Blattkakteen
Deutsche Kaiserin, ein alter, relativ bekannter Blattkaktus, bei dem es sich möglicherweise nicht um eine Sorte, sondern die Art Disocactus phyllanthoides handelt.

Als Blattkakteen (früher auch Phyllokakteen) werden umgangssprachlich eine Reihe von Arten der Kakteen-Gattungen Disocactus (nicht zu verwechseln mit Discocactus!), Epiphyllum, Hatiora, Lepismium, Rhipsalis, Selenicereus, Zygocactus, sowie diverse Hybriden dieser und anderer Arten bezeichnet. Fast alle Arten leben epiphytisch auf anderen Pflanzen. Ihre äußerliche Ähnlichkeit führte dazu, dass man sie für eine geschlossene Gruppe hielt. Der Name geht wohl auf den alten, nicht mehr gültigen Gattungsnamen Phyllocactus (eben dt. "Blattkaktus") zurück. Heute werden die Arten in der botanischen Systematik anders eingeordnet. Das spielt jedoch weder im Handel, noch bei den Liebhabern eine große Rolle, da vor allem die Hybriden und Sorten bekannt sind. Sie sind üblicherweise wesentlich anspruchsloser als die Wildarten. Und während etwa die Arten der Gattung Epiphyllum sämtlich Nachtblüher sind, blühen die gehandelten Sorten alle tagsüber.

Inhaltsverzeichnis

Erscheinung

Namenlose Epiphyllum-Hybride mit sehr großen Blüten (fast 20 cm im Durchmesser)

Blattkakteen zeichnen sich meist durch stark abgeflachte Sprosse, sogenannte Phyllokladien aus (Epiphyllum, Disocactus, Zygocactus), die beim Laien den Eindruck erwecken, es handele sich um Blätter. Sie tragen jedoch genau so wie die Sprosse der meisten anderen Kakteen höchstens als junge Sprosse zarte Schuppenblättchen, die meist rasch vergehen. An den Ansatzstellen der Blättchen sitzen auch oft Dornen, die jedoch selten länger als einige Millimeter werden und so fein und weich wie Haare, bestenfalls Borsten sind. Auch diese fallen oft bald ab. Allerdings können einige Zuchtsorten, an denen Arten anderer Gattungen beteiligt sind, kleine, schmerzhaft stechende Dornen tragen.

Blühender Steckling von Rhipsalis pilocarpa, einer Art mit dünnen, drehrunden Sprossen

Einige wenige Arten besitzen dünne drehrunde oder kantige stängelartige Triebe. Hierzu gehören vor allem Vertreter der Gattung Rhipsalis.

Bekanntheit

Während die Weihnachtskakteen -- Hybriden und Sorten der Gattung Zygocactus (früher Schlumbergera) und Hatiora der Gattung Hatiora (früher Rhipsalidopsis) allgemein bekannt und als beliebte Topfpflanzen regelmäßig im Handel erhältlich sind, führen die zahllosen Hybriden der größer werdenden Arten (insbesondere der Gattung Epiphyllum) ein Schattendasein, obwohl sie mit Blüten mit Durchmessern bis über 20 Zentimeter zu den beeindruckendsten Blühern zählen. Lediglich einige ältere Sorten, wie der sogenannte "Schusterkaktus", haben noch eine gewisse Verbreitung und werden meist als Stecklinge weiter gegeben. Das ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass diese Sorten sehr groß und ausladend wachsen können (je nach Alter sind Durchmesser bis zu 2 Metern keine Seltenheit) und vor allem dann zu üppiger Blüte kommen, wenn sie im Winter eine Ruhephase bei Temperaturen um 10°C bis 15°C einlegen können, was in zentral beheizten Gebäuden nur schwer geboten werden kann.

In Liebhaberkreisen erfreuen sie sich jedoch wieder zunehmender Beliebtheit, und so existieren inzwischen Foren und Webseiten, in denen sich die Blattkakteen-Freunde zum Informationsaustausch treffen und auch Pflanzen tauschen.

Das geht bei Blattkakteen sehr einfach, weil man frisch geschnittene Sprossstücke einfach in einem (am besten gepolsterten) Briefumschlag versenden kann. Sie überstehen so Monate. Selbst Sprossstecklinge, die bis zu einem Jahr unbeachtet liegen geblieben sind, können mit etwas Sorgfalt bewurzelt und zum Wachsen gebracht werden. Züchter beschäftigen sich dagegen nicht nur mit der bloßen Vermehrung, sondern vor allem mit der Entwicklung neuer Sorten mit besonderen Blüten.

Zucht

Die Blattkakteenzucht begann in Deutschland mit dem sächsischen Gärtner Johannes Nikolai (* 1860, † 1901) aus Mittweida, Sachsen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war dann der ebenfalls sächsische Gärtner Curt Knebel aus Erlau einer bekanntesten Züchter von Blattkakteen. Sein Buch "Phyllokakteen" gilt noch heute vielen Blattkakteen-Freunden als Standardwerk. Zahlreiche Sorten aus seiner Zucht sind auch heute noch beliebt und dienen Züchtern als Ausgangsmaterial. Heute gilt als Ziel vieler Züchter nicht nur die Erzielung neuer Blütenfarben, -formen und -größen. Auch duftende Blüten sind Ziel der züchterischen Arbeit. Und gerade bei den großblütigen Sorten versuchen manche Züchter, Pflanzen mit kompakter wachsenden Sprossen zu erhalten, die dann ebenso große Blüten tragen.

Sehr viel seltener als die Sorten werden Wildarten gehalten und gezüchtet. Das liegt zum einen an der etwas größeren Empfindlichkeit, aber auch daran, dass oft nur wenige Exemplare jemals aus den Ursprungsländern in Mittel- und Südamerika eingeführt wurden und viele der Arten nicht selbstfertil sind, so dass man, um von diesen Arten Samen erhalten zu können, Pflanzen besitzen muss, die von verschiedenen Klonen abstammen, deren Erbgut also nicht identisch ist. Von manchen Arten ist möglicherweise nur ein einziger Klon in Menschenobhut bekannt.

Sorten

In Klammern jeweils der Züchter das Jahr der Registrierung (soweit bekannt).

  • Deutsche Kaiserin (möglicherweise identisch mit der botanischen Art Disocactus phyllanthoides)
  • Ackermannii (nach der botanischen Art Epiphyllum ackermannii; wurde lange Zeit für diese gehalten)
  • Siegfried (Curt Knebel)
  • Knebels Dickchen (Curt Knebel)
  • Himmelsauge (Curt Knebel)
  • Queen Ann
  • Pegasus
  • Frühlingspracht

Siehe auch

Blattkakteen im Internet

Quellen

  • Curt Knebel (1951): Phyllokakteen. Verlag Eduard Stichnote, Potsdam.

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