Blaue Steine

Blaue Steine ist eine häufig anzutreffende Flurbezeichnung in Deutschland, die Auskunft darüber gibt, dass sich dort oder in der Nähe Kultplätze befunden haben, die als Hinrichtungstätten genutzt wurden.

An diese Steine wurden die Verurteilten dreimal gestoßen, damit sie weitere unentdeckte Straftaten gestehen bzw. ihre Mittäter nennen sollten.

In Frank Schätzings mittelalterlichem Krimi Tod und Teufel wird der berühmte Blaue Stein in Köln etliche Male erwähnt. Unter den Erläuterungen der historischen Begriffe hinten im Buch ist eine Erklärung über den Blauen Stein zu finden: ein großer flacher Stein auf dem erzbischöflichen Domvorplatz, eingelassen in eine Säule. Zum Tode Verurteilte wurden dreimal dagegengestoßen, während der Henker sagte, "Ich stüssen dich an dä blaue Stein, du küss din Vader un Moder nit mih heim." Erst dann war das Urteil rechtsgültig.

Auf Hochdeutsch: Ich stoße dich an den blauen Stein, du kehrst deinem Vater und Mutter nicht mehr heim.

Das Ritual geht möglicherweise auf altfränkische Rechtsbräuche zurück, woher auch die (mehr oder weniger verschollene) ursprüngliche Bedeutung des Namens "Blauer Stein" zu erklären ist. Der Name stammt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von der Farbe des Gesteins, sondern leitet sich etymologisch von der Bedeutung des Wortes ahd. bliuwan / mhd. bliuwen, d.h. „bleuen“ (wie in "einbleuen", "verbleuen" oder auch in "Pleuel"/"Pleuelstange"), also „schlagen“ ab. Der "Blaue Stein" im Kölner "Domhof" (südöstlich neben dem Domchor, etwa dort, wo heute das "Römisch-Germanische Museum" steht) wurde während der französischen Besetzung (nach 1794) zerschlagen und weggeschafft. Dieser Stein, möglicherweise Schiefer- oder Basalt-Gestein aus dem naheliegenden rheinischen Mittelgebirge, soll allerdings bläulich geschimmert haben.

Einen „echten“ blauen Stein findet man noch auf dem Rastplatz „Am blauen Stein“ an der Autobahn A 61.


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