Blaustrümpfig

Blaustrumpf war im 19. Jahrhundert eine abwertende Bezeichnung für bestimmte gebildete aber als unweiblich geltende Frauen. Man zählte sie zu den ersten Angehörigen einer Frauenbewegung, analog zur „Emanze“ der 1970er Jahre. Die Frauen kämpften für das Frauenwahlrecht und den Zugang zu Hochschulen. Im 17. und 18. Jahrhundert war „Blaustrumpf“ ein Spottname für die Gerichtsdiener, die oft blaue Strümpfe trugen. Nach dem Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm hatte die Bezeichnung „Blaustrumpf“ die Bedeutung: Angeber oder Verleumder [1].

Der Begriff in der späteren Bedeutung geht auf England Mitte des 18. Jahrhunderts zurück: Um 1750 eröffnete die Londoner Literatin Elizabeth Montagu (1718–1800) ihren Salon für „schöngeistige Partys“ und lud Gäste zu literarischen Themenabenden und Diskussionen. Einer der dort verkehrenden Herren war der Botaniker Benjamin Stillingfleet, der statt der zur Herren-Abendgarderobe üblicherweise getragenen schwarzen Seidenstrümpfe stets blaue Garnstrümpfe trug. Dieses skandalöse modische Vergehen sprach sich herum und die Teilnehmer der „intellektuellen Feste“ wurden allesamt als „Blue Stockings“, „Blaustrümpfe“ bezeichnet.

Der Frauentypus der gebildeten, berufstätigen, politisch interessierten Frau wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zum Beispiel durch die Karikaturen von Honoré Daumier populär und zur Zielscheibe männlicher Aversionen und Ängste.

Literarisch nahmen sowohl männliche wie weibliche Autoren den Blaustrumpf satirisch aufs Korn. Oscar Blumenthal reimte 1887:

Blaustrümpfe
Alle Eure poet’schen Siebensachen –
Ich schätze sie nicht ein Pfifferlein.
Nicht sollen Frauen Gedichte machen:
Sie sollen versuchen, Gedichte zu sein.

Ebenso deutlich Marie von Ebner-Eschenbach

Sankt Peter und der Blaustrumpf
Ein Weiblein klopft an’s Himmelsthor,
Sankt Peter öffnet, guckt hervor:
– »Wer bist denn du?« – »Ein Strumpf, o Herr …«
Sie stockt, und milde mahnet er:
»Mein Kind, erkläre dich genauer,
Was für ein Strumpf?« »Vergib – ein blauer.«
Er aber grollt: »Man trifft die Sorte
Nicht häufig hier an unsrer Pforte.
Seid samt und sonders freie Geister,
Der Teufel ist gar oft nicht dreister,
Geh hin! er dürfte von dir wissen,
Der liebe Herrgott kann dich missen.«

Die Blaustrümpfe waren keine organisierte Gruppe, wie die späteren Suffragetten, sondern einzelne gebildete Frauen aus dem Bürgertum, die dem zeitgenössischen Frauenbild widersprachen.


Einzelnachweis

  1. [1]

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  • blaustrümpfig — blau|strümp|fig <Adj.> (meist abwertend): die Eigenschaften eines Blaustrumpfs (1) besitzend, wie ein Blaustrumpf wirkend: in Holzsandalen mit flachem Absatz wirkte ich eher b. als mädchenhaft (Perrin, Frauen 50) …   Universal-Lexikon

  • blaustrümpfig — blau|strümp|fig …   Die deutsche Rechtschreibung

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