Blün
Farbverlauf

Der Unterschied zwischen grün und blau in der Sprache wird in manchen Sprachen nicht oder nur teilweise wiedergegeben. Zahlreiche Völker tropischer Regionen wie im südlichen Afrika oder auf Papua-Neuguinea verwenden für die Farben Grün und Blau ein einziges Wort.

Inhaltsverzeichnis

Sprachnachweise für Grün zu Blau

Die meisten indogermanischen Sprachen unterscheiden klar zwischen grün und blau. Andere Sprachen dagegen kennen oft nur ein Wort für beide Farben. Manche Sprachen führen die Bezeichnungen auf die Grunderfahrung der üblichen Helligkeit zurück, es werden also gerne Hellgrün und Hellblau als Farbbegriff vereinfachend zusammen gefasst. Entlehnungen aus der Natur, wie die Farbe von Wasser, das in Quellteichen oft dunkel bis schwarz, in Fliessgewässern eher transparent, d. h. hell, und blau ist, sowie in stehenden Gewässern durch Algenbildung meist schnell grünlich wird, oder die Verwendung von Pflanzenfarben zur Herleitung von Grün wurden verwendet.

„Das Farbband des Sonnenspektrums wird in den Sprachen nicht in gleicher Weise aufgegliedert. Anzahl und Geltung der zur Verfügung stehenden Farbwörter sind verschieden (wenn auch in den europäischen Sprachen ein weitgehender Ausgleich eingetreten sein mag)“

Die Grammatik, Duden, S. 446[1]

Im Alt-Griechischen

Das (Alt-)Griechische unterscheidet zum Beispiel sprachlich nicht zwischen der Farbe von Honig und von Gras. Beides war chloros. Vermutlich war das Gras im eher trockenen und heißen Mittelmeerklima Griechenlands nicht lange genug grün, sondern zumeist gelb, wie eben der Honig. Die Grünfärbung von frischem Gras führte jedoch zur Anwendung des Begriffs als Farbbezeichnung für grüne Dinge, wie etwa heute noch auf das Blattgrün, wissenschaftlich Chlorophyll. Eine eigenständige Begriffsprägung für grün in diesem Sprachraum findet sich nicht. Eine spezielle Behandlung von blau oder der blau-grün-Beziehung ist nicht gegeben.

Im Chinesischen

Satelliten-Aufnahme des Qinghai-Sees

Im Chinesischen, vor allem im Altchinesischen, steht chin. , qīng als Oberbegriff für grün, blau, (dunkel-)violett bzw. schwarz. Nach der lokalen Auffassung der damaligen Chinesen war die Farbe des Wassers also eher dunkel bzw. „schwarz“, kein lichtes blau oder grün.

In neuerer Zeit werden insbesondere chin.  / , lán für (indigo-)blau und chin.  / 绿, für grün verwendet. Letzteres wird für den Grünen Tee, chin. 綠茶 / 绿茶, lǜ chá verwendet.

Sowohl das Altchinesische als auch (großteils in dessen Fußstapfen) die neueren Sprachstufen kennen jedoch über diese wenigen, meistgebrauchten Begriffe hinaus aberdutzende von verfeinernden Abstufungen (für Pflanzen-, Erd-, Kristall-, Edelstein-, Feder-, Textil- usw. Farben).

Der See, nach dem die chines. Provinz Qinghai benannt ist, der Qinghaihu (chin. 青海湖, Qīnghǎihú „das grüne/blaue Meer“) wobei chin. , qīng für die eher dunkle Farbe steht (siehe auch Abb.).

Auch unzählige zusammengesetzte Bezeichnungen sind im Gebrauch, so z. B. das Wort chin. 玄青, xuánqīng mit der Bedeutung „tiefschwarz“, wobei chin. , xuán „schwarz“ bedeutet.

Im Koreanischen

Anders verhält es sich im Koreanischen mit der Farbbezeichnung: Im Laufe der Jahrhunderte wurden aufgrund des engen Kontakts Koreas mit China etliche Zeichen eingeführt, die eben gerade grün und blau bezeichnen. So gibt es das Zeichen 绿 - 록색 (gespr.: nok mit geschlossenem "o") oder auch 青 - 푸를 (gespr.: tchong mit offenem "o"), um nur einen Bruchteil zu nennen (s. die chin. Zeichen in "Grün und blau im Japanischen").

Während 绿 eher dunkelgrün bezeichnet und auf Koreanisch heute als 绿色 - 녹색 (gespr.: 'nokssäk ; Bed.: dunkelgrüne Farbe) verwendet wird und sich beispielsweise im Wort für grünen Tee zeigt, meint 青 eher hellgrün oder blau. Dieses Zeichen bezeichnete ursprünglich himmelblau oder azur. Dies zeigt sich zum Beispiel in der Formulierung 푸른 하늘 (gespr. purûn hanûl). Dies bedeutet eigentlich "blauer Himmel", doch ist damit ist meistens ein "klarer, wunderschöner Himmel" gemeint. Ältere Generationen benutzen noch für "hellgrün oder blau" 푸른쌕 (gespr.: purûnssäk), doch jüngere Koreaner benutzen öfters 파랑색 (gespr. 'parangssäk oder 'paranssäk) mit derselben Bedeutung.

Im Zuge des Einflusses westlicher Sprachen, vor allem des Englischen, bzw. Amerikanischen, verwendet die junge Generation selbst 파랑색 fast ausschließlich für blau, um Missverständnisse zu vermeiden, und 草緑色 - 초록색 (gespr.: 'tchorokssäk; sinokoreanisches Wort für "intensives grasgrün") für normales grün, und 녹색 wiederum für Waldgrün/dunkelgrün.

Eine besondere Eigenschaft des Koreanischen ist, dass man durch ein Raster von Veränderungen der ursprünglichen Farbwörter zahlreiche Schattierungen wiedergeben kann. Fast jeder Koreaner kommt somit auf 14 Bezeichnungen und mehr für bspw. gelb oder rot. Noch erstaunlicher ist, dass Koreaner untereinander diese Farben auseinander halten und sie sich vorstellen können, obwohl die Farbempfindung relativ subjektiv und nicht so genau festlegbar ist.

Im Japanischen

Das Japanische hat eine ganze Reihe chinesischer Schriftzeichen importiert, die die Bedeutung von Farben haben. Diese haben, wie viele andere, im Weiteren eine eigene japanische Lesung erhalten.

Hauptsächlich im Gebrauch sind im modernen Japanisch midori (緑, grün) und aoi (青い, Übersetzung s. unten). Das Wort midori kam während der Heian-Zeit in Gebrauch, wurde aber lange Zeit noch als eine Schattierung von aoi betrachtet. Daneben gibt es eine ganze Reihe anderer Wörter im Grün-Blau-Spektrum; dazu gehören aiiro (藍色; indigo, s. chin.), kon (紺; marineblau) und kusairo (草色, grasgrün), sowie die englischen Lehnwörter gurīn (グリーン, green, grün) und burū (ブルー, blue, blau).

Für Europäer verwirrend ist die Verwendung von aoi (青い). Die zentrale Bedeutung ist azur oder „himmelblau“, wie im Ausdruck aozora (青空; „blauer Himmel“). Aoi hat aber eine ganze Palette übertragener Verwendungen, einmal die ganze Farbbandbreite von grün bis blau, aber auch blass im Sinne von „du siehst heute aber blass aus“. Unter anderem wird es auch für die „grüne Ampel“ (aoshingō 青信号) verwendet, wobei in Japan tatsächlich ein blaugrünes Licht zum Einsatz kommt. Dies geschieht auch in vielen anderen Ländern um Menschen mit einer Rot-Grün-Blindheit oder -Sehschwäche die Teilnahme am Straßenverkehr zu erleichtern.

Im Vietnamesischen

Das Vietnamesische hat Wörter für braun, rosa, lila und grau, aber nicht für blau. Im Vietnamesischen ist xanh das Wort für die Farbe des (blauen) Himmels und die grünen Blätter eines Baumes. Um daher die Farben genau benennen zu können werden häufig erweiterte Formen verwendet: xanh lá cây für grün, wobei cây Pflanze bedeutet und daher mit Pflanzenfarbe übersetzt werden kann, sowie xanh da trợi wobei trợi Himmel bedeutet.

In Guaranie

Guaranie, die in Paraguay von vielen Einwohnern gesprochene Sprache verwendet für Blau und Grün das Wort hovy, unterscheidet jedoch zwischen hellen und dunklen Farben. Welche Farbe gemeint ist muss aus dem Kontext erschlossen werden. In der Praxis wird jedoch meistens das Spanische Wort verwendet, um Verwechslungen zu vermeiden.

Im Walisischen und Gälischen

Das Walisische hat andere Wortgrenzen als das Englische. So wird das Wort glas gewöhnlich als “blau” übersetzt. Es kann aber die Farbe des Meeres, von Gras oder von Silber bezeichnen. Die Standardübersetzung für grün ist gwyrdd.

Im Gälischen steht ebenfalls glas sowohl für grün als auch blau bis zu grau, gleichzeitig aber auch für "Gewässer" (ähnlich wie im Walisischen), was die Farbzuordnungen erklären könnte. Weiterhin kann gorm für blau und grau, aber nicht für grün stehen. Schließlich gibt es für grün noch das eindeutige uaine. Die Wortfelder sind hier also stark durchgemischt.

Hellblau und Dunkelblau

Im Polnischen und Russischen gibt es eine ganz andere Besonderheit. Neben der gängigen Unterscheidung zwischen "grün" (pl. zielony) und "blau" (pl. niebieski), gibt es hier eine genauere Unterscheidung zwischen blau (pl. niebieski, ru. goluboj) und dunkelblau (pl. granatowy, ru. sinij).[2] Das Gleiche Phänomen gibt es auch im Italienischen, für das ein lichtes Himmelblau (azzurro) eine völlig andere Grundfarbe ist als ein sattes Dunkelblau (blu).

Erklärungsansätze

Der Farbwahrnehmung und damit der Unterscheidung von Farben stehen für alle Menschen drei Rezeptoren zur Verfügung
Normierte photometrisch gemessene Werte 1983 - nach Bowmaker und Mollon

Manche Forscher nehmen an, dass diese Sprecher die Farben blau und grün auch optisch nicht unterscheiden können. Dies jedoch ist äußerst fragwürdig, da Koreaner oder Vietnamesen problemlos und ohne sich zu wundern neue Wörter für "grün" oder "blau" auf Englisch oder einer anderen Sprache erlernen können, die sie - wenn die Theorie richtig wäre - sonst nicht unterscheiden könnten. Wie schon geklärt, haben etliche solche Sprachen zudem differenzierte Begriffe, mit denen sie die Farbe näher bestimmen können.

Im Folgenden sollen zwei noch nicht als einwandfrei zu bezeichnende Theorien dargestellt werden:

  1. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Farben deshalb nicht unterschieden werden, weil es in der dortigen Sprache keinen Begriff dafür gibt. Der Sapir-Whorf-Hypothese zufolge können Menschen nur das erkennen, was sie auch in ihrer Sprache ausdrücken können. Warum es allerdings in den betreffenden Sprachen dafür keinen Begriff gibt, wird so nicht erklärt. In Übereinstimmung mit dieser These wurde festgestellt, dass Russisch-Sprecher, die ja verschiedene Worte für hell- und dunkelblau haben, verschiedene Abstufungen von blau schneller unterscheiden können als zum Beispiel Englisch-Muttersprachler.[2] Jedoch ist nicht klar, ob diese Unterscheidung wegen der unterschiedlichen Begriffe besser gelingt, oder ob die unterschiedlichen Begriffe existieren, weil die Wahrnehmung derer, die sie benutzen, eine bessere Unterscheidung erlaubt.
  2. Andere Wissenschaftler hingegen argumentieren, dass die UV-Strahlung der tropischen Sonne das Sehorgan in einer Weise schädigt, dass es Blaues nicht mehr klar erkennen kann. Dieser Prozess, der auch in nicht-tropischen Ländern erfolgt, läuft in der tropischen Sonne viel schneller ab und führt relativ früh zu einem reduzierten Blau-Sehen. Manche Völker verwenden daher auch für die Farbe Blau das Wort "dunkel". Zwei Vertreter dieser Theorie, Delwin Lindsey und Angela Brown von der Ohio State University, behaupten jedoch, nicht alle Benutzer einer Sprache mit einer "blün"-Vokabel hätten getrübte Linsen. Sobald aber auch nur ein Teil der Bevölkerung betroffen ist, ergibt es für die anderen keinen Sinn mehr, ein Wort wie "blau" zu verwenden. Sie wollen schließlich verstanden werden. Wenn nur jeder vierte Blau nicht wahrnehmen kann, weiß schon bei fast jedem zweiten Zwiegespräch mindestens einer nicht, was gemeint ist.[3]

Farbaufteilungen

Das kontinuierliche Lichtspektrum ist nicht die Grundlage der Farbwahrnehmung. Das Feld der wahrgenommenen Farben ist nicht unbedingt in einem Farbkreis erfassbar. Mindestens die Vielzahl der aufgehellten und abgedunkelten Buntvarianten sind mit den Spektralfarben nicht erfasst. Der Himmel etwa kann je nach Jahres- und Tageszeit von einem Hell (=Weiß) über Gewittergrau bis zum Strahlendblau und allen Orange- und Lilatönen zum Abendrot hin erscheinen. Somit wird die Farbbezeichnung in jeder Sprache ursprünglich in eine endliche Menge von Farben mit sprachtypischen Bedeutungen unterteilt. Das „Zusammenfassen“ von „spektral benachbarten Farben“ Blau und Grün erscheint somit nur dem ungewohnt, der diese Farbkreis-Einteilung aus seinem Kulturkreis kennt. Dies ist aber nicht mit pathologischen Eigenschaften zu erklären.

Literatur

  • Brent Berlin, Paul Kay: Basic color terms : their universality and evolution. Neuauflage. CLSI Publ., Stanford (Calif.) 1999, ISBN 1-57586-162-3
  • Paul Kay: Methodological issues in cross-language color naming. In: Language, culture, and society. : key topics in linguistic anthropology- Univ. Press, Cambridge 2006, S. 115-134, ISBN 0-521-84941-1
  • Paul Kay: Color Naming in Human Languages. Univ. of Chicago Press, Juli 2007, ISBN 1-57586-325-1

Einzelnachweise

  1. Farben im Webdesign
  2. a b news @ nature: Seeing the blues - Having different words for light and dark blue may change how you see them.
  3. Die Zeit: Der blüne Ozean - Viele Völker in den Tropen haben für „blau“ und grün“ nur ein Wort.

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  • blun´der|er — blun|der «BLUHN duhr», noun, verb. –n. a stupid or careless mistake; bungle: »Misspelling the title of a book is a silly blunder to make in a book report. ╂[< verb] –v.i. 1. to make a stupid or careless mistake: »Someone blundered in sending… …   Useful english dictionary

  • blun|der — «BLUHN duhr», noun, verb. –n. a stupid or careless mistake; bungle: »Misspelling the title of a book is a silly blunder to make in a book report. ╂[< verb] –v.i. 1. to make a stupid or careless mistake: »Someone blundered in sending you to the …   Useful english dictionary

  • blun|der|buss — «BLUHN duhr buhs», noun. 1. a short gun with a wide muzzle and large bore, formerly used to shoot balls or slugs a very short distance without exact aim. 2. a person who blunders, especially habitually. ╂[alteration of Dutch donderbus < donder …   Useful english dictionary

  • blun|der|head — «BLUHN duhr HEHD», noun. a blundering, stupid person …   Useful english dictionary

  • blun·der·buss — …   Useful english dictionary

  • blunder — blun•der [[t]ˈblʌn dər[/t]] n. 1) a gross, stupid, or careless mistake 2) to move or act clumsily, stupidly, or seemingly without guidance: We blundered into the wrong room[/ex] 3) to make a mistake, esp. through carelessness, stupidity, or… …   From formal English to slang

  • Blunden — /blun deuhn/, n. Edmund, 1896 1974, English poet. * * * …   Universalium

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