Blasenstein
Klassifikation nach ICD-10
N20 Nieren- und Ureterstein
N21 Stein in den unteren Harnwegen
ICD-10 online (WHO-Version 2006)
Blasensteine beim Hund, OP-Situs
Ultraschallbild eines Harnsteins im Prostatateil der Harnröhre beim Hund. Ur=Urethra (Harnröhre), Pr=Prostata, St= Harnstein)
Röntgenbild eines Blasensteins

Harnsteine (lat.: Urolithe) sind krankhafte feste Gebilde (Konkremente), die in den ableitenden Harnwegen entstehen können, also in den Nieren (Nierensteine), im Harnleiter (Harnleitersteine, Uretersteine) und gelegentlich auch in der Harnblase (Blasensteine).

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Ursachen

Harnsteine können aus unterschiedlichen Gründen entstehen, so zum Beispiel infolge einer Entzündung der Nieren oder der ableitenden Harnwege, aufgrund einer zu engen Harnröhre, als Folge von Gicht und Zuckerkrankheit oder durch Genuss von übermäßig viel Oxalsäure in bestimmten Lebensmitteln.

Entwicklung

Harnsteine können entstehen, wenn Mineralsalze ausgefällt werden, die normalerweise im Urin gelöst sind, beispielsweise Calciumcarbonat, Calciumphosphat und Calciumoxalat. Bei einem hinreichend großen Säuregehalt des Urins können sich zunächst kleine Kristalle bilden, die sich allmählich zu größeren Gebilden zusammenfügen. Im Extremfall kann das gesamte Nierenbecken durch diese harten Einlagerungen ausgefüllt werden („Ausgussstein“). Harnsteine aus Calciumsalzen können per Röntgenbild, Harnsteine aus Harnsäure („Uratsteine“) per Ultraschall nachgewiesen werden.

Harnsteine bleiben häufig lange Zeit unbemerkt und werden erst (meist unter extrem starken, krampfartigen Schmerzen (Kolik)) auffällig, wenn sie sich im Nierenbecken oder im Harnleiter verklemmen.

Behandlung

Als Therapie der Kolik werden schmerzlindernde und krampflösende Medikamenten gegeben, was in den meisten Fällen (ca. 80%) für einen Abgang des oder der Steine ausreicht. Falls nicht, müssen die Steine entweder operativ entfernt oder durch Stoßwellen-Zertrümmerung (Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie) so zerkleinert werden, dass sie selbständig abgehen. Die Stoßwellen werden von außerhalb des Körpers auf den Stein fokussiert, dass er in kleine Bruchstücke zerspringt.

Das alleinige Trinken großer Mengen zur „Austreibung“ der Steine ist ein überholter Irrglaube, der sich bis heute selbst bei einigen Fachärzten noch hartnäckig hält. Vielmehr führt viel Trinken zur Verstärkung der Symptome, begünstigt aber in keiner Weise die Passage des Harnleitersteines.

Das Entfernen der Harnsteine war bis ins 19. Jahrhundert ein eigenständiger Beruf, der des Lithotomus.

Vorbeugung

Als Vorbeugung gegen neuerlich auftretende Beschwerden (Metaphylaxe) wird das Trinken genügend großer Flüssigkeitsmengen (mindestens zwei Liter pro Tag) empfohlen und der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel: bei calciumhaltigen Steinen auf Milchprodukte, bei Oxalatsteinen zum Beispiel auf Rhabarber und bei Harnsäuresteinen auf purinreiche Nahrungsmittel wie z. B. Innereien, Leber- und Blutwurst.

Literatur

  • Albrecht Hesse, Dietmar Bach: Harnsteine – Pathobiochemie und klinisch-chemische Diagnostik. aus der Reihe: Klinische Chemie in Einzeldarstellungen. Band 5, Thieme, Stuttgart 1982, ISBN 3-13-488701-0
  • Albrecht Hesse, Jörg Joost: Ratgeber für Harnsteinpatienten. Hippokrates, Stuttgart 1985/1992, ISBN 3-89373-181-4
  • Albrecht Hesse, Andrea Jahnen, Klaus Klocke: Nachsorge bei Harnstein-Patienten. Ein Leitfaden für die ärztliche Praxis. Urban&Fischer, 2002, ISBN 3-3346-0832-8
  • Stefan C. Müller, Rainer Hofmann, Kai-Uwe Köhrmann, Albrecht Hesse: Epidemiologie, instrumentelle Therapie und Metaphylaxe des Harnsteinleidens aus: Deutsches Ärzteblatt 101, Heft 19, S. A1331–1336, 2004

Weblinks

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