Bittgang

Die Bitttage sind christliche Gebets- und Prozessionstage vor dem Fest Christi Himmelfahrt mit Bittgang und Prozession. Der Priester segnet die Äcker, und alle bitten Gott um eine gute Ernte. Die Woche, in der die Bitttage liegen, wird auch als Gangwoche, Betwoche, Bittwoche oder Kreuzwoche bezeichnet.

Bittgänge sind ein Jahrtausend altes und geschätztes Zeichen, den Glauben an Gott, an die Macht des vertrauenden Gebetes und die helfende Fürsprache der Heiligen zu bekunden. „Warum gehet man in den Processionen um die Fluren, Aecker und Felder? - Um den gütigen Gott zu bitten, er wolle mit seiner milden väterlichen Hand die Fluren segnen, die Früchte der Erde erhalten, und wie er alle Thiere mit Segen erfüllt, und ihnen ihr Speis zu gelegener Zeit gibt, also auch uns Menschen die nothwendige Nahrung mittheilen.“ heißt es bei Leonhard Goffine 1690 in seinem „Christkatholischen Unterrichtsbuch“ zur Funktion der Bittgänge in der katholischen Tradition.

Unter dem Begriff „Bittgang“ versteht man darüber hinaus alle Gebetsprozessionen, die im Verlangen nach übermenschlicher Hilfe und im Glauben an den Helferwillen Gottes unternommen werden. Sie lassen sich auf eine Anordnung des Bischofs Mamertus von Lyon im Jahr 469 zurückführen, wegen Erdbeben und Missernten an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt mit Fasten verbundene Bußprozessionen zu halten. Um 800 wurden diese drei Bitttage (rogationes oder litaniae minores) auch von Rom eingeführt, allerdings ohne vorgeschriebenes Fasten.

Der Sprachgebrauch hat den Ausdruck „Bittgang“ allmählich auf Prozessionen beschränkt, die mit der Landwirtschaft in Verbindung stehen, sogenannte Flurprozessionen. In den letzten Jahren ist dieser Themenkreis erweitert worden. So heißt es im Messbuch der katholischen Kirche: „An den Bitt- und Quatembertagen betet die Kirche für mannigfache menschliche Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und für das menschliche Schaffen“.

Der Sonntag Rogate (lat. Bittet), der fünfte Sonntag nach Ostern und Sonntag vor Christi Himmelfahrt, hat seinen Namen nach diesen Bitttagen.

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  • Bittgang — bitten: Das gemeingerm. Verb mhd., ahd. bitten, got. bidjan, aengl. biddan, schwed. bedja hängt wahrscheinlich zusammen mit mhd. beiten, ahd. beitten »zwingen, drängen, fordern«, got. baidjan »zwingen«, aengl. bæ̅dan »zwingen, bedrängen,… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Bittgang — * Einen Bittgang machen …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Bittgang — Bịtt|gang 〈m. 1u〉 1. Gang, um (meist an höherer Stelle) eine Bitte vorzubringen 2. Bußgang, Wallfahrt, Prozession * * * Bịtt|gang, der: 1. Gang zu jmdm. mit einem Anliegen, einer Bitte. 2. (kath. Rel.) mit Bitten u. Gebeten verbundene… …   Universal-Lexikon

  • Bittgang — Bịtt|gang, der …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Bittwoche — Die Bitttage sind christliche Gebets und Prozessionstage vor dem Fest Christi Himmelfahrt mit Bittgang und Prozession. Der Priester segnet die Äcker, und alle bitten Gott um eine gute Ernte. Die Woche, in der die Bitttage liegen, wird auch als… …   Deutsch Wikipedia

  • Gangwoche — Die Bitttage sind christliche Gebets und Prozessionstage vor dem Fest Christi Himmelfahrt mit Bittgang und Prozession. Der Priester segnet die Äcker, und alle bitten Gott um eine gute Ernte. Die Woche, in der die Bitttage liegen, wird auch als… …   Deutsch Wikipedia

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