Blacky Fuchsberger
Joachim Fuchsberger (Romy 2008 in Wien)

Joachim „Blacky“ Fuchsberger (* 11. März 1927 in Stuttgart) ist ein deutscher Schauspieler und Entertainer.

Inhaltsverzeichnis

Lebensweg

Jugend

Sein Vater Wilhelm Fuchsberger, ein gelernter Schriftsetzer, war Linotype-Vertreter der Mergenthaler Setzmaschinenfabrik in Berlin. Joachim Fuchsberger wuchs in Heidelberg und Düsseldorf auf, besuchte dort unter anderem mehrere Volksschulen, die Realschule und das Gymnasium. Fuchsberger war als Kind in der Hitlerjugend[1]. Als er zwölf Jahre alt war, begann der Krieg. Fuchsberger wurde zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet und hat nie einen Schulabschluss gemacht[1].

Gegen Kriegsende erhielt er an der Springerschule in Wittstock eine Ausbildung zum Fallschirmjäger. Aufgrund seiner Kenntnisse in Judo wurde der damals 16-jährige bereits nach einem halben Jahr zum Nahkampfausbilder ernannt. Er wurde an der Ostfront eingesetzt, kam in Stralsund ins Lazarett und geriet zunächst in sowjetische, anschließend in US-amerikanische und zuletzt in britische Kriegsgefangenschaft.

Der Spitzname Blacky stammt aus dieser Zeit. Sein Einsatzname war damals Jackie, was eine französisch sprechende Freundin als Blacky aussprach. Fuchsberger sagte 2007 in einem Interview, dass er, unabhängig von der ersten Version, denselben Namen während seiner Zeit beim Bayerischen Rundfunk erhielt, als er als Ersatzsprecher eine Sendung im angetrunkenen Zustand moderierte und der Programmdirektor ihn hinterher ermahnte, vor seinen Sendungen keine „Blackies“ (Black & White-Whiskey) zu trinken.

Nachkriegszeit

Fuchsberger arbeitete nach dem Krieg 1946 etwa vier Monate lang unter Tage auf der Zeche König Ludwig in Recklinghausen. Auf diese Weise konnte er aus der britischen Gefangenschaft in Schleswig-Holstein heraus seiner Familie in Düsseldorf näher kommen. Danach arbeitete er als Monteur von Satz- und Druckmaschinen im väterlichen Betrieb, und schließlich als Mitarbeiter in der chemigrafischen Abteilung eines Verlags in Düsseldorf. 1949 wurde er Werbeleiter der Deutschen Bauausstellung in Nürnberg. 1950 bis 1952 war er Hörfunksprecher beim Sender München sowie Wochenschausprecher. Er betätigte sich auch als Textdichter. 1951 heiratete er die Schlagersängerin Gitta Lind, von der er sich nach zweieinhalb Jahren scheiden ließ, um 1954 die Schauspielerin Gundula Korte (* 24. März 1930) zu heiraten. Die beiden lernten sich beim Bayerischen Rundfunk kennen, wo Korte als Funktechnikerin arbeitete.

Fuchsberger hatte als Schlagertexter große Erfolge: „Blumen für die Dame“, den er für seine erste Frau Gitta Lind schrieb, und „Was ich dir sagen will“, „Der große Abschied“ sowie "Dann kann es sein, dass ein Mann auch einmal weint" von Udo Jürgens gesungen. Außerdem schrieb er auch den Text für das Vereinslied der Stuttgarter Kickers.

Schauspielerische Glanzzeit

Nach unbedeutenden Nebenrollen begann 1954 seine Filmkarriere als Hauptdarsteller in dem Dreiteiler 08/15. Seine Darstellung des schlauen Gefreiten Asch, der es schließlich bis zum Leutnant der Wehrmacht bringt, machte Fuchsberger über Nacht populär.

Danach sah man ihn noch mehrmals als Uniformträger in Kriegsfilmen wie Die grünen Teufel von Monte Cassino oder als Liebhaber in den zeittypischen Heimatfilmen. Als Inspektor in mehreren Edgar-Wallace-Filmen und anderen Krimis wurde er in den 1960er Jahren ein allbekannter Kinostar. Er erwies sich in dieser Zeit als Idealbesetzung eines unerschrockenen Verbrecherjägers und vertrauenswürdigen Beschützers von verfolgten Frauen.

Im Einzelnen spielte er in Der Frosch mit der Maske (1959) den jungen Hobbydetektiv Richard Gordon, in Die Bande des Schreckens (1960) Chefinspektor Long, in Die toten Augen von London (1961) Inspektor Larry Holt, in Das Geheimnis der gelben Narzissen (1961) Versicherungsagent Jack Tarling, in Die seltsame Gräfin (1961) Inspektor Mike Dorn, in Das Gasthaus an der Themse (1962) Inspektor Wade von der Flusspolizei, in Der Fluch der gelben Schlange (1962 / 1963) den reichen Clifford Lynne, in Der schwarze Abt (1963) den Gutsverwalter Dick Alford, in Zimmer 13 (1963 / 1964) Ermittler Johnny Gray, in Der Hexer (1964) Inspektor Higgins, in Der Mönch mit der Peitsche (1967) Inspektor Higgins, in Im Banne des Unheimlichen (1968) Inspektor Higgins und in Das Geheimnis der grünen Stecknadel (1971) Inspektor Barth.

Ende der 1960er Jahre gründete Joachim Fuchsberger mit einem Partner ein Immobilienunternehmen, das innerhalb kurzer Zeit pleite ging. Mit 42 Jahren hatte er sein gesamtes Vermögen verloren, musste seine Villa verkaufen und saß auf einem Berg Schulden, die unter anderem aus den Regressforderungen geschädigter Kunden erwuchsen. Mit Hilfe seiner Frau Gundula, die damals für ihn die Prozesse führte, den Beistand guter Freunde und unermüdliche Arbeit gelang ihm nach der Begleichung seiner Schulden die Gründung einer neuen Existenz.

Vom Schauspieler zum Moderator

Fuchsberger wandte sich immer stärker von der Schauspielerei ab.

1972 war er bei den Olympischen Spielen in München während der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie im Olympiastadion Stadionsprecher. Bei der Schlussfeier am 11. September 1972 wurde er mit der Situation konfrontiert, dass ein Passagierflugzeug möglicherweise in terroristischer Absicht auf das Olympiastadion zuflog. Die Organisatoren überließen ihm die folgenschwere Entscheidung über eine Evakuierung des Olympiastadions. Er entschied sich dagegen, die Zuschauer von dem Vorfall, der sich später als harmlos herausstellte, zu informieren - weil er eine Massenpanik befürchtete.

Im Jahr 1978 wurde Fuchsberger bei einer Fernsehshow im Rahmen einer Zirkusnummer von einem Schimpansen gebissen und erkrankte daraufhin schwer an Hepatitis B. Fuchsberger brachte damals vier Monate in der Isolierstation zu und ging, wie er später erzählte, „durch ein tiefes Tal der Depressionen“. Trotz allem gelang es ihm, die Krankheit ohne bleibende Gesundheitsschäden zu überwinden.

Er moderierte mehrere Fernsehshows (u. a. Auf Los geht’s los) und die ARD-Talkshow Heut’ abend (1980–1991), in der er 300 mal je einen prominenten Zeitgenossen zu seinem Leben befragte. Fuchsberger leistete sich mit der Zeit zunehmend, Angebote für Schauspielrollen und Sendungen abzulehnen. Er kritisierte die wachsende Oberflächlichkeit und Qualitätslosigkeit im Fernsehen. Seit den 1970er Jahren hatte er daher in keinem Film mehr mitgespielt. Er äußerte: „Je älter ich werde, desto intoleranter werde ich.“ Fuchsberger verkraftete allerdings auch nicht die zunehmende Kritik an seiner Sendung Auf Los geht’s los. Er verteidigte u. a. Erich von Däniken und die damals 16-jährige Désirée Nosbusch, die beide in seiner Show zu Gast waren, vor Kritik der Zuschauer („Ich lasse keinen meiner Gäste beleidigen!“). Nach teilweise heftiger Kritik an seiner Moderation zog er sich Ende der 1980er Jahre vorübergehend ins australische Hobart zurück, wo er seit 1983 seinen zweiten Wohnsitz hatte.

1990 übernahm er schließlich eine weitere Fernsehshow. Nach dem Tod von Robert Lembke im Jahre 1989 wurde der Sendeplatz von Was bin ich? frei. Diese Lücke füllte Fuchsberger mit seinem Quiz Ja oder Nein, in dem vier prominente Ratefüchse die Geheimnisse der Gäste erraten mussten. Von 1988 bis 2003 drehte er für den Bayerischen Rundfunk 20 Filme im Rahmen der auf ihn zugeschnittenen Reportagereihe Terra Australis, in denen Fuchsberger Menschen und Landschaften seiner Wahlheimat porträtierte.

Sein Sohn Thomas erkrankte etwa 2003 schwer an einem Darmvorfall. Fuchsberger erlitt wohl aus Sorge um den Sohn zu dieser Zeit auf der Bühne einen leichten Schlaganfall. Nach zunächst falscher Behandlung und einer Vielzahl von Operationen konnte Thomas Fuchsberger gerettet werden.

Weiteres

Schon in der Zeit als Soldat trat er aus der Kirche aus und ist bekennender Agnostiker.

Eine große Leidenschaft entwickelte Fuchsberger für die Insel Tasmanien, wo er viel Zeit verbrachte. 1999 wurde er vom tasmanischen Premierminister für seine Verdienste zum „Ehrenbotschafter des Tourismus“ ernannt.

Bei Filmen, die im englischsprachigen Ausland distributiert wurden, wurde sein Nachname in den Rollenbesetzungen oft geändert in „Berger“.

1984 wurde Joachim Fuchsberger erster deutscher Botschafter für die UNICEF. Am 13. November 2006 erhielt er für diese Tätigkeit in München die Bayerische Staatsmedaille für Soziale Dienste.

Fuchsbergers Frau verlor eine Tochter und war bereits klinisch tot. Sie konnte jedoch gerettet werden.

Joachim Fuchsberger wirkte in der neuen Edgar-Wallace-Adaption Neues vom Wixxer mit. Kinostart war der 15. März 2007.

Bis heute steht Fuchsberger regelmäßig auf der Bühne, unter anderem mit seinem Langzeit-Kollegen Ralf Bauer.

Fuchsberger wird bis heute durch seine Frau, die für ihn als Managerin und Produzentin tätig ist, unterstützt. Sein Sohn Thomas (* 5. August 1957), ein Komponist und Musikproduzent, unterstützt ihn bei der Produktion zahlreicher Fernsehreportagen. Die Fuchsbergers leben in Grünwald.

In der juristischen Lehre ist ein Fall nach Joachim Fuchsberger benannt, der sogenannte „Fuchsberger-Fall“. Er behandelt die Klage Fuchsbergers gegen einen Optiker, der ein Bild Fuchsbergers ohne dessen Einwilligung zu Werbezwecken verwendet hatte (BGH, Urteil vom 14. April 1992 - VI ZR 285/91).

Auszeichnungen

Filme

Fernsehshows

  • Nur nicht nervös werden (1960–1961, ARD)
  • Der heiße Draht (1973–1975, SWF)
  • Spiel mit mir (1975–1976, SWF)
  • Auf Los geht’s los (1977–1986, SWF, Ausstrahlung im Ersten)
  • Heut' abend (1980–1991, ARD)
  • Ja oder Nein (1990–1994, ARD)

Theaterstücke

  • 2002: Der Priestermacher — mit Ralf Bauer, Regie: Helmuth Fuschl

Einzelnachweise

  1. a b Vgl. Setzen, Sechs! - Schulgeschichten aus Deutschland (1/3). Verlorene Kindheit. Dokumentarfilm von Dora Heinze im Auftrag des SWR. Deutsche Erstausstrahlung am 8. Dezember 2005

Literatur

  • Ernst, Klaus (KKM): Die Auferstehung des Joachim Fuchsberger und ein Streifzug durch das kaiserliche Österreich. In: Menschen und Medien -Zeitschrift für Kultur- und Kommunikationspsychologie, Berlin 2002, www.menschenundmedien.net
  • Fuchsberger, Joachim: Denn erstens kommt es anders… Geschichten aus meinem Leben, Bergisch Gladbach, 2007

Weblinks


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