Blüten im Staub
Filmdaten
Deutscher Titel Blüten im Staub
Originaltitel Blossoms in the Dust
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1941
Länge 99 Minuten
Stab
Regie Mervyn LeRoy
Drehbuch Anita Loos,
Hugo Butler,
Dorothy Yost, nach einer Geschichte von Ralph Wheelwright
Produktion Irving Asher,
Mervyn LeRoy
Musik Herbert Stothart
Kamera Karl Freund,
W. Howard Greene
Schnitt George Boemler
Besetzung

Blüten im Staub (Original: Blossoms in the Dust) ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Mervyn LeRoy mit Greer Garson und Walter Pidgeon aus dem Jahr 1941. Der Film erzählt die wahre Lebensgeschichte von Edna Gladney (1886–1961), die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für die Rechte von Waisenkindern in den Vereinigten Staaten eingesetzt hat.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

In Wisconsin des Jahres 1903 bereitet die wohlhabende Familie Kahly eine Feier anlässlich der Verlobungen ihrer beiden Töchter Edna und Charlotte vor. Als erstere nach Hause kommt, erzählt sie ihrer Schwester, dass ein Mann ihr auf freche Art und Weise einen Heiratsantrag gemacht habe. Als ebendieser Mann, der Texaner Sam Gladney, auf der Verlobungsfeier erscheint, ist Edna empört. Wie sich herausstellt, ist Sam ein Angestellter in der Bank ihres Vaters und immer noch entschlossen, sie zum Altar zu führen, obwohl sie mit einem anderen verlobt ist. In seiner Heimat Texas will er demnächst eine Getreidemühle eröffnen. Doch nach seiner Rückkehr im nächsten Jahr wird er Edna heiraten. Davon ist er überzeugt. Seine selbstbewusste Art beginnt, sie zu faszinieren. In den darauffolgenden Monaten schreiben sie sich zahlreiche Briefe und sie kommen sich schließlich näher.

Am Tag, an dem Sam von seinen geschäftlichen Verpflichtungen aus Texas zurückkehrt, geben die Eltern von Charlottes Verlobten, Mr. und Mrs. Keats, den Kahlys zu verstehen, dass ihr Sohn Allan Charlotte keinesfalls heiraten kann. Sie haben herausgefunden, dass Charlotte als namenloser Findling von den Kahlys einst adoptiert wurde. Obwohl Allan ihr schwört, er werde sie dennoch heiraten, ist Charlotte wie paralysiert, denn sie wusste nicht, dass sie ein illegitimes Adoptivkind ist. Während Edna und Sam sich über ihr Wiedersehen freuen, geht Charlotte auf ihr Zimmer und erschießt sich.

Zwei Jahre vergehen und Edna, die inzwischen nach Texas gezogen ist und Sam geheiratet hat, bringt einen gesunden Sohn zur Welt. Die Gladneys führen daraufhin ein glückliches Familienleben. Doch nur ein paar Jahre später trifft Edna der nächste Schicksalsschlag. Zu Weihnachten kommt ihr Sohn Sammy bei einem Unfall ums Leben. Edna ist untröstlich über diesen Verlust, auch da sie von Dr. Max Breslar erfahren hat, dass sie keine weiteren Kinder mehr bekommen kann. In der Folgezeit versucht sie ihren Kummer als Gastgeberin von Gesellschaften zu verdrängen. Sam und Dr. Breslar überzeugen sie jedoch, dass sie ihre Liebe und Aufmerksamkeit auch anderen Kindern schenken kann.

Daraufhin richten Edna und Sam in ihrem großen Haus eine Kindertagesstätte für die Kinder von berufstätigen Frauen ein. Sie finanzieren dieses Projekt mit ihrem eigenen Vermögen. Doch als die Preise für Weizen sinken, geht Sams Unternehmen bankrott und er verliert seine Mühle. Die Gladneys sehen sich nun gezwungen, ihr Anwesen zu verkaufen und in eine bescheidene Bleibe nach Fort Worth umzuziehen. Dort übernimmt Sam einen Job in einer kleinen Mühle und versucht in seiner Freizeit, eine neue Methode zur Verarbeitung von Weizen zu entwickeln. Nachdem Edna sein neues Verfahren bei einem Notar patentieren lässt, wird sie Zeugin, wie in einem Gerichtssaal Waisenkinder wie Vieh an kinderlose Paare verteilt werden. Illegitime Kinder werden jedoch aus Vorurteilen gegenüber ihrer Herkunft von den Paaren abgelehnt. Edna ist über diese Ungerechtigkeit erschüttert, sodass sie sich entschließt, zwei der Kinder mit nach Hause zu nehmen, um für sie zu sorgen und doch noch Adoptiveltern für sie zu finden.

Trotz geringer Ersparnisse gründet Edna ein Kinderheim und versucht mit Hilfe von Dr. Breslar, geeignete Eltern für ihre Schützlinge zu finden. Als Mrs. Gilworth, die Frau eines einflussreichen Stadtratmitglieds, ein Kind adoptieren möchte und sich von Edna und Dr. Breslar nicht standesgemäß behandelt fühlt, sorgt sie dafür, dass das Kinderheim geschlossen wird. Am Tag, als Edna ihr Heim verliert, erleidet Sam bei seiner Arbeit einen Schwächeanfall und stirbt anschließend in den Armen seiner Frau. Ermutigt durch Sams letzte Worte, ihren Kampf für die Waisenkinder fortzusetzen, reist Edna durch ganz Texas, um Geld für ein neues Heim zu sammeln. Dabei ist sie so erfolgreich, dass sie schon bald eine große neue Bleibe für die Waisenkinder eröffnen kann.

Im Laufe der Jahre findet Edna für viele ihrer Kinder ein neues Zuhause. Eines Tages erscheint eine junge Frau mit einer Spende von 700 Dollar in ihrem Büro, nachdem diese herausgefunden hatte, dass sie als Kind adoptiert worden war. Edna ahnt, dass sich die Frau in einer ähnlichen Situation wie Charlotte einst befindet und sich aus denselben Gründen umbringen will. Edna macht der Verzweifelten wieder Hoffnung und ist nun entschlossen, das texanische Gesetz zu verändern, um das Wort „illegitim“ aus den Geburtsurkunden zu streichen. Vor dem texanischen Parlament hält sie eine glühende Rede für die Rechte von Kindern, die durch das Wort „illegitim“ für ihr gesamtes Leben gebrandmarkt werden. Da es ihr gelingt, die Politiker von ihrem Anliegen zu überzeugen, wird das Gesetz schließlich geändert.

Zu Weihnachten des gleichen Jahres soll ein kleiner Junge namens Tony an ein kinderloses Ehepaar übergeben werden. Tony, den Edna bereits als Baby zu sich genommen hat, ist ihr besonders ans Herz gewachsen. Er ist für sie wie ein eigener Sohn, weshalb sie ihn nicht hergeben will und sogar bereit ist, das Kinderheim aufzugeben, um sich ausschließlich um Tony kümmern zu können. Doch als ein Polizeibeamter zwei neue Waisenkinder vorbeibringt, sieht sie ein, dass sie gebraucht wird. Sie übergibt Tony schweren Herzens seinen neuen Eltern und widmet sich nun den Neuankömmlingen.

Hintergrund

Vorgeschichte

1940 wollte Ralph Wheelwright, ein Angestellter von MGM, mit seiner Frau ein Kind adoptieren. Auf der Suche nach einer geeigneten Vermittlung trafen sie in Fort Worth, Texas, auf Edna Gladney und ihre Stiftung für Waisenkinder namens Texas Children’s Home and Aid Society, die ihnen schließlich ein Kind vermitteln konnte. Inspiriert durch Gladneys selbstlose Arbeit für Waisenkinder, schrieb Wheelwright daraufhin ein Manuskript über ihr Leben und übergab es MGM-Chef Louis B. Mayer. Dieser gab Wheelwright 10.000 Dollar für die Filmrechte, ließ der Texas Children’s Home and Aid Society einen Scheck von 5.000 Dollar zukommen und lud Edna Gladney nach Hollywood ein, damit sie historische Details ihrer Biografie der Filmhandlung beisteuern konnte.[1] Des Weiteren wurde ihr ein Mitspracherecht bei der Besetzung gewährt. Drehbuchautorin Anita Loos wurde daraufhin beauftragt, das Manuskript in ein geeignetes Drehbuch umzuschreiben. Anfangs fiel es ihr jedoch schwer, eine dramaturgisch sinnvolle Handlung zu gestalten: „Es war eine schwierige Aufgabe. [...] Mehrmals konzentrierte ich mich auf nur einen Handlungsstrang; arbeitete mich voller Vorfreude voran, bis das Ganze beim Höhepunkt auseinanderfiel.“[2] Loos entschied sich schließlich, die Geschichte darauf aufzubauen, dass Gladney überzeugt war, dass kein noch so schönes Waisenhaus ein Ersatz für ein richtiges Zuhause sein konnte. Loos erfand zudem die Figur des kleinen Tony, der Gladney besonders ans Herz wächst, um das Publikum auf emotionaler Ebene stärker an seine Hauptfigur zu binden.

Besetzung

Greer Garson wollte zunächst nicht die Hauptrolle übernehmen, weil sie bereits in Auf Wiedersehen Mr. Chips 1939 eine ähnliche Rolle übernommen hatte und lieber ihre Vielseitigkeit als Schauspielerin beweisen wollte. Doch als Produzent Irving Asher ihr mitteilte, dass Edna Gladney den persönlichen Wunsch äußerte, dass Garson sie spielte, sagte diese doch noch zu. „Ich fühlte mich so geschmeichelt, ich war sprachlos“, erinnerte sich Garson später.[3]

Für die Rolle des kleinen Jungen Tony konnte MGM lange Zeit keinen geeigneten Kinderstar finden, der die vielen Dialogzeilen überzeugend sprechen konnte. Nach einer Reihe von Tests entschied sich Regisseur Mervyn LeRoy für Pat Barker. Erst später wurde bekannt, dass es sich bei dem vierjährigen Kind nicht um einen Jungen, sondern um ein Mädchen namens Patricia handelte. Als LeRoy hörte, dass die Presse dahintergekommen war, sagte er lediglich: „Sie sah aus wie ein Junge, nachdem wir ihr das Haar ein bisschen gestutzt hatten.“[4]

Anmerkungen

  • Blüten im Staub war MGMs fünfter Film, der komplett in Technicolor gedreht wurde.
  • Der Film war der erste von acht gemeinsamen Filmen von Greer Garson und Walter Pidgeon.
  • Bei einer Tanzszene fiel es Pidgeon schwer, die Choreografie einzuhalten, sodass Regisseur LeRoy eine Plattform mit Rollen anfertigen ließ, auf der Pidgeon dann zusammen mit Garson vor der Kamera umhergedreht wurde.
  • Regisseur LeRoy erinnerte sich später, dass durch die große Anzahl von Kindern am Set die Filmcrew begann, den Film Bugs in the Mud (zu dt.: Käfer im Dreck) statt Blossoms in the Dust (Blüten im Staub) zu nennen.
  • Obwohl die Handlung des Films viele Jahre umspannt, wird Garson optisch nicht älter.
  • Im Vorspann des Films wird ausdrücklich erwähnt, dass außer Edna und Sam Gladney alle anderen Figuren des Films fiktiv sind.

Rezeption

Am 26. Juni 1941 feierte Blüten im Staub seine Uraufführung in New Yorks Radio City Music Hall. Bei Produktionskosten von 1.110.983 Dollar und einem weltweiten Einspielergebnis von 2.658.000 Dollar erwies sich der Film als bemerkenswerter Erfolg für MGM.[5] Bei der Premiere in Fort Worth am 18. Juli 1941 saß auch Edna Gladney im Publikum. Sie lobte den Film mit den Worten: „Alles war ganz wundervoll. Ich bin so glücklich und zufrieden.“[6] Der Film wurde in vier Kategorien für den Oscar nominiert, konnte die Auszeichnung jedoch nur für Cedric Gibbons üppige Ausstattung gewinnen. Aufgrund des Erfolgs von Blüten im Staub wiederholten Garson und Pidgeon ihre Rollen am 16. Februar 1942 in einer Hörspielversion des Films für Cecil B. DeMilles Lux Radio Theatre.

Kritiken

„Der gefühlsbeladene, aber darstellerisch und fotografisch hervorragende Film schildert Edna Gladneys Kampf gegen die gesellschaftlichen Vorurteile.“

Lexikon des internationalen Films[7]

Blüten im Staub ist eine sehenswürdige Produktion […], aber der Film schafft es nicht zu beeindrucken. Es treten fast schon zu viele Kinder auf, denen sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das Resultat ist sentimental und zuckersüß.“

Variety[8]

„Miss Garson ist ein Bild von einer Schönheit, mit ihrem roten Haar, das so herrlich ihr ausdrucksstarkes Gesicht umrahmt, und sie vermittelt im Film überzeugend Aufrichtigkeit und Einfühlungsvermögen. Walter Pidgeon spielt ihren Ehemann im Stil eines wahren Kavaliers und Marsha Hunt tut sich gut in ihrer kleinen Rolle als ‚Schwester‘. Die umfangreiche Besetzung mit Nebendarstellern ist einheitlich exzellent. […] Blüten im Staub wird viele Herzen berühren.“

Bosley Crowther, The New York Times[9]

„Greer Garson ist in der Rolle der Edna Gladney die personifizierte Würde und Integrität.“

Hal Erickson, All Movie Guide[10]

Auszeichnungen

Oscar

Gewonnen:

Nominiert:

Einzelnachweise

  1. Michael Troyan: A Rose for Mrs. Miniver. The Life of Greer Garson. The University Press of Kentucky, 1999, S. 111
  2. "It was a tough assignment. [...] Several times I hit on a story line; followed it through with elation until, at the climax, the whole thing fell apart.", Michael Troyan: A Rose for Mrs. Miniver. The Life of Greer Garson. The University Press of Kentucky, 1999, S. 111
  3. "I was so flattered, I was speechless.", Michael Troyan: A Rose for Mrs. Miniver. The Life of Greer Garson. The University Press of Kentucky, 1999, S. 111
  4. "She looked like a boy after we trimmed her hair a little bit.", Michael Troyan: A Rose for Mrs. Miniver. The Life of Greer Garson. The University Press of Kentucky, 1999, S. 114
  5. Michael Troyan: A Rose for Mrs. Miniver. The Life of Greer Garson. The University Press of Kentucky, 1999, S. 118
  6. "It was all very wonderful. I am so happy and satisfied.", Michael Troyan: A Rose for Mrs. Miniver. The Life of Greer Garson. The University Press of Kentucky, 1999, S. 118
  7. Lexikon des internationalen Films
  8. "Blossoms in the Dust is a worthy production […], but the picture fails to impress as being big. There are almost too many kids, with much attention paid to them. Result is a sentimentally sugary flavor.", Variety
  9. "Miss Garson is a vision of loveliness, with her red hair delicately framing her expressive face, and conveys through the picture a conviction of sincerity and sensitivity. Walter Pidgeon plays her husband in the true manner of an adoring gallant, and Marsha Hunt does well in the brief role of the 'sister'. A large cast of supporting actors is uniformly excellent. […] Blossoms in the Dust should reach a great many hearts.", New York Times
  10. "Greer Garson is dignity and integrity personified in the role of the real-life Edna Gladney.", All Movie Guide

Weblinks


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