Bleidach

Ein Bleidach ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Dachkonstruktion mit einer Dachhaut aus Blei.

Technisches

Blei bildet eine Patina und ist daher gegen Korrosion geschützt. Da Blei bereits bei niedriger Temperatur (327°C) schmilzt und als Blech sehr geschmeidig ist, eignet es sich sehr für eine Verarbeitung mit einfachen Mitteln. Insbesondere kann durch Falzen und Löten die Dachhaut auch bei komplizierteren Formgebungen sehr gut abgedichtet werden. Nachteilig ist das hohe Gewicht und die Wärmedehnung, die bei der Konstruktion z.B. durch kurze, gefalzte Bahnen berücksichtigt werden muss, damit sich das Dach nicht wirft. Auch kriecht Blei unter seinem eigenen Gewicht, weshalb die Befestigung am Dachstuhl geeignet ausgeführt werden muss. Je nach Größe des Daches ist mit einem erheblichen Materialbedarf zu rechnen. Für Bleidächer polnischer Kirchen des 16. Jahrhunderts wurde ein Metallverbrauch von 17 - 35 Tonnen Blei geschätzt.

Geschichte

Bleidächer werden bereits in Schriftquellen des Mittelalters erwähnt. Gregor von Tours erwähnt ein Bleidach eines heidnischen Heiligtums (Geschichte der Franken I 32).

In England sind die Dächer alter Kirchen ganz überwiegend mit Blei gedeckt. Dies führte 2007, als die Bleipreise (2002: 500 Dollar) auf 3000 Dollar/Tonne stiegen, dazu, dass 2.300 Schadensmeldungen wegen Bleidiebstählen allein beim größten Versicherer Ecclesiastical Insurance eingingen.[1]

Zu den bekannten Bauwerken, die wenigstens zeitweise Bleidächer hatten, gehören der Aachener Dom, der Kölner Dom, die Abtei St. Denis bei Paris und der Felsendom in Jerusalem. Die als Gefängnis genutzten Bleikammern im Dogenpalast in Venedig erhielten ihren Namen nach der früheren Bleieindeckung, unter der sie lagen.

Einzelnachweis

  1. Bloomberg: Hoher Bleipreis lockt Diebe aufs Dach, in Die Welt vom 16. Februar 2008, Seite 21

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