Blondierung

Eine Haarfärbung wird vorgenommen, um dem Haar andere Farbnuancen zu geben. Eine Haarfärbung ist meist auch noch nach mehrmaliger Haarwäsche mit tensidhaltigen Waschmitteln farbecht.

Farbänderungen des Haares kann man durch Blondiermittel oder Haarfärbemittel erreichen.

Die Haarfärbung lässt sich in Bezug auf die Zahl der Haarwäschen nach der Färbung und der jeweiligen Haltbarkeit der Farbänderung in temporäre, semipermanente und permanente Färbungen einteilen.[1] Eine temporäre Haarfärbung verschwindet nach dem ersten Waschen mit einem Haarshampoo. Sie basiert auf einer physikalischen Haftung eines Farbstoffes. Eine semipermanente Haarfärbung hält circa 2–10 Haarwäschen aus. Eine permanente Färbung übersteht mehr als 10 Haarwäschen. Hierbei werden kosmetische Farbstoffe chemisch an bestimmte Aminosäuren im Haar gekoppelt oder beim Blondieren Aminosäuren des Haares oxidiert.

Es wird geschätzt, dass ewa 40 % der erwachsenen Frauen in den Industrieländern Haarfärbemittel nutzen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliches

Schon vor 3000–4000 Jahren war das Haarfärben mit den natürlichen Farbstoffen Henna, Indigo, später auch mit Rastik gebräuchlich.

Die Römer färbten sich ihre Haare mit Bleikämmen, die in Essig eingetaucht wurden. Dabei gab es aus der Reaktion mit der Aminosäure Cystein im Haarkeratin blonde bis dunkle Farbtöne.

Vor 1900 an bestanden die Färbemittel häufig aus anorganischen Silbernitratlösungen bezihungsweise anderen Metallsalzen, gemischt mit Pyrogallol-Lösung. Dabei reagierten die Silberionen mit der Aminosäure Cystein im Haar. Damit konnten Farbtöne zwischen Blond und Schwarz eingestellt werden.[2]

Der erste dauerhaft haltbare Azofarbstoff für Haare wurde Ende des 19. Jahrhunderts (1883) entwickelt. Ein Haarfärbemittel für Menschenhaar aus dem Jahre 1895 bestand aus 1,4 Phenylendiamin, p-Amidophenol und Diamidophenol und wurde unter dem Namen „Chenie’s Haarfarbe Fo“ in den Handel gebracht.[3]

Temporäre Haarfärbung

Die temporäre Haarfärbung dient dazu, die natürliche Haarfärbung leicht abzuändern. Diese Färbung lässt sich bei einmaliger Haarwäsche wieder vollständig entfernen. Für die Haarfärbung werden Azo-, Triphenymethan oder Anthrachinon- Farbstoffe verwendet.[1] Verkauft werden die temporären Färbemittel als wässrige, alkoholische Lösungen.


In Verbindung mit Haarlack können auch sehr kleine goldene oder silberne Glanzpigmente oder sogar fluoreszierende Stoffe ins Haar gebracht werden.[4]

Auch Wimpern und Augenbrauenfärbemittel gehören zu den temporären Haarfärbemitteln. Als Farbmittel dienen zum Beispiel Ruß und Ocker.

Semipermante Haarfärbung

Zur Nuancierung verwendet man semipermanente Farbstoffe. Sie haben eine hohe Affinität zum Keratin des Haares, die Bindung der Farbstoffe erfolgt physikalisch. Als synthetische Haarfärbemittel werden Nitrophenyldiamine, Azo-, Chinonimin-Farbstoffe in Verbindung mit organischen Lösungsvermittlern wie Glykolether oder Polypropylen verwendet.

Die natürlichen semipermanenten Haarfärbemittel Henna, Reng, Kamille, Holz-, Rindenextrakte, Rastik haben heute an Bedeutung verloren.

Henna

Blätter und Stängel der Pflanze Lawsonia alba Lam. (oder auch L. inermis L.) enthalten als Farbkomponente 2-Oxy-1,4- naphtochinon. Die Gewinnung des Farbstoffes erfolgt über Trocknung von Blättern und Stängeln, Verpulverung derselben, Lösung des Farbstoffes mit heißem Wasser und dann Aufgabe auf das Haar.[5] Der Henna-Farbstoff gibt dunklen Haaren eine kastanienfarbende Tönung.

Reng

Kommt in Blättern der Indigopflanze vor. Es wird zusammen mit Henna verwendet. Mit Henna kann man Farbtöne zwischen rotblond – schwarz je nach Mischungsverhältnis erreichen.

Kamille

Der Blütenfarbstoff Apigenin (5,7,4`-Trioxoflavon) der Kamille bewirkt eine Gelbfärbung des Haares.

Rastik

Ist ein Gemisch aus Pyrogallol und Eisen-, Kupfersalzen. Pyrogallol wurde durch Rösten von Galläpfeln gewonnen.[5] Das Haar wird von Rastik tief schwarz gefärbt.

Permanente Haarfärbung

Die permanente Haarfärbung ist mit Abstand die wichtigste Methode, um Haare zu färben. Eine permanente Haarfärbung ist praktisch nicht entfernbar, das Haar wächst jedoch im Monat etwa 1 cm, sodass die Haarfärbungen etwa jeden Monat erneuert werden müssen, wenn man eine gleichmäßige Haarfärbung behalten will.

Bei der permanenten Haarfärbung (Oxidationshaarfärbung) werden Oxidationsbasen, das heißt leicht oxidierbare aromatische Verbindungen (zum Beispiel Phenylendiamin, Aminophenol) zusammen mit Nuancierern (Stoffe, die den Farbton etwas verändern) in Gegenwart von Wasserstoffperoxid und Ammoniak, Emulgatoren und Wasser auf das Haar gebracht. Die Farbstoffteilchen wandern nun in das – durch das alkalische Medium aufgequollene – Haarinnere und werden dort zu komplexen Farbstoffen oxidiert, wobei sie sich chemisch mit dem Haarkeratin verbinden. Erst durch die Oxidation der Farbstoffbasen durch das Wasserstoffperoxid entsteht der Farbstoff.

Ein käufliches, permanentes Haarfärbemittel besteht aus zwei Komponenten: Einer Tube mit den Oxidationsbasen, Nuancierern und einem Fläschchen mit Wasserstoffperoxid.

Neben den Farbstoffbasen enthält ein Haarfärbemittel noch Verdickungsmittel, beispielsweise Fettalkohole und Lanolin, sodass die Mischung cremiger wird. Damit die Oxidationsbasen nicht unter Lufteinfluß vorzeitig oxidiert werden, enthält ein Färbmittel ferner Antioxidantien, zum Beispiel Natriumsulfit beziehungsweise Natriumformaldehydsulfoxylat oder Ascorbinsäure. Ferner ist in der Farbpaste etwas Ammoniaklösung (circa 1 %-ig oder Monethanolamin) und etwas Tensid enthalten.[1]

Oxidationsbasen und Nuancierer

Oxidationsbasen können p-,o- Phenylendiamin, o-,p-Dihydroxybenzol und o-,p- Aminophenol beziehungsweise Derivate dieser Verbindungen sein. Je nach Zusammensetzung der aromatischen Verbindungen erhält man unterschiedliche Farbtöne.

Gebräuchliche Oxidationsbasen sind beispielsweise 2,5-Diaminotoluol, 2,3-Diaminotoluol, 2-Aminophenol und 4-Aminophenol. Als Nuancierer dienen die disubstituierten Aromaten in m-Position (m-Dihydroxybenzol, m-Aminophenol, m-Phenylendiamin).[1]

Verbotene Inhaltsstoffe

Durch die Kosmetikverordnung von 1977 und 1982 wurden 1,4- Phenylendiamin, 2,4- Toluoldiamin und 2,4- Diaminoanisol verboten, da sie im Verdacht carcinogener Wirkung stehen. Auch bei 2,4-Diaminoanisol und 2,4-Diaminotoluol sind krebserregende Effekte nachgewiesen worden.

Verboten in Haarfärbemitteln sind die folgenden Verbindungen: 1,2-Diaminobenzol, 1,4-Diaminobenzol, 2,4-Diaminoanisol, 2,5-Diaminoanisol, 2,4-Diaminotoluol, 2-Amino-4-nitrophenol, 2-Amino-5-nitrophenol. Die erlaubten Farbstoffe dürfen nur in den erlaubten Dosen im Färbemittel vorliegen.[6]

Vor 1990 wurden die Verbote von chemischen Inhaltsstoffen bei Haarfärbemitteln von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt. So war das 1,4-Phenylendiamin (eine Verbindung zur Herstellung schwarzer Farbtöne) in vielen Ländern ein wichtiger Haarfärbestoff (etwa in den USA)[4] , in Deutschland gab es schon sehr zeitig ein Verbot (1906) gegen diese Verbindung.

Die freien Oxidationsbasen dürfen nicht mehr als 6 % im Haarfärbemittel betragen. Hydrochinon darf zu 2 %, Resorcin zu 5 % und Alpha-Naphthol nur zu 0,5 % verwendet werden.

Physikalische Farbveränderung

Diese Methode der Farbveränderung ist semipermanent, es verändert nicht das Naturpigment, man bedient sich sogenannter direktziehender Farbstoffe. Da die Farbe nicht in den Cortex des Haares eindringen kann, lagern sich die Farbstoffe nur an der Cuticula an. Daher hält diese Art der Farbveränderung nur bis zu ungefähr maximal 12 Haarwäschen. Die Pigmente in den so genannten Direktziehern sind kationaktiv. Durch die elektrisch positive Ladung (kationisch) der Farbe kann sie sich an die negativ geladenen (anionischen) Haare anlagern. Je poröser das Haar ist, umso intensiver legt sich die Farbe an dieser Stelle an und kann so weiter in den Cortex vordringen. Permanente oder aufhellende Ergebnisse sind mit dieser Methode jedoch nicht zu erzielen.

Des Weiteren kann man Pflanzenfarben zu den semipermanenten Farbveränderungen zählen. Bei der Pflanzenfarbe entfallen weitest gehend chemische Zusätze, die Haltbarkeit auf dem Haar ist daher auch eingeschränkt. Da es keine „Färbung“ im eigentlichen Sinne ist, sind Hellerfärbungen nicht möglich. Mit Planzenfarbe gefärbtes Haar mit permanenten Haarfarben zu färben ist unratsam.

Unter die Kategorie „Direktziehende Farbstoffe“ fallen folgende weitere Produkte:

  • Farbfestiger und Farbfönlotionen
    • Trägermasse: Alkohol; Verwendung: nach dem Haarewaschen Haar abdrücken, mit angefeuchteter Watte partienweise auftragen
  • Farbfönschäume
    • Trägermasse: Alkoholschaum;

Verwendung: nach dem Haarewaschen Haar abdrücken, mit Bürste partienweise auf das abgeteilte Haar auftragen

    • Trägermasse: PVP/VA Copolymere, Pflegestoffe;

Verwendung: mengenmäßig gleichmäßig auftragen – nach Einwirkzeit ausspülen

  • Farbspülung
    • Trägermasse: kationische Pflegestoffe;

Verwendung: nach dem Haarewaschen Haar abdrücken, mit Wasser verdünnt über das Haar gießen.

  • Farbgel/Farbcreme

Trägermasse: kationisches Gel auf Pflegestoffbasis; Verwendung: mengenmäßig gleichmäßig auftragen – trocknen lassen

Chemische Farbveränderung

Für eine dauerhafte Farbveränderung stehen dem Friseur zwei unterschiedliche Methoden zur Verfügung: die Blondierung und die oxidative Färbung.

Ein Produkt, welches bei beiden Arbeitsvorgängen benötigt wird, ist das Wasserstoffperoxid (Formel: H2O2). Bedingt durch die Zugabe von H2O2 kommt es im Haar zu einem oxidativen Prozess, Sauerstoff wird angelagert und verändert die Farbwirkung der Pigmente.

Da die chemische Farbveränderung außer bei einer Blondierung additiv ist, also Farbstoffe angelagert werden, ist eine gezielte Färbung von bereits chemisch gefärbtem Haar nicht mehr möglich.

H2O2 wird aufgrund der Reaktionsfreudigkeit des Sauerstoffs genutzt, um Haare färben zu können. Dem Friseur stehen folgende H2O2-Konzentrationen zur Verfügung:

  • 1,9 %: leicht aufhellende Wirkung von 0,5 bis 1 Nuance in Verbindung mit Blondierung, sonst Ton-in-Ton Färbungen
  • 3 %: sehr gut anwendbar bei Färbungen, Aufhellung bis zu 2 Nuancen bei Blondierung möglich
  • 6 %: Permanentfärbung und Aufhellung mit Blondierung bis zu vier Tönen
  • 9 %: Permanentfärbung aufhellend bis 2 Töne und Aufhellung von 4 bis 6 Tönen mit Blondierung
  • 12 % Permanentfärbung aufhellend bis 4 Töne und Aufhellung von 4 bis 7 Tönen mit Blondierung
  • 18 % nicht sinnvoll und notwendig, darf nicht auf Kopfhaut gelangen.

Inhaltsstoffe

1. Farbvorstufen

Dieses sind unentwickelte Pigemente, die aufgrund ihrer geringen molekularen Größe sehr gut ins Haar vordringen können und damit eine regelmäßige Anfärbung erreichen. Erst durch die Zugabe von H2O2 wird der oxydative Vorgang ausgelöst. Durch den aktiven Sauerstoff blähen sich die Pigmente auf, die Farbe wird sichtbar. Da sich dieser Farbstoff überproportional ausdehnt, kann er sich im Cortex des Haares festhalten. Nur wenn eine Haarfarbe Farbvorstufen enthält, kann weißes Haar zu 100 % abgedeckt werden. Grundsätzlich gibt es nur zwei Gruppen von Farbvorstufen, diese sind jedoch beide in jedem Naturton in unterschiedlichen Mengen enthalten.

  • Gruppe 1= Eumelanine = braun-schwarz
  • Gruppe 2= Phäomelanine = gelb-rot

2. Nuanceure

Nuanceure sind teils entwickelte oder anoxydierte Farbbildner, die einer Farbe eine bestimmte Richtung geben. Alle Farbstoffe werden aus verschiedenen chemischen Grundstoffen hergestellt und haltbar gemacht. Der strukturelle Aufbau der Haarfarbe ist teilweise sehr kompliziert. Das Farbmolekül Rot ist sehr klein und kann daher leicht ins Haar eindringen. Um ein gleichmäßiges Farbergebnis zu erzielen bzw. um den gefürchteten „Grünstich“, meist bei Dunkelfärbungen, zu verhindern, wird ein wenig Farbe mit Rotnuance zum Grundton beigemischt, da Rot die Komplementärfarbe zu Grün ist und sich somit beide gegenseitig neutralisieren. Bei Vermeidung von Rotstich wird ein Asch- oder Grünton beigemischt. So verhält sich auch Orange zu Blau und Violett zu Gelb.

3. Alkalien

In allen Haarfarben wird als Alkalisierungsmittel Ammoniakwasser oder ähnliche Stoffe verwendet (Toluene, Diamine, Resorcinol u.v. a.). Dabei sind Menge und pH-Wert unterschiedlich. Es hat die Eigenschaft, sich zu verflüchtigen (abzugasen), deswegen sinkt die Konzentration mit der Länge der Einwirkzeit. Alkalien sind für das Haarefärben unabdingbar, da diese das Haar aufquellen und das Haar somit aufnahmefähiger machen. Erst dadurch kann die Farbe in den Cortex vordringen.

4. Trägermassen

Dazu gehören Lösungsmittel wie Isopropanol oder Ethanol … Creme (s.g. Nullmassen) oder Gels sind die gebräuchlichsten Trägermassen in der Farbkosmetik. Sie bestehen meist aus fettähnlichen, kationisch eingestellten Grundsubstanzen, die pflegend wirken.

5. Netzmittel

fördern das Eindringen aller Wirkstoffe, da sie die Oberflächenspannung der Feuchtigkeit herabsetzen, und sorgen für eine gleichmäßige Verteilung auf dem Haar.

6. Pufferstoffe

sorgen für einen gleichmäßigen Abbau der Wirkstoffe, das heißt sie sorgen dafür, dass nach dem Zusammenmischen der Farbmasse der Arbeitsablauf nicht explosionsartig vonstatten geht. Sie halten den pH-Wert konstant.

7. Reduktionsmittel

halten die Farbe in der Packung stabil und setzen die Oxidationsempfindlichkeit der Farbstoffe herab. Obwohl diese nicht verhindern können, dass beispielsweise Rot-Farbstoffe schon nach einem halben Jahr nur noch zu etwa 70 % reaktionsfähig sind.

8. Duftstoffe

überlagern den starken Geruch speziell bei Alkalien.

Ablauf

Nach dem Zusammenmischen der Farbe mit H2O2 ergibt sich folgender Ablauf:

Alkalien (oder pH-6,8) quellen das Haar auf und neutralisieren die Stabilisierung des H2O2. Dadurch wird aktiver Sauerstoff frei. Dieser hellt, je nach Konzentration, das Naturpigment auf. Die Trägermasse sorgt dafür, dass die Haarfarbe haften bleibt und nicht „wandert“. Die Netzmittel verbessern die Aufnahmefähigkeit des Haares, Pufferstoffe regeln den gesamten Ablauf. Ab einer Zugabe von mindestens 6 % H2O2 wird das Naturpigment zuerst aufgehellt und gleichzeitig die Nuanceure ins Haar gebracht. Diese überlagern nun das Naturpigment, was schlussendlich zum gewünschten Ergebnis nach einer bestimmten Einwirkzeit (üblicherweise 25–30 min.) führt. Unabdingbar für den Friseur ist die genaue Bestimmung des Naturtons des Kunden, um die richtige H2O2-Konzentration zu bestimmen. Wobei auch das Mischungsverhältnis der Komponenten(Farbe/H2O2) eine Rolle für das Erreichen des gewünschten Farbziels spielt. Hierbei ist zu bedenken, das sich die Pigmente ab Tonstufe Mittelbraun auf Mittelblond von Phäomelanin zu Eumelanin ändert. Bei Hellerfärbungen ist dies besonders zu beachten, da Hellerfärbungen wie physikalische Färbungen arbeiten,allerdings mit 9 % und 12 % angewendet werden, und deshalb mit Blondierungen nicht zu verwechseln sind. Deshalb kann es passieren, das Färbungen von Mittelbraun auf Blond nur eingeschränkt funktionieren. Hier gibt es jedoch Nuancierungen, welche bei zu erwartenden roten oder orangen Resten, Fehltöne im Haar neutralisiern (unter anderem perl und asch). --92.73.26.193 19:24, 5. Apr. 2009 (CEST)

Blondieren

Blondieren ist die intensivste Möglichkeit, künstliche und natürliche Farbpigmente aus dem Haar zu entfernen. Es kommt bei dieser, in einem Arbeitsgang, zu einem reduktiven (bei künstlichen) und zu einem oxydativen (bei natürlichen Pigmenten) chemischen Vorgang. Da die Blondierung nicht nur Farbpigmente zerstört, sondern auch viel der „Kittmasse“ des Cortex, ist Blondierung nur von Fachpersonal ohne größere Schäden einzusetzen. Andernfalls kann unsachgemäße Anwendung von Blondierung sogar bis zum Haarausfall führen. Im Blondierpulver sind Ammoniak und Persulfate enthalten, welche das Haar aufquellen lassen und damit die Wirkung des H2O2 an den Pigmenten zulassen. Die Unterschiede bei der Schnelligkeit der Aufhellung liegen ausschließlich in der Einwirkzeit und der Wärmezufuhr mittels Climazon oder Ähnlichem. Um das Haar um 4–5 Töne aufzuhellen, benötigt man 6 % H2O2 (Mischungsverhältnis mit Blondierpulver 1–1,5) Achtung: Je höher die H2O2-Konzentration, desto heller wird das Ergebnis. Die Einwirkzeit beträgt 30–45 Minuten, mit Wärme etwas weniger, bei höheren H2O2 Konzentrationen (9 od. 12 %) etwas mehr. Schonender für die Haare ist eine niedrige H2O2- Konzentration (ungefähr 3–1,9 %) und dafür eine längere Einwirkzeit. Da die Phäomelanine (rot-orange-Pigmente im Haar) länger benötigen, um abgebaut werden zu können, erhält man so ein besseres und schöneres Farbergebnis (kein Gelbstich). Je höher die H2O2-Konzentration, umso höher die Haarschädigung. Der Oxidationsvorgang quillt das Haar und erzeugt Wärme. Verstärkt man diese, wird der Prozess beschleunigt und das H2O2 wird schneller aufgebraucht.

Saurer Abzug

Der saure Abzug ist eine Variante zur Korrektur des Farbergebnisses bei frisch gefärbtem Haar. Hierbei werden mittels eines „Sauer“ eingestellten Präparats, ungefestigte Farbmoleküle aus den Haaren gelöst, beziehungsweise genauer, die Farbmoleküle durch Abspaltung des Sauerstoffs geschrumpft. Der saure Abzug wird als Alternative zum alkalischen Abzug angewendet (da er schonender ist), um etwa eine unerwünschte Nuance oder ein zu dunkles Farbergebnis abzuschwächen. Dies ist jedoch nur kurz nach einer Haarfärbung möglich, da dann die Farbmoleküle noch nicht voll gefestigt sind.

Literaturquellen

  • Wilfried Umbach: Kosmetik, Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1995, S. 287 ff., ISBN 3-13-712602-9
  • Günter Vollmer, Manfred Franz: Chemische Produkte im Alltag, dtv-Verlag Stuttgart 1985, S. 185 ff., ISBN 3-423-03276-6
  • Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, 3. Auflage, Band 10, Stichwort: Kosmetica, S. 734 ff
  • Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, 4. Auflage, Band 12, Stichwort: Haarbehandlungsmittel, S. 435 ff
  • Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, 5. Auflage, Vol A12, Stichwort: Hair Preparations, S. 583 ff.

Einzelnachweise

  1. a b c d e Wilfried Umbach: Kosmetik – Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1995
  2. Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, 3. Auflage, Band 10, S. 734
  3. Chemisches Zentralblatt, (1898), S. 131
  4. a b Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, 4. Auflage, Band 12, S. 439
  5. a b Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, 3. Auflage, Band 10, S. 736
  6. Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, 5. Auflage, Vol. A12, S. 584

Siehe auch


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