Blumenstein (Wildeck)

Die Burg Wildeck, später Jagdschloss Blumenstein bzw. Sommerschloss Blumenstein, war eine Burganlage auf einem Bergsporn des Schloßberges, an der südlichen Flanke des Richelsdorfer Gebirges, in der Gemeinde Wildeck.

Inhaltsverzeichnis

Ortsbeschreibung

Alle hier gebauten Bugen und Schlösser befinden sich im Wildecker Tal, das hier durch die Bäche Pfaffengraben, Stubbach und Suhl gebildet wird. Das Tal verläuft von Norden nach Süden. Dort fließt dem Pfaffengraben der Stubbach zu, wodurch das Tal in diesem Bereich wesentlich breiter ist als im Norden. Ab hier fließen beide Bäche als die Suhl weiter und münden bei Dankmarshausen in den Rhedengraben, der bei Untersuhl linksseitig in die Werra mündet.

Die Burg- bzw. Jagdschlossruine liegt heute mitten im Wald auf einem Bergsporn, der sich im südlichen Bereich des Wildecker Tales nach Westen vorschiebt. Dort liegt die Ruine auf 347 m ü. NN.

Das Sommerschloss Blumenstein befand sich unterhalb des Jagdschlosses im Tal, dort, wo sich heute ein Pferdehof befindet. Der dazugehörige Schlosspark dehnte sich zwischen dem Pfaffengraben und dem Stubbach nach Süden hin aus. Der Stubbach wurde am heutigen Waldrand aufgestaut und es wurde ein kleiner künstlicher See mit Insel geschaffen, der Inselsteich genannt wird.

Burg Wildeck und Jagdschloss Blumenstein

Die Burg Wildeck wurde vermutlich von den Thüringer Landgrafen im 11. Jahrhundert erbaut. Die erste urkundliche Erwähnung folgte im Jahre 1289, als Landgraf Albrecht II. die Burg an seinen Sohn Apitz übereignete. Im Jahr 1301 kam die Burg in den Besitz der Abtei Fulda. Dies führte jedoch zu Auseinandersetzungen zwischen Fulda und dem Bistum Würzburg. Das Bistum besetzte die Burg im Jahr 1316, sie wurde aber von Fulda rasch zurückerobert. Die danach wohl zerstörte Burg wurde wieder aufgebaut, und kam 1337 als Lehen in den Besitz der Herren von Trott und der von Boyneburg. Im Jahr 1406 löste Landgraf Hermann II. von Hessen die in Pfandbesitz befindlich Burg wieder ein und belehnte die Herren von Trott mit der Burg. Im Jahr 1413 verkaufte Fulda die Burg an Hermann II., sie wurde aber schon 1445 wieder verpfändet (bis 1544). Im Bauernkrieg wurde die Burg im Jahre 1525 zerstört.

Im Jahr 1627 kommt die Ruine in den Besitz der Nebenlinie Hessen-Rotenburg. Erst 1727 baute Landgraf Ernst II. Leopold von Hessen-Rothenburg-Rheinfels auf den Ruinen der Burg Wildeck das Jagdschloss, das er Blumenstein nannte.

Die heute noch sichtbaren Mauerreste (insbesondere der Torbogen, Teile eines Gewölbekellers und der Brunnen) stammen vom diesem Jagdschloss. Die Mauerreste werden in Eigeninitiative mit Hilfe von Spenden, von Vereinen und Bürgern der umliegenden Gemeinden erhalten.

Sommerschloss Blumenstein

Landgraf Constantin von Hessen-Rotenburg-Rheinfels ließ ab 1770 im Tal unter dem Jagdschlosses Blumenstein ein repräsentativeres Schloss bauen, das Sommerschloss Blumenstein, mit einem großen Schlosspark. Im 19. Jahrhundert geht das Schloss in Staatsbesitz über. Im Jahr 1873 wird das Schloss nur noch als Wohnung für Forstbedienstete genutzt, bis es ein Jahr darauf wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Über den Grundmauern wurde ein Forsthaus errichtet, lediglich eine zweiteilige Treppe an der Gartenseite des Forsthauses stammt noch vom Schloss. Von der Schlossanlage steht sonst nur noch das ehemalige Gästehaus. Es wird zusammen mit dem Forsthaus von einem Pferdehof genutzt. Zu diesem Pferdehof gehören auch große Teile des ehemaligen Schlossparks.

Der Schlosspark dehnte sich südlich des Schlosses trapezförmig aus und hatte eine Länge von etwa einem Kilometer. Im Bereich des Parterres am Schloss war er etwa 100 Meter breit und am Stubbach, der die südliche Grenze bildete, war der Park etwa 800 Meter breit. Von dem Schlosspark zeugt unter anderem noch der 22 Meter hohe, aus Sandstein gemauerte Obelisk. Er wurde vermutlich von Landgraf Emanuel von Hessen-Rothenburg-Rheinfels um 1790 für seine Frau Maria Leopoldine von Liechtenstein errichtet. Weiterhin gibt es noch den Inselsteich mit seiner Insel, die auch als Liebesinsel bekannt ist. An den Ufern der runden Insel standen früher zehn Pappeln und in der Mitte der Insel steht heute noch ein 1,35 Meter hoher Steinsockel. Er weist eine umlaufende, herunterhängende naturalistisch gearbeitete Bordüre auf. Auf der Vorderseite ist ein Relief einer griechischen Amphore zu sehen und darüber, in der Bordüre, steht die lateinische Inschrift QUAM RAPUIT INVIDA MORS RESTITUTA (Die der neidische Tod beraubt hat, ist wieder hergestellt). Die Anlage mit dem Teich und der Insel ist der Zeit des Rokoko bzw. der Empfindsamkeit zuzuordnen. Bei dem Sockel handelt es sich vermutlich um einen Weihe- oder Gedenkaltar, auf dem eine Statue oder eine andere Plastik stand. Da nicht mehr bekannt ist, welche Plastik auf dem Sockel stand, ist auch der Sinn der Inschrift unklar. Weiterhin haben auch noch drei Alleen (Zwetschgen-, Birken-, und Pappelallee) ihren Ursprung aus der Zeit der Parkanlage.

Literatur

  • Barbara Händler-Lachmann (Hrsg.): Kultur - Geschichte: historische Stätten, Denkmäler, vergessene Orte und Museen im Kreis Hersfeld-Rotenburg. S. 261-263, Hessisches Institut für Lehrerfortbildung Außenstelle Bad Hersfeld, 1995, ISBN 3-9804841-0-6

Weblinks


50.9566666666679.95916666666677Koordinaten: 50° 57′ 24″ N, 9° 57′ 33″ O


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