsche Bahnnetz an. Allerdings war der Nutzen gering, da die Linie nur den westlichen Teil des Kreises berührte. Die Situation verbesserte sich, als Bitterfeld 1857 eine Bahnverbindung nach Dessau erhielt und an das Netz der Berlin-Anhalter Eisenbahn angeschlossen wurde. Bereits zwei Jahre später entstanden Verbindungen nach Leipzig, Halle (Saale) und Wittenberg. Bitterfeld wurde damit 1859 zu einem Bahnknoten und hatte eine hervorragende Ausgangslage für die Entwicklung der einheimischen Braunkohlen- und Steinzeugindustrie. Ergänzt wurde das Bahnnetz 1897 mit der Linie Bitterfeld–Stumsdorf, die den Bahnknoten Bitterfeld direkt mit der Linie MagdeburgHalle (Saale) verband. 1868 wurde die Kreischaussee Bitterfeld–Zörbig eröffnet. Im Jahre 1906 wurde eine Kommission zur Vorbereitung des Baus einer Strecke zwischen Bitterfeld und Eilenburg über Hohenprießnitz gegründet. Aufgrund des wenig später ausgebrochenen Ersten Weltkriegs wurden die Pläne dafür jedoch wieder verworfen.[15][16] Ab 1911 war Bitterfeld an den elektrischen Zugverkehr angeschlossen. Die erste normalspurige Vollbahnstrecke des deutschen Reiches nahm zwischen Bitterfeld und Dessau ihren Betrieb auf. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde der elektrische Betrieb eingestellt und erst 1922/1923 wieder aufgenommen. Die Reichsautobahn von Berlin nach Nürnberg (die heutige A 9) berührt den Kreis und wurde 1938[17] eröffnet.

Bitterfelder Bahnhof

Im ehemaligen Landkreis Bitterfeld gibt es drei Auffahrten zur A 9: Dessau-Süd, Bitterfeld-Wolfen und Brehna. Durch das Stadtgebiet verlaufen die Bundesstraßen 100 (Halle/Saale–Bitterfeld-Wolfen–Lutherstadt Wittenberg), 183 (Köthen–Bitterfeld-Wolfen–TorgauBad Liebenwerda) und 184 (Magdeburg–Zerbst–Dessau–Bitterfeld-Wolfen–Leipzig).

Bitterfeld ist Fernverkehrshalt der Intercity-Linie (Stralsund)–Halle (Saale)–Erfurt–Kassel–PaderbornDortmundDüsseldorf–(Köln). Zusätzlich halten einzelne Intercity-Express-Züge auf der Strecke (Hamburg)–Berlin–Leipzig–(München) in Bitterfeld.

Im Regionalverkehr besteht durch einen zweistündlich verkehrenden Regional-Express Anschluss nach Leipzig, Dessau und Magdeburg. Bitterfeld ist zudem Umsteigepunkt für die Regionalbahn-Linien Halle (Saale) bzw. Leipzig–Bitterfeld–Dessau bzw. Lutherstadt Wittenberg. Die Bahnstrecke nach Stumsdorf wird nur im Güterverkehr bedient.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter Bitterfelds

  • Johann Ernst Altenburg (1736−1801), Trompeter und Organist
  • Adolf Hilmar von Leipziger (1825–1891), Oberpräsident von Westpreußen
  • Arno Werner (1865−1955), Lehrer, Organist und Musikhistoriker
  • Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Thon (* 25. April 1859, † 7. Mai 1932) Thon war Schriftsteller und veröffentlichte unter dem Pseudonym Fritz Erdner zahlreiche Werke. Er studierte Deutsch und klassische Sprachen. Nach seiner Promotion 1888 kam er als Lehrer nach Bitterfeld. Sein umfangreicher Nachlass befindet sich heute im Stadtarchiv Bitterfeld.
  • Emil Obst (* 14. Juni 1853, † 24. Januar 1929) machte sich seit 1876 als Heimatforscher der Region Bitterfeld in außerordentlicher Weise verdient. Seine Sammlung war der Grundstock des von ihm 1892 gegründeten Stadtmuseums. Bis zu seinem Tode war er unermüdlich als Chronist und Heimatforscher tätig, auf seinen Forschungsergebnissen baut die Heimatgeschichte der Gegenwart auf.
  • Dr. Hans-Werner Schmidt (* 17. März 1904; † 8. Juni 1991) Kunsthistoriker, Museumsleiter in Braunschweig
  • Erwin Ding-Schuler (1912–1945) SS-Sturmbannführer und erster Lagerarzt des KZ Buchenwald
  • Adolf Drescher (1921–1967), Pianist
  • Nikolaus Cybinski (* 1936), deutscher Aphoristiker
  • Lutz Zülicke (* 1936), theoretischer Chemiker
  • Rudi Czaja (1939–2001), Landtagsabgeordneter (DVU)
  • Matthias Hermann (* 1958), Schriftsteller
  • Hans Zimmermann, Bauleiter, Umweltaktivist (im Juni 1988 Mitarbeit am Kontraste-Beitrag Bitteres aus Bitterfeld)[18]

Andere Persönlichkeiten

  • August von Parseval (1861–1942): Seine von ihm entwickelten Prallluftschiffe wurden teilweise in Bitterfeld gebaut. 1907 entstand hier eine Luftschiffwerft. Parseval war Ehrenmitglied des 1909 gegründeten „Verein für Luftschiffahrt von Bitterfeld und Umgegend“. 1910 wurde die dort verlaufende Parsevalstraße nach ihm benannt. An der Parsevalstraße befindet sich das in den Jahren 1998 bis 2000 neugebaute Berufsschulzentrum. Dem Berufsschulzentrum wurde im gleichen Jahr der Ehrenname „August von Parseval“ in einer Festveranstaltung verliehen.
  • Walther Rathenau (1867–1922): Er brachte durch die Ansiedlung der Elektrochemischen Werke im Auftrag der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) 1893 die chemische Industrie nach Bitterfeld und begründete somit den Aufstieg der Region zum Industriezentrum.
  • Rolf Habild (* 1904), von 1933 bis 1945 Landrat in Bitterfeld
  • Paul Othma (1905–1969): Elektriker, Sprecher des Streikkomitees vom 17. Juni 1953,[19] verurteilt zu 12 Jahren Zuchthaus.[20]
  • Klaus Staeck (* 1938): Grafiker und Jurist sowie Präsident der Akademie der Künste, wuchs in Bitterfeld auf und erlebte hier den 17. Juni 1953.[21]

Bürgermeister

Der Rat der Stadt bestand aus dem Bürgermeister und bis zu drei Ratsfreunden. Sie alle wurden jährlich neu gewählt, sodass jeder von ihnen im Abstand von drei Jahren mindestens einmal den Vorsitz des Rates ausübte.

  • 1556 Moritz Poyda († 1560)
  • ab 1558 im Wechsel: Moritz Poyda († 1560), Nicolaus (oder Nickel) Harding († 1576), Hermannus Bartholdus († 1589), Hans Quale († 1593) und Wenzel Haynn († 1631)
  • 1591, 1594, 1597 Conradus Reuter († 1626)
  • 1596 Paul Reuter

Bürgermeister des 17. bis in das 18. Jahrhundert hinein sind bis auf einen Valentin Becker, der 1661 starb, nicht bekannt.

  • 1727 bis 1731 Johann Christoph Schildhauer (* 1666, † 1745)
  • bis 1816 Johann Christian Friedrich Schmiedt, Johann Gottfried Barth, Johann Gottlieb Ander
  • 1831 bis 1837 Friedrich Gottlieb Viole (* 1796, † 1837)
  • 1837 bis 1846 Johann Gottlieb Ullrich
  • 1846 bis 1848 Dr. Johann Friedrich Liepe (für geisteskrank erklärt)
  • 1848 Franz Hellwig (Wahl nicht angenommen)
  • 1848 bis 1850 Heinrich August Atenstaedt († 1850) (Interim)
  • 1850 bis 1851 Dr. Johann Friedrich Liepe (anscheinend wieder gesundet)
  • 1851 bis 1863 Gottlieb Meuche
  • 1863 bis 1873 Gustav Frischbier
  • 1873 bis 1890 Robert Sommer († 18. Juni 1890)
  • 1890 bis 1914 Hugo Hermann Adalbert Dippe (* 3. Juni 1853, † 4. Juni 1916)
  • 1915 bis 1927 Ernst Albert Hermann Schmidt (Wahl bereits 1914, durch Kriegsdienst Antritt verschoben)
  • 1927 bis 1939 Arthur Erdmann Ebermann
  • 1939 bis 1945 Erhard Johann Martin Nimz
  • 1943 bis 1945 Dr. Walter Stieb (Interim)
  • 26. April 1945 bis 30. August 1945 Gustav Dietrich (Abwahl durch sowjetischen Stadtkommandanten) († 1972)
  • September 1945 bis 1946 Bernhard Moder
  • 1946 bis 1949 Ernst Rettel
  • 1949 bis 1950 Karl Salbach
  • 1950 bis 1953 Heinz-Rudolf Strauch
  • 1953 bis 1959 Wolfgang Stille
  • 1959 bis 1971 Else Petruschka
  • 1971 bis 1979 Max Dittbrenner
  • 1979 bis 1982 Karlheinz Sohr
  • 1982 bis 1990 Klaus Barth
  • 1990 bis 1994 Edelgard Kauf
  • 1994 bis 2007 Dr. Werner Rauball

Ortsbürgermeister ab 2007

  • 2007 bis 2009 Horst Tischer
  • ab 2010 Dr. Joachim Gülland

Ehrenbürger

  • Eugen Gustav Goltz, Stadtverordneter, Ehrenbürgerwürde am 2. Januar 1896
  • Heinrich August Piltz, Stadtverordneter und Industrieller, Ehrenbürgerwürde 1902
  • Albert Richter, Kaufmann und Stadtrat, Ehrenbürgerwürde 1924
  • ehemaliger Reichskanzler Adolf Hitler und ehemaliger Reichspräsident Paul von Hindenburg (beide im 3. Reich), Ehrenbürger 1933 (Beiden wurde die Ehrenbürgerschaft auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bitterfeld am 16. August 1990 aberkannt)
  • Lothar Hentschel (* 19. Februar 1930, † 18. Januar 1999), Bürgermeister der Partnerstadt Marl, Ehrenbürgerwürde 1996
  • Ernst Thronicke (* 6. September 1920, † 28. Oktober 2007), Zeichenlehrer und Maler, Ehrenbürgerwürde 1998

Hinweis: Die Ehrenbürgerwürde ist ein Recht, das nach § 34 der Gemeindeordnung von Sachsen-Anhalt nur an lebende Personen verliehen werden kann. Es erlischt mit dem Tod. Gleiches galt auch für die vorher geltende Provinzialverfassung des Landes Sachsen-Anhalt. Aus diesem Grund hat Bitterfeld zurzeit strenggenommen keinen Ehrenbürger mehr.

Literatur über Bitterfeld

  • Monika Maron: Flugasche. Roman. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 978-3-596-23784-5.
  • Chemie AG Bitterfeld-Wolfen; Redaktion: B. Tragsdorf, J. Marcy, G. Sandring, Chr. Angermann: Bitterfelder Chronik – 100 Jahre Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen. Druckhaus Dresden, 1993.
  • Stadt Bitterfeld (Hrsg.): 775 Jahre Bitterfeld. Streifzüge durch die Geschichte einer Stadt. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1999, ISBN 3-932776-79-8.
  • Peter Hoffmann (Friedersdorf): Als Bitterfeld noch ein Bier hatte. Verein für Kultur und Lebenshilfe, 2000.
  • Dirk Hackenholz: Die elektrochemischen Werke in Bitterfeld 1914–1945. Ein Standort der IG-Farbenindustrie AG. LIT-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7656-X.
  • Hannelore Lojewsky: Seh’n wir uns nicht in dieser Welt, so seh’n wir uns in Bitterfeld. In: Norbert Kühne: Individuelles Lernen wird an Bedeutung gewinnen. 100 Jahre Hans-Böckler-Berufskolleg Marl/Haltern, Marl 2009, S. 29–30.
  • Klaus Seehafer: Dann sehn wir uns in Bitterfeld. Tagebuch eines Jahres. Mitteldeutscher Verlag, Halle/S. 2009, ISBN 3-89812-664-1.
  • Monika Maron: Bitterfelder Bogen. Ein Bericht. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-10-048828-2.
  • Stefanie Wahl, Paul Werner Wagner (Hrsg.): Der Bitterfelder Aufstand. Der 17. Juni 1953 und die Deutschlandpolitik. Ereignisse – Zeitzeugen – Analysen. Forum Verlag, Leipzig 2003, ISBN 978-3-931801-30-4.
  • Heidemarie Schmidt, Paul Werner Wagner: „… man muss doch mal zu seinem Recht kommen …“: Paul Othma – Streikführer am 17. Juni 1953 in Bitterfeld. Reihe „Sachbeiträge“, Nr. 17. Magdeburg: Die Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Sachsen-Anhalt 2001. zum Download

Filme über Bitterfeld

Siehe auch

Quellen

  1. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961–1990
  2. Monika Maron: Flugasche. Roman. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 978-3-596-23784-5.
  3. Ralf Herzig: Bitterfeld – Beschreibung einer Traurigkeit. Ein Foto-Essay, in: Horch und Guck, 18. Jg., Heft 64 (2/2009), S. 12–13. Artikel im Netz
  4. Berichte, Dokumente und Fotos auf jugendopposition.de: Volksaufstand 1953 in Bitterfeld
  5. Telegramm an die Regierung der DDR
  6. Volksaufstand 1953 in Bitterfeld, Fotos und Texte
  7. 11. Juli 1968. Der große Knall von Bitterfeld. In: Jan Eik und Klaus Behling: Verschlusssache. Die Größten Geheimnisse der DDR. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2008, ISBN 978-3-360-01944-8, S. 116–117
  8. Der Volksmund sagte, dass man in diesem See Filme entwickeln könne, was aber nicht zutraf, da vor allem Reste der Kunstfaserproduktion eingeleitet wurden. Vgl. Ralf Herzig: Bitterfeld – Beschreibung einer Traurigkeit. Ein Foto-Essay. In: Horch und Guck, 18. Jg., Heft 64 (2/2009), S. 12–13. Artikel im Netz
  9. Der Bitterfelder Umweltaktivist Hans Zimmermann erinnert sich im Gespräch mit Hellmuth Frauendorfer, mdr-Magazin Fakt vom 12. April 2010
  10. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  11. Datenquelle ab 1995: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
  12. Datenquelle ab 1995: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
  13. Porträt des Bitterfelder Streikleiters Paul Othma
  14. Unsere Ansiedler auf der Website der P-D ChemiePark Bitterfeld Wolfen GmbH
  15. Jahrbuch für Eilenburg und Umgebung 2006
  16. Wolfgang Beuche: Die Industriegeschichte von Eilenburg Teil I, 1803-1950, 2008, ISBN 978-3-8370-5843-7
  17. www.autobahn-online.de
  18. Veranstaltung mit Hans Zimmermann
  19. Paul Othma bemüht sich, Gewalt einzudämmen, und versucht, das Streikkomitee als neue Machtzentrale durchzusetzen.
  20. Kurzbiografie
  21. Zeitzeugenbericht von Klaus Staeck zum Volksaufstand 1953 in Bitterfeld

Erhebungszeitpunkte der Einwohnerzahlen

  1. 29. Oktober
  2. 31. August
  3. 3. Oktober
  4. 30. Juni

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