Blanc Fume
Sauvignon Blanc

Sauvignon Blanc, auch Blanc Fumé, Sauvignon Jaune, oder Muskat-Sylvaner, ist eine Weißwein-Rebsorte mit ungewisser Herkunft, aber starker Verbreitung. Ihre Abstammung ist unbekannt, aber es handelt sich um eine sehr alte Rebsorte aus Frankreich.

Die Rebe hat so hohe Bedeutung erlangt und ist so begehrt, dass sie in die Nobilität der Weinwelt aufrückte und als Edelrebe bezeichnet wird. Sauvignon Blanc ist die zweitwichtigste weiße Rebe nach Chardonnay. Sortenrein ergibt sie einen frischen Wein mit eigenwilligen, pikanten Johannis- und Stachelbeeraromen, häufig auch „grünen“ Noten (frisch gemähtes Gras), und einem unnachahmlichen Mineralton mit einer unterstützenden Säurestruktur (→ Säure (Wein)). Das typische Sauvignon-Blanc-Aroma wird wie beim Cabernet Sauvignon durch den höheren Gehalt an Pyrazinen verursacht.

Die europäische Heimat der Rebsorte ist das französische Loiretal; Sancerre und Pouilly-Fumé sind die großen Namen. In Frankreich zählt die Sorte zu den "Cepages nobles", der französischen Bezeichnung für die edelsten Rebsorten der Welt. Sauvignon Blanc ist auch in Bordeaux bedeutend und in vielen anderen Bereichen Europas, wie in Italien im Veneto und Friaul, in Slowenien, aber auch in Spanien, Serbien, Kroatien, Ungarn und den meisten anderen osteuropäischen Staaten. In Australien, Argentinien, Chile, Südafrika, Kalifornien und Neuseeland ist sie ebenso verbreitet.

DNA-Analysen zeigten 1997, dass die bekannte Rebsorte Cabernet Sauvignon aus einer vermutlich natürlichen Kreuzung aus Sauvignon Blanc und Cabernet Franc entstand.[1]

Die Rebsorte Tocai Friulano, die auch die Synonmnamen Sauvignonasse oder Sauvignon Vert trägt, wurde in der Vergangenheit häufig mit dem Sauvignon Blanc verwechselt. So war noch Anfang der 1990er Jahre ein Großteil der chilenischen Sauvignon-Weine in Wirklichkeit Tocai-Friulano-Weine.

Mutationen des Sauvignon Blanc sind die Sorten Sauvignon Gris oder Sauvignon Rose, Sauvignon Noir und Sauvignon Violet.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Frankreich

Siehe auch den Hauptartikel Weinbau in Frankreich.

Im Jahr 2005 lag die bestockte Rebfläche in Frankreich bei 24.029 Hektar. In Frankreich wurden bislang 20 Klone zur Herstellung von Qualitätsweinen anerkannt, von denen die Klone n° 297 und 316 die am weitesten verbreiteten sind.

Erst Ende der 1980er Jahre konnte sich der Sauvignon gegenüber dem Ugni Blanc als meistangebaute Sorten in Bordeaux durchsetzen. Heute prägt er die trockenen Weißweine von Bordeaux wie den Entre deux mers und den weißen Graves. Im Médoc zeigt Château Margaux mit dem Pavillon Blanc, welches Potenzial die Rebsorte bei niedrigen Erträgen und einem angepassten Anbau im Barrique auch in diesem Rotweingebiet erreichen kann.

In den edelsüßen Weinen von Sauternes, Barsac, Monbazillac, Sainte-Croix-du-Mont, Cérons und Loupiac wird die Sorte mit dem dominierenden Sémillon und einem geringen Anteil von Muscadelle verschnitten. Das berühmte Château d'Yquem beispielsweise setzt die Sorte zu ca. 20 % im Verschnitt seiner Weine ein.

Im französischen Südwesten findet der Sauvignon Blanc Eingang in die AOC-Weine von Bergerac, Côtes de Duras, Côtes du Marmandais, Gaillac und Pacherenc du Vic-Bilh. In den drei erstgenannten Gebieten ist sie als Leitsorte in den trockenen Weißweinen enthalten.

In der Weinbauregion Loire sind die typische Weine in den Appellationen von Sancerre, Pouilly Fumé, Menetou-Salon, Quincy und Reuilly, die weltweit als Vorbild bei der Erzeugung qualitativ hochstehender Weißweine dienen, die bekanntesten Weine aus der Sauvignon-Blanc-Rebe. Flussabwärts ist der Sauvignon Blanc fast überall angepflanzt. In drei Anbaugebieten besitzt er eine besondere Bedeutung: in Saint-Bris in der Nähe von Chablis, in der Touraine südlich von Blois, und im Haut-Poitou südlich von Saumur. Die typische Aromatik der Sauvignon-Blanc-Weine ruht auf einer schwefeligen Verbindung, die an Ginster erinnert. Oft wird bei Verkostung einen Geruch jedoch beschrieben, das an frisch angezündete Streichhölzer denken lässt. Ursache ist im allgemeinen die zu starke Schwefelung der Weine und selten der Feuerstein-Gehalt im Boden.

Deutschland

Siehe auch den Hauptartikel Weinbau in Deutschland.

Für den deutschen Weinanbau spielt die Sorte mengenmäßig noch keine große Rolle. Die Sorte wird aber zunehmend und erfolgreich von rund 300 Erzeugern, unter ihnen auch bekannte Weingüter, in allen deutschen Anbaugebieten mit Ausnahme von Sachsen, Mittelrhein und Ahr kultiviert.

Die größten Anbauflächen befanden sich 2007 in der Pfalz (145 Hektar), Rheinhessen (84 Hektar), Baden (66 Hektar) und Württemberg (21 Hektar). Der nördlichste deutsche Weinberg mit Sauvignon Blanc befindet sich in Brandenburg in der Lage Wachtelberg in Werder. Die gemeldete Gesamtrebfläche des Sauvignon blancs erreichte im Jahr 2007 einen Umfang von 336 Hektar. Deutschland überholte damit Österreich zumindest mengenmäßig als Erzeugerland.

Eine länger zurückreichende Tradition hat der Sauvignon Blanc u.a. im badischen Durbach. Das seinerzeit dem Grafen Zorn von Bulach gehörende Gräflich Wolff Metternich'sche Weingut setzte nach 1830 in der Lage Schloss Grohl vom Château d'Yquem stammende Rebstöcke. Der Wein wurde bis in die 1980er Jahre mit einer Sondergenehmigung als „Weißer Bordeaux“ vermarktet. 2006 erzeugte das Gut hieraus erstmals eine Trockenbeerenauslese.[2]

Österreich

Siehe auch den Hauptartikel Weinbau in Österreich.

In Österreich ist sie speziell in der Steiermark bedeutend, wo die Rebsorte noch häufig Muskat-Sylvaner genannt wird. Im Jahr 1999 betrug die bestockte Fläche 314,39 Hektar.

Sauvignon Blanc aus Marlborough, Neuseeland.

Neuseeland

Siehe auch den Hauptartikel Weinbau in Neuseeland.

Trotz der kurzen Geschichte sind die Sauvignon Weine aus Neuseeland - besonders die aus Marlborough, wobei der Cloudy Bay schon zum Kultwein geworden ist - inzwischen zum klassischen Typ aufgerückt. Seit den 1990er Jahren profiliert sich das Land als Lieferant hervorragender trockener Weißweine. Insbesondere in Marlborough auf der Südinsel werden die Reben in sandigen Böden gezogen. Die gute Drainage und der magere Boden ergeben durch die daraus resultierenden geringen Erträge eine hohe Konzentration der typischen Aromen. Innerhalb des Schwemmlands des Wairau River in der Nähe von Blenheim verlaufen ost-westlich ausgerichtete Sandbänke, die dem Terroir einen welligen Charakter verleiht. Die Rebzeilen sind in der Regel nord-südlich ausgerichtet und bieten dem Winzer auf recht kleiner Fläche eine Fülle von verschiedenen Böden (tiefe, schwere Böden in den Senken, luftigere und steinigere Böden in der Nähe der Kämme der Bänke), die sich auf die Aromenvielfalt positiv auswirken. Das kühle Meeresklima und die starke Sonneneinstrahlung von Marlborough bietet die Voraussetzung einer langen Vegetationsperiode, die zu Ausbildung eines guten Gleichgewichts von Säure und Zucker unabdingbar ist.

In den letzten Jahren kommen auch vielversprechende Weinqualitäten aus den Regionen Martinborough, Gisborne und Hawke’s Bay, die allesamt auf der Nordinsel liegen. Im Jahr 2007 lag die bestockte Rebfläche bei noch steigender Tendenz bei 10.491 Hektar. [3]

Vereinigte Staaten

Siehe auch den Hauptartikel Weinbau in den Vereinigten Staaten.

Der Name Blanc Fume ist in Kalifornien gebräuchlich. Dieser Name wurde um 1985 von Robert Mondavi gefördert, um dem Wein eine eigene Identität zu verleihen. Dort wird er manchmal im Holzfass ausgebaut, was ihm eher den Charakter tropischer Früchte verleiht. In den 1990er Jahren stellte der französische Ampelograph Pierre Galet fest, dass es sich bei dem Sauvignon Vert in Kalifornien überwiegend um die Rebsorte Muscadelle handelte.

Südafrika

→ Siehe auch den Hauptartikel Weinbau in Südafrika.

Im Jahr 2007 betrug die mit Sauvignon Blanc bestockte Rebfläche 8.872 Hektar nachdem sie im Jahr 2003 noch bei 6.843 Hektar lag [4]. Jancis Robinson behauptet, dass sich die Sorte in Südafrika lange gegenüber dem Chardonnay behaupten konnte, da dort der als Chardonnay bekannte Rebbestand wegen einer verwechslung überwiegend aus der minderwertigeren Auxerrois - Rebe bestand.

Italien

Siehe auch den Hauptartikel Weinbau in Italien.

Sauvignon Blanc bringt insbesondere im Nordosten Italiens hervorragende Weine. Insbesondere Exemplare aus dem Friaul und Südtirol sind sehr fein und fruchtig.

Insgesamt ist der Anbau der Rebsorte in 32 Provinzen empfohlen und in weiteren 26 Provinzen zugelassen. Im Jahr 1990 wurde eine bestockte Rebfläche von 2.947 Hektar erhoben.

Sauvignon Blanc ist Bestandteil der DOC-Weine Alghero, Bagnoli di Sopra, Bianco di Scandiano, Bolgheri, Carso, Castel del Monte, Colli Berici, Colli Bolognesi, Colli del Trasimeno, Colli dell'Etruria Centrale, Colli di Conegliano, Colli di Faenza, Colli di Parma, Colli di Scandiano e di Canossa, Colli Orientali del Friuli, Colli Piacentini, Colline Lucchesi, Collio Goriziano, Contea di Sclafani, Contessa Entellina, Delia Nivolelli, Friuli Annia, Friuli Aquileia, Friuli Grave, Friuli Isonzo, Friuli Latisana, Garda, Garda Colli Mantovani, Lison Pramaggiore, Vini del Molise, Oltrepó Pavese, Sant'Antimo, Terlano und Trentino.

Diverse Regionen

Die australischen Versionen (5.544 Hektar, Stand 2007) [5] kommen nur manchmal an die Qualitäten aus dem benachbarten Neuseeland heran. Auch in Chile (hauptsächlich in der Región del Maule) (8.697 Hektar, Stand 2006) [6], Argentinien, Moldawien, Slowenien, Tschechien, Rumänien, Bulgarien und in Kanada wird Sauvignon Blanc zunehmend erfolgreich angebaut.

Ampelographische Sortenmerkmale

In der Ampelographie wird der Habitus folgendermaßen beschrieben:

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist stark weißwollig behaart mit leicht rötlichem Anflug. Die gelblichen, leicht bronzefarbenen Jungblätter sind schwach behaart.
  • Die kleinen bis mittelgroßen Blätter sind rundlich, meist fünflappig und nur wenig gebuchtet aber am Blattrand stark wellig. Die Stielbucht ist V- oder U-förmig offen. Das Blatt ist stumpf gezähnt. Die Zähne sind im Vergleich der Rebsorten mittelgroß. Die Blattoberfläche (auch Spreite genannt) ist blasig derb.
  • Die zylinderförmige Traube ist klein und dichtbeerig. Der Traubenstiel ist kurz und vergleichsweise holzig. Die länglichen Beeren sind klein und von gelbweißlicher bis goldgelber (nur bei voller Reife) Farbe. Die Schale der Beere ist dick.

Der Sauvignon Blanc treibt relativ spät aus (ca. eine Woche nach dem Silvaner). Dadurch entgeht er eventuellen späten Frühjahrsfrösten. Der Blütezeitpunkt liegt ebenfalls spät. Der Sauvignon Blanc reift ca. 20 bis 25 Tage nach dem Gutedel. Die Sorte hat einen sehr kräftigen Wuchs. Der Ertrag ist jedoch durch starke Verrieselung eingeschränkt, und liegt bei maximal 60 - 70 Hektolitern / Hektar.

Gegenüber dem Echten und Falschen Mehltau ist sie mittelmäßig anfällig. Sie neigt darüber hinaus zum Befall mit Schwarzfäule der Rebe und Rohfäule.

Den Sauvignon Blanc zeichnet eine noch mittelgute Holzreife bei entsprechender mäßiger Winterfrosthärte aus.

Synonyme

Aufgrund seiner weltweiten Verbreitung ist der Sauvignon Blanc unter einer Fülle von Synonymnamen wie Beyaz Sauvignon, Blanc doux, Blanc Fumé, Bordeaux bianco, Champagne, Douce blanche, Feher Sauvignon, Feigentraube, Fie, Fumé, Fumé Blanc, Fumé surin, Genetin, gennetin, Gentin, Gros Sauvignon, Libournais, Melkii sotern, Muskat Sylvaner, Muskatani Sivanec, Muskatni Silvanac, Muskatni Silvanec, Muskatsilvaner, Muskat-Sylvaner,Painechon, Pellegrina, Petit Sauvignon, Picabon, Piccabon, Pinot Mestny Bely, Pissotta, Puinechou, Punechon, Punechou, Quinechon, Rouchelin, Sampelgrina, Sarvonien, Sauternes, Sauvignon, Sauvignon Bianco, Sauvignon Blanco, Sauvignon fumé, Sauvignon gros, Sauvignon Jaune, Sauvignon jeune, Sauvignon petit, Sauvignon vert, Sauvignon White, Savagnou, Savignon, Sciampagna, Servanien, Servonien, Servoyen, Souternes, Sovinak, Sovinjon, Sovinjon beli, Sovinon, Spergolina, Surin, Sylvaner musqué, Uva Pergolina, Weißer Sauvignon und Zoeld Ortlibi bekannt.

Einzelnachweise

  1. Discovery Channel: “DNA analysis reveals mysterious past of cabernet sauvignon”
  2. Damasko, Gabriele & Klaus Henning Damasko: WeinAdel - Natalie Lumpp entdeckt Schlossweine aus Baden und Württemberg. Stuttgart: Hampp-Verlag, 2007, S. 119 ff
  3. http://www.nzwine.com/assets/NZW_Stats_Annual_2007_Final_for_web.pdf (PDF) New Zealand Winegrowers Statistical annual 2007
  4. http://www.suedafrika-wein.de/Book_2008_web.pdf Southafrican Wine Industry Statistics, Veröffentlicht im Juni 2008
  5. https://www.awbc.com.au/winefacts/data/free.asp?subcatid=102 Statistik des Australian Government
  6. [http://www.sag.gob.cl/pls/portal/docs/PAGE/PG_SAG_BIBLIOTECA/BIBL_INSYPROD/BIBLIO_INS_VINOS/BIBLIO_INS_VINOS_INFORMES/CATASTRO2006.PDF CATASTRO VITICOLA NACIONAL 2006 (PDF)], vom SAG Chile, Veröffentlicht 2007, in spanischer Sprache

Weblinks

Literatur

  • Jancis Robinson: Das Oxford Weinlexikon. Gräfe und Unzer Verlag, München 2003, ISBN 3-7742-0914-6.
  • C. u. F. Lange: Das Weinlexikon, Fischer Verlag 2003, ISBN 3-596-15867-2
  • Dagmar Ehrlich: Das Rebsorten ABC, Reben und ihre Weine; Hallwag (Gräfe & Unzer), München, 2005, ISBN 3-7742-6960-2
  • Pierre Galet: Dictionnaire encyclopédique des cépages Hachette Livre, 1. Auflage 2000 ISBN 2-01-236331-8
  • Walter Hillebrand, Heinz Lott und Franz Pfaff, Taschenbuch der Rebsorten, Fachverlag Fraund, Mainz 13. Auflage 2003 ISBN 3-921156-53-X
  • Janina Mäurer und Hartmut Keil, 100 seltene Rebsorten in Rheinhessen und der Pfalz", Verlag Edition Tintenfass, 1. Auflage 2008 ISBN 978-3-937467-56-6

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