Blindenschach
Ein Blindenschachbrett: Die weißen Felder sind tiefer gelegt, die schwarzen Figuren sind mit Metallschrauben versehen.
Hände eines blinden Schachspielers während einer Partie

Schach wird Blindenschach genannt, wenn mindestens einer der Spieler blind ist oder extrem sehbehindert (dann auch Sehbehindertenschach).

Die blinden Spieler benutzen spezielle Steckschachspiele, um die Figuren befühlen zu können, ohne dass diese verrutschen oder umfallen. Damit der blinde Spieler die weißen von den schwarzen Figuren unterscheiden kann, sind die schwarzen Figuren oben mit aufgesetzten Kügelchen versehen. Auf dem Brett sind die weißen und schwarzen Felder durch leicht unterschiedliche Höhen ertastbar. Dieses Steckschachbrett wurde 1848 auf einer Blindenschule in London entwickelt.

Es ermöglicht – über das Spielen der Blinden untereinander hinaus – auch die Beteiligung an Turnieren zusammen mit Sehenden. Dafür gelten die offiziellen Spielregeln des Weltschachbundes (FIDE) für Turnierschach und zusätzlich die sogenannte Zweibrett-Regel mit Festlegungen für Partien zwischen blinden und sehenden Spielern. Der Blinde sagt die von ihm gespielten Züge laut an und führt sie auf seinem Steckschachspiel aus; der Sehende hat ein normales Schachbrett vor sich und überträgt den angesagten Zug auf dieses Brett. Ebenso muss der Sehende die von ihm ausgeführten Züge ansagen. Nach den FIDE-Regeln gilt im Blindenschach eine Figur als berührt, wenn der blinde Spieler den Stein aus dem Loch nimmt. Dann muss er nach der Berührt-Geführt-Regel auch mit diesem Stein ziehen.

Für Blinde gibt es spezielle Schachuhren ohne Glas, deren Zeiger und Zifferblätter ertastet werden können, und eine 1924 entwickelte Schachnotation in Blindenschrift zur Aufzeichnung von Partien, die sogenannte Marburger Schachschrift.

Schach ist eine der wenigen sportlichen Betätigungen, die Sehende und Blinde unter annähernd gleichen Voraussetzungen ausüben können. Ein Vorteil für einen sehenden Spieler besteht darin, dass er beobachten kann, welche Figuren der blinde Spieler auf seinem Brett betastet, und dadurch eventuell dessen Pläne erraten kann.

Der erste Schachverein für Blinde wurde im Februar 1924 in Chemnitz gegründet. Seit 1958, dem Gründungsjahr der International Braille Chess Association (IBCA) ist das Blindenschach auch international organisiert. Neben nationalen Meisterschaften werden auch Welt- und Europameisterschaften für Blinde ausgerichtet. Seit 1994 nimmt eine Auswahl der IBCA an der Schacholympiade teil. 1998 erzielte sie mit Platz 52 ihr bisher bestes Ergebnis.

Als spielstärkster deutscher Sehbehinderter gilt zurzeit Dieter Bischoff (Elo-Zahl 2168, Stand: April 2007), der regelmäßig vom Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Schachbund (DBSB) zur Deutschen Meisterschaft der Sehenden entsandt wird und dort beachtliche Ergebnisse erzielt. International galt der Jugoslawe Dragoljub Baretic als einer der stärksten blinden Spieler der Welt. Er nahm 1962 am B-Turnier in Hastings teil. Einer der erfolgreichsten blinden Spieler ist der Russe Sergey Krylov (Elo-Zahl 2393, Stand: April 2007), der dreimal (1978, 1982 und 2004) den Weltmeistertitel errang.

Blindenschach darf nicht verwechselt werden mit dem Blindschach oder der Schachblindheit.

Weblinks

Literatur

  • Harry Schaack: Der Bayern München des Blindenschachs. Der erfolgreichste blinde Schachspieler Deutschlands Dieter Bischoff. In: KARL. Das kulturelle Schachmagazin, 2, 2005, S.32–36. Karl-Verlag, Frankfurt ISSN 1438-9673

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