Blutkraut
Echtes Johanniskraut
Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)
Gattung: Johanniskräuter (Hypericum)
Art: Echtes Johanniskraut
Wissenschaftlicher Name
Hypericum perforatum
L.

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), auch Tüpfel-Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu genannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae). Es ist wegen seiner verschiedenen Inhaltsstoffe wie ätherischer Öle und Gerbstoffe eine seit alter Zeit geschätzte Heilpflanze.[1]

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Vegetative Merkmale

H. perforatum: Die Blätter erscheinen durch deren Öldrüsen durchlöchert

Das Echte Johanniskraut ist eine ausdauernde Pflanze mit stark verästelter, spindelförmiger, bis 50 cm Tiefe reichender Wurzel. Der 15 cm bis einen Meter hohe aufrechte Stängel ist durchgehend zweikantig und innen markig ausgefüllt (nicht hohl). Dadurch unterscheidet sich das Echte Johanniskraut von anderen Johanniskrautarten. Am oberen Stängelteil ist die Pflanze buschig verzweigt.

Die oval-eiförmigen bis länglich-linealischen Blätter sind mehr oder weniger sitzend, gegenständig angeordnet. Sie werden bis 3 cm lang und sind dicht mit durchsichtigen Öldrüsen besetzt. Am Rand sind die Blätter mit schwarzen Drüsen, durchscheinend punktiert. Bei den Punktierungen handelt es sich um Ölbehälter, in denen das helle ätherische Öl der Pflanze konzentriert ist.

Der Blütenstand ist eine Trugdolde. Die fünf Kelchblätter sind bis 5 mm lang, länger als der Fruchtknoten, (ei)-lanzettlich, fein grannenartig zugespitzt, mit hellen und schwarzen Drüsen. Die fünf Kronblätter sind bis 13 mm lang, nur auf einer Seite gezähnt, goldgelb, am Rande schwarz punktiert. Die 50–60 manchmal bis 100 Staubblätter umgeben in drei Gruppen angeordnet den oberständigen, ovalen Fruchtknoten. Aus drei Staubblattanlagen entstehen drei Cluster mit insgesamt bis zu 80 einzelnen Staubblättern: ein zentrifugales Dedoublement, siehe Sekundäre Polyandrie. [2]

Der oberständige Fruchtknoten ist in drei Fächer unterteilt und kürzer sind als die Kelchblätter. Die Frucht ist eine schmal-eiförmige, bis 10 mm lange, geriefte dreifächrige Spaltkapsel. Die Samen sind länglich, gebogen und fein netzförmige mit einer Länge von ca. einem Millimeter. Die Blütezeit ist Juni bis August.

Ökologie

Blüte von Hypericum perforatum

Die Art tritt vorwiegend in größeren Gruppen auf, allerdings sind diese selten bestandsbildend. Als ökologische Zeigerwerte nach Ellenberg wird die Art als Halbschattenpflanze für mäßigwarme bis warme Standorte bei gemäßigtem Seeklima angegeben. Die angezeigte Bodenbeschaffenheit ist danach gleichmäßig trocken bis mäßig feucht, niemals stark sauer sondern stickstoffarm. Das Echte Johanniskraut ist eine sommergrüne Schaftpflanze (Überwinterte Pflanze ohne Rosette), und zählt somit zu den Hemikryptophyten. Ihre Blätter sind durch zahlreiche schizogene Ölbehälter punktiert.

Die Blüten sind homogene „Pollen-Scheibenblumen“ in zusammengesetzten Dichasien mit (zur Fruchtzeit gut erkennbaren) Schraubeln. Die zahlreichen Staubblätter stehen in 3 Büscheln zusammen. Statt Nektar ist ein anbohrbares Gewebe von unsicherer ökologischer Bedeutung vorhanden. Fremdbestäubung erfolgt durch Pollen suchende Insekten. Besucher sind besonders Bombus-Arten und Bienen- und Schwebfliegen-Arten. Selbstbestäubung ist durch die räumliche Trennung von Griffelästen und Staubbeutelbündeln erschwert, ist aber beim Schließen der Blüten möglich, wenn die schrumpfenden Kronblätter die Blüte wieder einhüllen.

Die goldgelben Kronblätter enthalten in Gewebslücken das blutrote Hypericin, das beim Zerreiben(am besten mehrere Blütenknospen nehmen) auf den Fingern eine Rotfärbung hinterlässt.

Früchte sind bei Trockenheit geöffnete, wandspaltige Kapseln. Die kleinen Samen werden von Tieren verschleppt (Zoochorie) oder durch den Wind verbreitet (Ballonflieger).

Vegetative Vermehrung erfolgt durch Wurzelsprosse.

Die Pflanze ist leicht giftig. Die getrockneten Blüten des Behaarten Johanniskrauts enthalten bis zu 1,4 % des roten Farbstoffes Hypericin. Die Hypericin-Aufnahme führt bei nicht pigmentierten (weißen) Weidetieren (Pferde, Schafe, Ziegen etc.) nach der Bestrahlung durch Sonnenlicht zu Hämolyseerscheinungen.

Die Chromosomenzahl beträgt n = 16,24.[3]

Verbreitung und Standortansprüche

Das Echte Johanniskraut ist in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch. In Ostasien, Nord- und Südamerika und in Australien ist es eingebürgert worden. Man findet es in tiefen bis mittleren Höhenlagen. Es wächst verbreitet in Gebüschsäumen, an Waldrändern, Wegen und Böschungen, in Magerwiesen und -rasen, in Ginster- und Heidekrautheiden, in Brachen und Waldverlichtungen als Pionierpflanze.

Aufgrund der Verwendung als Heilpflanze wird das echte Johanniskraut landwirtschaftlich angebaut.[4] Gleichzeitig gilt es im übrigen landwirtschaftlichen Anbau als unerwünschtes Unkraut.

Systematik

Es werden vier Varianten unterschieden:

  • Schmalblättriges Echtes Johanniskraut (var. angustifolium): Es hat kleinere Blüten und schmalere Blätter. Diese Variante enthält praktisch kein Rutin, was sie für die pharmazeutische Verwertung weitgehend unbrauchbar macht [5]
  • Breitblättriges Echtes Johanniskraut (var. latifolium): Es hat breitere Blätter und größere Blüten
  • Kleinblättriges Echtes Johanniskraut (var. microphyllum): Es hat kleinere Blätter und kleinere Blüten
  • Gewöhnliches Echtes Johanniskraut (var. perforatum)

Verwendung als Heilpflanze

Bereits in der Antike wurde Johanniskraut als Heilpflanze verwendet. Heute wird es als pflanzliches Arzneimittel wegen seiner leicht stimmungsaufhellenden Wirkungen zur Behandlung von leichten bis mittleren depressiven Verstimmungen oder nervöser Unruhe eingesetzt.

Verwendung in der Medizin

Seit mehreren Jahren wird Johanniskraut häufig für leichte bis mittelschwere Fälle von Depression angewandt. Es gibt Studien, in denen hochdosiertes Johanniskraut ähnlich gut wirksam war wie das synthetische Antidepressivum Paroxetin.[6] Dabei ist – wie bei allen Medikamenten – die Dosierung (s. u.) zu beachten.

Die Wirksamkeit von Johanniskraut in der Therapie der Depression ist dennoch umstritten, denn es gibt sowohl klinische Studien, die eine Wirksamkeit belegen, als auch solche, die keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen. Ein Cochrane-Review kam 2005 zu dem Schluss, die Datenlage sei „inkonsistent und verwirrend“.[7] Eine aktuelle Metaanalyse schließt, die Wirkung von Johanniskraut sei noch am besten bei milder oder mittelgradiger Depression nachgewiesen, habe aber auch ein erhebliches Nebenwirkungspotential.[8] Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele, wenn nicht alle wirksamen Medikamente, seltener oder häufiger, mehr oder weniger starke Nebenwirkungen verursachen.

Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2008 wertete 29 Studien mit zusammen mehr als 5000 Patienten aus, bei denen nach DSM- oder ICD-10-Kriterien eine Majore Depression vorlag. Die Wirksamkeit von Johanniskraut war gegenüber Placebo überlegen und erwies sich vergleichbar mit synthetischen Antidepressiva, bei besserer Verträglichkeit und geringeren Abbruchraten.[9]

Wesentlich ist dabei die Dosierung: Einige Studien gehen von mindestens 900 mg Extrakt bis hin zu 1800 mg Johanniskrautextrakt aus. Solche Dosen sind mit Johanniskrauttee, aber auch mit frei verkäuflichen Medikamenten aus dem Supermarkt, praktisch nicht zu erreichen. Typische Präparate enthalten hier etwa 180 mg pro Dragee. Andere Präparate erwecken den Eindruck, sie würden besonders viel Johanniskraut enthalten, indem z. B. von „300 mg Johanniskraut“ auf der Packung die Rede ist – es handelt sich hier aber um gemahlenes Johanniskraut, dessen Wirkstoffmenge gegenüber dem Johanniskrautextrakt nur etwa ein Fünftel beträgt. Auch ist unklar, ob Präparate empfohlen werden können, die statt des üblichen Alkoholauszugs einen öligen Auszug (Rotöl) als Arzneimittelbasis benutzen, weil sich die bisherigen positiven Studien alle auf den alkoholischen Extrakt beziehen.

Verwendung in der Volksmedizin

Volksmedizinisch wird Johanniskraut als Tee und Tinktur auch bei Menstruationsbeschwerden und pubertätsbedingten Verstimmungen verwendet.

Das Rotöl wird als Einreibemittel bei Hexenschuss, Gicht, Rheuma, zur Schmerzlinderung und Wundheilung nach Verrenkungen und Verstauchungen, bei Blutergüssen und Gürtelrose verwendet, kann aber auch innerlich angewandt werden. Man gewinnt es indem man Johanniskrautblüten zwei Monate lang in kaltgepresstes Oliven- oder Sonnenblumenöl einlegt, gelegentlich kräftig schüttelt und ansonsten in der Sonne stehenlässt. Diesen Vorgang nennt man Mazeration.

Mit einem Ansatzschnaps aus Blüten und Kraut werden Einschlafstörungen und innere Unruhe behandelt.

Inhaltsstoffe

Für Johanniskraut von guter Qualität wird ein Gehalt von mindestens 0,08 % Gesamt-Hypericine (Ph. Eur. 5.0/S. 2485), welche vor allem in den Exkretblättern der Blüten und Knospen lokalisiert sind, gefordert. Diese setzen sich aus durchschnittlich 0,1–0,3 % Hypericin, Pseudohypericin und ähnlichen Substanzen zusammen. Für die Wirksamkeit sind des Weiteren 0,5–1,0 % Flavonoide und Bioflavone verantwortlich. Auch das antibiotisch wirksame Hyperforin ist nachweisbar.

Für die Produktion der verschiedenen Präparate auf Johanniskrautbasis werden speziell selektierte Sorten unter Feldbedingungen angebaut. Geschützte Sorten sind derzeit (Stand: 26. April 2004 (1)):

  • Anthos, Hyperixtrakt, Motiv, Uperikon, Hyperimed, Hyperiflor,Vitan, Hyperipharm und Hyperisol

Wirkungsmechanismen und Wirklatenz

Als Hauptwirkstoff des Johanniskrauts gilt Hyperforin. Standardisierter Johanniskrautextrakt erhöht durch eine Wiederaufnahmehemmung der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin deren Konzentration an den Synapsen. Ebenfalls steigt auch die Konzentration von Gamma-Aminobuttersäure (GABA), Dopamin und L-Glutamat an, was in dieser Form kein Antidepressivum vermag. In der Folge vermindert sich die Anzahl der (noradrenergen) β-Rezeptoren, außerdem erhöht sich die 5-HT2-Rezeptorendichte (5-Hydroxytryptamin = Serotonin).

Die Wirkung der Johanniskraut-Präparate soll auf die chemisch definierten Substanzen Hyperforin und Hypericin zurückzuführen sein. Diese bewirken eine geringe bis mittelstarke, aber nachweisbare, cerebrale Wiederaufnahmehemmung von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin; dies sind bekannte Wirkmechanismen synthetischer Antidepressiva. Eine MAO-Hemmung wurde immer wieder behauptet, konnte aber nie nachgewiesen werden. Andere Rezeptoren werden nicht beeinflusst.

Wie chemisch-synthetische Antidepressiva zeigen auch Johanniskraut-Arzneimittel eine gewisse Wirklatenz, d. h., man spürt erst nach mehreren Wochen der Einnahme eine Verbesserung der depressiven Symptome.

Die behauptete antivirale Wirkung gegen das Hepatitis-C-Virus beim Menschen existiert jedenfalls in den üblichen Dosen nicht, vielmehr wird eine zusätzliche Schädigung der Leber hervorgerufen, die bei höheren Dosen zum akuten Leberversagen führen kann. Da wirksame Arzneimittel für durch Viren ausgelöste Erkrankungen zugelassen sind, wurden alle Experimente bei erkrankten Menschen als unvertretbar abgebrochen.

Es treten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf, die gefährlich sein können. Johanniskraut induziert ein Abbauenzym in der Leber (Cytochrom P450, Subtyp 3A4), welches andere Medikamente abbaut. Die Abbaurate anderer Arzneimittel steigt somit an, und sie können ihre Wirkung verlieren. CYP 3A4 verstoffwechselt u. a. Hormone. So kann Johanniskraut die Wirkung der Anti-Baby-Pille und anderer hormoneller Verhütungsmittel beeinträchtigen. Es bestehen Wechselwirkungen mit bestimmten AIDS-Medikamenten (Protease-Hemmern), Antibiotika wie Clarithromycin (z. B. Klacid) und einigen Antidepressiva (siehe unten). Die Protease-Hemmer und das Antibiotikum können ihre Wirkung ganz oder teilweise verlieren, was bei den zugrunde liegenden ernsten Erkrankungen schwerwiegende Folgen haben kann. Auch Immunsuppressiva, die zum Beispiel nach Transplantationen gegen die Abstoßungsreaktion des Körpers gegeben werden, werden abgeschwächt. Es sind mindestens zwei Todesfälle bei Johanniskrauteinnahme mit gleichzeitiger Immunsuppression beschrieben worden. In solchen Fällen sollte daher unbedingt der Rat des Arztes oder Apothekers eingeholt und befolgt werden.

Diese Interaktionen treten bei Menschen auf, die auf andere Arzneimittel angewiesen sind. Tragisch ist, dass Hersteller nicht immer in der nötigen Eindringlichkeit auf diese Nebenwirkungen hinweisen. Ist der Einnehmende jedoch sonst gesund und auf keine anderen Pharmaka angewiesen, hat sich Johanniskraut als sehr verträgliches und effektives Arzneimittel bewährt.

Nebenwirkungen

Johanniskraut-Arzneimittel sind im Allgemeinen gut verträglich, unerwünschte Nebenwirkungen sind gering oder treten selten auf[10]. In Einzelfällen wird von manischen Episoden berichtet, die von Johanniskraut induziert wurden [11]. Außerdem kann Johanniskraut geringe Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Erregung und Müdigkeit, und eine phototoxische Reaktion der Haut (Sonnenbrandneigung) hervorrufen. In hoher Dosierung wirkt es u. U. stark phototoxisch. Hellhäutige Menschen, die Johanniskraut regelmäßig einnehmen und sich in Solarien oder auf Urlaubsreisen bräunen wollen, sollten ein Absetzen des Johanniskrautpräparates 14 Tage vor der ersten Licht-/Sonneneinstrahlung in Erwägung ziehen. Da Hypericin die Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht erhöht (Photosensibilitätsreaktion), sollten insbesondere hellhäutige Personen intensive Sonnenbestrahlung oder Solarien meiden. Bei bekannter Lichtempfindlichkeit ist Johanniskraut zu meiden. Selten kann es zu allergischen Hautreaktionen, Müdigkeit/Unruhe oder gastrointestinalen Beschwerden kommen. Auch Rinder und Pferde, die zu viel Johanniskraut fressen, zeigen die genannten Symptome.

Wechselwirkungen

Ende der 1990er Jahre wurde festgestellt, dass Johanniskraut bestimmte Enzyme (Cytochrom P450), die für den Abbau von Arzneistoffen verantwortlich sind, induziert, was zu einem verstärkten Abbau des Arzneistoffes führt. Betroffen sind neben Herzglykosiden, Antikoagulantien, einigen Antidepressiva und Methadon auch niedrig dosierte Antibabypillen. Deshalb wurde das zuvor frei erhältliche Johanniskraut 2003 der Apothekenpflicht unterstellt. Ausgenommen von der Apothekenpflicht sind Zubereitungen, die in einer Tagesdosis bis zu 1 g Drogenäquivalent und bis zu 1 mg Hyperforin enthalten, Tee und zur äußeren Anwendung bestimmter Frischpflanzensaft oder ölige Zubereitungen (Rotöl).

Patienten, die an einer HIV-Infektion leiden und dagegen Medikamente einnehmen, dürfen Johanniskraut nicht zu sich nehmen, da es auch hier zu einem verstärkten Abbau der Wirkstoffe kommen kann, der auf längere Sicht ein Therapieversagen nach sich ziehen kann.

Bei Einnahme einiger Arzneimittel muss die Einnahme von Johanniskraut vorher mit dem Arzt abgesprochen werden. Dazu zählen[12]:

Gegebenenfalls wird der Arzt von der Einnahme von Johanniskraut abraten oder die Dosis des Medikaments entsprechend anpassen.

Mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern wie Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram etc. besteht die Möglichkeit einer Verstärkung serotoninerg bedingter Nebenwirkungen (Übelkeit, Durchfall, Blutdruckschwankungen, Erregung) bis hin zur Auslösung des lebensgefährlichen Serotonin-Syndroms (starke Blutdruckschwankungen, Fieber, Bewusstseinseintrübung, Verwirrtheit, Krämpfe). Andererseits können einige der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer durch die Beschleunigung ihres Abbaus auch in ihrer Wirkung abgeschwächt werden. Bei Einnahme solcher Kombinationen ist die Wirkung schlecht vorhersehbar.

Weiterhin ist bekannt, dass hochdosiertes Johanniskraut den Abbau von manchen Antiepileptika (z. B. Carbamazepin, Valproinsäure), Benzodiazepinen (z. B. Diazepam, Alprazolam, Lorazepam) und benzodiazepinähnlichen Substanzen (z. B. Zolpidem und Zopiclon) beschleunigt. Dadurch wird die Wirksamkeit dieser Substanzen herabgesetzt.

Aufgrund dieser Wechselwirkungen wurde Johanniskraut in der Republik Irland schon vor einigen Jahren der Verschreibungspflicht unterworfen. Johanniskrautpräparate mit der Indikation „mittelschwere Depession“ unterliegen seit dem 1. April 2009 auch in Deutschland der Verschreibungspflicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Einzelnachweis

  1. Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur Wildpflanzen Mitteleuropas, ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5, S. 68.
  2. Derivate bei Johanniskraut
  3. G. Tischler: Die Chromosomenzahlen der Gefäßpflanzen Mitteleuropas. S-Gravenhage, Junk. 1950.
  4. Informationssystem Nachwachsende Rohstoffe Steckbrief, 12.2.2008.
  5. Elke Wolf: [1] Pharmazeutische Zeitung.
  6. Ärzte Zeitung, 28. Oktober 2005: Wirksamkeit von Johanniskraut erneut belegt
  7. Linde K, et al.: St John's wort for depression. Cochrane Database Syst Rev. 2005 (2):CD000448. PMID 15846605.
  8. Andreescu C, et al.: Complementary and alternative medicine in the treatment of bipolar disorder – A review of the evidence. J Affect Disord, Epub 2. Mai 2008. PMID 18456339.
  9. Linde K, Berner mm, Kriston L. St John's wort for major depression. Cochrane Database Syst Rev. 2008 Oct 8;(4):CD000448. PMID 18843608.
  10. Ernst E, Rand JI, Barnes J, Stevinson C (1998). Adverse effects profile of the herbal antidepressant St. John's wort (Hypericum perforatum L.). Eur J Clin Pharmacol 54 (8), 589–94.
  11. Stevinson C, Ernst E: Can St. John's wort trigger psychoses? Int J Clin Pharmacol Ther. 2004 (42):473–80.PMID 15487805.
  12. FAQ – Häufige Fragen zu Neuroplant

Literatur

  • Franz-C. Czygan: Kulturgeschichte und Mystik des Johanniskrauts. Pharmazie in unserer Zeit 32(3), S. 184–191 (2003), ISSN 0048-3664
  • De Smet PAGM: Herbal Remedies. Review Article. N Engl J Med 2002;347:2046–2056. PMID 12490687

Weblinks

Bilder: [2] [3] [4] [5]

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