Blexen
Blexen
Stadt Nordenham
Koordinaten: 53° 32′ N, 8° 32′ O53.5333338.5333330Koordinaten: 53° 32′ 0″ N, 8° 32′ 0″ O
Höhe: 0 m ü. NN
Einwohner: 2.750
Eingemeindung: 1933
Postleitzahl: 26954
Vorwahl: 04731

Blexen ist ein Stadtteil der niedersächsischen Stadt Nordenham im Nordosten des Landkreises Wesermarsch an der Wesermündung (gegenüber von Bremerhaven), in dem mehr als 2750 Menschen leben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

St.-Hippolyt-Kirche
Willehadus-Brunnen
Weserfähre vor Blexen

Erstmalig wurde Blexen urkundlich erwähnt als Pleccateshem (Heim der Blitze) im Jahre 789 aus Anlass des Todes des Bischofs Willehad. Zu dem Zeitpunkt lag Blexen, noch abgetrennt vom Festland durch das Flüsschen Heete, auf einer Insel. Die St.-Hippolyt-Kirche wurde im Laufe der nächsten Jahrhunderte zur Wallfahrtskirche. Am 23. April 1189 machten sich elf Segelschiffe von Blexen aus auf zur Teilnahme am Dritten Kreuzzug. Die Schiffe kamen bis Portugal und die Besatzungen nahmen an den Kämpfen um die Stadt Silves teil. Die Schiffe segelten noch weiter bis Marseille, danach verliert sich ihre Spur. Ein Dokument über die Reise wurde 1989 in der Blexer Kirche entdeckt.

Blexen gehörte im Mittelalter zur autonomen friesischen Landesgemeinde Rüstringen, der terra Rustringie. Nach außen hin wurden die Landesgemeinden durch die redjeven vertreten.[1] Im Juni 1220 schließen 16 Rüstringer Vertreter einen Vertrag mit der Stadt Bremen, um die Rechtssicherheit zu erhöhen und den Handelsverkehr zu regeln. Zu ihnen gehörte auch Thancte de Blekence (Blexen).[2]

Im Jahre 1318 wurde erstmals urkundlich ein Markt in Blexen erwähnt. Im Jahre 1400 musste die Blexer Kirche den Bremern überlassen werden, die gegen die Likedeeler (unter anderem gegen Klaus Störtebeker) und aufständischen friesischen Hovetlinge zu Felde zogen. Die Butjadinger Häuptlinge erhoben sich gegen die Bremer und nutzten ihrerseits die Kirchen als Befestigungsanlagen, so auch der Blexer Häuptling Egge Herings, der 1419 von den Bremern geschlagen wurde.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gerät Butjadingen unter den Einfluss des Grafen Edzards I. von Ostfriesland. Im Rahmen der Sächsischen Fehde griffen die vereinigten Herzöge von Herzogtum Braunschweig und Lüneburg und der Graf von Oldenburg Edzard an und im Januar 1514 wurde Butjadingen von diesen erobert. Oldenburg erhielt zunächst das Stadland mit Esenshamm und Abbehausen als Allodium, 1517 musste Graf Johann V. von Oldenburg das Gebiet als Lehen von Herzog Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel nehmen. Butjadingen wurde unter den Welfenherzögen aufgeteilt.[3] In Blexen sollte vermutlich ein welfisches Herrschaftszentrum entstehen, um für die Fürsten Zölle einzunehmen und Butjadingen zu verwalten. Aber nach einem 1515 gescheiterten Aufstand der Butjadinger Bauern veräußerten die welfischen Herzöge nach und nach ihren Besitz an den Oldenburger Grafen, so dass 1523 Butjadingen endgültig oldenburgisch wurde. Die Landesherrschaft übte der Graf über die neugeschaffene Burg in Ovelgönne aus.

Mit ihrem hohen Turmhelm ist die Blexer Kirche seit 1566 ein Seezeichen. Im selben Jahr erwarb Graf Anton I. das Fährhaus und den „Spieker“ von Blexen, welche für die Fährverbindung zwischen den Märkten Blexen und Lehe gebraucht wurden, für 200 Taler vom örtlichen Vogt, der durch die Reformation in den Besitz der Fährgerechtigkeit gekommen war.[4] Ursprünglich unterhielt die Kirche die Blexer Fähre, vermutlich schon seit dem Mittelalter, um Güter und Gemeindemitglieder von einer Weserseite zu anderen zu bringen.

Die Weihnachtsflut 1717 forderte in den vier Kirchspielen Abbehausen, Atens, Blexen und Esenshamm 800 Opfer. Das Kirchspiel Blexen verlor 20% seiner Einwohner.[5]

1813 erhob sich die Bevölkerung in der Westphälisch-ostfriesischen Landwehr gegen die französischen Truppen Napoléons. Am 17. März 1813 eroberten Kanoniere das Blexer Fort der Franzosen. In der Folge kam es zu Unruhen, da Anwohner der Zusammenarbeit mit den Franzosen beschuldigt wurden. Erst eine vom Blexer Pastor initiierte Bürgerwehr konnte die Ordnung wiederherstellen. Am 25. März trafen französische Soldaten in Blexen ein und eroberten das Fort zurück. Der Kommandant der deutschen Kanoniere, Lübbe Eylers aus Zetel, wurde sofort erschossen, der Rest eingesperrt. Am nächsten Morgen wurden auf dem Blexer Kirchhof elf Männer hingerichtet, zum Teil auch Zivilisten. Das Fort blieb bis zum 25. November in französischer Hand, ehe es sich russischen Truppen ergab.[6] Ein Gedenkstein an der Kirche erinnert an dieses Ereignis.

1878 wurde in der Postagentur Blexen das erste Telefon im Großherzogtum Oldenburg in Betrieb genommen. Es verband die Station mit dem Telegrafenamt in Nordenham. Zur Zeit der großen Auswanderungen Ende des 19. Jahrhunderts, die von Bremerhaven erfolgten, wurde Blexen scherzhaft auch als „das letzte Dorf vor Amerika“ bezeichnet.

Im Zuge der oldenburgischen Verwaltungsreform verlor Blexen am 27. März 1933 seine Selbstständigkeit und wurde dem Stadtgebiet Nordenhams zugeschlagen.

Ab 13. August 1941 wurde vom Kriegsgefangenen-Stammlager 310 (X D) in Wietzendorf / Lüneburger Heide ein Arbeitskommando sowjetischer Kriegsgefangener nach Blexen verschickt. Es trug zunächst die Arb. Kdo. Nr. 23 X D, wurde aber ab 1. Dezember 1941 verwaltungsmäßig vom Stalag X C in Nienburg übernommen und unter der Arb. Kdo. Nr. 5134 X C weitergeführt. Eine große Zahl der sowjetischen Gefangenen starb 1941/42 an den Folgen unzureichender Ernährung, Kälte und Erschöpfung durch Schwerstarbeit. Die genaue Zahl und Identität der Toten, Todesursachen und sonstige näheren Umstände können heute durch die zur Verfügung stehenden personenbezogenen Dokumente aus der ehemaligen Wehrmachtsauskunftsstelle (Personalkarten der Gefangenen) recherchiert werden und sind derzeit Gegenstand weiterer Nachforschungen.

Trotz des 2004 eröffneten Wesertunnels südlich von Nordenham besteht immer noch eine Fährverbindung von Blexen nach Bremerhaven.

Wirtschaft

Am 29. September 1929 wird die Wasser-Seefluggesellschaft mit Sitz in Blexen gegründet. Das Ziel war es, von Blexen aus Wasserflugzeuge nach New York starten zu lassen. Nach dem Bau eines Flughafengebäudes und einer Pontonanlage wird der Flughafen am 15. Juli 1928 offiziell eröffnet, allerdings nur mit einem täglichen Flugverkehr nach Helgoland. Später landen hier die Postflugzeuge der Schiffe „Bremen“ und „Europa“.

Im Jahre 1938 beginnt die deutsche Luftwaffe im Vordeichgebiet von Blexen einen großen Flughafen zu errichten, der jedoch nicht fertiggestellt wird. Einige für den Flugzeugbau als Bauernhöfe getarnte Hallen nahe dem Dorf Volkers sind noch heute erhalten.[7] Ein Teil der Produktion der im Ortsteil Einswarden beheimateten Weserflug-Werke wurde gegen Kriegsende in die „Bauernhöfe“ verlagert. Nach dem Krieg gingen die Bauernhöfe in den Besitz der Firma Weser-Metallindustrie über, die aus Kriegsgütern zivile Produkte erstellte, so aus Stahlhelmen Kochtöpfe. Nach dem Konkurs der Firma lagerte eine Bremer Firma Getreide in den Höfen und 1992 wurde die Kommunale Beschäftigungsgesellschaft (KOMBEG) gegründet, die in den Hallen Arbeitslose weiterqualifizierte. Nach dem Ende der KOMBEG 2003 werden dort inzwischen wieder Weiterbildungsmaßnahmen für die Agentur für Arbeit durchgeführt. Das ehemalige Verwaltungsgebäude für den Flughafen blieb erhalten und beherbergt heute ein Seniorenheim.[8]

Auf dem für den Flugplatz aufgespülten Vordeichgelände wurde 1954 ein Badestrand eingerichtet, mit Blick über die Weser nach Bremerhaven. Doch schon 1956 halbierte sich die Fläche, die für eine Schwimmdock-Werft der Gutehoffnungshütte (GHH) direkt neben dem Fähranleger abgezwackt wurde. Auf dem mittlerweile freigeräumten Gelände wurde 2004 eine große Gewerbeschau unter dem Titel „Nordvision“ veranstaltet. Die restliche Fläche des Badesstrandes ging ab 1967 bei der Ansiedlung der Industriefirma Kronos Titan verloren.

Ehemalige GHH-Schwimmdockwerft in Blexen

Sehenswürdigkeiten

Deichblick von Blexen auf Weser, Bremerhaven
  • St.-Hippolyt-Kirche mit Münstermann-Altar und Willehadus Brunnen, in alten Zeiten Ziel von Wallfahrten.
  • Blexer Deich mit Blick auf das seeschifftiefe Fahrwasser der Weser. Der Deich ist ebenfalls Anlaufstelle für Besucher auf dem linksseitigen Weserufer bei der alle fünf Jahre stattfindenden Windjammerparade (Sail) in Bremerhaven.
  • Flugplatz Blexen für Segelflugzeuge und kleine Motorflugzeuge. Direkt am Gelände befindet sich auch eine Möglichkeit, Modellflugzeuge starten zu lassen.

Sport in Blexen

  • Blexer Turnerbund von 1907 e. V.: Gymnastik, Turnen, Gesundheitssport, Schwimmen, Aqua-Fitness, Wandern, Tischtennis, Handball, Leichtathletik, Step-Aerobic, Badminton, Tennis, Taekwon Do, Triathlon,

Gesellschaftliche Ereignisse

Turnerball jährlich am ersten Samstag im November, Sommerspiele, Nordseecupturnier (Handball) immer Himmelfahrt, Nordseecupturnier (Tennis) im September

Söhne und Töchter des Ortes

Literatur

  • Klaus Dede: Zehn deutsche Männer. Atelier im Bauernhaus, ISBN 3-881-32298-1 (Dokumentation über die Erschießung der zehn Blexer durch die Truppen Napoléons)
  • Wolfgang Günter [u.a.]: Nordenham. Die Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Isensee-Verlag, Oldenburg 1993 – ISBN 3-89598-153-2
  • Eduard Krüger, Die Fähren an der Jade und der Wesermündung (Oldenburger Balkenschild: Kleine Hefte 29-30), Oldenburg 1967

Einzelnachweise

  1. Vgl. Carsten Roll, Vom ‚asega’ zum ‚redjeven’. Zur Verfassungsgeschichte Frieslands im Mittelalter, in: Concilium medii aevi 13 (2010), S. 187-221.Als PDF online
  2. Heinrich Schmidt, Der Raum Nordenham in Mittelalter und Reformationszeit, in: Wolfgang Günther (u.a.), Nordenham. Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Oldenburg 1993, S. 81-160, S. 100. Die Quelle ist ediert: Bremer Urkundenbuch I, Nr. 119.
  3. Heinrich Schmidt, Der Raum Nordenham in Mittelalter und Reformationszeit, in: Wolfgang Günther (u.a.), Nordenham. Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Oldenburg 1993, S. 81-160, S. 145f.
  4. Eduard Krüger, Die Fähren an der Jade und der Wesermündung (Oldenburger Balkenschild: Kleine Hefte 29-30), Oldenburg 1967, S. 12f.
  5. Vgl. Rosemarie Krämer, Die Geschichte der Stadt Nordenham vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, in: Wolgang Günther (u.a.), Nordenham. Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Oldenburg 1993, S. 161-330, S. 193f.
  6. Vgl. Wolgang Günther, Blexen und Nordenham im 19. Jahrhundertund 20. Jahrhundert, in: Wolgang Günther (u.a.), Nordenham. Geschichte einer Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz, Oldenburg 1993, S. 161-330, S. 193f.
  7. 53° 32′ 27″ N, 8° 30′ 33″ O53.540758.509276 Lage der als Bauernhöfe getarnten Hangars bei dem Dorf Volkers
  8. das ehemalige Verwaltungsgebäude

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