Bjørn Wiinblad
Bjørn Wiinblad
Unterschrift „Bjørn“

Bjørn Wiinblad (* 20. September 1918 in Kopenhagen, Dänemark; † 8. Juni 2006 in Lyngby) war ein dänischer Maler, Designer, Bühnenbildner und bildender Künstler.

Inhaltsverzeichnis

Jugend und Ausbildung

Bjørn Wiinblad wurde 1918 als Sohn eines Typographen in Kopenhagen geboren. Schon der Jugendliche illustrierte eigene Gedichte und lernte Klavier und Flöte spielen. Zuerst besuchte Wiinblad dieselbe Zeichenschule wie ein Bekannter seiner älteren Schwester Ulla, anschließend studierte er von 1940–1943 Malerei und Illustration an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Während dieser Zeit kam er über seinen Freund Richard zur Keramik. Nach Abschluss des Studiums verdiente sich Wiinblad Geld als Modell, Laufbursche und als Feuerwehrmann, um sich Material für seine Arbeit als freier Maler und Designer leisten zu können.

Entwürfe und Arbeiten

1945 richtete Wiinblad seine erste eigene Ausstellung aus, die sehr positive Kritiken erhielt. Die darauf folgenden Arbeiten waren Aufträge für Plakate, eine Buchillustration für 1001 Nacht und eine Theaterdekoration für Lysistrata. Von 1946 - 1956 hatte Wiinblad eine Zusammenarbeit mit der Associated Nymølle Fajancefabrik, 1950 folgten Arbeiten für Marshal-Plan in Paris. Seit 1957 arbeitete Wiinblad hauptsächlich mit der Rosenthal AG zusammen. An Bühnendekorationen entwarf er 1962 Bühnenbilder, Kostüme und Dekorationen für das Königliche Theater in Kopenhagen und 1965 die Kostüme zu Shakespeares The Tempest für das Dallas Theatre Center. 1969 folgten Entwürfe für das Ballett Schweinehirt in Kopenhagen (zum 70. Geburtstag von König Frederik), denen Illustrationen zu dem gleichnamigen Märchen Der Schweinehirt von Hans Christian Andersen nachfolgten, die 1974 in einen kurzen Animationsfilm umgesetzt wurden. Er entwarf 1981 das Jahresplakat für Tivoli in Kopenhagen und 1987 ein Poster für das Königlich-Dänische Ballet. Seine Textilentwürfe wurden für Kostüme mehrerer Ballett- und Bühnenaufführungen verwendet. Der Nussknacker - Poster, Kostüme und Bühnenbild von Wiinblad - wurde 17 Jahre lang in Kopenhagen durch das Königliche Ballett aufgeführt. Seine größeren Keramikarbeiten und Gobelins sind als Hoteldekorationen in Japan and den USA zu finden, z.B. der große Scheherazade-Gobelin für das Dallas World Trade Center oder die Einrichtung des Flowerpot-Restaurants 1978 in Chicago.

Im Jahr 1971 eröffnete er sein eigenes permantentes Ausstellungshaus, Bjørn Wiinblads Hus, in der Ny Østergade in Kopenhagen.

Zusammenarbeit mit Rosenthal

Rosenthal-Porzellanserie Romanze

Die produktive Zusammenarbeit zwischen dem freien Mitarbeiter Bjørn Wiinblad und der Rosenthal AG in Selb begann 1957 und wurde - auch durch die persönliche Freundschaft zwischen Wiinblad und Philip Rosenthal († 2003) fast fünfzig Jahre lang fortgeführt. Die folgenden Gemeinschaftsprojekte wurden realisiert:

  • 1959/60 Porzellanform Romanze, Porzellan, Glas, Besteck
  • 1964 Kaffeegeschirr Siena mit Gartengrilltisch
  • 1966 Kunstkeramik Jongleur und Leuchterfrau
  • 1968 Porzellanform Zauberflöte
  • 1964 Porzellanform Lotus, Kaffee- und Speiseservice
  • 1969 Porzellan-Geschenkserie 1001 Nacht
  • 1971 Mokkaservice Petite Fleur Gold
  • 1971 Erster Weihnachtsteller für Rosenthal (zwölf insgesamt, limitierte Auflage)
  • 1975 Porzellanform Form ohne Namen u.a. mit 40 Till Eulenspiegel-Motiven
  • 1976 Porzellanform Bodil
  • 1976 Kunstmöbel Die vier Himmelsrichtungen (limitiert)
  • 1978 Kunstkeramik Wiinblads poetische Ceramic
  • 1978 Zierteller Jahreszeiten
  • 1979 - 1983 Sammelkollektion Aladin (zwölf Teller)
  • 1984 - 1987 Sammelkollektion Sindbad der Seefahrer (acht Teller)
  • 1985 Leuchterskulptur Sommernachtstraum
  • 1985 Porzellanform Asimmetrias, Porzellan, Glas, Besteck
  • 1988 - 19?? Sammelkollektion Das Zauberpferd (zwölf Teller)
  • 198? Porzellanform Scheherazade
  • 2003 Schachspiel (limitiert); mit Unikat Hommage Philip Rosenthal
  • 2007 Vasenserie Scherenschnitt schwarz

Vor allem die Teller der Sammelkollektionen sind sehr beliebt und haben heute einen hohen Sammlerwert.

Kunststil und Lebensweise

Wiinblad im Atelier

Bezeichnend für Wiinblads Werk sind umrisshaft gezeichnete Figuren, deren große, rundliche Gesichter mit Kulleraugen und Spitznasen an Kinderzeichnungen erinnern. Sie werden oft in einer naturähnlichen aber phantastischen Umgebung gezeigt mit filigranen Weinranken, rahmengebenden Blumenkränzen und stilisierten Bäumen. Wenn Wiinblad Farben einsetzt, so sind sie kräftig und satt, manchmal nahezu psychedelisch und oft mit metallisch glänzendem Gold- oder Silbertönen umrandet oder akzentuiert.

Die Vielfalt von Wiinblads Entwürfen - Keramiken, Bestecke, Bühnendekors, Kostüme, Möbel, Textilien, Figurinen, keramische Wandverkleidungen, Gobelins, Glasfenster, Brunnen, Gartenanlagen, Grilltische, Plakate, Buchillustrationen, Arbeiten in Silber, Bronze und Glas - fand sich auch in seinen privaten Interessen: Während seiner Arbeit im Atelier war klassische Musik obligatorisch. Wiinblad war Reiter, fuhr schnelle Wagen, sammelte exotische Kunstgegenstände, spielte Klavier, war ein phantasievoller Koch und bewirtete Freunde und Verwandte häufig bei Einladungen. Neben seiner Muttersprache Dänisch war Wiinblad fließend in Deutsch und Englisch. Seinen Hauptsitz mit Atelier und Werkstatt hatte Wiinblad im Blå Hus (Blauen Haus) in Kongens Lyngby, wo der in seiner Arbeitsweise einzelgängerische Künstler seine Entwürfe oft ohne Rücksicht auf Tages- oder Nachtzeit zu Ende brachte und in dem auch heute (2010) noch nach seinen Entwürfen Porzellane hergestellt werden. In der Schweiz hatte er Wohnsitze in Schaffhausen (am Pferdewald) und ein Atelier in Lausanne. Während der Zusammenarbeit mit Rosenthal hatte er in Selb ein Atelier, dazu ein Apartment in Salzburg, ein Ferienhaus auf Ærø und ein Wochenendhaus in Asserbo.

Ausstellungen

In den 1950er und 1960er Jahren wurden Wiinblads grafischen Arbeiten in Europa, den USA (zum ersten Mal 1954), in Japan, Australien und Kanada (1968) gezeigt. Museen weltweit zeigen derzeit seine Werke, darunter das Victoria and Albert Museum in London; das Museum of Modern Art in New York; das Nationalmuseum in Stockholm und das Kunstgewerbemuseum (Kunstindustrimuseet) in Kopenhagen.

Ausgewählte Ausstellungen

  • 1945 (13. Jan.) Erste Ausstellung (Keramik, Portraits, Illustrationen), Kopenhagen
  • 1945 Binger, Kopenhagen
  • 1946, 1956 und 1965 Den Permanente, Kopenhagen
  • 1947 Röhsska Konstslöjdmuseet, Göteborg
  • 1950 Nordiska Kompaniet, Stockholm
  • 1954 Georg Jensen, New York (NY)
  • 1954 Brown Stone Gallery (Contemperary Art in Scandinavia), New York (NY)
  • 1961, 1972, 1974 Illums Bolighus, Kopenhagen
  • 1963 Gumps, San Francisco
  • 1963 Niemann-Marcus, Dallas (TX)
  • 1964 Georg Jensen, New York (NY)
  • 1967 Rosenthal Studio-Haus, Zürich ("10 Jahre Wiinblad-Rosenthal")
  • 1969 Takashimaya, Tokio
  • 1970 Bloomingdales, New York (NY)
  • Seit 1971 Permanentausstellung und Verkauf im Bjørn Wiinblads Hus, Kopenhagen
  • 1974 Århus Kunstmuseum 1974 ("Bjørn Wiinblad wunderbare Welt")
  • 1975 Art Museum, Nordjütland
  • 1978 Gürzenich ("Gobelin-Ausstellung"), Köln
  • 1980 Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen
  • 1980 Landesbank Schleswig-Holstein, Kiel
  • 1982 Österreichisches Theatermuseum, Wien
  • 1985-86 Dumont-Lindemann-Archiv, Düsseldorf
  • 2007 Europäisches Industriemuseum für Porzellan, Selb (Retrospektive)[1]

Auszeichnungen

  • 1965 International Design Award
  • 1974 Craftsman Craftsman Association Honor (Königlicher Ehrenhandwerker des Jahres in Dänemark)
  • Preis der American Library Association für die Illustrationen zu Andersens Der Schweinehirt
  • 1985 Mann des Jahres in New York
  • 1989 Bakken Oscar
  • 1995 Kulturpreis der American-Scandinavian Foundation

Zitate

Bjørn Wiinblad über sich selber:

„Ich arbeite praktisch Tag und Nacht, und ich tue es für mein Leben gern.“

„Ich bin ein galoppierender Dilettant.“

„Ich mache eigentlich nur Dinge, die ich selber brauche.“

Bibliographie

  • Rosenthal Mythen, Märchen und Musik - Hommage Bjørn Wiinblad, Selb (2007)
  • Mel Byars Design Encyclopedia Klinkhardt & Biermann, München (1994), S. 590
  • Thomas Heider, Markus Stegmann, René Zey Lexikon Internationales Design, Rowohlt (1994), S. 362-363
  • Bernd Fritz Die Porzellangeschirre des Rosenthal-Konzerns - 1891-1979, Stuttgart (1989), S. 47-48

Weblinks

 Commons: Bjørn Wiinblad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bjørn Wiinblad Retrospektive

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