Blaues Blut

Der Begriff „Blaues Blut“ (auch „Blaublut“, adj. „blaublütig“, als Redewendung „blaues Blut haben“) findet international auch heute noch seine Anwendung auf Menschen, die adeligen Familien abstammen bzw. der Aristokratie zugehörig sind.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Der Ausdruck beruht darauf, dass die Venen hellhäutiger Menschen bläulich wirken. Die vermeintliche Blaufärbung des Blutes rührt daher, dass lediglich der kurzwellige blaue Farbanteil des Lichtes durch die Haut dringt, während der rote und langwellige Anteil von der Haut und vom Blut selbst absorbiert wird.

Meist wird angenommen, dass der Ausdruck seinen Ursprung im Kastilien des Mittelalters. Unter der maurischen Herrschaft in Spanien (711-1492) kam die Bezeichnung „azurblaues Blut“ (spanisch „Sangre azul“) auf die von den germanischen Westgoten abstammende Oberschicht zur Anwendung. Deren bläulich schimmernden Adern sahen für die dunkelhäutige einheimische Bevölkerung und die eingefallenen Mauren wie mit blauen Blut durchflossen aus. Später wurde der Begriff auf die obersten Adelsschichten und namentlich auf die spanische Königsfamilie bezogen.

In den europäischen Adelskreisen galt die Hellhäutigkeit als Schönheitsideal. Braun gebrannte Haut als Zeichen der der Sonne schutzlos ausgelieferten, im Freien arbeitenden Bevölkerung war beim Adel verpönt. Um auf keinen Fall „bäuerlich“ zu wirken, vermieden die edlen Herrschaften jeden Kontakt mit der Sonne durch Kopfbedeckungen und Schirme, oder in dem sie überhaupt in ihren Häusern blieben. (Von daher kommt der Begriff der „vornehmen Blässe.“[1]) Für die spanischen Adeligen war der Erhalt ihrer Hellhäutigkeit unter der südeuropäischen Sonne umso schwerer. Durch Heiratsverbindungen mit den nordischen bzw. den nordeuropäischen Adelshäusern behielten und kultivierten sie ihre „noble Blässe“.

Eine Theorie besagt, dass sich kastillische Aristokratenfamilien des Mittelalters selbst der Bezeichnung bedient hätten, um ihre „rein spanische“ Herkunft, frei von maurischen und jüdischen Ahnen, zu betonen.[3]

Nach einer weiteren Theorie wäre der Begriff des „blauen Blutes“ zur Zeit der Kreuzzüge im Nahen Osten entstanden. Auch in diesem Fall würde diese Bezeichnung auf die ansässige Bevölkerung zurückgehen, für die es auf Grund der hellen Haut der Kreuzritter so aussah, als hätten diese blaues Blut in den Adern fließen.[4]

Begriffsverwendung in Europa

Dem Bertelsmann Wörterbuch zufolge galt „Blaublütigkeit“ als eine germanische Eigenschaft. So hätte zum Beispiel der französische Schriftsteller Alphonse de Lamartine (1790-1869) beispielsweise „vom roten Blut der Franzosen und dem blauen Blut der Germanen“ geschrieben. Erst zum Beginn des 19. Jahrhunderts kam „blaublütig“ als Synonym und als angebliches Kennzeichen des Adels und der Aristokratie nach Mitteleuropa.[1] „Blaublüter“ als Bezeichnung für Menschen aus dem Adel tauchte erstmals um 1800 (als Jahreszahl 1810; nach Röhrich, 1991.[5]) im deutschsprachigen Raum „als leicht abschätzige Umschreibung für die Herrschaften von und zu“ auf.[6]

Die Redewendung vom „Blaublüter“ würde nach Meinung von Leonardo (WDR) heute als altmodisch wirken, in Frankreich („le sang bleu“) würde kaum noch verwendet und gelte in England („Blue blood“) als ausgestorben.[6] Nach Bertelsmann wird „blaublütig“ in der heutigen Zeit eher in der ironischen Weise verwendet.[1]

Ideologisch wurden die restriktiven Heiratsregeln durch den Glauben an eine „göttliche Kraft“ „guten Blutes“ überhöht, die, so meinte man, durch Eheschließung und Fortpflanzung mit Inhabern gleichen oder gleichrangigen „edlen“ Geblütes verstärkt werde. Auf diese auch vom Volk geglaubte Ideologie gehen heute noch benutzte Ausdrücke wie „von adeligem Geblüt“ oder von „blauem Blut“ zurück.[7]

Film und Fernsehen

Siehe auch

Literatur

  • Robert Steimel: „…im vordersten Gefecht!“ Kleine Geschichte des deutschen Adels. Steimel, Köln-Zollstock 1959, S. 48.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Siehe „blaublütig“ im Bertelsmann Wörterbuch. (Siehe Weblinks. Abgerufen am 27. Juni 2011.)
  2. Vgl. auch: Wörterbuch für Redensarten, Redewendungen, idiomatische Ausdrücke und feste Wortverbindungen: Abfrage nach Blaues Blut.
  3. Blaues Blut - der blaublütige Adel. In: Marlene und Mathias Stadler: Farben und Leben - Online. Abgerufen am 27. Juni 2011.
  4. Siehe „blaublütig“ im Wiktionary.
  5. Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Stichwort: blau. 1991.
  6. a b Sendung Leonardo des WDR vom 28. April 2011. (Siehe Weblinks. Abgerufen am 27. Juni 2011.)
  7. Absatz kopiert aus dem Wikipedia-Artikel Adel, Abschnitt Erbkrankheiten: Mythos und Realität, in der Version vom 27. Juni 2011.
  8. Tatort: 433. Folge, Erstsendung: 9. Jänner 2000:Blaues Blut. In: tatort-fundus.de. .

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