Blutpatch

Bei einem Bloodpatch handelt es sich grundlegend um eine Software-Applikation, die den Zweck hat, den Gewaltgrad in einem Computer- oder Videospiel zu steigern.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen, Definition und Erscheinung

Ein Bloodpatch (auch Blutpatch genannt) ist ein inoffizieller Patch, der dazu dient, die Gewaltdarstellung eines zensierten Computerspiels wiederherzustellen - dabei kann die Zensur entweder nur bestimmte Sprachversionen oder aber die allgemeine Verkaufsversion eines Spiels betreffen. In beiden Fällen ist es die Absicht der Entwickler den Profit durch Verkauf ihres Spiels zu steigern, indem es mehr Spielern zugänglich gemacht wird, da eine extreme Gewaltdarstellung entweder hohe Alterszuordnungen oder gar Indizierungen in manchen Ländern zur Folge haben kann. Die Bloodpatche aktivieren entweder Inhalte, die durch eine technische Maßnahme verborgen worden sind, oder aber fügen gar Inhalte aus fremden Sprachversionen ein. Die Rechtslage ist in beiden Fällen unklar. Wenn ein Bloodpatch jedoch Inhalte einfügt, die die Entwickler niemals vorgesehen hatten, so ist von einem Bloodmod die Rede (abgeleitet von Mod), da vom Entwicklungsprozess unabhängige und vom Entwickler oder Vertreiber nicht verantwortbare Inhalte eingefügt werden. Im weiteren Rahmen betreffen Bloodpatches häufig auch die Entfernung von Zensur anderer Natur, so etwa der Entfernung von nationalsozialistischer Symbolik, die in Deutschland grundsätzlich die Indizierung eines Spiels zur Folge hat. In manchen Fällen stellen Bloodpatches auch sexuelle Inhalte wieder her, doch ist dann meist von einem Nacktpatch die Rede.

Regionale Betroffenheit

Wegen seines strengen Jugendschutzgesetzes ist Deutschland von der Zensur weltweit am meisten betroffen und entsprechend sind die Nutzer, Programmierer und Communities, die sich der Herstellung und Anwendung solcher Bloodpatches und in Folge auch Bloodmods widmen, meist aus Deutschland, oder aber auch aus Österreich oder der Schweiz, wo die Softwarekonsumenten trotz lockererer Gesetzeslage häufig ebenfalls von der deutschen Zensur betroffen sind, da in der Regel keine speziell auf den österreichischen oder schweizerischen Markt ausgelegte Sprachversion eines Spiels produziert und vertrieben wird.

Mögliche Formen

Die Anwender und Schöpfer von Bloodpatches halten sich relativ frei an den Begriff "Patch" und so gibt es viele mögliche Erscheinungsformen von Bloodpatches. Im Optimalfall handelt es sich entweder um eine weitgehend automatische Setup- oder zumindest Batchdatei. Häufig handelt es sich bei einem Bloodpatch einzig um ein Archiv, welches es in den jeweiligen Spielordner zu entpacken gilt. Bei besonders komplexen, individuellen oder gerade extrem simplen Prozessen ist häufig eine Anleitung in Textform ein wesentliches, manchmal sogar das einzige Element eines Bloodpatches, was die Freiheit des Umgangs mit dem Begriff "Bloodpatch" kennzeichnet. Die verschiedenen Formen der Patches hängen in großem Maße auch mit den verschiedenen Erscheinungsformen von Zensur zusammen, die manchmal das gänzliche Fehlen der für die Gewaltdarstellung nötigen Daten oder Änderungen in der jeweiligen Exe-Datei bedeutet, sich manchmal aber nur auf einfache Wertänderungen in Textdateien oder der Windows Registry-Datenbank beschränkt. Dementsprechend kann die Dateigröße eines Bloodpatches von unter einem Kilobyte bis zu mehreren Gigabyte reichen.

Beispiele für Zensur

Seit Mitte der 90er haben sich über die Jahre hinweg mehrere typische Formen von Zensur entwickelt, die bevorzugt von Bloodpatches rückgängig gemacht werden. Beispiele wären:

  • Entfernung von spritzendem Blut
  • Entfernung der Darstellung von Verletzungen
  • Entfernung der möglichen Zerlegung/Zerstörung von Körpern
  • Entfernung drastischer Sequenzen
  • Entfernung besonders kontroverser Gewaltopfer (beispielsweise von Kindern und Tieren)
  • Entfernung oder Entschärfung visueller Leiddarstellung (etwa Todesanimationen)
  • Entfernung oder Entschärfung akustischer Leiddarstellung (vor allem Todesschreie)
  • Ersetzung menschlicher oder tierischer Charaktere durch fantastische Figuren (etwa Roboter oder Außerirdische)
  • Verminderung der Authenzität des physikalischen Verhaltens lebloser Körper
  • Entfernung oder Ersetzung nationalsozialistischer oder anderer radikaler Symbolik
  • Änderungen des Szenarios

Bekannte betroffene Spiele

Im Folgenden eine Liste bekannter Spiele, deren Zensur durch Bloodpatches aufgehoben wurde, oder die um zusätzliche Gewaltdarstellung ergänzt wurden.

In der deutschen Fassung wurde einzig die nationalsozialistische Symbolik entfernt, da die Spielreihe auch in der originalen Fassung auf relativ geringe Gewaltdarstellung setzt, die sich auf unrealistisch gestaltete Blutschwaden bei getroffenen Soldaten beschränkt und vor allem der Trefferbestätigung dient. Allerdings hat gerade dies dazu geführt, dass die Spielreihe ein beliebtes Objekt für "Modder" geworden ist, die die Spiele um zusätzliche Gewaltdarstellung erweitern. So gibt es etwa Modifikationen, die Schussverletzungen, das Zerfetzen von Leibern und gar neue Waffen wie Flammenwerfer hinzufügen, die in das Originalkonzept der Reihe nicht hineinpassen. [1]

In der deutschen sowie einer amerikanischen Version für Teenager wurde die Gewaltdarstellung, die im Original bis zur Zerlegung von Körpern reicht, auf Blutlachen reduziert. Außerdem wurden Kinder durch Obdachlose ersetzt. Folge der Änderungen ist die unlogische Erscheinung, dass man durch das Töten dieser Obdachloser den Status "Kindermörder" erlangen kann. Außerdem sind einige der Nebenquests in der deutschen Fassung nicht lösbar, da ein Gespräch mit einem der entfernten Kinder, für ihre Lösung erforderlich wäre. [2] [3]

In der deutschen Version von Grand Theft Auto 1 und 2 wurden sämtliche Bluteffekte (d.h. Blutlachen und blutfarbene Reifenspuren) entfernt, nur im ersten Teil wurde die Möglichkeit entfernt einen weiblichen Charakter zu spielen (die es im zweiten Teil in keiner Sprachversion mehr gab). In der europäischen Version von Grand Theft Auto 3 und allen darauf aufbauenden Spielen wurden Bluteffekte und die Möglichkeit Menschen zu enthaupten, entfernt, ebenso die Möglichkeit auf liegende oder tote Menschen einzuprügeln/einzutreten. Außerdem verlieren getötete Menschen kein Geld, sodass das Töten unschuldiger Passanten keinen direkten praktischen Nutzen mehr bringt. [4] [5] [6]

In der deutschen Version wurde die gesamte dynamische Darstellung von Blut entfernt, Todesanimationen menschlicher Charaktere wurden durch eine weniger drastische Animation ersetzt (bei der die Charaktere sich sanft und kopfschüttelnd auf den Boden setzen) und die menschlichen Feinde aus der englischen Originalfassung wurden durch Roboter ersetzt. Folge war, dass die freundlichen Charaktere von Soldaten sprachen, die jedoch in der Form nicht auftraten, sodass die Handlung für deutsche Spieler zunächst unnachvollziehbar erscheinen konnte. [7]

In der deutschen Version wurden sämtliche nationalsozialistischen Symbole entfernt.

In der deutschen Version von Soldier of Fortune wurden die Darstellung von Blut und die mögliche Zerlegung von Menschen gänzlich entfernt. Außerdem wurden reale Ortsnamen durch ähnliche klingende fiktive Bezeichnungen ersetzt (New York > New Fork). Im zweiten Teil wurde zudem noch die Geschichte dahingehend umgeschrieben, dass das Spiel in einer Art Androidenwelt angesiedelt ist, wofür u.a. schwach sichtbare Schweißnähte auf den Hauttexturen platziert wurden und beim Treffen des Gegners Metallgeräusche erzeugt werden. [8] [9]

Einzelnachweise

  1. Review von Call of Duty bei schnittberichte.com
  2. Review von Fallout 1 bei schnittberichte.com
  3. Review von Fallout 2 bei schnittberichte.com
  4. Review von Grand Theft Auto bei schnittberichte.com
  5. Review von Grand Theft Auto 2 bei schnittberichte.com
  6. Review von Grand Theft Auto 3 bei schnittberichte.com
  7. Review von Half-Life bei schnittberichte.com
  8. Review von Soldier of Fortune 1 bei schnittberichte.com
  9. Review von Soldier of Fortune 2 bei schnittberichte.com

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