Blockschutthalde
Blockhalde am Südhang des Sonnwendsteins (1523m), niederösterr.-steirische Kalkalpen
Blockhalde an der Łysa Góra im Heiligkreuzgebirge
Der Kahleberg (905m) im Erzgebirge mit seiner Blockhalde direkt unter dem Gipfel - ein Beispiel für solche Phänomene auch im Urgestein. Im Vordergrund der Einsturz eines früheren Bergbaus (Altenberger Pinge)

Blockhalden sind große Ansammlungen von Steinblöcken mit Durchmessern über 20 cm an Hängen. Sie sind auf Grund ihrer Wärme, Trockenheit und dem Mangel an Feinmaterial ein besonderer Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Manche, insbesondere touristisch genutzte Blockhalden werden auch allgemein als Felsenmeere bezeichnet oder (geologisch nicht ganz korrekt) als Blockmeere.

Blockhalden entstehen durch eine starke Verwitterung, wobei sich jedoch nur wenig Kies und Sand bildet. Dies bedeutet, dass die Blöcke aus einem sehr harten Material (beispielsweise Granit oder Quarzit) bestehen und die ursprünglichen Felsen vor allem durch Frostsprengung ihrer Klüfte zerkleinert werden.

Inhaltsverzeichnis

Unterschied zur Geröllhalde

Wegen dieser Entstehungsart fehlt den Blockhalden - im Unterschied zu Schutt- oder Geröllhalden (geol. Talus) - der Anteil an Kies und Sand. Dies führt dazu, dass Wasser schnell ablaufen kann und auch angewehter Humus bald weggespült wird. Auf Felsen dagegen gibt es Felsspalten oder Felsbänder, in denen sich Feinerde ansammeln kann. Daher unterscheiden sich die Lebensräume sehr, so dass eine völlig andere Vegetation vorliegt. Es findet sich dabei häufig fast kein pflanzliches Leben auf der Blockhalde außer Algen, Moosen und Flechten.

Da Blockhalden allein durch die Schwerkraft angehäuft wurden, weisen sie im Unterschied zu von Wasser angespülten Blockmeeren eine höhere Steigung auf. Deshalb und wegen der großen, unregelmäßigen Zwischenräume der Einzelblöcke ist das Begehen solcher Halden gefährlich; am Semmering (siehe 1.Bild) hat es schon zu mehreren Bergunfällen geführt.
Einige Blockhalden sind die Überreste ehemaliger Blockgletscher, so beispielsweise der Schafstein.

Eisbildung

In manchen Fällen gibt es eine weitere Besonderheit, die zu noch spezielleren Lebensräumen führt: In der Blockhalde befindet sich eine größere Eismenge, die auch ein Relikt des ehemaligen Blockgletschers sein kann. Im Winter gibt es eine Luftströmung durch die Blockhalde, bei der die kalte Luft unten einströmt und erwärmt am oberen Ende der Halde ausströmt. Dabei kühlt sich das Innere der Halde ab und die Eismenge wächst. Im Sommer verläuft die Luftströmung umgekehrt: Die warme Luft dringt am oberen Ende in die Halde ein, kühlt sich ab und fließt am unteren Ende der der Halde wieder aus. Diese Kaltluftaustritte sind teilweise deutlich zu bemerken, wenn sich an diesen Austritten lange Zeit bis in den Sommer Eis halten kann. Damit dieser Effekt möglich ist, müssen die Temperaturunterschiede möglichst groß sein. Daher macht sich auch der Effekt im Frühjahr und Herbst nur wenig bemerkbar. Außerdem sorgt das Eis mit seiner latenten Wärme sowohl für die Wärmespeicherung als auch für die Beibehaltung einer weitgehend konstanten Temperatur im Inneren, was die möglichen Temperaturunterschiede zum Aussenraum vergrößert.

Der Wärmetransport und die Wärmespeicherung führen zu zwei weiteren speziellen Lebensräumen: Am oberen Teil der Blockhalde können sich besonders wärmeliebende Pflanzen halten, da dieser Bereich im Winter durch die austretende wärmere Luft häufig eisfrei gehalten wird. Im Sommer dagegen wird hier wärmere Luft eingesaugt, so dass die Felsen sich stärker und auch in größerer Tiefe erwärmen und damit in der Nacht wärmer als die Umgebung sind.

Am Fuß der Blockhalde strömt im Sommer kühle feuchte Luft aus. Durch die ständige Feuchtigkeit können sich hier sogenannte Kondenswassermoore bilden. Das Wachstum von Torfmoosen und anderen Moosen ist durch die hohe Luftfeuchtigkeit sehr üppig. Außerdem können sich durch die kühlere Luft Hochgebirgspflanzen behaupten, die sonst nach der Eiszeit aus den meisten Gegenden Mitteleuropas verdrängt wurden.

Literatur

  • Bodo M. Möseler, Roland Molenda (Hrsg.): Lebensraum Blockhalde – Zur Ökologie periglazialer Blockhalden im außeralpinen Mitteleuropa. Tagungsband zum Symposium im September 1997 in Jena. Decheniana Beihefte, 37. Bonn. 1999. ISSN 0366-872x
  • Martin Gude, Roland Molenda: Blockhalden in deutschen Mittelgebirgen – Relikte der Eiszeiten. In: Institut für Länderkunde (Hg.): Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland. Bd. Relief, Boden und Wasser. 2003. S. 72-73
  • Martin Gude, Roland Molenda: Felsen, Blockhalden, Schutthalden, Geröllfelder. In: Werner Konold, Reinhard Böcker, Ulrich Hampicke (Hg.): Handbuch Naturschutz und Landschaftspflege. XI-2.27. Wiley-VCH. 2003. S. 1-9
  • Michael Lüth: Moosgesellschaften auf Blockhalden im Südschwarzwald. Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-Württemberg. Bd. 58. Karlsruhe. 1990. ISBN 3-88251-156-7

Weblinks


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