Blindness
Filmdaten
Deutscher Titel: Die Stadt der Blinden
Originaltitel: Blindness
Produktionsland: Brasilien, Kanada, Japan
Erscheinungsjahr: 2008
Länge: 121 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK ab 12
Stab
Regie: Fernando Meirelles
Drehbuch: Don McKellar
Produktion: Andrea Barata Ribeiro,
Niv Fichman,
Sonoko Sakai
Musik: Marco Antônio Guimarães
Kamera: César Charlone
Schnitt: Daniel Rezende
Besetzung

Die Stadt der Blinden (Originaltitel: Blindness) ist ein brasilianisch-kanadisch-japanisches Endzeit-Drama aus dem Jahr 2008. Regie führte Fernando Meirelles, das Drehbuch schrieb Don McKellar, basierend auf dem gleichnamigen Roman von José Saramago aus dem Jahr 1995.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

In einer nicht genannten Stadt erblinden Menschen urplötzlich und ohne äußere Anzeichen einer Erkrankung. Aus Angst vor einer Epidemie lässt die Regierung die Infizierten in einer leerstehenden psychiatrischen Anstalt unterbringen und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen bewachen. Wer zu fliehen versucht, wird gnadenlos erschossen. Zu den Betroffenen gehört ein Augenarzt und seine Frau, die unerklärlicherweise gegen die Erkrankung immun zu sein scheint und als einzige ihr Augenlicht behält. Um bei ihrem Mann bleiben zu können, täuscht sie ihre Erblindung vor und wird mit ihm eingewiesen. Schnell nimmt die Anzahl der Internierten bedrohliche Ausmaße an, die Versorgungslage wird kritisch, und die hygienischen Zustände verschlechtern sich auf katastrophale Weise. Bald sind erste Tote zu beklagen, Hunger und Krankheiten machen sich breit. Als eine einzelne Gruppe sich der zugeteilten Nahrungsrationen bemächtigt und damit die Macht über die Anstalt an sich reißt, brechen die letzten Bastionen der Zivilisation zusammen. Die Frauen müssen sich den neuen Machthabern hingeben, damit die Insassen nicht verhungern. Als die Frau des Arztes den Anführer der Unterdrücker tötet, bricht der Krieg zwischen den Gruppen aus. Im Chaos fängt die Anstalt Feuer und brennt vollständig nieder. Es zeigt sich, dass längst kein Wachpersonal mehr da ist, und die Blinden machen sich auf den Weg in die Stadt. Angeführt von der einzig Sehenden, durchstreifen sie einen Hort des Elends. Offensichtlich sind alle Menschen erblindet, und in der Stadt herrschen barbarische Zustände. Als die Frau des Arztes im Keller eines Supermarktes verborgene Lebensmittel findet, wird sie fast Opfer eines Übergriffs halb verhungerter Blinder. Die verbliebene Gruppe unter ihrer Führung macht sich auf den Weg zum Haus des Arztes, um dort ein neues Leben beginnen zu können. Am Ende des Films erholt sich der Indexpatient (Patient Zero), also der zuerst erblindete: Er kann plötzlich wieder sehen, was den Schluss nahelegt, dass die anderen in den nächsten Tagen und Wochen auch wieder werden sehen können.

Kritiken

In der Märkischen Allgemeinen Zeitung schreibt Frank Dietschreit am 23. Oktober 2008, der Film gehe "an die Grenze des Sag- und Vorzeigbaren, aber zum Glück nicht darüber hinaus". Auch zum Schluss keime "ein bisschen Hoffnung. Vielleicht überleben wir ja unseren eigenen Untergang."

Justin Chang schrieb in der Zeitschrift Variety vom 15. Mai 2008, die Darstellung von Julianne Moore sei stark, der Film erreiche jedoch nicht die Kraft, die „tragische Reichweite“ sowie die menschliche Wirkung der Romanvorlage. Der übertrieben ausgestattete, aber unmotivierte („both overdressed and undermotivated“) Film beweise, dass der Romanautor mit seinen Vorbehalten gegenüber der Verfilmung „traurigerweise“ richtig gelegen habe. [1]

Verena Lueken schrieb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 14. Mai 2008, der Regisseur habe sich nicht „an den Rand des Zeigbaren“ gewagt, „an den er hätte gehen müssen, wenn er Saramago wirklich gefolgt wäre“. Während der Roman eine „Schreckensvision“ vermittle, mache der Film „nur“ ein „Lehrstück“ daraus. Es habe jedoch „einen gewissen Charme“, ein Filmfestival „mit einem Film übers Blindsein und Wieder-Sehen-Lernen“ zu eröffnen.[2]

Susan Vahabzadeh schrieb in der Süddeutschen Zeitung vom 14. Mai 2008, der Regisseur habe ein Tempo der Handlung gewählt, welches „vieles verschleudert“, was ein „enttäuschender Auftakt“ sei. Dadurch lege „der Film selbst die Fühllosigkeit an den Tag“, die er selbst geißele. Unpassend sei zum Beispiel die in einer Vergewaltigungsszene verwendete Musik. Der Film beginne „mit Triumphgeheul“ und gehe später „leise unter“ – die Reaktion des Publikums der Weltpremiere sei „verhalten“ gewesen.[3]

Hintergründe

Saramago lehnte eine längere Zeit die Verfilmung seines Romans ab.[1] Die US-amerikanischen Blindenselbsthilfeorganisationen National Federation of the Blind (NFB) und American Council of the Blind (ACB) haben zum Start des Films in den USA zu Protestaktionen aufgerufen, da die Verfilmung aus ihrer Sicht Stereotype über blinde Menschen verbreiten und so die Stigmatisierung dieser Personengruppe verstärken würde.[4][5]

Der Film wurde in Toronto, in Guelph (Ontario), in Montevideo und in São Paulo gedreht.[6] Seine Produktionskosten betrugen schätzungsweise 25 Millionen US-Dollar.[7]

Die Weltpremiere am 14. Mai 2008 eröffnete die Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2008. Die Teilnahme am Wettbewerb um die Goldene Palme blieb erfolglos. Am 6. September 2008 wurde der Film auf dem Toronto International Film Festival gezeigt. Der Start in den USA war am 3. Oktober 2008, der deutsche Kinostart am 23. Oktober 2008.[8]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Filmkritik von Justin Chang, abgerufen am 15. Mai 2008
  2. Filmkritik von Verena Lueken, abgerufen am 16. Mai 2008
  3. Filmkritik von Susan Vahabzadeh, abgerufen am 16. Mai 2008
  4. Kritik der National Federation of the Blind
  5. Kritik des American Council of the Blind
  6. Filming locations for Blindness, abgerufen am 15. Mai 2008
  7. Box office / business for Blindness, abgerufen am 15. Mai 2008
  8. Release dates for Blindness, abgerufen am 15. Mai 2008

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