Blanc de Chine
Vasen im Famille-Rose-Stil, Qing-Dynastie

Chinesisches Porzellan stellt einen zentralen Bestandteil der Kunst und Kultur Chinas dar. Es wurde zum Vorbild der Porzellanerzeugung auch im Westen.

Inhaltsverzeichnis

Material und Herstellung

Kaolin

Chinesisches Porzellan besteht meist aus

Das Kaolin ist aufgrund seiner körnigen Struktur zur Aufnahme relativ großer Mengen von Wasser fähig und verleiht der Werkmasse ihre Formbarkeit und Feuerfestigkeit. Petuntse und Quarz vermindern als sog. Magerungsmittel die Formbarkeit des Stoffs, verringern dafür aber den Volumensschwund beim Trocknen und Brennen. Die Petuntse stellt darüber hinaus ein Flussmittel dar, sie ist der einzige Bestandteil, der beim Brennen schmilzt.

Chinesisches Porzellan wird gewöhnlich nur einfach gebrannt, also Material und Glasur in einem Vorgang. Nachdem die Form eines Stücks fertiggestellt ist, wird sie luftgetrocknet, glasiert, abermals getrocknet und schließlich gebrannt. Unter der hohen Temperatur des Brennofens verschmelzen Material und Glasur zu einer untrennbaren Einheit. Chinesische Email-Arbeiten werden auf ähnliche Weise produziert, wobei aber dem ersten Brennvorgang unter hoher Temperatur der Auftrag des Emails und diesem schließlich ein zweiter Brennvorgang in einem Ofen mit niedrigerer Temperatur folgt.

Klassifikation

Im Westen unterscheidet man gewöhnlich drei Arten von Keramik, nämlich je nach Zusammensetzung des Werkstoffs und Brenntemperatur Steingut, Steinzeug und Porzellan. Auch betrachtet man dort häufig die Transparenz des Materials als Wesensmerkmal des Porzellans.

Im chinesischen Kulturkreis gibt es nur zwei Kategorien, nämlich heißgebranntes (cí 瓷) und kaltgebranntes (táo 匋) Porzellan. Auch dickere und undurchsichtige Keramiken werden als Porzellan eingestuft, wenn sie nur beim Anschlagen das für diesen Werkstoff typische Geräusch erzeugen.

Häufig findet man in China auch die Unterscheidung zwischen “nördlichem” und “südlichem” Porzellan, was auf die unterschiedlichen geologischen Beschaffenheiten der beiden Landesteile, aber auch auf in ihnen jeweils bevorzugten Brennstoffe zurückzuführen ist. In den kohlebeheizten Brennöfen des Nordens wurde bevorzugt stärker kaolinhaltige Werkmasse bei hohen Temperaturen gebrannt. Mit der im Süden verbreiteten Holzbefeuerung erreichte man meist niedrigere Temperaturen, der Grundstoff wies meist höhere Anteile an Petuntse auf.

Geschichte

Anfänge

Wenn die Geschichte der Keramik in China bis weit ins zweite vorchristliche Jahrtausend zurückreicht, fällt die Datierung des ersten Porzellans mit Blick auf das Fehlen einer verbindlichen Begriffsbestimmung schwer. Vorgeschlagen wurden insofern die späte Östliche Han-Dynastie (100-200 n.Chr.), die Zeit der Drei Reiche (220-280 n.Chr.), die Periode der Sechs Dynastien (220-589 n.Chr.) sowie die Tang-Dynastie (618-906 n.Chr.). Einige Fachleute vertreten die Ansicht, das erste „echte“ chinesische Porzellan sei zur Zeit der östlichen Han in Zhejiang gefertigt worden. Insbesondere sei gerade dort ein ausreichendes Vorkommen der oben genannte Grundstoffe zu verzeichnen gewesen, auch wurden in der Provinz bei Temperaturen von 1260-1300 Grad gebrannte Scherben gefunden.

Jingdezhen

Porzellanmalerin im Jingdezhen der Gegenwart

Spätestens seit der frühen Han-Dynastie war die Stadt Jingdezhen zu einem der wichtigsten Keramikzentren Südchinas aufgerückt. Die ältere Ware wurde noch kaltgebrannt, im 5. und 6. Jahrhundert produzierte man aber bereits unter Verwendung lokaler Rohmaterialien eine Art von Porzellan. 1004 machte der Song-Kaiser Jingde Jingdezhen zur Produktionsstätte für kaiserliches Porzellan.

Während der Song- und Yuan-Dynastie produzierte man Porzellan in Jingdezhen und anderen südchinesischen Brennstätten teilweise unter alleiniger Verwendung von Petuntse bei Temperaturen von ca. 1.250 Grad. Im frühen achtzehnten Jahrhundert mischte man diese aber wieder zunehmend zu gleichen Teilen mit Kaolin und brannte bei 1.350 Grad. So entstand ein sehr dauerhaftes Porzellan von strahlendem Weiß. In den eiförmig gebauten Brennöfen des Südens herrschten große Temperaturunterschiede, die durch Variierung des Kaolinanteils der Werkmasse ausgeglichen werden mussten.

Zwei Beschreibungen der Manufaktur von Jingdezhen sind aus der Qing-Zeit erhalten: Der gegen Ende der Kangxi-Periode in der Stadt wirkende Jesuitenmissionar Père Francois Xavier d'Entrecolles etwa schilderte in seinen Briefen detailliert die bei der Porzellanherstellung verwendeten Materialien und Verfahren. Als Motiv hierfür gab er reine Neugierde an, räumte aber auch ein, dass seine Beschreibungen für Europa von Nutzen sein könnte. Freilich erreichte sein 1712 verfasster Brief Europa erst, als Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus das Geheimnis des Porzellans ohnehin bereits entschlüsselt hatten. 1743, zur Regierungszeit Qianlongs, verfasste dann der kaiserliche Manufakturvorsteher Tang Ying ein Memorandum mit dem Titel „Zwanzig Illustrationen der Porzellanmanufaktur“. Die Illustrationen selbst sind heute nicht mehr erhalten, sehr wohl aber der Text.

Sui- und Tang-Dynastie

Glasiertes Pferd aus der Tang-Dynastie

Während der Sui- und Tang-Dynastie (581-906) wurden große Mengen heiß- wie kaltgebrannter Keramik produziert, darunter auch die bekannte Bleiglasurware der Tang-Zeit (三彩 „sancai“, „dreifarbig“), das heißgebrannte Kalkglasur-Celadon Yue sowie die kaltgebrannte Changsha-Ware. In den nordchinesischen Provinzen Henan und Hebei fertigte man heißgebranntes Transparentporzellan.

Aus dieser Epoche stammt auch eine der ersten Erwähnungen chinesischen Porzellans durch einen Ausländer. In China habe man, so die Aufzeichnungen eines arabischen Reisenden des 8. oder 9. Jahrhunderts, eine sehr feine Tonerde, aus der man Vasen fertige, die so durchsichtig wie Glas seien. Glas war in der arabischen Welt damals wohlbekannt, so dass eine Verwechslung der beiden Materialien ausgeschlossen werden kann.

Seladon-Porzellan

In der Songzeit produzierte man insbesondere in Kaifeng und Longquan in großen Mengen das berühmte Seladon-Porzellan, dessen Herstellungsmethode bereits seit dem 4. Jahrhundert bekannt war.

Seladon-Schultertopf; Yuan/Ming-Zeit

Die charakteristische olivgrüne, an Jade erinnernde Glasur entsteht durch Reduktion von Eisen(III)-oxid zu Eisen(II)-oxid während des Brennvorgangs. Bei den Gefäßtypen orientierte man sich weitgehend an den klassischen, seit der Bronzezeit im Wesentlichen unverändert gebliebenen Formen. Häufig wurden in den Scherben geometrische, florale oder zoomorphe Reliefs aufmodelliert oder eingeritzt.

Die Seladonware aus Longquan erfreute sich nicht nur am chinesischen Kaiserhof großer Beliebtheit, sondern wurde von Anfang an in zahlreiche Länder Asiens exportiert. In der Blütezeit der Ming-Dynastie erreichte sie schließlich Europa, wo sie zunächst mit Gold aufgewogen wurde.

Jian-Teeporzellan

Jian-Schale mit Hasenfellmuster, Song-Dynastie

Das aus der Präfektur Jianyang der Provinz Fujian stammende sog. Jian-Schwarzporzellan wurde vor allem für Teeservices verwendet und erreichte den Höhepunkt seiner Verbreitung während der Song-Dynastie. Hierfür verwendete man eisenreiches Kaolin aus lokalen Vorkommen, das man unter großer Sauerstoffzufuhr bei ca. 1.300 Grad brannte. Die Glasur wurde aus ähnlicher Tonerde wie das Werkstück selbst hergestellt, aber mit Holzkohle vermischt. Bei den hohen Brenntemperaturen bildeten sich innerhalb der Glasur einzelne Schichten heraus, die das berühmte „Hasenfell“-Muster erzeugten.

Hochgeschätzt und dementsprechend häufig kopiert wurde das Jian-Porzellan vor allem in Japan, wo man sie unter dem Namen temmoku oder Tenmoku kennt. Die Schichtenbildung in der eisenreichen Glasur des chinesischen Schwarzporzellans wurde auch benutzt, um die bekannten „Ölfleck“-, „Teestaub“ und „Rebhuhnfeder“-Muster hervorzubringen.

Qingbai-Porzellan

Teekanne im Qingbai-Stil, Song-Dynastie

Qingbai-Porzellan (青白; qīngbái="grünweiß") wurde seit der nördlichen Song-Dynastie in Jingdezhen und zahlreichen anderen südchinesischen Brennstätten hergestellt. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde es fast vollständig von der aufkommenden Blau-Weiß-Ware verdrängt. Das unter Verwendung von Petuntse gefertigte, schwach eisenhaltige Material ist ursprünglich weiß, erhält durch die Glasur aber den typischen grünlichen Schimmer, der ihm den Namen gegeben hat. Erhalten geblieben sind insbesondere Schalen, teilweise mit eingeritztem oder aufmodelliertem Muster. Ein Großteil der Qingbai-Ware wurde für den Alltagsgebrauch geschaffen und genoss deshalb zum Zeitpunkt seiner Entstehung weitaus geringere Wertschätzung als heute.

Ein bemerkenswertes Qingbai-Stück ist die heute im Irischen Nationalmuseum befindliche sogenannte “Fonthill-Vase”. Angeblich soll es sich um das erste jemals nach Europa gelangte Stück chinesischer Porzellankunst handeln. Die vermutlich um 1300 in Jingdezhen gebrannte Vase war Papst Benedikt XII. 1338 vom letzten Yuan-Kaiser als Geschenk gesandt worden.

Blau-Weiß-Stil

Teller im Blau-Weiß-Stil, Ming-Dynastie

In der Tradition der frühen Qingbai-Ware wurde auch das Blau-Weiß-Porzellan mit transparenter Glasur versehen. Die blaue Farbe besteht aus einem Gemisch aus Cobaltoxid und Wasser und wurde auf das Porzellan vor der Glasierung und dem Brennvorgang aufgetragen. Die verschiedenen Blautöne erlauben Rückschlüsse auf die geographische Herkunft des Kobalts und erleichtern dadurch die Datierung: Zunächst importierte man den Farbstoff aus Persien, Sumatra und Malaya, ab dem 16. Jahrhundert dagegen aus Chinesisch-Turkestan, gegen Ende der Ming-Dynastie entdeckte man schließlich noch zentraler gelegene Vorkommen in den Provinzen Jiangxi, Guangdong und Zhejiang.

Das erste Blau-Weiß-Porzellan in Unterglasurtechnik soll in der Tang-Dynastie entstanden sein. Aus dieser Zeit sind lediglich drei vollständige Stücke enthalten, jedoch wurden in der Nähe von Yangzhou (Provinz Jiangsu) auf das 8. oder 9. Jahrhundert zu datierende Scherben ausgegraben. In den 1970er Jahren fand man in Zhejiang, Jiangsu und Jiangxi mehrere Blau-Weiß-Schalen aus der Song- und Yuan-Dynastie. Seine Blütezeit erlebte der Stil aber erst in der Ming-Dynastie; insbesondere die geradezu sprichwörtlich gewordene „Mingvase“ prägt die europäische Vorstellung von chinesischer Porzellankunst in besonderem Maße.

Beim Dekor herrschten zunächst vor allem geometrische, ornamentale und florale Motive vor, in geringerem Umfang auch Drachen, Vögel und Fische. Im 15. Jahrhundert nahm die Dichte des Dekors ab, dafür legte man größeren Wert auf eine Gliederung in ein Zentralmotiv und peripherere Ornamentbänder und -friese. Mitte des 16. Jahrhunderts etablierten sich neben dem klassischen Dekorschatz schließlich auch Landschaftsmotive, Szenen aus dem Hofleben und der daoistische Geisteswelt sowie Darstellungen aus Werken der klassischen Literatur.

Yixing-Teeporzellan

Yixing-Teekanne, Qing-Dynastie

Daneben entstand während der Ming-Dynastie in der am Taihu-See gelegenen Stadt Yixing das nach ihr benannte ziegelrote Tee-Steinzeug, das eine bestimmte, nur dort vorkommende Tonerde erfordert. Die relativ kleinen Kannen und Tassen lösten die vorher gebräuchlichen größeren Silber-, Kupfer- und Zinngefäße ab - da sich in ihnen nach allgemeiner Auffassung Duft und Aroma des in Mode kommenden Frisch-Tees besser entfalten können. Als bedeutendster Meister des Stils galt Shi Da Bing. Das Yixing-Steinzeug fand Verbreitung in Gelehrten- und Beamtenkreisen bis hinauf zum Kaiserhof. In der Qing-Zeit wurde es stilistisch weiterentwickelt und 1685 von Kaiser Kangxi gemeinsam mit dem Tee erstmals nach Europa exportiert. Auch dort fand das "rote Porzellan" großen Anklang und wurde von vielen großen Manufakturen kopiert.

Dehua-Porzellan (Blanc-de-Chine)

Guanyin (Dehua)
Qilin (Dehua)

Ebenfalls in der Ming-Zeit kam das Dehua-Porzellan auf. Der Name leitet sich von seinem in der Provinz Fujian gelegenen Produktionsort ab. In Europa ist auch die Bezeichnung Blanc-de-Chine gebräuchlich.

Dehua-Porzellan ist in aller Regel weiß oder cremefarben und unbemalt. In der Kangxi-Epoche, deren Stücke als die kostbarsten gelten, herrschte ein rosa-cremefarbener Schimmer vor, in der Regierungszeit Qianlongs indes eher eine bläuliche Färbung. Der Werkstoff weist einen relativ niedrigen Kaolingehalt auf, die Stücke wurden mit einer etwas dickeren Glasurschicht überzogen. Häufig verarbeitete man Dehua-Porzellan zu Plastiken und Skulpturen; beliebt waren etwa Statuetten der Barmherzigkeitsgöttin Guanyin für den Hausaltar.

Ab dem 17. Jahrhundert stellte Dehua-Ware auch einen relativ großen Anteil am nach Europa verschifften sogenannten Exportporzellan dar. Durch Nachahmung an den Fürstenhöfen des Rokoko-Zeitalters sollte es erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der westlichen Porzellankunst gewinnen.

Porzellan der drei großen Qing-Kaiser

Teller im Famille-Rose-Stil, Qing-Dynastie
Tasse im Famille-Verte-Stil, Qing-Dynastie

Von 1662 bis 1796 beherrschten China lediglich drei Kaiser: Kangxi, Yongzheng und Qianlong. Die Periode gilt als letzte große Blütezeit der klassischen chinesischen Kultur und hat auf dem Gebiet der Porzellankunst Bedeutsames hervorgebracht: Während man einerseits Herstellungstechnik der Ming-Dynastie für das Porzellan selbst beibehielt, neigte man aber verstärkt zu Überglasur-Dekor. Auch kam es zu einer beträchtlichen Erweiterung der Farbpalette: An die Stelle des Blau-Weiß-Stils trat in der Regierungszeit Kaiser Kangxis eine ganze Reihe von Stilrichtungen:

  • Die famille verte, bei der die namensgebende grüne Farbe hauptsächlich durch etwas Eisenrot ergänzt wurde.
  • Die famille rose, die hauptsächlich Rosa- und Purpurtöne verwendet und das ganze 18. Jahrhundert über dominierend bleiben sollte.
  • Die famille jaune, eine Abwandlung der famille verte mit gelbem Untergrund
  • Die famille noire, die mit schwarzem Untergrund arbeitet

Beim Dekor wandten sich die Künstler in noch stärkerem Maße figürlichen Darstellungen zu. Beliebt waren etwa Blumen (Päonie, Lotus), Vögel (vor allem Phönixpaare), Goldfische und Insekten (Zikaden, Libellen). Auch wurden häufig detailreich Szenen aus der chinesischen Geschichte, Mythologie und Literatur wiedergegeben; genannt seien etwa der Roman Der Traum der roten Kammer sowie die daoistische Gottheit Königinmutter des Westens.

Eklektizismus der späten Qing-Zeit

Schale mit Kirschzweig-Dekor, Daoguang-Periode
Fünfhalsige Vase, Cixi-Regentschaft

Nach dem Tode Qianlongs verfiel im Zuge des schleichenden Niedergangs der klassisch-chinesischen Kultur auch die Porzellankunst. Vielfach huldigte man einem an das Vorbild früherer Perioden anknüpfenden Eklektizismus. Bereits unter Kaiser Jiaqing war eine gewisse Formalisierung der Gestaltung insbesondere durch mechanische Wiederholung bestimmter immer gleicher Dekorelemente zu beobachten; künstlerische Originalität wich zunehmend bloßem handwerklichem Können. Die Aufglasurfarben verlieren an Tiefe, Glanz und Transparenz; das Rosa der klassischen Qing-Palette gerät zunehmend violett.

Während des eklatanten Verfalls der kaiserlichen Macht in der Daoguang gehen die Bestellungen des Pekinger Hofs auch quantitativ zurück. Vielerorts verlegten sich die Manufakturen deshalb auf die Produktion preisgünstigeren Gebrauchsgeschirrs. Gleichwohl wurden bisweilen etwa Stile der Ming-Zeit wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. 1853 schließlich zerstören die marodierenden Truppen des Taipingaufstands die traditionsreiche Fertigungsstätte Jingdezhen.

Unter der von 1862 bis zum Sturz der Dynastie 1911 reichenden Regentschaft der Kaiserinwitwe Cixi steigt die Produktion allgemein wieder an, freilich ebenfalls ohne besondere Originalität zu entwickeln. Charakteristisch ist die steigende Wertschätzung der Dekorfarbe Gelb sowie das bereits unter Yongzheng vereinzelt angetroffene sog. "übergreifende Dekor": Einzelne Dekorelemente werden von der Außenwand des Gefäßes über den Rand teilweise bis ins Innere fortgeführt. Nach der Jahrhundertwende leitete Cixi zaghaft eine strukturelle Neuausrichtung der Porzellanproduktion ein, die neben halbstaatlichen Manufakturen auch eine stärkere Industrialisierung der Produktionsabläufe vorsah.

20. Jahrhundert

Nach dem Sturz der Qing-Dynastie 1911 und der Ausrufung der Republik konnten die Porzellankünstler infolge des Wegfalls der kaiserlichen Produktionsvorschriften freier arbeiten. Dies führte zum einen dazu, dass nunmehr das Dekor der Stücke nicht mehr abschnittsweise von verschiedenen Malern erstellt wurde, sondern nunmehr häufig jeweils aus der Hand eines einzigen Künstlers stammte, der die Stücke auch namentlich signieren durfte. Auch passte er das Dekor nicht mehr der bis dahin dominanten Gefäßoberfläche an, sondern trug es auf wie auf gewöhnlichen, ebenen Malgrund. Der allgemein zu beobachtenden Industrialisierung der Produktionsprozesse stand damit in der chinesischen Porzellanherstellung ein hierzu völlig konträrer Trend zur Individualisierung gegenüber.

Ein letzter Aufflammen erlebte die traditionelle kaiserliche Porzellanproduktion, als sich Yuan Shikai 1915 letztlich folgenlos zum Kaiser ausrufen ließ, aber sogleich 40.000 Stücke mit seiner Regierungsdevise "Hongxian" in Auftrag gab.

Nach 1917 schließlich wuchs die Produktion quantitativ stark an, im ganzen Land wurden neue Manufakturen gegründet, wobei freilich mittlerweile weitaus überwiegend Gebrauchsgeschirr hergestellt wurde. Für die Oberschichten produzierte man zudem Kopien alten Hofporzellans sowie Stücke, deren Dekor im westlichen Stil gehaltene Gemälde des jesuitischen Hofmalers der Qing-Kaiser, Giuseppe Castiglione integrierte. Die Qualität der verwendeten Farben stieg, nicht zuletzt dank aus Deutschland importierter Industrie-Pigmente.

Auswirkungen auf den Westen

Die chinesische Porzellankunst wurde von Europa in einem Maße rezipiert wie kaum ein anderer Teil der chinesischen Kunst.

Für den Export produzierte Porzellan-Dschunke, Qing-Dynastie
Im Auftrag des Hauses Wittelsbach in der Wanli-Periode produzierter Teller

Zunächst waren es die Portugiesen und Spanier, die in größeren Mengen vor allem chinesisches Porzellan nach Europa verschifften. Bereits König Philipp II. von Spanien besaß eine Porzellansammlung von mehr als 3.000 Stück. Im 17. Jahrhundert ging der Ostindienhandel indes zunehmend in die Hände der Holländer und Briten über. Von den niederländischen Häfen aus wurden Fürstenhöfe in ganz Europa insbesondere mit dem beliebten Blau-Weiß-Porzellan versorgt. Es diente nicht nur als Gebrauchsgeschirr, sondern erfreute sich auch als Kaminaufsatz oder Ausstattung für die berühmten "Porzellankabinette" der europäischen Schlösser großer Beliebtheit. Teilweise wurde in China Porzellan speziell für den Export (Chinesisches Exportporzellan) oder sogar auf Bestellung europäischer Auftraggeber nach deren Wünschen und Vorgaben (Chinesisches Auftragsporzellan) gefertigt.

Sehr bald versuchte man in Europa auch, das chinesische Porzellan nachzuahmen. Erste Versuche sind bereits für das Italien des späten 15. Jahrhunderts belegt, wobei es sich beim Endprodukt wohl mehr um ein milchiges Glas gehandelt haben dürfte. Später beeinflusste das Blau-Weiß-Porzellan die europäische Fayence-Kunst, insbesondere die Produktion der Delfter Manufakturen. Die Herstellung richtigen Porzellans gelang indes erst 1709 dem am Hofe Augusts des Starken in Dresden tätigen Johann Friedrich Böttger. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstanden daraufhin Manufakturen u.a. an allen führenden Fürstenhöfen des Kontinents (nach Meißen u.a. Wien, Sèvres, Nymphenburg, Kopenhagen, Neapel u.a.). Später wurde Porzellan schließlich zum nicht mehr wegzudenkenden Teil der europäischen Alltagskultur.

Echtheitsprüfung

Die Testmethoden für die “Echtheit” chinesischen Porzellans sind umstritten. Am verbreitetsten ist der sogenannte Thermolumineszenz-Test (TL-Test), mit dem der Zeitpunkt des letzten Brennvorgangs mit relativ großen Toleranzen bestimmt werden kann. Der Test wird mit kleinen Porzellanproben durchgeführt, die dem Teststück durch Anbohrungen oder Anschnitte entnommen werden. Die Methode gilt als sehr risikoreich und führt naturgemäß zu Schädigungen des Teststücks, weshalb sie eher bei weniger wertvollem Porzellan zur Anwendung kommt. Andere Methoden arbeiten mit einem Vergleich der Glasurbeschaffenheit des Teststücks mit der von bereits zuverlässig datierten Vergleichsstücken. Nach verbreiteter Auffassung können technisch-physikalische Verfahren sinnvoll allenfalls im Verbund mit traditionellen Datierungsmethoden angewandt werden.

Bekannte europäische Sammlungen

Größere Sammlungen chinesischen Porzellans befinden sich u.a. in folgenden europäischen Museen:

Siehe auch

Literatur

  • S. W. Bushell: Chinese Pottery and Porcelain. Oxford University Press, Kuala Lumpur 1977, ISBN 0195803728
  • Antony DuBoulay: Chinesisches Porzellan. 1987, ISBN 3883850152
  • Sven Frotscher: dtv-Atlas Keramik und Porzellan. München 2003, ISBN 3423032588.
  • Hubertus Günther: Antiquitäten - Chinesisches Porzellan. 1985, ISBN 3453412265
  • Birgit Hahn-Woernle: Chinesisches Porzellan. 1985, ISBN 3779651122
  • He Li: Chinese Ceramics. The New Standard Guide. Thames and Hudson, London 1996, ISBN 0500237271
  • Florian Hufnagl (Hrsg.): Porzellan aus China - Sammlung Seltmann. Heidelberg 1994, ISBN 3894661194
  • Suzanne Kotz (Hrsg.): Imperial Taste. Chinese Ceramics from the Percival David Foundation. Chronicle Books, San Francisco 1989, ISBN 0877016127
  • Anette Loesch/Ulrich Pietsch/Friedrich Reichel: Porzellansammlung Dresden. Dresden 1998, ISBN 3932264053
  • Stacey Pierson: Earth, Fire and Water: Chinese Ceramic Technology. Percival David Foundation of Chinese Art, University of London 1996, ISBN 0728602652
  • Friederike Ulrichs: Die ostasiatische Porzellansammlung der Wittelsbacher. München 2005, ISBN 3932982630

Weblinks


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