Björn Lomborg
Bjørn Lomborg

Bjørn Lomborg (* 6. Januar 1965 in Frederiksberg) ist ein dänischer Politikwissenschaftler, Dozent, Statistiker und Buchautor.

Er ist Dozent an der Copenhagen Business School und leitet das Copenhagen Consensus Centre. Das Environmental Assessment Institute, mittlerweile ein Teilbereich des Wirtschaftsministerium in Copenhagen wurde zu Beginn der dänischen Regierung Anders Fogh Rasmussen für ihn eingerichtet. Weltweit bekannt wurde Lomborg mit dem kontrovers diskutierten Bestseller en:The Skeptical Environmentalist (dt. Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln) sowie dem 2002 unter der Mitarbeit mehrerer Nobelpreisträger erstellten Copenhagen Consensus zur Prioritätensetzung bei der weltweiten Entwicklungspolitik.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bjørn Lomborg stammt aus Frederiksberg nördlich von Kopenhagen und schloss 1991 sein Studium der Politikwissenschaft an der Universität Århus ab. Danach trat er eine Doktorandenstelle an der Universität Kopenhagen an, an der er 1994 zum Dr. phil. promovierte. Anschließend kehrte er an das Institut für Politikwissenschaft (Institut for Statskundskab) an der Universität Århus zurück, an der er vor allem Statistik unterrichtete. 1997 wurde er zum Lektor befördert und erreichte damit Professorenstatus.

Weltweit bekannt wurde Lomborg, als er 1998 sein Buch Verdens sande tilstand (Der Welt wahrer Zustand; 2001 auch in Englisch unter dem Titel: The Skeptical Environmentalist: Measuring the Real State of the World und 2002 in Deutsch: Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln erschienen, s. u.) veröffentlichte. Darin spielen viele Komponenten neben der globalen Erwärmung eine Rolle: Überbevölkerung, Energieressourcenabbau, überproportionale Entwaldung, Verlust von Tier- und Pflanzenarten, fortschreitender Wassermangel etc. - mögliche Ursachen wie Folgen des Klimawandels.

Eine Rüge wegen wissenschaftlicher Unredlichkeit wurde wieder zurückgenommen.[1]

Bei Gegnern der konventionellen Umweltschutzpolitik wurde er populär. So berief ihn der konservative Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen 2002 zum Direktor des neu errichteten dänischen Institut for Miljøvurdering (Institut für Umweltbeurteilung). Im April 2004 erklärte ihn das Time Magazine zu einem der '100 einflussreichsten Menschen der Welt'. Von 20.000 Lesern der Politikzeitschriften Foreign Policy und Prospect wurde er Ende 2005 auf Platz 14 der „20 wichtigsten Intellektuellen der Welt“ gewählt. 2004 ging er nach Århus zurück und nahm im folgenden Jahr eine Stellung an der Copenhagen Business School an.

In seinem Bestseller The Skeptical Environmentalist (dt. Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln, 2002) greift Lomborg die Ansicht an, der allgemeine Zustand der Umwelt verschlechtere sich zunehmend. Ausgehend von statistischem Material versucht er zu beweisen, dass der Zustand der Umwelt sich verbessert habe und fordert daher, zum Beispiel weniger staatliche Gelder für die Klimapolitik zu verwenden. Er stieß dabei in den Medien auf große Resonanz und gerade bei Gegnern der konventionellen Umweltschutzpolitik auf Zustimmung, aber auch auf Kritik.

In seinem 2007 erschienenen Buch Cool It! greift er primär die seiner Meinung nach übertriebene Darstellung der Folgen des Klimawandels an, die er zum Beispiel Al Gore, George Monbiot oder Nicholas Stern unterstellt, ebenso Organisationen wie dem IPCC und NGOs wie Greenpeace, sowie durch die Medien und Politiker. Primäres Ziel der Kritik ist das Festhalten an den Zielen des Kyoto-Protokolls, da dessen Umsetzung praktisch keinen Nutzen gegen die globale Erwärmung brächte und die Erwärmung im besten Fall um fünf Jahre hinauszögern könne. Stattdessen sollten besser die im von ihm organisierten „Kopenhagener Konsens“ vorgeschlagenen Maßnahmen für dringlichere Probleme der Menschheit, wie die Unterernährung, Wasserversorgung, Krankheiten und Maßnahmen gegen Hurrikane und Überschwemmungen umgesetzt werden, welche wesentlich mehr Nutzen um einen Bruchteil der Kosten brächten und somit wesentlich nachhaltiger wären.[2]

Privates

Lomborg ist homosexuell und ernährt sich vegetarisch[3]. Er hat sich als prominenter dänischer Schwuler auch an Informations und Imagekampagnen zum Thema Homosexualität in Dänemark beteiligt und sieht dies auch als seine Bürgerpflicht zum Abbau von Vorurteilen an. Bekannt sind seine Auftritte in Jeans und T-Shirt auch bei formellen Anlässen.

Einzelnachweise

  1. Financial Times (2003) Bjorn Lomborg - Danish writer cleared of 'scientific dishonesty'
  2. Kyoto kostet viel und bringt fast gar nichts Interview mit Lomborg in "Die Presse" vom 11.03.2006
  3. Cowley, Jason (30. Juni 2003). The man who demanded a recount. New Statesman. Abgerufen am 24. Juli 2007.

Schriften

  • Verdens sande tilstand. Centrum, Viby (Jütland) 1998. ISBN 8758311149
  • The Skeptical Environmentalist. Cambridge University Press, Cambridge & New York 2001. ISBN 0521010683
    deutsch: Apocalypse no! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln. Zu Klampen, Lüneburg 2002; ISBN 3-934920-18-7
  • Global Crises, Global Solutions. Cambridge University Press, Cambridge & New York 2004. ISBN 0521606144
  • How to Spend $50 Billion to Make the World a Better Place. Cambridge University Press, Cambridge & New York 2006. ISBN 0521685710
  • Cool It: The Skeptical Environmentalist's Guide to Global Warming. Alfred A. Knopf Publishing Group, New York 2007. ISBN 0-307266923
    deutsch: Cool it! Warum wir trotz Klimawandels einen kühlen Kopf bewahren sollten. DVA, München 2008 ISBN 3-421-04353-1

Weblinks


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