Blagoew
Blagoj Blagoew Gewichtheben
Persönliche Informationen
Name: Blagoj Blagoew
Nationalität: Bulgarien Bulgarien
Geburtsdatum: 19. Dezember 1956

Blagoj Blagoew (bulgarisch Благой Благоев; * 19. Dezember 1956) ist ein ehemaliger bulgarischer Gewichtheber. Er war Gewinner der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau und mehrfacher Weltmeister im Mittelschwergewicht (damals bis 90 kg Körpergewicht).

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Blagoj Blagoew war einer der bulgarischen Gewichtheber, die aufgrund der intensiven und systematischen Talentsuche durch den bulgarischen Gewichtheberverband schon im Alter von 12 Jahren mit dem Gewichtheben begann. Nach einem umfangreichen Grundlagentraining wurden diese jungen Gewichtheber durch intensives und hartes Training, das von dem damaligen bulgarischen Nationaltrainer Iwan Abadschiew konzipiert wurde, relativ schnell an die Weltspitze herangeführt und hatten diese meist schon vor ihrem 20. Lebensjahr erreicht. So verhielt es sich auch bei Blagoj Blagoew, der zur Absicherung seines Lebensunterhaltes Armeeangehöriger wurde, aber in Wirklichkeit Gewichtheber-Profi war.

Dieser startete im Jahre 1975 erstmals bei einer internationalen Meisterschaft, der Junioren-Weltmeisterschaft in Marseille im Leichtschwergewicht (damals bis 82,5 kg Körpergewicht) und belegte dort hinter seinem Landsmann Belichowski mit 327,5 kg im Zweikampf den 2. Platz. Bereits 1976 startete er dann sehr erfolgreich bei den Senioren. Er gewann bei der Europameisterschaft in Berlin (Ost) im Leichtschwergewicht mit 365 kg im Zweikampf die EM-Silbermedaille hinter Waleri Schari aus der Sowjetunion, der 367,5 kg erzielte. Bei den Olympischen Spielen desselben Jahres in Montreal erreichte er im Zweikampf 362,5 kg und gewann damit die olympische Silbermedaille, wiederum hinter Schari, der auf 365 kg kam. Doch unmittelbar nach Auswertung der nach diesem Wettkampf genommenen Dopingprobe wurde festgestellt, dass Blagoj Blagoew mit Anabolika gedopt war. Ihm wurde daraufhin die olympische Silbermedaille aberkannt. Ferner erhielt er eine Wettkampfsperre von einem Jahr.

Nach Ablauf dieser Sperre konnte Blagoj Blagoew schon 1977 wieder bei der Welt- und Europameisterschaft in Stuttgart an den Start gegen. Er schaffte dort im Reißen 155 kg, womit er sowohl bei der Welt- als auch bei der Europameisterschaft den 2. Platz belegte. Im Stoßen gelang ihm jedoch kein gültiger Versuch, so dass er in der Zweikampf-Wertung unplaziert blieb.

1978 startete er bei keiner internationalen Meisterschaft. 1979 und 1980 war er aber im Leichtschwergewicht sehr erfolgreich. Bei der Europameisterschaft 1979 in Warna gelang ihm dabei sein erster großer Sieg. Mit 380 kg im Zweikampf wurde er Europameister. Etwas eigenartig mutet es an, dass er bei der Weltmeisterschaft des gleichen Jahres in Saloniki nur auf 362,5 kg kam und von Jurik Wardanjan aus der Sowjetunion, der 370 kg erreichte, geschlagen wurde.

Bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau erreichte er im Leichtschwergewicht 372,5 kg, was zu Silbermedaille hinter Jurik Wardanjan, der unglaubliche 400 kg im Zweikampf erzielte, reichte.

Ab 1981 startete Blagoj Blagoew im Mittelschwergewicht, also eine Gewichtsklasse höher. Und es folgten die drei erfolgreichsten Jahre in der Laufbahn des Blagoj Balgojew. 1981 wurde er in Lille mit 405 kg im Zweikampf Welt- und Europameister vor dem sowjetischen "Wunderkind" Juri Sacharewitsch, der auf 397,5 kg kam, 1982 wurde er in Ljubljana erneut Welt- und Europameister, wobei er seine Zweikampfleistung auf 415 kg steigerte und damit auch Jurik Wardanjan, der 395 kg hob, keine Chance ließ. 1983 wurde er dann in Moskau im Zweikampf zum dritten Mal Welt- und Europameister in Folge und erzielte dabei unglaubliche 420 kg im Zweikampf. In Wiktor Solodow aus der Sowjetunion belegte ein weiterer junger Heber aus diesem Lande mit guten 410 kg den 2. Platz.

Dieser Wiktor Solodow besiegte dann bei der Europameisterschaft 1984 in Vitoria-Gasteiz in Spanien Blagoj Blagoew mit 420 kg zu 417,5 kg im Zweikampf, wobei er seinen Sieg erst durch einen phantastischen Weltrekord im Stoßen mit 232,5 kg sicherte.

Dies war der letzte Start von Blagoj Blagoew auf der internationalen Heberbühne. An den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles konnte er wegen des Boykotts dieser Spiele durch sein Land nicht teilnehmen.

Im Laufe seiner Karriere erzielte Blagoj Blagoew insgesamt 23 Weltrekorde bei den Senioren. Die Mehrzahl davon im Reißen. In dieser Disziplin schraubte er den Weltrekord auf unglaubliche 195 kg.

Nach 1990 gelang es dem internationalen Gewichtheberverband dann endlich, seine Dopingkontrollen auszuweiten und zu verbessern. Die Folge davon war, dass die Leistungen der Heber bei den Welt- und Europameisterschaften bzw. den Olympischen Spielen spürbar zurückgingen. In der Mittelschwergewichtsklasse, also der Gewichtsklasse, in der Blagoj Blagoew seine Erfolge und Rekorde erzielte, beispielsweise um bis zu 40 kg im Zweikampf. Dies hatte zur Folge, dass sich der Weltverband Gedanken über die Leistungen der Heber aus den 1980er Jahren machte. Da man diesen Hebern nachträglich keine Dopingsverstösse mehr nachweisen konnte, andererseits aber bekannt war, dass es damals keine Dopingproben im bzw. außerhalb des Trainings gab, schuf man ab 1993 einfach eine neue Gewichtsklasseneinteilung und erklärte alle bis 1992 erzielten Weltrekorde, also auch die von Blagoj Blagoew erzielten, für ungültig.

Über den weiteren Lebensweg von Blagoj Blagoew ist nur bekannt, dass er nach dem Ende der kommunistischen Ära in Bulgarien mit anderen bulgarischen Gewichthebern, z.B. Stefan Botew, nach Australien ging. Stefan Botew kehrte nach einigen Jahren nach Bulgarien zurück. Ob Blagoj Blagoew das gleiche tat, ist nicht bekannt.

Internationale Erfolge

(OS = Olympische Spiele, WM = Weltmeisterschaft, EM = Europameisterschaft, Ls = Leichtschwergewicht, Ms = Mittelschwergewicht, damals bis 82,5 kg bzw. 90 kg Körpergewicht)

  • 1975, 2. Platz, Junioren-WM in Marseille, Ls, mit 327,5 kg im Zweikampf (147,5 kg Reißen/180 kg Stoßen), hinter Belichowski, Bulgarien, 330 kg u. vor Schuschin, UdSSR, 312,5 kg;
  • 1976, 2. Platz, EM in Berlin (Ost), Ls, mit 365 kg (165 kg/100 kg) hinter Waleri Schari, UdSSR, 367,5 kg (165 kg/202,5 kg) und vor Trendafil Stoitschew, Bulgarien, 365 kg (167,5 kg/197,5 kg);
  • 1976, Silbermedaille, OS in Montreal, Ls, mit 362,5 kg (162,5 kg/200 kg), hinter Waleri Schari, 365 kg (162,5 kg/202,5 kg) u. vor Trendafil Stoitschew, 360 kg (162,5 kg/197,5 kg); wegen Dopings wurde ihm diese Silbermedaille nachträglich wieder aberkannt;
  • 1977, unpl., WM + EM in Stuttgart, Ls, nach 155 kg im Reißen drei Fehlversuche im Stoßen mit 177,5 kg; Sieger: Gennadi Bessonow, UdSSR, 352,5 kg;
  • 1978, 1. Platz, Meisterschaft der Staaten des Warschauer Paktes (ZKDA-Meisterschaft) in Frankfurt/Oder, Ls, mit 360 kg (165 kg/195 kg) vor Lyssenko, UdSSR, 345 kg;
  • 1979, 1. Platz, EM in Warna, Ls, mit 380 kg (172,5 kg/207,5 kg) vor R. Rabczewski, Polen, 352,5 kg (155 kg/197,5 kg) und Dusan Poliacik, Tschechoslowakei, 340 kg (147,5 kg/192,5 kg);
  • 1979, 1. Platz, Spartakiade in Sofia, Ls, mit 385 kg (175 kg/210 kg) vor W. Drandarow, Bulgarien, 350 kg (155 kg/195 kg);
  • 1979, 2. Platz, WM in Saloniki, Ls, mit 362,5 kg (170 kg/192,5 kg), hinter Jurik Wardanjan, UdSSR, 370 kg (170 kg/200 kg) u. vor Dusan Poliacik, 350 kg (155 kg/195 kg);
  • 1980, Silbermedaille, OS in Moskau, Ls, mit 372,5 kg (175 kg/197,5 kg), hinter Jurik Wardanjan, 400 kg (177,5 kg/222,5 kg) u. vor Dusan Poliacik, 367,5 kg (160 kg/207,5 kg);
  • 1981, 1. Platz, WM + EM in Lille, Ms, mit 405 kg (185 kg/220 kg) vor Juri Sacharewitsch, UdSSR, 397,5 kg (180 kg/217,5 kg) u. Ljubomir Uscherow, Bulgarien, 380 kg (167,5 kg/217,5 kg);
  • 1982, 1. Platz, WM + EM in Ljubljana, Ms, mit 415 kg (192,5 kg/222,5 kg) vor Jurik Wardanjan, 395 kg (185 kg/210 kg) u. Frank Mantek, DDR, 377,5 kg(170 kg/207,5 kg);
  • 1983, 1. Platz, World Cup in Warna, Ms, mit 420 kg (192,5 kg/227,5 kg) vor Andrzej Piotrowski, Polen, 375 kg (167,5 kg/207,5 kg);
  • 1983, 1. Platz, WM + EM in Moskau, Ms, mit 417,5 kg (190 kg/227,5 kg) vor Wiktor Solodow, UdSSR, 410 kg (185 kg/225 kg) u. Andrzej Piotrowski, 382,5 kg (170 kg/212,5 kg);
  • 1984, 2. Platz, EM in Vitoria-Gasteiz/Spanien, Ms, mit 417,5 kg (192,5 kg/225 kg) hinter Wiktor Solodow, 420 kg (187,5 kg/232,5 kg) u. vor Andrzej Piotrowski, 382,5 kg (172,5 kg/210 kg)

Quellen

  • Fachzeitschrift Athletik aus den Jahren 1975 bis 1984,
  • Ergebnis-Datenbank des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaften der Universität Leipzig

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