Bitterfeld-Syndrom
Bitterfeld
Koordinaten: 51° 38′ N, 12° 20′ O51.62638888888912.3277777777787Koordinaten: 51° 37′ 35″ N, 12° 19′ 40″ O
Fläche: 27,9 km²
Einwohner: 15.376 (30. Juni 2008)
Eingemeindung: 1. Juli 2007
Postleitzahlen: 06766, 06749
Vorwahl: 03493

Bitterfeld ist ein Ortsteil der Stadt Bitterfeld-Wolfen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt und ein Zentrum der chemischen Industrie. Bis zum 30. Juni 2007 war Bitterfeld eine eigenständige Stadt und Kreisstadt des Landkreises Bitterfeld.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Villa am Bernsteinsee (auch: Goitzschesee)

Bitterfeld liegt etwa 25 km nordöstlich von Halle (Saale) und etwa 35 km nördlich von Leipzig. Östlich befindet sich der Muldestausee. Im Norden schließt sich der Ortsteil Wolfen und südöstlich der Stadt die Goitzsche an, das Naturschutzgebiet mit 24km² Wasserfläche.

Nachbargemeinden

Angrenzende Gemeinden sind Friedersdorf, Greppin, Holzweißig, Mühlbeck, Muldenstein, Pouch, Sandersdorf und Zscherndorf.

Klima

Klimadiagramm von Bitterfeld[1]

Die durchschnittlich Lufttemperatur in Bitterfeld beträgt 10,0 °C, der jährliche Niederschlag 518 Millimeter.

Geschichte

Bitterfeld wird erstmals am 28. Juni 1224 urkundlich erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg wird der Ort 1637 durch die Schweden geplündert. Nachdem Bitterfeld lange Zeit zu Sachsen gehörte, wurde es im Zuge des Wiener Kongresses 1815 der preußischen Provinz Sachsen angegliedert.

Zum wirtschaftlichen Aufschwung kam es in Bitterfeld durch Industrieansiedlung und Anbindung an das Eisenbahnnetz nach 1857. In den Chemie- und Rüstungsbetrieben der Stadt mussten in der Zeit des Nationalsozialismus mehrere hundert Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalität Zwangsarbeit verrichten.

In der Zeit von 1974 bis 1993 wurde in Bitterfeld Bernstein im Tagebau abgebaut, zunächst von Hand, ab 1976 mit maschinellen Hilfsmitteln.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Bitterfeld ein für die damalige Zeit "modernes" Industriezentrum in dem auch kriegswichtige Substanzen hergestellt wurden, in Zeiten der späten DDR wurde es zu einem Symbol für die marode Ausstattung der Wirtschaft und gefährliche Umweltverschmutzung, da keine Modernisierung der Anlagen durchgeführt wurde und so die Verschmutzung der Umwelt genauso weiterging wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Akkumulation von Giften aus den vielen Jahren umweltzerstörendem Wirtschaftens, vor allem auch während der Weltkriege, hat bis heute beträchtliche Schäden an der Umwelt in dieser Region zur Folge. In jenen Jahren trug die Stadt auch den wenig schmeichelhaften Titel „dreckigste Stadt Europas“.

Am 11. Juli 1968 wurde Bitterfeld von einem gewaltigen Explosionsunglück erschüttert. Im Chemiekombinat war die PVC-Halle in die Luft geflogen. 42 der 57 in der Halle befindlichen Arbeiter waren sofort tot, insgesamt 200 Menschen mussten ärztlich versorgt werden. Weite Teile des Werks waren zerstört.[2]

Mit der Wende nach 1989 und den sich ergebenden Industriestilllegungen konnten Menschen, Pflanzen und Natur bildlich gesprochen wieder aufatmen. Wenn auch der Wegfall vieler Arbeitsplätze vielfach eine enorme Belastung für die Menschen bedeutete, konnte nun daran gedacht werden, die geschundene Region wieder lebenswerter zu machen. Mit milliardenschweren Rekultivierungsleistungen wurde die Bergbaufolgelandschaft um Bitterfeld in eine Seenlandschaft verwandelt, welche heute Wanderern und Wassersportlern ein kleines Paradies beschert. Stück für Stück kann beobachtet werden, wie die Natur ihre alten Narben heilt. Monika Maron porträtierte in ihrem Roman Flugasche die äußerst schwierigen Produktionsbedingungen in Bitterfelder Chemiebetrieben. Trotz Stilllegung zahlreicher Industriebetriebe und wirtschaftlicher Probleme ist Bitterfeld als Teil des „Mitteldeutschen Chemiedreiecks“ um Halle (Saale) und Leipzig mit dem neuen „Chemiepark“ (siehe unten) noch immer ein bedeutender Standort der modernen chemischen Industrie.

Im Jahr 2000 war Bitterfeld eine Korrespondenzregion der Expo 2000 in Hannover. Eines der noch heute sichtbaren Expo-Resultate ist das Berufsschulzentrum August von Parseval. Es wurde im Jahr 2000 der Nutzung übergeben.

Bitterfeld-Syndrom

Das Bitterfeld-Syndrom bezeichnet eine anthropogen bedingte Bodendegradation durch lokale Kontamination, Abfallakkumulation und Altlasten. In Bitterfeld wurde dieses Syndrom erstmals diagnostiziert. Die Ursachen für die starken Umweltprobleme in Bitterfeld lagen in der Ansiedelung von Chemieindustrie ohne ausreichende Umweltschutzmaßnahmen.

Städtefusion 2007

Bitterfeld ist am 1. Juli 2007 mit der Nachbarstadt Wolfen und den Gemeinden Greppin, Holzweißig und Thalheim zur neu gegründeten Stadt Bitterfeld-Wolfen fusioniert. Die Stadt Bitterfeld-Wolfen wird planmäßig zum 1. Januar 2010 mit Bobbau fusionieren (laut Bürgeranhörung sind 54% der Einwohner Bobbaus gegen die Fusion mit Bitterfeld-Wolfen). Die Stadt Bitterfeld-Wolfen hat zusammen knapp 50.000 Einwohner und ist damit die viertgrößte Stadt Sachsen-Anhalts.

Zudem schlossen sich im Zuge des Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt die Landkreise Bitterfeld und Köthen mit großen Teilen des Landkreises Anhalt-Zerbst zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld zusammen.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1840 31. Dezember):

1840 bis 1939

  • 1840 - 4.649
  • 1870 - 5.693
  • 1880 - 6.531
  • 1890 - 9.047
  • 1925 - 18.384
  • 1933 - 21.328
  • 1939 - 23.949

1946 bis 1995

  • 1946 - 32.833 1
  • 1950 - 32.814 2
  • 1960 - 31.687
  • 1981 - 22.199
  • 1984 - 21.279
  • 1990 - 18.099 3
  • 1995 - 16.868

2000 bis 2006

  • 2000 - 16.507
  • 2001 - 16.237
  • 2002 - 15.985
  • 2003 - 15.798
  • 2004 - 15.755
  • 2005 - 15.728
  • 2006 - 15.709 4
Datenquelle ab 1995: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt

1 29. Oktober
2 31. August
3 03. Oktober
4 30. Juni

Politik

Ortschaftsrat

Der Ortschaftsrat des Ortsteils Bitterfeld hat 19 Sitze. Bei der letzten Wahl zum Ortschaftsrat am 22. April 2007 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Wappen

Wappen Bitterfeld

Blasonierung: „In Silber auf gewölbtem grünen Schildgrund einen roten Rundturm mit grünem, rot bekreuztem Spitzdach und offenem Rundbogenfenster über offenem Rundbogentor; der Turm beseitet von je einem schwebenden Dreieckschild, rechts: neunmal von Schwarz über Gold geteilt, schrägrechts belegt mit einem grünen Rautenkranz (Sachsen), links: in Silber drei (2:1) rote Seeblätter (Grafen von Brehna).“

Hinweis: Die bildhafte Darstellung des Wappens ist darstellungsbedingt nicht richtig: Rundbogenfenster und Rundbogentor sind in Silber darzustellen.

Städtepartnerschaften

Bitterfeld unterhält Städtepartnerschaften zu folgenden Städten:

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

In dem 1839 in der Stadtmitte als Schulgebäude errichteten Kreismuseum befinden sich Dauerausstellungen zur Regionalgeschichte, Geologie, Biologie und Archäologie. Daneben ist eine Dauerausstellung der Ballonfahrt gewidmet, die in Bitterfeld auf eine 90jährige Tradition zurück blicken kann. Im Keller ist eine ständige Ausstellung zum Bitterfelder Bernstein zu sehen, die die einzige deutsche, im Abbau befindliche Bernsteinlagerstätte nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt.

Bauwerke

Der Pegelturm in Bitterfeld.
Rathaus Bitterfelds
Zentral gelegene Kirche
Berufsschulzentrum Bitterfeld-Wolfen
  • Ev. Kirche St. Antonius, 1905 – 1910, neugotischer Backsteinbau
  • Rathaus, 1863 – 1865, neugotischer Backsteinbau nach Entwurf von August Friedrich Ritter
  • „Fürstenherberge“, 1579, zweistöckiger, heute verputzter Fachwerkbau mit Renaissanceportal
  • Kath. Kirche Herz Jesu im gotischen Stil
  • Parkanlage Binnengärten, vulgo: Grüne Lunge
  • Kulturpalast, erbaut 1954, hier wurde der „Bitterfelder Weg“ 1956 verkündet; nach Sanierung Ende 2004 wieder eröffnet
  • erst künstlich später durch Hochwasser gefluteter TagebauGoitzsche“ (Bernsteinsee) mit Pegelturm und Wasserfront
  • Berufsschulzentrum August von Parseval Bitterfeld-Wolfen, 2000, seinerzeit größtes Niedrigenergiegebäude Deutschlands, Planung und Ausführung: scholl architekten gmbh, Stuttgart
  • Bitterfelder Bogen, eine begehbare Großskulptur (Landmarke und Aussichtspunkt auf dem Bitterfelder Berg) von dem deutschen Bildhauer Claus Bury (vollendet 2006)

Denkmale

  • Gedenkstein aus dem Jahre 1962 auf einer Grünanlage in der Dessauer Straße zur Erinnerung an den kommunistischen Parteivorsitzenden Ernst Thälmann, der in Bitterfeld mehrmals als Redner im Rotfrontkämpferbund auftrat. Ein weiterer Stein und zwei Tafeln befinden sich auf dem Gelände der Concordia-Festsäle
  • Gedenkstätte aus dem Jahre 1951 für die Opfer des Faschismus auf dem Neuen Friedhof Friedensstraße 43 mit den Massengräbern von 43 Zwangsarbeitern, sechs unbekannten KZ-Häftlingen eines Todesmarsches, eines polnischen Naziopfers sowie zweier deutscher NS-Widerstandskämpfer
  • Sowjetisches Ehrenmal aus dem Jahre 1949 auf dem Neuen Friedhof für 60 Zwangsarbeiter, 60 Kriegsgefangene und 69 verstorbene Rotarmisten
  • Gedenkstein aus dem Jahre 1950 im einstigen Chemiekombinat, Kreuzung B180/B184 ("Säurekreuzung"), für sechs ermordete sowjetische Kriegsgefangene
  • Gedenktafel aus dem Jahre 1950 an der Hauptwerkstatt des ehemaligen Kombinats zur Erinnerung an den Antifaschisten Paul Schiebel, der 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden ermordet wurde
  • Gedenktafel aus dem Jahre 1981 in der Dürener Straße (zur DDR-Zeit Richard-Stahn-Straße) zur Erinnerung an den 1938 im KZ Buchenwald ermordeten Kommunisten Richard Stahn, an den früher auch der Name einer Hilfsschule am Hahnstückenweg 4 erinnerte

Sport

Wirtschaft und Infrastruktur

Mit Beginn des Braunkohletagebaus 1839 südlich von Bitterfeld nahm der Ort einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Die über den Kohlefeldern lagernden Tonschichten begünstigten ein schnelles Wachstum der Steinzeugindustrie, die neben der im Rheinland zu den wichtigsten des Deutschen Reiches gehörte. 1893 errichtete Walther Rathenau die Elektrochemischen Werke, denen noch im gleichen Jahr die Chemische Fabrik Griesheim als weiterer Betrieb der Elektrochemie folgt. Hiermit war der Grundstein für Bitterfeld als bedeutendster Ort der europäischen Chlorchemie gelegt. Ausschlaggebender Grund für die Ansiedlung waren die ausgiebigen und preiswerten Kohlevorkommen, die zur Herstellung von elektrischer Energie benötigt wurden. Die chemische Industrie expandierte enorm und gewann während des Ersten Weltkrieges zusätzlich an Bedeutung, als das rohstoffarme Deutschland gezwungen war, auf chemischem Wege gewonnene Ersatzprodukte zu schaffen. In Bitterfeld wurde 1915 eine der größten Aluminiumhütten errichtet, daneben entstanden Großkraftwerke. Auch der Braunkohletagebau erweiterte sich zusehends, was negative Auswirkungen auf die Landschaft hatte. Mit Bildung der I.G. Farbenindustrie AG 1925 wurde Bitterfeld ab 1926 Sitz der I.G. Farben Betriebsgemeinschaft Mitteldeutschland. In den Folgejahren kamen die Braunkohlengruben in den Besitz der I.G. Farben.

Elektrochemisches Kombinat, 1959

Nach Kriegsende wurden die Betriebe 1946 in Sowjetische Aktiengesellschaften überführt, um dann als Volkseigene Betriebe der DDR übereignet zu werden. In Bitterfeld entstanden so die VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld (EKB) die 1969 in den VEB Chemiekombinat Bitterfeld (CKB) übergingen. Bitterfeld beherbergte mit dem VEB Industrie- und Kraftwerksrohrleitungsbau Bitterfeld (IKR) einen weiteren bedeutenden Betrieb der DDR-Wirtschaft. Die Betriebe der Steinzeugwerke wurden in den VEB Steinzeugwerke Bitterfeld überführt, der bis 1959 bestand. Ein weiteres bedeutendes Unternehmen war das Braunkohlenkombinat Bitterfeld (BKK). Die Umweltprobleme, die die Bitterfelder Industrie aufgrund einer stark überalterten Ausstattung ohne Umweltschutzmaßnahmen verursachte, sind legendär. Plakativ aber nicht ganz ohne Anlass wurde Bitterfeld daher als „schmutzigste Stadt Europas“ bezeichnet.

Tagebaurestlöcher in Bitterfeld, 1991

1990 erfolgte die großflächige Stilllegung von Industriebetrieben und das Ende des Braunkohlenbergbaus. Die Tagebaubrachen wurden größtenteils geflutet und mit erheblichen Fördermitteln renaturiert. Das Gelände der chemischen Industrie wurde privatisiert und daraus hervorgegangene Betriebe führten zusammen mit namhaften Neuansiedlern (Bayer, Heraeus, Akzo Nobel, Degussa) die Tradition Bitterfelds als bedeutenden Chemiestandort fort. Im Bayer-Werk Bitterfeld werden z.B. fast alle Aspirin-Tabletten für den europäischen Markt produziert. Als Standortvorteil erweist sich ein Stoffverbund, der über ein weitverzweigtes Rohrbrückensystem innerhalb des Chemieparks zwischen verschiedenen Anliegern, speziell im Bereich der Chlorchemie, durchgeführt wird. Der politische Wechsel 1989/1990 und die anschließende Umgestaltung und Privatisierung der Industrie führte zu einer Arbeitslosigkeit von über 20%, die seit längerer Zeit mit Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit abgemildert wird. Gegenwärtig nimmt die hiesige Wirtschaft eine zunehmend positive Entwicklung. Die Gründung des Q-Cells-Konzerns mit seinen Töchterfirmen hat Bitterfeld-Wolfen und das angrenzende Thalheim zu einem Weltzentrum der Solarindustrie gemacht. Bereits über 3000 Mitarbeiter wurden eingestellt und sorgen für eine zunehmende Wirtschafts- und Kaufkraft am Standort Bitterfeld.

Verkehr

Anschluss an ein reguläres Wegenetz erhielt der Kreis Bitterfeld 1823 mit Anbindung an die Chaussee von Berlin über Halle (Saale) nach Kassel. Ihr Verlauf entspricht auf Kreisgebiet dem der heutigen Bundesstraße 100. Die im Jahr 1840 eröffnete Bahnverbindung Magdeburg - Halle (Saale) schließt den Kreis Bitterfeld an das noch junge deutsche Bahnnetz an. Allerdings ist der Nutzen gering, da die Linie nur den westlichen Teil des Kreises berührt. Die Situation verbessert sich, als Bitterfeld 1857 eine Bahnverbindung nach Dessau erhält und an das Netz der Berlin-Anhalter Eisenbahn angeschlossen wird. Bereits zwei Jahre später entstehen Verbindungen nach Leipzig, Halle (Saale) und Wittenberg. Bitterfeld wird damit 1859 zu einem Bahnknoten und bietet eine hervorragende Ausgangslage für die Entwicklung der einheimischen Braunkohlen- und Steinzeugindustrie. Ergänzt wird das Bahnnetz 1897 mit der Linie Bitterfeld - Stumsdorf, die den Bahnknoten Bitterfeld direkt mit der Linie Magdeburg - Halle (Saale) verbindet. 1868 wird die Kreischaussee Bitterfeld - Zörbig eröffnet. Ab 1911 ist Bitterfeld an den elektrischen Zugverkehr angeschlossen. Die erste normalspurige Vollbahnstrecke des deutschen Reiches nimmt zwischen Bitterfeld und Dessau ihren Betrieb auf. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wird der elektrische Betrieb eingestellt und erst 1922/1923 wieder aufgenommen. Die Reichsautobahn von Berlin nach Nürnberg (die heutige A9) berührt den Kreis und wird 1938[3] eröffnet.

Im ehemaligen Landkreis Bitterfeld befinden sich heute drei Auffahrten zur A9: Dessau-Süd, Bitterfeld-Wolfen und Brehna. Durch das Stadtgebiet verlaufen außerdem die Bundesstraßen 100 (Halle/Saale - Bitterfeld-Wolfen - Lutherstadt Wittenberg), 183 (Köthen - Bitterfeld-Wolfen - Torgau - Bad Liebenwerda) und 184 (Magdeburg - Zerbst - Dessau - Bitterfeld-Wolfen - Leipzig).

Bitterfeld ist Fernverkehrshalt der Intercity-Linie (Stralsund) - Halle (Saale) - Erfurt - Kassel - Paderborn - Dortmund - Düsseldorf - (Köln). Zusätzlich halten einzelne Intercity-Express-Züge auf der Strecke (Hamburg) - Berlin - Leipzig - (München) in Bitterfeld.

Im Regionalverkehr besteht durch einen zweistündlich verkehrenden Regional-Express Anschluss nach Leipzig, Dessau und Magdeburg. Bitterfeld ist zudem Umsteigepunkt für die Regionalbahn-Linien Halle (Saale) bzw. Leipzig - Bitterfeld - Dessau bzw. Lutherstadt Wittenberg. Die Bahnstrecke nach Stumsdorf wird z.Z. nur im Güterverkehr aber nicht im Personenverkehr bedient.

Ansässige Unternehmen

Folgende Unternehmen (Auswahl) sind im neu entstandenen Preiss-Daimler ChemiePark Bitterfeld Wolfen angesiedelt:

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Eugen Gustav Goltz, Stadtverordneter, Ehrenbürgerwürde am 2. Januar 1896
  • Heinrich August Piltz, Stadtverordneter und Industrieller, Ehrenbürgerwürde 1902
  • Albert Richter, Kaufmann und Stadtrat, Ehrenbürgerwürde 1924
  • Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg, Ehrenbürger 1933 (Beiden wurde die Ehrenbürgerschaft auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bitterfeld am 16. August 1990 aberkannt)
  • Lothar Hentschel (* 19. Februar 1930, † 18. Januar 1999), Bürgermeister der Partnerstadt Marl, Ehrenbürgerwürde 1996
  • Ernst Thronicke (* 6. September 1920, † 28. Oktober 2007), Zeichenlehrer und Maler, Ehrenbürgerwürde 1998

Hinweis: Die Ehrenbürgerwürde ist ein Recht, das nach § 34 der Gemeindeordnung von Sachsen-Anhalt nur an lebende Personen verliehen werden kann. Es erlischt mit dem Tod. Gleiches galt auch für die vorher geltende Provinzialverfassung des Landes Sachsen-Anhalt. Aus diesem Grund hat Bitterfeld zurzeit strenggenommen keinen Ehrenbürger mehr.

Söhne und Töchter Bitterfelds

  • Johann Ernst Altenburg (1736−1801), Trompeter und Organist
  • Adolf Hilmar von Leipziger (1825-1891), Oberpräsident von Westpreußen
  • Arno Werner (1865−1955), Lehrer, Organist und Musikhistoriker
  • Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Thon (* 25. April 1859, † 7. Mai 1932) Thon war Schriftsteller und veröffentlichte unter dem Pseudonym Fritz Erdner zahlreiche Werke. Er studierte Deutsch und klassische Sprachen. Nach seiner Promotion 1888 kam er als Lehrer nach Bitterfeld. Sein umfangreicher Nachlass befindet sich heute im Stadtarchiv Bitterfeld.
  • Emil Obst (* 14. Juni 1853, † 24. Januar 1929) machte sich seit 1876 als Heimatforscher der Region Bitterfeld in außerordentlicher Weise verdient. Seine Sammlung war der Grundstock des von ihm 1892 gegründeten Stadtmuseums. Bis zu seinem Tode war er unermüdlich als Chronist und Heimatforscher tätig, auf seinen Forschungsergebnissen baut die Heimatgeschichte der Gegenwart auf.
  • Dr. Hans-Werner Schmidt (* 17. März 1904; † 8. Juni 1991) Kunsthistoriker, Museumsleiter in Braunschweig
  • Adolf Drescher (1921−1967), Pianist
  • Nikolaus Cybinski (*1936), deutscher Aphoristiker
  • Lutz Zülicke (* 1936), theoretischer Chemiker
  • Matthias Hermann (* 1958), Schriftsteller

Andere Persönlichkeiten

  • August von Parseval (* 5. Februar 1861, † 22. Februar 1942) ist zwar kein Sohn der Stadt Bitterfeld, aber seine von ihm entwickelten Prallluftschiffe wurden teilweise in Bitterfeld gebaut. 1907 entstand hier eine Luftschiffwerft. Parseval war Ehrenmitglied des 1909 gegründeten „Verein für Luftschiffahrt von Bitterfeld und Umgegend“. 1910 wurde die dort verlaufende Parsevalstraße nach ihm benannt. An der Parsevalstraße befindet sich das in den Jahren 1998 bis 2000 neugebaute Berufsschulzentrum . Dem Berufsschulzentrum wurde im gleichen Jahr der Ehrenname August von Parseval in einer Festveranstaltung verliehen.
  • Walther Rathenau (* 29. September 1867, † 24. Juni 1922) war ebenfalls kein Sohn der Stadt, aber er brachte durch die Ansiedlung der Elektrochemischen Werke im Auftrag der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) 1893 die chemische Industrie nach Bitterfeld und begründete somit den Aufstieg der Region zum Industriezentrum.

Bürgermeister

Der Rat der Stadt bestand aus dem Bürgermeister und bis zu drei Ratsfreunden. Sie alle wurden jährlich neu gewählt, sodass jeder von ihnen im Abstand von drei Jahren mindestens einmal den Vorsitz des Rates ausübte.

  • 1556 Moritz Poyda († 1560)
  • ab 1558 im Wechsel: Moritz Poyda († 1560), Nicolaus (oder Nickel) Harding († 1576), Hermannus Bartholdus († 1589), Hans Quale († 1593) und Wenzel Haynn († 1631)
  • 1591, 1594, 1597 Conradus Reuter († 1626)
  • 1596 Paul Reuter

Bürgermeister des 17. bis in das 18. Jahrhundert hinein sind bis auf einen Valentin Becker, der 1661 starb, nicht bekannt.

  • 1727 bis 1731 Johann Christoph Schildhauer (* 1666, † 1745)
  • bis 1816 Johann Christian Friedrich Schmiedt, Johann Gottfried Barth, Johann Gottlieb Ander
  • 1831 bis 1837 Friedrich Gottlieb Viole (* 1796, † 1837)
  • 1837 bis 1846 Johann Gottlieb Ullrich
  • 1846 bis 1848 Dr. Johann Friedrich Liepe (für geisteskrank erklärt)
  • 1848 Franz Hellwig (Wahl nicht angenommen)
  • 1848 bis 1850 Heinrich August Atenstaedt († 1850) (Interim)
  • 1850 bis 1851 Dr. Johann Friedrich Liepe (anscheinend wieder gesundet)
  • 1851 bis 1863 Gottlieb Meuche
  • 1863 bis 1873 Gustav Frischbier
  • 1873 bis 1890 Robert Sommer († 18. Juni 1890)
  • 1890 bis 1914 Hugo Hermann Adalbert Dippe (* 3. Juni 1853, † 4. Juni 1916)
  • 1915 bis 1927 Ernst Albert Hermann Schmidt (Wahl bereits 1914, durch Kriegsdienst Antritt verschoben)
  • 1927 bis 1939 Arthur Erdmann Ebermann
  • 1939 bis 1945 Erhard Johann Martin Nimz
  • 1943 bis 1945 Dr. Walter Stieb (Interim)
  • 26. April 1945 bis 30. August 1945 Gustav Dietrich (Abwahl durch sowjetischen Stadtkommandanten) († 1972)
  • September 1945 bis 1946 Bernhard Moder
  • 1946 bis 1949 Ernst Rettel
  • 1949 bis 1950 Karl Salbach
  • 1950 bis 1953 Heinz-Rudolf Strauch
  • 1953 bis 1959 Wolfgang Stille
  • 1959 bis 1971 Else Petruschka
  • 1971 bis 1979 Max Dittbrenner
  • 1979 bis 1982 Karlheinz Sohr
  • 1982 bis 1990 Klaus Barth
  • 1990 bis 1994 Edelgard Kauf
  • 1994 bis 2007 Dr. Werner Rauball

Zitate über Bitterfeld

Sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir uns in Bitterfeld.

Dieser Spruch zierte den Giebel der Gaststätte „Preußische Krone“ am Kreuzeck, eine von zahlreichen Reisenden frequentierte Station am Schnittpunkt wichtiger Reise- und Handelsrouten. Hier kreuzten sich die Wege Berlin - Wittenberg - Halle und Magdeburg - Dessau - Leipzig, so wie bis heute die beiden wichtigen Eisenbahnlinien. Dieses Zitat wird auch weiterhin heutzutage als Running Gag im Usenet oder in Foren häufig verwendet, allerdings in etwas abgewandelter Form.

  • Weitere Erklärung für diesen Spruch ist die nachfolgende Geschichte: In Magdeburg weilte einmal ein seltsamer Zauberer. Dieser ließ vor vielen Zuschauern ein sehr kleines Pferdchen in einem Ringe tanzen. Am Ende des Spieles beklagte sich der Zauberer über die undankbaren Zuschauer, die seine Künste so wenig honorierten. Besonders Magdeburg habe er satt und wollte jetzt über Bitterfeld gen Himmel ziehen, ob vielleicht seine Sache dort besser stehe. Als er diese Worte gesprochen hatte, warf er die Zügel des Pferdchens in die Höhe. Das Pferdchen folgte den Zügeln. Der Zauberer ergriff das Pferd beim Schwanze, die Frau ihren Mann bei den Füßen, die Magd die Kleider der Frau, und so fuhren alle nach oben dahin. Der Zauberer rief noch, ehe alle verschwanden: „Seh'n wir uns nicht in dieser Welt, dann seh'n wir uns in Bitterfeld!“ Die Zuschauer aber standen und hielten den Mund offen wegen dieses Wunders.[4]
  • Im Jahre 1921 übertitelte die nahe der Mulde gelegene Industriestadt das von ihr ausgegebene Notgeld mit diesem inzwischen zu einem geflügelten Wort gewordenen Spruch. Eine Ansicht des Gasthofs „Preußische Krone“ zierte den Geldschein aus dem Jahre 1921.
  • Bitterfeld, Bitterfeld, wo der Dreck vom Himmel fällt. Zu DDR-Zeiten wurde dieser Satz als ironische Anspielung auf die Umweltverschmutzung in der Stadt angewandt.
  • Die Band Massiv in Mensch widmete einen kompletten Song der Stadt Bitterfeld. Auf ihrem Album Clubber Lang heißt es im Song Bitterfeld: “Welcome to Bitterfeld, here`s the german jungle. Welcome to Bitterfeld - dein Name ist Programm.”

Literatur

  • Chemie AG Bitterfeld-Wolfen; Redaktion: B. Tragsdorf, J. Marcy, G. Sandring, Chr. Angermann: Bitterfelder Chronik - 100 Jahre Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen, Druckhaus Dresden GmbH; 1993
  • Stadt Bitterfeld (Hrsg.): 775 Jahre Bitterfeld. Streifzüge durch die Geschichte einer Stadt. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 1999. ISBN 3-932776-79-8
  • Peter Hoffmann (Friedersdorf): Als Bitterfeld noch ein Bier hatte, Verein für Kultur und Lebenshilfe, 2000
  • Dirk Hackenholz: Die elektrochemischen Werke in Bitterfeld 1914-1945. Ein Standort der IG-Farbenindustrie AG. LIT-Verlag, Münster 2004. ISBN 3-8258-7656-x
  • Dokumentarfilm: Das war Bitteres aus Bitterfeld, 45 Minuten, von Rainer Hällfritzsch, Ulrike Hemberger und Margit Miosga

Siehe auch

Quellen

  1. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990
  2. "11.Juli 1968. Der große Knall von Bitterfeld" in "Verschlusssache. Die Größten Geheimnisse der DDR" von Jan Eik und Klaus Behling. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2008. ISBN 978-3-360-01944-8. S.116-117
  3. www.autobahn-online.de
  4. www.deutsche-staedte.de/bitterfeld

Weblinks


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