Blasebalg
Prinzipzeichnung eines Handblasebalgs: (1) Lufteintritt, (2) Düse, (3) Ventil

Ein Blasebalg ist ein Gerät zur Erzeugung eines Luftstoßes oder Luftstroms.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Ein Blasebalg besteht aus einem verformbaren Körper, der mit einem oder zwei Ventilen ausgestattet ist. Durch das eine Ventil wird Luft beim Ausdehnen eingesaugt und beim Zusammendrücken durch die Düse herausgeblasen. Ein zweites Ventil in der Düse verhindert ein teilweises Zurückströmen der Luft beim Aufziehen. Früheste Formen waren gänzlich ohne Ventile, der Betreiber musste die Einlassöffnung mit der Hand zudrücken, so dass die Einlassöffnung sich meist im Griff befand. Frühe Formen bestanden aus Holz und Leder, heutzutage werden Blasebälge zumeist aus Kunststoff hergestellt. Eine fortgeschrittene und automatisierte Form des Blasebalges ist die Membranpumpe.

Historische Verwendung

Schmiedefeuer mit Blasebalg

Blasebälge wurden vor allem seit dem Mittelalter in Schmieden benutzt, um die Glut in der Esse auf die richtige Temperatur zu bringen. Zur Eisenherstellung in Europa wurden schon Anfang des 13. Jahrhunderts wasserradgetriebene Gebläse verwendet, bei denen die Nocken einer Nockenwelle das obenliegenden Brett eines Blasebalgs anhoben, das anschließend durch aufliegende Gewichte wieder heruntergedrückt wurde. Die verbesserte Luftzufuhr (mehr Sauerstoff) führte zu einer Erhöhung der zum Schmelzen benötigten Temperatur. Der Blasebalg wurde jedoch auch in jedem Haushalt benötigt, um die Glut der offenen Feuerstellen und Kamine durch einen gezielten Luftstoß am Morgen wieder zu entfachen.

Mythologische Bedeutung

Die drei Laster: Neid (mit Maske), Wut (mit Medusa) u. Verleumdung (mit Blasebalg: „1719. Silvestre pinxit“ ).

Gustav Otto Müller beschreibt den Blasebalg als Attribut der Verleumdung und führt als Beispiel ein Gemälde von Louis Silvestre im Dresdner Residenzschloss an.[1]

Instrumentenbau

Orgel, Harmonium

Orgel-Blasebalg im Orgelmuseum von Borgentreich.

Mit Blasebälgen wurden auch Orgeln betrieben. Hier werden Schöpfbälge und Magazinbälge unterschieden. Luftdruckschwankungen werden mit Schwimmerbälgen ausgeglichen.

Siehe auch Hauptartikel: Windwerk

Beim Harmonium pumpt der Spieler mit zwei fußbetriebenen Blasebälgen einen weiteren Blasebalg im Inneren des Instruments auf, der dann den für den Betrieb des Instruments nötigen Luftstrom gleichmäßig abgibt.

Akkordeon

unfertiger Akkordeonbalg

Bei Handzuginstrumenten befindet sich der Balg zwischen Bassteil und Diskantteil des Instruments. Je nach Art des Instruments ist er in Größe und Aussehen angepasst an das restliche Instrument. Er besteht meist aus gleichmäßig tiefen Falten. Die Anzahl und Tiefe der Falten variiert bei den verschiedenen Instrumenten stark. Die Basis bildet aber fast immer gefalteter Karton, der in den Eckverbindungen mit sehr dünnem, luftdichtem Leder beweglich verbunden ist. Bei sehr billigen Instrumenten kommt anstatt des Leders auch Kunstleder zum Einsatz.

Die äußeren Ecken sind meist mit Eckschonern aus Metall oder bei manchen Instrumenten mit Leder verstärkt. Die Oberfläche der Falten kann sowohl innen wie auch außen mit verschiedenen Materialien verstärkt und verschönert sein. An beiden Enden des Balgs befindet sich ein Holzrahmen, der die Verbindung zu den jeweiligen Instrumententeilen herstellt.

Früher gab es ein eigenes Gewerbe für Balgmacher, heute werden Instrumentenbälge fast ausschließlich von den Instrumentenbauern selbst gefertigt, die arbeitsintensiveren Arbeiten werden aber meist in Heimarbeit vergeben. Es gibt in Europa noch einige Firmen, die sich auf die Anfertigung von Instrumentenbälgen spezialisiert haben.

Außerhalb Europas kannte man noch diverse andere Typen von Blasebälgen, die aber auf dem gleichen Prinzip beruhen.

Sackpfeife

Auch die Sackpfeife oder der Dudelsack wird oft durch einen Blasebalg mit Luft versorgt. Näheres siehe dort.

Einzelnachweise

  1. Gustav Otto Müller: Vergessene und halbvergessene Dresdner Künstler des vorigen Jahrhunderts. Hoffmann, Dresden 1895, S. 143.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Blasebalg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Blasebalg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • Blasebalg — Blasebalg, ein Werkzeug, mit welchem eine Luftströmung nach einem bestimmten Orte hervorgebracht wird, gemeiniglich in der Absicht, um die Glut eines Feuers zu schüren. Die kleineren, in der Hauswirthschaft gebräuchlichen Arten werden mit der… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Blasebalg — Blasebalg, s. Gebläse …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Blasebalg — Blasebalg, s. Gebläse …   Kleines Konversations-Lexikon

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  • Blasebalg — Bla|se|balg 〈m. 1u〉 Gerät aus zwei durch einen Lederbalg verbundenen Platten zum Erzeugen eines Luftstroms * * * Bla|se|balg, der; [e]s, …bälge: mit Hand od. Fuß betriebenes Gerät zur Erzeugung eines Luftstromes: mit dem B. ein Feuer zum Brennen… …   Universal-Lexikon

  • Blasebalg — Bla̲·se·balg der; ein Gerät, mit dem man durch Drücken kräftige Luftströme erzeugen kann, um z.B. ein Feuer stark brennen zu lassen <den Blasebalg treten> …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Blasebalg — dumplės statusas T sritis fizika atitikmenys: angl. bellows vok. Blasebalg, m rus. мехи pranc. soufflet, m …   Fizikos terminų žodynas

  • Blasebalg — Blosbalg (der) …   Kölsch Dialekt Lexikon

  • Blasebalg — Bla|se|balg Plural ...bälge …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Blasebalg, der — Der Blasebalg, des es, plur. die bälge, ein Balg, d.i. hohles und am häufigsten ledernes Werkzeug zum Blasen, oder Wind damit zu erregen. In den Hammerwerken wird es nur schlechthin der Balg oder das Gebläse genannt. Ein kleiner Blasebalg,… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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