Bjarne Riis
Bjarne Riis bei der Kalifornien-Rundfahrt, Februar 2007

Bjarne Riis (* 3. April 1964 in Herning) ist ein ehemaliger dänischer Profi-Radrennfahrer und heutiger sportlicher Leiter der Radsportmannschaft Team Saxo Bank.

1996 gewann er als erster und bisher einziger Skandinavier die Tour de France. In Folge seines Geständnisses, während dieser Zeit mit EPO, Cortison und Wachstumssubstanzen gedopt zu haben, wurde er im Juni 2007 aus der offiziellen Siegerliste gestrichen. Da Doping-Betrug nach acht Jahren verjährt, konnte ihm der Radsportweltverband UCI den Sieg aber nicht mehr aberkennen, und inzwischen wird Riis auch wieder offiziell als Sieger von 1996 geführt.

Inhaltsverzeichnis

Karriere

Radprofi 1986-2000

Riis begann seine Profikarriere 1986. Bei der Tour de France verbesserte sich Riis kontinuierlich: Nachdem er 1993 Fünfter geworden war, erreichte er 1995 den dritten Rang. Vor der Saison 1996 wechselte der Däne von Gewiss-Ballan zum Team Telekom und gewann die Tour de France in dieser Saison. Daraufhin wurde er zu Dänemarks Sportler des Jahres gewählt.

Im Jahr darauf gewann Riis im Frühjahr das Amstel Gold Race, konnte bei der Tour de France seine Leistung aber nicht wiederholen und wurde Siebter beim Sieg seines Teamkollegen Jan Ullrich. Insgesamt erreichte Riis bei der Tour vier Etappensiege, beim Giro d’Italia holte er zwei Tageserfolge. Riis beendete seine Karriere im Jahre 2000, nachdem er sich nie vollständig von einem Sturz bei der Tour de Suisse 1999 erholt hatte.

Teammanager

Nach seinem Rücktritt als Radprofi hat Riis 2001 ein eigenes erfolgreiches Team aufgebaut, das Team CSC, dessen sportlicher Leiter er ist und das seit 2008 Team Saxo Bank heißt.

Dopingbeschuldigungen

1997 gab es den Vorwurf von Olympiasieger Pascal Richard, dass Riis im Trainingslager in Lanzarote einen positiven Doping-Test gehabt habe. Er selbst kommentierte die Vorwürfe damit, dass er nie positiv getestet worden sei. Der ehemalige Masseur des Team Telekom Jef D’hont beschuldigte Riis in einem am 26. März 2007 ausgestrahlten TV-Interview, massiv mit EPO gedopt zu haben. In Fachkreisen erhielt Riis den Spitznamen „Monsieur 60 %“, eine Anspielung auf den bei ihm häufig gemessenen Hämatokritwert von 60 %, der damit deutlich über dem Normalwert lag. Das Blutdopingmittel EPO erhöht die Anzahl roter Blutkörperchen und damit meist auch den Hämatokritwert, ist aber erst seit 2000 direkt nachweisbar.

Dopinggeständnis

Während einer Pressekonferenz am 25. Mai 2007 in Kopenhagen gestand Riis, in der Zeit von 1993 bis 1998 das Dopingmittel Erythropoetin (EPO), Wachstumshormone und Cortison zur Leistungssteigerung eingenommen zu haben. Das EPO kaufte und nahm er nach eigenen Angaben selbst ein. Auch sein Sieg bei der Tour de France 1996 stand unter dem Einfluss des Dopingmittels EPO, Cortison und Wachstumssubstanzen, wie Riis öffentlich zugab.[1]

Der Tour-Titel kann Riis offiziell nicht mehr aberkannt werden, da die achtjährige Frist dafür abgelaufen ist. Die Tour de France hat ihn jedoch nach seinem Doping-Geständnis aus ihrer Siegerliste gestrichen. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch beim Rad-Weltverband UCI, dieser hatte Riis aber lediglich zur Rückgabe seines Gelben Trikots aufgefordert.[2] Christian Prudhomme, Direktor der Tour, bezeichnete Riis als „persona non grata“, die er nicht mehr bei der Frankreich-Rundfahrt sehen wolle. Riis verzichtete in der Folge darauf, sein Team CSC zur Tour 2007 zu begleiten.[3] Bei der Tour de France 2008 war Riis, der für sein Team ein vergleichsweise umfangreiches Dopingkontrollprogramm eingeführt hatte, wieder willkommen.[4]

Im Herbst 2007 erklärte Jörg Jaksche, Riis habe ihm mit „massiven Konsequenzen“ gedroht, falls Jaksche bei seiner Doping-Beichte 2007 Namen nenne. Der Däne wollte angeblich „dafür sorgen, dass Jaksche niemals in den Radsport zurückkomme“. Riis dementierte dies und erklärte, Jaksche nur einen Rat erteilt zu haben.[5]

Sonstiges

Die schwedische Musik-Formation Koop veröffentlichte auf ihrem 1997 erschienenen Album Sons of Koop den Song Bjarne Riis.

Weblinks

 Commons: Bjarne Riis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Epo war Teil meines Alltags Spiegel Online, 25. Mai 2007.
  2. Tour streicht Riis als Sieger von 1996 auf sport.rtl.de.
  3. CSC und Milram. Riis und Stanga bleiben zu Hause. In: tour.ard.de, 5. Juli 2007. Ebenso musste Gianluigi Stanga vom Team Milram auf eine Teilnahme an der Tour de France 2007 verzichten.
  4. Jörg Schallenberg: Bjarne is back, Spiegel Online, 24. Juli 2008
  5. Riis soll Jaksche gedroht haben, Spiegel Online, 29. Oktober 2007

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