Boards

Ein Internetforum (lat. forum, Marktplatz), auch Diskussionsforum, ist ein virtueller Platz zum Austausch und Archivierung von Gedanken, Meinungen und Erfahrungen. Die Kommunikation findet dabei asynchron, das heißt nicht in Echtzeit, statt. Englische Bezeichnungen dafür sind internet forum und webboard.

Inhaltsverzeichnis

Funktionsweise

Üblicherweise besitzt ein Internetforum ein bestimmtes Thema bzw. ist nach Themen und Unterthemen in einzelne Unterforen unterteilt. Es können Diskussionsbeiträge (Postings) hinterlassen werden, welche die Interessierten lesen und beantworten können. Mehrere Beiträge zum selben Thema werden wie im Usenet zusammenfassend als Thread (Faden) oder Thema (Topic) bezeichnet. Mit dem Eröffnen eines neuen Threads kann ein neues Thema zur Diskussion gestellt werden.

Im Internet besonders beliebt sind Hilfe-Foren, in denen Benutzer Ratschläge zu einem bestimmten Thema erhalten können. So wird eine Hilfestellung angeboten, die bei speziellen Problemen und nur wenigen anderen Informationsquellen die einzige Hilfe sein kann. Hilfreich sind Benutzer-Foren z.B. auch für Hardware- und insbesondere Software-Hersteller, weil diese durch Benutzer- bzw. Anwenderbeiträge schnell und weiträumig über Mängel ihrer Produkte – bei Software über sogenannte Bugs (Programmierfehler) – informiert werden und reagieren können. In einigen Foren werden auch aktuelle Themen aus Politik oder Weltgeschehen diskutiert.

Unerwünscht ist zumeist das Crossposting, welches das gleichzeitige Einstellen von Beiträgen in einer Vielzahl von Foren bezeichnet.

Anbieter

Während ein Großteil der Internetforen kostenlos ist und quasi von Amateuren betrieben wird, die mit der Teilnahme am Forenbetrieb keine kommerziellen Interessen verfolgen, gibt es natürlich auch von Produkt-Herstellern betriebene sogenannte Support-Foren, die Hersteller einrichten, damit sich die Nutzer ihrer Produkte „selbst helfen“, oder damit der Hersteller direktes Feedback von den Nutzern bekommen kann. Bei diesen Foren ist es jedoch leider manchmal der Fall, dass Berichte von unangenehmen Erfahrungen (etwa von Bugs) unterdrückt oder insbesondere von Moderatoren verniedlicht und/oder gelöscht werden, oder dass zum Beispiel die Nennung von Konkurrenzprodukten verboten wird etc. Eine weitere Art von Internet-Foren sind kommerzielle, aber kostenlose Bewertungs-Communities für Filme, Produkte, Dienstleistungen usw., zum Beispiel Ciao, Idealo oder Dooyoo.

Häufig sind auch (Hersteller-) unabhängige Foren zu herstellerspezifischen Produkten/Programmen, für die der Hersteller-Support nicht vorhanden, mangelhaft oder zu teuer (Stichwort: Hotlines) ist. In der Entwicklung solcher unabhängiger Internet-Beratungs-Strukturen für alle denkbaren Produkte und Probleme steckt ein gewisses Potential für die Entwicklung von die Verbraucherrechte und die Macht der Verbraucher stärkende, von den Vertretern der jeweiligen Wirtschaftssparte unabhängige Strukturen, durch die sich Verbraucher organisieren und artikulieren können.

Durch die relativ leicht zu handhabende Forensoftware wird es Websitebetreibern heutzutage recht leicht gemacht, eigene Foren einzurichten und zu betreiben. Wobei es besonders in jüngster Zeit zu Rechtsstreitigkeiten kam, welche die Kontrollpflicht der Forenbetreiber bezüglich der Postings und Avatare der User und deren Legalität betreffen.

Mit der Entwicklung des Internets sind Diskussionsforen zu wichtigen Kommunikationsmitteln geworden, die dem wissenschaftlichen Austausch, aber vor allem auch der Unterhaltung dienen. Es hat sich im Laufe der Zeit eine Diskussionskultur heraus gebildet, die spontan entwickelte Normen und Regelwerke beinhaltet, welche sich beständig verändern.

Arten von Internetforen

Es gibt in der Kommunikation im Internet verschiedene technische Ansätze zur Realisierung eines Internetforums. Die Palette reicht dabei von dem Urvater aller Internetforen, dem Usenet, über den Austausch von E-Mails über einen speziellen Forenserver (Mailinglisten) bis hin zu den modernen Webforen im World Wide Web. Auch die Wikipedia ist eine Art Internetforum.

Usenet

Hauptartikel: Usenet

Das Usenet basiert auf einem dezentralen System von Servern, an die man Nachrichten (Postings) schicken kann, die dann in einer Newsgroup für alle Abonnenten dieser zur Verfügung stehen.

Mailinglisten

Hauptartikel: Mailingliste

Mailinglisten funktionieren ähnlich wie das Usenet. Man schreibt sich mit seiner E-Mail-Adresse bei einem Server in eine Mailinglist und kann anschließend an diese Nachrichten schicken. Nachrichten, die an die Mailinglist geschickt werden, werden an alle, die in der Liste eingeschrieben sind, weitergeleitet.

Telnet-Forum

Vor der starken Verbreitung des World Wide Web gab es zahlreiche Telnet-Foren, von denen auch einige heute noch existieren. Diese sind aufgrund des verwendeten Protokolls rein textbasiert.

Webforum

Ein Webforum ist ein Internetforum auf einer Website, also Teil des World Wide Web. Webforen haben die meisten anderen Formen der Internetforen weitgehend zurückgedrängt. Im Gegensatz zum offenen Usenet setzen die meisten Webforen eine Registrierung voraus wodurch die Mitglieder eine Online-Community bilden. Viele Foren bieten registrierten Benutzern die Möglichkeit, Fäden zu „abonnieren“, das heißt sich per E-Mail benachrichtigen zu lassen, wenn dort ein neuer Beitrag verfasst wurde. Weitere Funktionen, die viele Webforen anbieten, sind Kalender mit den Geburtstagen der Mitglieder, Bewertungssysteme der Mitglieder, Signaturen, Einbindung von Multimedia-Elementen oder kleine Benutzerbilder (Avatare). Durch diese Mittel zur Identitätsbildung der Benutzer entsteht ein hoher Grad der Identifizierung mit dem Internet-Forum.

Forum und Board

Nach ihrer Strukturierung der Beiträge lassen sich Foren in zwei Typen unterscheiden [1]: „Klassische“ Foren und (Bulletin) Boards.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Foren und Boards

Gemeinsam ist Foren und Boards, dass sie eine Hauptseite besitzen, auf der man eine Übersicht über die Themen im Forum/Board sieht, und auf der Nutzer neue Diskussionsstränge (auch Threads oder Themen genannt) anlegen können.

Der erste Hauptunterschied besteht darin, dass auf der Übersichtsseite eines Boards jeweils nur der Titel der ersten Postings eines Diskussionsstrangs angezeigt wird, während in einem Forum meist der gesamte Diskussionsstrang in „aufgeklappter“ Form dargestellt wird.

Der zweite Hauptunterschied besteht darin, dass die einzelnen Beiträge in einem Diskussionsstrang/Thema in einem Board rein chronologisch geordnet sind, während Diskussionsstränge in einem Forum sowohl chronologisch als auch vom Bezug her sortiert sind, so dass man Antworten den Beiträgen zuordnen kann, auf die sie erfolgt sind.

Ein weiterer häufiger Unterschied ist, dass viele Boards viel beachtete Themen auf ihrer Übersichtsseite weiter oben platzieren, während in Foren die Übersichtsseite meist in chronologischer Reihenfolge der Erstpostings der verschiedenen Stränge sortiert sind.

Vor- und Nachteile des klassischen Webforums

Die klassischen Foren stellen die Beziehungen zwischen den Beiträgen innerhalb eines Themas in Form eines Baums dar. Es entsteht eine hierarchische Struktur, durch die man erkennt, welcher Beitrag als Antwort auf welchen anderen Beitrag erstellt wurde. Jeder Diskussionsbeitrag wird auf einer eigenen Seite geladen. [1] Die Threads selbst sind jedoch chronologisch nach ihrem Erstellungsdatum, also linear, sortiert.

Viele Nutzer, gerade aus der IT, empfinden die Baumstruktur und die direkte Zugreifbarkeit und Zuordnebarkeit der Beiträge in einem Forum als sehr angenehm. Eine Hilfssyntax um einen Bezug zu einem Vorgängerbeitrag herzustellen wie in Boards (@Teilnehmer XYZ, …) ist unnötig, der Verlauf einer Diskussion bleibt immer erkennbar. Auch die Tatsache, dass die Übersichtsseite stets gleich sortiert bleibt, wird als Vorteil gesehen.

Vor- und Nachteile der (Bulletin) Boards

Ein Bulletin Board listet alle Themen auf seiner Übersichtsseite mit dem Titel des ersten Beitrags des Themas. Alle Postings eines Themas werden dann auf einer Seite chronologisch geordnet dargestellt („flache“ Beitragsstruktur). Nach einer einstellbaren Anzahl von Beiträgen wird das Thema auf eine Folgeseite umbrochen. Der Vorteil der „flachen“ Struktur ist eine niedrigere Abrufzeit. Nachteilig ist die schlechte Übersichtlichkeit bei umfangreichen Themen, wenn sich verschiedene Diskussionen zu einem Thema entwickeln und nicht sofort ersichtlich ist, auf welchen Beitrag ein Diskussionsteilnehmer antwortet.

Viele Nutzer betrachten die Sortierung der Übersichtsseite nach Aktivität als Vorteil. Durch diese Sortierung werden Themen von erhöhtem Interesse und Beteiligung an höchste Position gerückt.

Häufig wird der Begriff Board auch dafür verwendet, um Diskussionsplattformen mit einer (thematisch und zahlenmäßig) breiten Zahl an themenspezifischen Foren zu benennen.[1]

Boards vs. Foren

Webforen mit linearer, aktivitätsorientierter Darstellung – also Bulletin Boards – haben die klassischen Foren mit Baum-Struktur weitestgehend verdrängt.

Nach Meinung eines Teils der Web-Nutzer ist dies auf die Sortiertheit der Themen und auf die Communitybildung durch die Mitgliedschaft zurückzuführen.

Nach Meinung anderer Web-Nutzer sind baum-strukturierte Foren technisch überlegen; die Verdrängung der klassischen baum-strukturieren Foren durch Boards ist ihrer Ansicht nach primär darauf zurückzuführen, dass günstige Webhosting-Tarife meist nur ein Board anbieten und baum-strukturierte Foren seltener angeboten werden. Auch die Vermutung, dass Menschen ohne IT-Hintergrund Baumstrukturen schwer begreiflich finden, ist verbreitet.

Hybrid-Systeme

Es existieren auch Hybrid-Boards/Foren. Das Forensystem von Selfhtml zum Beispiel ist weitgehend konfigurierbar und kann in Bezug auf Sortierung und Darstellung quasi stufenlos – und für jeden Nutzer individuell – zwischen Board und Forum eingerichtet werden.

Webforensoftware

Bekannte Software für Webforen sind unter anderem:

Moderation

Wie beim Wiki und anderen öffentlichen, kollaborativen Systemen bereiten Benutzer Probleme, die nicht den Regeln der Netiquette folgen. Sie fallen z.B. durch Schreiben von unpassenden Beiträgen, die nur Speicherplatz verbrauchen (Spam), oder auch durch Beleidigungen gegen andere Mitglieder auf. In klassischen Foren, in denen auch nicht registrierte Benutzer Beiträge verfassen dürfen, besteht die Gefahr von irreführenden Meldungen wie auch von rein provokativen Beiträgen, sogenanntem Trollen.

Das Problem hierbei stellt die Anonymität der digitalen Gesprächsführung dar sowie der daraus folgende Mangel an Konsequenzen bei sozialem Fehlverhalten: In einem direkten Gespräch hindern uns moralische, gesellschaftliche und persönliche Interessen und Prägung daran, gedachte Äußerungen und Meinungen auch tatsächlich auszusprechen - nicht zuletzt auch aus Angst vor der möglichen Reaktion.

Konfigurierbare Privilegien der Benutzer sind zur administrativen Organisation und zum Führen der Diskussion abhängig von der Größe des Boards nützlich oder praktisch notwendig. Zwei häufig eingerichtete Benutzergruppen, die sich durch ihre typischen Privilegien auszeichnen, werden als 'Moderatoren' und 'Administratoren' bezeichnet.

Moderatoren können in die Diskussion eingreifen und haben das Recht, Beiträge zu löschen oder zu editieren sowie Benutzer zu sperren. Oft können sie außerdem Diskussionen schließen oder sperren, d.h. das Hinzufügen weiterer Diskussionsbeiträge zu einem Thema verhindern, oder Diskussionen, die von Forennutzern in einer falschen Kategorie platziert wurden, verschieben. Moderatoren sind meist engagierte Benutzer, die mit dem Betreiber des Forums nicht notwendigerweise etwas zu tun haben. Im Gegensatz zu einem Administrator können sie in der Regel keine Einstellungen der Forensoftware ändern und haben keinen Zugang zur technischen Plattform der Website, sondern bedienen die Funktionalitäten der Forensoftware.

Moderierte und unmoderierte Foren

Um den Unterschied zwischen beiden Betriebsarten zu verdeutlichen, hier eine Definition:

Ein moderiertes Forum arbeitet nach dem System, dass Beiträge seitens der User zwar gespeichert, aber nicht sofort veröffentlicht werden. Sie müssen erst von der Boardadministration / Moderation freigeschaltet werden.

Im nicht moderierten Betrieb arbeiten Foren in Echtzeit, sodass Beiträge direkt nach dem Posten zu lesen sind. Je nach Forensoftware kann der User den Beitrag nicht mehr ändern oder gar löschen. Gerade im Internet gilt der Grundsatz: "Wer schreibt, der bleibt!"

Haftung

siehe auch Hauptartikel: Forenhaftung

In den meisten Ländern hat sich die Rechtsauffassung durchgesetzt, dass neben den Autoren von Beiträgen auch die Betreiber von Internetforen für Inhalte haftbar gemacht werden können, sofern diese von den Inhalten Kenntnis haben. Da es weder in Deutschland noch in den meisten anderen Ländern eine allgemeine Vorabprüfungspflicht gibt, tritt die Kenntniserlangung im Zweifelsfall spätestens erst mit einer Beschwerde ein. Als Frist, innerhalb derer der Forenbetreiber reagieren muss um nicht haftbar zu werden, hat sich ein Zeitraum von 24 Stunden etabliert.

Literatur

  • Rainer Kuhlen: Die Mondlandung des Internet: Die Bundestagswahl 1998 in den elektronischen Kommunikationsforen. Unter Mitarbeit von Oliver Bendel, Konstanz 1998, ISBN 3-896699-11-3
  • Michael Ebner: Internetforen ISBN 3837046729

Siehe auch


Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Hintergrundartikel zu Aufbau und Unterscheidung von Foren und Boards von Stefan Münz

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • boards — oards n. 1. the boarding that surrounds an ice hockey rink. [WordNet 1.5] 2. the stage; as, to walk the boards, i.e. to act on stage. [PJC] 3. board examinations (in a profession, as in medicine); an informal contraction; as, to take the boards; …   The Collaborative International Dictionary of English

  • boards — n. (esp. AE) qualifying examination 1) to pass; take one s boards 2) college; state boards * * * state boards take one s boards (esp. AE) [ qualifying examination ] to pass college …   Combinatory dictionary

  • Boards — Recorded in many spelling forms including Board, Boards, Boardman, Border, Boord, Borde, Laborde, Bordes, Bordas, Bordis, Bourdel, and many others, this is a surname which may be either of Olde English or French origins. If the former it derives… …   Surnames reference

  • boards — noun 1. the stage of a theater most actors love to stride the boards • Usage Domain: ↑plural, ↑plural form • Hypernyms: ↑theater stage, ↑theatre stage 2. the boarding that surrounds an ice hockey rink …   Useful english dictionary

  • boards — noun a) A stage (as in a theater). His new novel just came out in boards. The paperback will follow in about a year. b) Structure around a rink for ice hockey …   Wiktionary

  • boards — Synonyms and related words: Broadway, L, R, acting area, apron, apron stage, backstage, band shell, bandstand, board, bridge, burlesque, carnival, circus, coulisse, dock, drama, dressing room, entertainment industry, flies, fly floor, fly gallery …   Moby Thesaurus

  • boards — skydeliai statusas T sritis Kūno kultūra ir sportas apibrėžtis Medinės 15–20 cm aukščio plokštės, statomos iš abiejų ledo riedulio aikštės šonų rieduliui sulaikyti. atitikmenys: angl. boards vok. Bande, f rus. бортики …   Sporto terminų žodynas

  • boards — North Country (Newcastle) Words the principal excavations in a coal mine, made at right angles to the winning head ways …   English dialects glossary

  • boards — book covers …   Eponyms, nicknames, and geographical games

  • boards — bɔːd n. plank, slab; management committee; printed circuit board which connects to a slot in a computer (Computers); food v. cover with planks; get on, go aboard (train, etc.); accommodate, house; be accommodated, be housed …   English contemporary dictionary

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