Blubo-Literatur

Blubo-Literatur (oder auch Blubo-Dichtung) ist ein Akronym für „Blut- und Boden-Literatur“. Der Ausdruck bezeichnet eine spezielle Richtung der völkisch-rassistischen Literatur des Dritten Reiches.


Inhaltsverzeichnis

Begriff

Von anderen Strömungen der NS-Belletristik unterscheidet sich die "Blubo-Literatur" durch ihre Verherrlichung des Landlebens, der Natur und der Rückkehr zur Natur. Sie spielte, neben der Aufnahme germanisch-heidnischer Mythen (z.B. aus dem Sagenkreis der Nibelungen), eine wichtige Rolle bei der Schaffung des nationalsozialistischen Weltbildes.

Der Ausdruck wurde in den späten 1930er Jahren im Diskussionskontext exilierter regimekritischer Literaten geprägt. 1938 erscheint er in der von Brecht, Feuchtwanger und Bredel herausgegebenen Zeitschrift "Das Wort".[1] Nach 1945 findet er sich an vielen Stellen, selbst in den Literaturlisten deutscher Bibliotheken.[2] In der hiesigen Literaturwissenschaft fand der Ausdruck insgesamt nur bedingt Aufnahme. In anderen Zusammenhängen wird zwar von der „Blubo-Ideologie“ gesprochen, doch liegt deren Schwerpunkt im agrarpolitischen Bereich. In Frankreich dagegen ist der Ausdruck – u.a. in der Heidegger- und der Jünger-Forschung - schon während der sechziger und siebziger Jahre weithin verwendet worden. Wie auch in der niederländischen Germanistik wird dabei gelegentlich mit ihm der Gesamtbestand der nationalsozialistischen belletristischen Literatur bezeichnet.[3]

Natur und naturverbundenes bzw. „natürliches“ Leben wird von den Literaten des Blut- und Boden-Stils nicht primär dargestellt, sondern zum Gegenstand eines Mythos gemacht. Im Mittelpunkt stehen der Bauer und die Bäuerin als Symbole des „artreinen“ Deutschen schlechthin. Die Dorfgesellschaft erscheint als nationalsozialistischer Mikrokosmos. Neben der „Lebensraum“-Ideologie wird auch der NS-Rassismus durch die Blut- und Boden-Literatur propagiert.

Autoren, die zu dieser Richtung zählen, sind Heinrich Anacker, Josefa Berens-Totenohl, Herbert Böhme, Hermann Eris Busse, Hermann Claudius, Friedrich Griese, Herybert Menzel und Gerhard Schumann. Auch gehören neben Richard Billinger und Karl Heinrich Waggerl zahlreiche weitere österreichische Schriftsteller der Zeit zu den Blubo-Literaten. Die meisten dieser Autoren wurden - etwa über die Reichsschrifttumskammer - in beträchtlichem Maße von staatlicher Seite gefördert.

Zeitgenössische Schriften

  • Gotthilf Stecher: Literatur aus Blut und Boden, Potsdam / Leipzig: Bonneß & Hachfeld [1936].
  • Hellmuth Langenbucher: Volkhafte Dichtung der Zeit. Dritte Auflage, Berlin 1937.
  • Bund Deutscher Schriftsteller Österreichs (Hrsg.): Bekenntnisbuch Österreichischer Dichter, Krystall Verlag: Wien 1938.

Literatur

  • Literatur unterm Hakenkreuz: Das Dritte Reich und seine Dichtung. Eine Dokumentation. Herausgegeben von Ernst Loewy. Mit einem Vorwort von Hans-Jochen Gamm, Frankfurt a. M.: Europäische Verlagsanstalt 1966.
  • Günter Scholdt: Autoren über Hitler. Deutschsprachige Schriftsteller 1919–1945 und ihr Bild vom „Führer“. Bouvier, Bonn 1993. ISBN 3-416-02451-6
  • Meret Forster: "Radikalismus der Mitte". Kulturkritik zwischen Blubo und Asphalt: Ernst Krenek unterwegs in den österreichischen Alpen. In: Reflexe und Reflexionen von Modernität 1933 - 1945 (2002), S. 261-272.
  • Anna Bramwell: "Blut und Boden", in: Deutsche Erinnerungsorte. Hrsg. von Etienne Francois und Hagen Schulze. Band 3, München: Beck 2003, S. 380-391.
  • Franziska Schärli: Die Entwicklung des Bauernromans zur Blut-und-Boden-Literatur und das Interesse des Dritten Reiches an Jeremias Gotthelf, Bern 2007.

Einzelnachweise

  1. Das Wort. Literarische Monatsschrift 1938. Heft 1/3, S. 144.
  2. Bücherei und Bildung [Zeitschrift]. Herausgegeben vom Verein Deutscher Volksbibliothekare, 1. Jahrgang 1948/49, S. 667.
  3. Vgl. z.B. http://www.duitsland.nl/site/achtergronden/Literatuur/LiteratuurindeNazitijd.html

Siehe auch

Blut-und-Boden-Ideologie

Weblinks

Stichwort „Blubo-Literatur“ im Larousse


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