Blut & Eisen

Als Blut und Eisen bezeichnet man eine Politik, bei der gesellschaftliche und wirtschaftliche Umformungen eines Landes nicht durch parlamentarische Gesetzgebung beschlossen und umgesetzt, sondern durch die Vorbereitung oder Durchführung von Kriegen erzwungen werden. Die wirtschaftliche Kraft, die durch Kriege freigesetzt wird, sowie andere Zwänge im sozialen und politischen Bereich werden genutzt, um die innere Gesellschaft eines Landes umzuformen oder zu stabilisieren.

Herkunft

Der Begriff geht zurück auf eine Rede, die der damalige preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck am 30. September 1862 vor der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses hielt. Um seine Vorstellungen einer Heeresreform gegen das Budgetrecht des Abgeordnetenhauses durchzusetzen, sprach er dabei unter anderem den Satz:

„Nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden (...), sondern durch Eisen und Blut[1].“

Nach dieser Maxime handelte Bismarck, indem er u.a. den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bis 1871 vorbereitete und politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zustände schuf, die die Deutsche Reichsgründung von 1871 maßgeblich ermöglichten. Insbesondere die Kriegsvorbereitungen hatten weitreichenden Einfluss. Die Industrie wurde zur Einführung neuer Produktionsmethoden, aber auch zur Einhaltung der bismarckschen Sozialgesetzgebung gezwungen. Einen wirksamen Einfluss nahm vor allem der während des Krieges stark ansteigende deutsche Nationalismus, der die Aufgabe der Kleinstaaterei und die Errichtung des Kaiserreichs ermöglichte.

Eine Blut-und-Eisen-Politik kann nur erfolgreich sein, wenn der Krieg nicht verloren wird oder nicht stattfindet. Sie versagt, wenn die Reformen in Sackgassen laufen oder das Land dabei durch ökonomische oder soziale Entwicklungen destabilisiert wird.

Quellen

  1. Zitiert nach: Wilhelm Schüßler (Hrsg.), Otto von Bismarck, Reden, 1847-1869, in Hermann von Petersdorff (Hrsg.) Bismarck: Die gesammelten Werke, Band 10, Berlin: Otto Stolberg, 1924-35, S. 139-40.

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