Blasensprung

Unter Blasensprung versteht man in der Medizin die Öffnung der Fruchtblase, die während der Schwangerschaft den Fetus umgibt und bis dahin mit Fruchtwasser gefüllt ist. Der Blasensprung gehört zu den Zeichen der beginnenden Geburt und geschieht in der Regel spontan nach Eintritt der Geburtswehen.

Zur Erleichterung und/oder Beschleunigung der Geburt kann die Fruchtblase auch von außen (meist von einer Hebamme) durchstochen und damit eröffnet werden (Amniotomie).

Vorzeitiger Blasensprung

Klassifikation nach ICD-10
O42.- Vorzeitiger Blasensprung
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Vom vorzeitigen Blasensprung (engl.: Premature Rupture of Membranes, PROM) spricht man, wenn bereits vor den Geburtswehen Fruchtwasser aufgrund eines Risses in der Amnionhöhle abgeht.

Ein vorzeitiger Blasensprung stellt je nach Schwangerschaftswoche eine Gefahr für die Schwangerschaft dar. Auslöser des Blasensprung sind häufig Infektionen im Genitalbereich. In 50 % aller Schwangerschaften führt ein früher vorzeitiger Blasensprung innerhalb von 48 Stunden zur Geburt. Mögliche Komplikationen durch den Fruchtwasserverlust sind aufsteigende Infektionen, in Abhängigkeit von der Schwangerschaftswoche Ausbildungen von Lungenschäden oder Kontrakturen der Extremitäten, sowie durch Auslösung von Wehen eine Fehlgeburt oder Frühgeburt des Kindes.

Vor Beginn der Lebensfähigkeit des Kindes (ab ca. der 24. Schwangerschaftswoche) führt ein vorzeitiger Blasensprung meist zu einer Fehlgeburt. Vor der 20. Schwangerschaftswoche sollte die Schwangerschaft zum Schutz der Mutter vor Infektionen bei schlechter Prognose des Kindes aktiv beendet werden.

Zwischen der 22. und 24. Schwangerschaftswoche sollte individuell zwischen einem Abbruch der Schwangerschaft oder einer konservativen Therapie entschieden werden.

Ab der abgeschlossenen 24. bis zur 28. Schwangerschaftswoche sollte eine konservative Therapie mit Dauerantibiose zur Vermeidung von Infektionen, Durchführung einer Lungenreifung, gegebenenfalls Durchführung einer Wehenhemmung (Tokolyse) sowie möglichst geringer Belastung der Patientin erfolgen. In seltenen Fällen (7–9 %) verschließt sich der Blasensprung wieder spontan und das Fruchtwasser bildet sich neu.

Ab der 28. Schwangerschaftswoche sollte individuell zwischen der konservativen Therapie und aktivem Entbinden entschieden werden. Ab der 32. Schwangerschaftswoche profitieren die Kinder mehr von einer Beendigung der Schwangerschaft durch Einleitung der Geburt oder Kaiserschnitt.

Ein alternative, experimentelle Therapie in den frühen Schwangerschaftswochen ist der Amnion Patch. Hier wird versucht, das Loch in der Fruchtblase mit Hilfe von Thrombozyten – diese werden in die Gebärmutter injiziert – zu kitten. Insbesondere bei Blasensprüngen nach Fruchtwasseruntersuchung wird von Erfolgen berichtet. Manchmal wird das Fruchtwasser in der Gebärmutter soweit aufgefüllt, dass das Kind ausreichend Fruchtwasser zur Verfügung hat, um sich optimal zu entwickeln. Dies geht jedoch mit einem erhöhtem Infektionsrisiko einher.

Vom frühzeitigen Blasensprung spricht man, wenn der Blasensprung nach Eintritt der Wehen, aber vor dem Eintritt der frühen Austreibungsphase stattfindet.

Mehrzeitiger Blasensprung

Auch mehrzeitige Blasensprünge sind bekannt, wenn die Fruchtblase in hohen Bereichen früh reißt und der Fruchtwasserabgang sich daraufhin für eine gewisse Zeit tamponiert. Später kommt es dann noch einmal zum Sprung der prävialen (in Geburtsrichtung liegenden) Blasenanteile mit erneutem Fruchtwasserabgang.

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