Bloody Bill

William T. "Bloody Bill" Anderson (* 1839 in Kentucky; † 26. Oktober 1864 in der Nähe von Albany, Missouri) war ein aufgrund seiner Brutalität berüchtigter Partisanenführer (Bushwhacker) auf Seiten der Konföderierten während des Sezessionskriegs[1] [2] [3]. Am 27. September 1864 begingen Anderson und seine Bushwhackers ihr wahrscheinlich grausamstes Verbrechen, als sie einen Zug in Centralia, Missouri stoppten, die Passagiere ausraubten und 22 unbewaffnete Unionssoldaten ermordeten[4] [5].

Inhaltsverzeichnis

Frühe Jahre

Anderson wurde in Kentucky geboren, wuchs aber in der Nähe von Huntsville im Randolph County in Missouri auf. Sein Vater William C. Anderson war ein Hutmacher. Er verließ seine Familie 1850, um nach Kalifornien zu reisen, und ließ neben William dessen beiden ältere Brüder Ellis und James zurück, die sich während dieser Zeit um die Familie kümmerten. Nach der Rückkehr des Vaters zog die Familie 1857 nach Agnes City in Kansas.

William T. Anderson war kurzzeitig für ein Fuhrwerksunternehmen tätig, verlor diese Arbeit jedoch, als er des Pferdediebstahls verdächtigt wurde. Tatsächlich hatte er bereits in Missouri verschiedene Delikte, darunter Pferdediebstähle, begangen.

Als im März 1862 der Vater der Andersons erschossen wurde, verdächtigten William T. und Jim Anderson einen Nachbarn und konfrontierten ihn mit dem Vorwurf des Mordes. Im Verlauf des folgenden Streits wurden der des Mordes verdächtigte Nachbar sowie ein Unbeteiligter von den Andersons getötet, weshalb Anderson aus Kansas fliehen musste.

Anderson als Partisan

Im Frühling 1863 traten William und Jim Anderson den Bushwhackers von William Clark Quantrill bei. William Anderson erhielt zügig den (inoffiziellen) Rang eines Leutnants.

Da es den Unionstruppen nicht gelang, der Anführer der Partisanen habhaft zu werden, wurden Familienmitglieder der Bushwhackers in Kansas City, Missouri, inhaftiert, um auf diese Weise Druck auszuüben. Unter den Gefangenen waren auch Andersons Schwestern Mary, Josephine und Martha. Um Platz zu schaffen, wurden einige Stützbalken des als Gefängnis dienenden Hauses entfernt, was dessen Statik beeinträchtigte. Am 14. August 1863 stürzte das Gebäude ein und begrub die inhaftierten Frauen unter sich. Vier von ihnen starben, darunter auch Andersons Schwester Josephine. Mary Anderson überlebte, erlitt jedoch schwere Verletzungen und blieb körperlich behindert.

Es wird angenommen, dass dieser Vorfall Anderson maßgeblich und nachhaltig negativ beeinflusste. Er wurde für seine ausgeprägte Brutalität gegenüber Unionssoldaten und mit der Union sympathisierenden Zivilisten bekannt, die ihm den Namen „Bloody Bill“ einbrachte. Oft genügte es ihm nicht, seine Opfer zu ermorden; er verstümmelte oder skalpierte sie. In Briefen an eine Zeitung kündigte Anderson Gräueltaten gegen Unionssympathisanten an und drohte damit, Ehefrauen von Unionsoffizieren als Geiseln zu nehmen.

Im Winter 1863/1864 heiratete William Anderson Bush Smith aus Sherman, Texas.

Vom Überfall auf Lawrence zur Rückkehr nach Missouri

Am 21. August 1863 beteiligte sich Anderson an dem Überfall auf Lawrence, Kansas, der als Racheakt wegen der im Gefängnis ums Leben gekommenen Frauen gerechtfertigt wurde. Wenig später flohen die Bushwhackers nach Texas, um dort den Winter zu verbringen. In dieser Zeit nahmen die Auseinandersetzungen zwischen Quantrill und Anderson zu, weshalb Anderson Quantrills Truppe den Rücken kehrte, um im März 1864 nach Missouri zurückzukehren, wo er eine eigenständige Partisaneneinheit aufstellte.

1864 rekrutierte Anderson einige Partisanen, die unter dem Kommando von Archie Clement gekämpft hatten. Zu ihnen zählten Frank James und sein erst sechzehn Jahre alter Bruder Jesse James, die sich nach dem Krieg mit anderen Banditen zur James-Younger-Bande zusammenschlossen, ihr bei Quantrill und Anderson erlerntes „Handwerk“ unter veränderten Umständen fortsetzen und zu den bekanntesten US-amerikanischen Outlaws des Wilden Westens werden sollten[6] [7]. In dieser Zeit brachte Andersons Gruppe stolz die Skalps ihrer Opfer gut sichtbar an ihren Sätteln an.

Am 27. September 1864 kam es zum Massaker von Centralia: Die Bushwhacker hielten einen Zug der Northern Missouri Railroad an. Sie beraubten alle Zivilisten und ermordeten 22 Unionssoldaten, die sich auf dem Heimweg befanden. Anderson ließ nur einen Sergeanten für einen möglichen Gefangenenaustausch am Leben. Der Rest der Soldaten wurde gehenkt oder erschossen. Ihre Leichen wurden skalpiert oder auf andere Weise verstümmelt.

Noch am selben Tag machte sich das neu aufgestellte berittene 39. Missouri-Infanterieregiment unter dem Kommando von Major A. V. E. Johnston auf, um Anderson zu verfolgen. Inzwischen hatte sich dieser aber mit einigen anderen Partisanenführern, wie z. B. George Todd, vereint. Sie beschlossen, einige Männer als Köder auszusenden, um Johnston in eine Falle zu locken. Die mit nur einschüssigen Vorderladermusketen bewaffneten Infanteristen konnten anfangs einige Partisanen töten, jedoch wurde das Regiment von den hauptsächlich mit Perkussionsrevolvern bewaffneten Partisanen überrannt. Viele der Unionssoldaten flohen in Panik, wurden jedoch gefangengenommen. Etwa 120 Unionssoldaten wurden ermordet. Die Leichen wurden von den Partisanen teilweise enthauptet oder anderweitig verstümmelt.

Während der Schlacht von Centralia sahen sich die Unionstruppen mit einer massiven Attacke durch die konföderierte Kavallerie unter dem Kommando von General Sterling Price konfrontiert. Price führte eine Regiment von rund 12.000 Reitern an. Sie bewegten sich geradewegs auf St. Louis zu, attackierten die Unionsgarnison bei Pilot Knob, drehten dann aber in Richtung Westen ab und zwangen die Unionstruppen, sich südlich über den Missouri zurückzuziehen. Anderson traf sich kurz mit Price, entschloss sich jedoch, sich wieder in den Norden Missouris zu begeben, da er dort nur auf die lokalen Milizen stoßen würde, die mit der Union sympathisierten.

Andersons Tod

In der Zwischenzeit wurde Colonel Samuel P. Cox damit beauftragt, den Partisanenführer zu eliminieren. Es gelang Cox, Anderson am 26. Oktober 1864 im Ray County in der Nähe von Albany aufzuspüren. Ironischerweise wandte Cox eine von Andersons Taktiken an, um den Partisanenführer zu stellen: Er sandte eine kleine Abordnung Soldaten zu Pferde als Köder aus, um die Partisanen in einen Hinterhalt zu locken. Anderson und seine Männer ritten geradewegs in die Arme der wartenden Milizionäre. Diese schossen Salve um Salve in die Reihen der Partisanen und töteten eine große Anzahl der Reiter. „Bloody Bill“ stürzte durch einen Kopfschuss tödlich getroffen vom Pferd. Die Überlebenden zogen sich fluchtartig zurück. Bei Andersons Leichnam fand man eine Seidenschnur, in die 53 Knoten geknüpft waren. Es wurde behauptet, dass dies die Anzahl der von ihm getöteten Personen sei. Ebenfalls fand man menschliche Skalps am Zaumzeug seines Pferdes, eine Fotografie, die ihn mit seiner Ehefrau zeigte, sowie eine Locke seines Kindes. All dies konnte als Identitätsnachweis benutzt werden.

Cox äußerte sich wie folgt zur Schlacht:

„ Ich hatte nur rund 300 Mann unter meinem Kommando, und ich gab ihnen mein Wort, nicht zurückzuweichen; dieser Kampf muss ein Sieg werden oder wir sind alle dem Tode geweiht, und kein Mann zögerte. Wir saßen bei der hölzernen Brücke von unseren Pferden ab und ließen diese vom Tross bewachen. Nachdem wir die Brücke überquert hatten, platzierte ich meine Männer im Gehölz und schärfte ihnen ein, keinen Schuss abzufeuern, bevor ich nicht den Befehl dazu gegeben hätte. Leutnant Baker wurde vorausgesandt, um ein Scharmützel zu provozieren und sich dann sofort in Richtung unserer Linien zurückzuziehen. Morton, ein General a. D. aus Washington D. C., wurde zu Baker geschickt, mit dem Befehl, den Kampf zu beginnen. Anderson und seine Männer waren gerade bei der Rast und aßen ihre Mahlzeiten. Sie eröffneten das Feuer und schmissen sich sofort in die Sättel ihrer Pferde, um Baker zu verfolgen, der sich genau nach Anweisung sofort hinter unsere Line zurückzog. Anderson und ca. 20 Männer kamen nach alter Partisanenmanier herangeprescht, sie hatten die Zügel zwischen ihren Zähnen und in jeder Hand einen Revolver. Als meine Männer das Feuer eröffneten, fielen einige von Anderson Männer, die anderen schlugen wir in die Flucht. Jedoch Anderson und zwei weitere Reiter ritten weiter geradeaus durch unsere Linie hindurch, Anderson und ein Reiter machten kehrt und wurden von meinen Männern getötet. Der letzte der drei, der berühmte Captain Archie Clement, ritt jedoch unbeirrt weiter über die hölzerne Brücke rüber zu unsern Tross. Dort ritt er schreiend auf die Männer zu, die sofort flohen, jedoch erwischte er noch den Kommandanten und tötete ihn mit seinem Säbel. Wir benötigten zwei Tage, um die geflohenen Soldaten wieder zu finden. Clement entkam. Unter den gefangenen und teilweise verwundeten Partisanen war auch Clell Miller, der später ein berüchtigter Banken- und Zugräuber werden sollte. Es war sehr schwer, meine Männer und die Bewohner der Gegend davon abzuhalten, die Überlebenden zu lynchen. “

Samuel P. Cox

Die sterblichen Überreste Andersons wurden nach Richmond, Missouri, gebracht, fotografiert und öffentlich ausgestellt. Dann wurde der Leichnam durch die Straßen geschleift, um schließlich in einem namenlosen Grab am Friedhof von Richmond beerdigt zu werden. Erst im Jahr 1908 veranlasste der Ex-Partisane und Ex-Gesetzlose Frank James, dass Anderson eine adäquate Grabstätte bekam. Im Jahre 1967 erhielt das Grab noch einen Veteranengrabstein. Dieser trägt das falsche Geburtsjahr 1840.

Kontroversen um Andersons Tod

Auch Jesse James behauptete, Samuel P. Cox habe Anderson getötet. Bei einem Bankraub in Gallatin, Missouri, erschoss er im Dezember 1869 den Kassier, da er ihn mit Cox verwechselte. Dennoch glaubten viele Menschen, Anderson habe überlebt. Wie bei anderen berühmt-berüchtigten Charakteren in der amerikanischen Geschichte tauchten nach seinem Tod Personen auf, die behaupteten, „Bloody Bill“ zu sein. Im Jahre 1924 befragte Henry C. Fuller, ein Mitarbeiter der Zeitung „Brownwood Banner-Bulletin“, einen Mann namens William Columbus Anderson aus Brownwood in Brown County, Texas. Dieser gab an, William T. Anderson zu sein. Er verwies auf seinen Nachnamen, den zweiten Vornamen habe er von seinem Vater übernommen. Die Leiche eines anderen Partisanen sei fälschlich für Anderson gehalten worden. William C. Anderson lebte in einem Farmhaus beim Salt Creek in der Nähe von Brownwood. Er starb 1927 im Alter von 87 Jahren. Wissenschaftlichen Untersuchungen hielt keine der Schilderungen stand.

Einzelnachweise

  1. http://www.bigcountry.de/index.php?Seite=/guerilla-kriege_seite2.htm
  2. http://www.wilder-westen-web.de/bk038.htm
  3. http://www.millersparanormalresearch.com/Pages/Bloody_Bill.htm
  4. http://www.bigcountry.de/index.php?Seite=/guerilla-kriege_seite2.htm
  5. http://mmcwrt.missouri.org/2000/default0007.htm
  6. http://www.ci.st-joseph.mo.us/history/jessejames.cfm
  7. http://www.guidon.com/quantrill.html

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