Bob Dorough
Bob Dorough

Bob Dorough (* 12. Dezember 1923 in Cherry Hill, Arkansas) ist ein US-amerikanischer Jazzsänger, Komponist und Pianist.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Dorough wurde im Bundesstaat Arkansas geboren, wuchs aber in Texas auf. Während des Zweiten Weltkrieges spielte er in einer Army Band; danach studierte er an der North Texas State University Komposition und Klavierspiel. Um 1950 ging er nach New York und spielte am Times Square in einem Stepptanzstudio Klavier, wo er den Boxer Sugar Ray Robinson kennenlernte, der vorübergehend aus dem Boxgeschäft ausgestiegen war und an einer Tanzrevue arbeitete. Dorough wurde dort eingestellt und fungierte später auch als der musikalische Direktor der Show; mit der Revue zog er durch verschiedene US-amerikanische Städte und auch nach Europa. Dorough verließ Robinson und seine Gruppe in Paris, lebte dort von 1954 bis 1955 und nahm in dieser Zeit Musik mit der Sängerin Blossom Dearie auf. Dann kehrte er in die USA zurück und zog nach Los Angeles, wo er u.a. mit dem Komödianten Lenny Bruce zusammenarbeitete.

1956 nahm Dorough sein erstes Album unter eigenem Namen, Devil May Care, auf. Es enthielt u.a. eine gesungene Version der "Yardbird Suite" von Charlie Parker. Der Trompeter Miles Davis schätzte das Album; und als sein Label Columbia Records bei ihm 1962 anfragte, ob er ein Weihnachtslied aufnehmen würde, wandte er sich wegen des Textes und des Gesangsparts an Dorrough. Der Titel hieß "Blue Xmas" und erschien zuerst auf der Columbia-Kompilation Jingle Bell Jazz.

So ist Dorough einem größeren Jazzpublikum vor allem als "Fußnote" im Werk von Miles Davis in Erinnerung geblieben: Der Sänger interpretierte bei dieser Session im Jahr 1962 auch seine kurze Komposition "Nothing Like You". Veröffentlicht wurde sie erst fünf Jahre später als letztes Stück des Miles Davis-Album "Sorcerer" von 1967.[1] So gehört Doroughs Beitrag zu den seltenen Gesangsbegleitungen im Werk von Miles Davis.[2]

Sein Titel "Comin' Home Baby,"[3], war in den USA 1962 ein "Top 40"-Hit für Mel Tormé. Mehrere Jahre arbeitete Dorough als Produzent mit Stu Scharf zusammen; sie produzierten mehrere Alben der Folkband Spanky and Our Gang.

Außer mit Miles Davis arbeitete er auch mit Allen Ginsberg zusammen. Sein Stil war von großem Einfluss auf Mose Allison und andere Sänger. In den USA errang er außerdem eine größere Bekanntheit durch seine Musik für Schoolhouse Rock!, eine Kinder-TV-Serie, die in den 1970er und 1980er Jahren auf dem Sender ABC ausgestrahlt wurde.

Zwischen 1985 und 1995 tourte er mehrere Male in Europa mit dem deutschen Jazzsaxophonisten Michael Hornstein, dem Bassisten Bill Takas und dem Schlagzeuger Fred Braceful.

Im Laufe seiner fünfzigjährigen Karriere hat Dorough unzählige Platten veröffentlicht; in den 1990er Jahren hatte er ein Comeback mit drei Alben bei Blue Note Records, mit Begleitern wie Joe Lovano, Phil Woods, Christian McBride, Billy Hart, Buddy Tate und Ray Drummond; sein letztes Album mit dem Titel Small Day Tomorrow erschien 2006.

Joachim Ernst Berendt und Günter Huismann äußern im "Jazzbuch" zu Doroughs Vokalstil: "(…) er singt die Songs der großen Komponisten der amerikanischen Populärmusik mit der besonderen Intensität des zeitgenössischen Jazz".

Diskographische Hinweise

Alben unter eigenem Namen

  • Bob Dorough Quintet: Devil May Care (Bethlehem, 1956)
  • Bob Dorough/Bill Takes: Sing And Swing (Red, 1984)
  • Right on My way Home (Blue Note, 1997)
  • Too Much Coffee Man (Blue Note, 1998)
  • Who's On First (Blue Note, 1999)
  • Small Day Tomorrow (Candid, 2005)

Alben als Gastsolist

  • Buddy Banks Quartet: Jazz in Paris - Buddy Banks/Bobby Jaspar - Jazz de Chambre /(Emarcy, 1956) (Piano)
  • Harold Danko: Alone But Not Forgotten (Sunnyside, 1985/86)
  • Miles Davis: Sorcerer (Columbia, 1967)
  • Blossom Dearie: I'm Hip (Columbia)
  • Michael Hornstein: Innocent Gem (Enja, 1995)
  • Sam Most: Bebop Revisited, Vol. 3 (Xanadu, 1953) (Piano)
  • Sam Most: Sam Most Plays Bird, Bud, Monk and Miles (Bethlehem, Fresh Sound, 1957)
  • John Zorn - Naked City: Grand Guignol (Avant, 1992)

Weblinks

Literatur

  • Joachim Ernst Berendt und Günter Huismann: Das Jazzbuch. Frankfurt, Fischer TB, 1992
  • Richard Cook & Morton, Brian: The Penguin Guide To Jazz on CD, 6th Edition, London, Penguin, 2002 ISBN 0-14-017949-6.
  • Wießmüller, Pater: Miles Davis - Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten, Schaftlach, Oreos Verlag (Collection Jazz), ca. 1985.

Einzelnachweise

  1. Der Titel wurde wie "Blue Xmas" von dem kurzlebigen Miles Davis-Sextett im Jahre 1962 eingespielt; außer Miles Davis und Dorough wirkten noch Frank Rehak, Wayne Shorter, Paul Chambers und Jimmy Cobb an der Session am 23. August 1962 mit, bei der auch der Titel "Davil May Care" aufgenommen wurde; sie erschienen später auf der Davis-Anthologie "Facets" der französischen Columbia.
  2. Außer Dorough begleitete Davis in den frühen 1950er Jahren die Sängerin Sarah Vauughan bei ihrer Session für Columbia Records; kurz vor seinem Tode hatte er noch einen Gastauftritt auf einem Album von Shirley Horn. ("I Won't Forget You")
  3. komponiert von Dorough und seinem Freund, dem Bassisten Ben Tucker

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Bob Dorough — (born December 12 1923) is an American bebop and cool jazz pianist, composer and vocalese singer. He worked with Miles Davis and Allen Ginsberg, and his adventurous style was an influence on Mose Allison, among other singers. He is perhaps best… …   Wikipedia

  • Dorough — ist der Name folgender Personen: Bob Dorough (* 1923), US amerikanischer Jazzsänger und pianist Howie Dorough (* 1973), US amerikanischer Sänger und Mitglied der Boygroup Backstreet Boys Diese Seite ist eine Begriffsklärung …   Deutsch Wikipedia

  • Schoolhouse Rock! — Format Educational, Animated, Musical Created by David McCall Country of origin …   Wikipedia

  • Liste der Biografien/Dor–Doz — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Grand Guignol (album) — Infobox Album Name = Grand Guignol Type = Album Artist = Naked City Released = 1992 Recorded = 1989 and 1992 Genre = Free jazz Experimental rock Jazzcore Reviews = * Allmusic Rating|4|5 [http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg… …   Wikipedia

  • Fran Landesman — (* 21. Oktober 1927 in New York City als Frances Deitsch; † 23. Juli 2011 in London) war eine aus den Vereinigten Staaten stammende, in England lebende Liedtexterin, Künstlerin und Lyrikerin.[1] Leben und Wirken Frances Vater war Schneider, ihre… …   Deutsch Wikipedia

  • Sorcerer (Miles Davis album) — Infobox Album | Name = Sorcerer Type = Album Artist = Miles Davis Released = 1967 Recorded = May 16 May 24, 1967 August 21, 1962 Genre = Jazz Length = 52:56 (reissue) Label = Columbia Records Producer = Teo Macero Reviews = * Allmusic… …   Wikipedia

  • Sorcerer (Miles Davis) — Sorcerer Album par Miles Davis Quintet Sortie 1967 Enregistrement 16 24 mai 1967 aux Columbia Studios B et 30th Street Studio, New York; Nothing Like You 21 aoû 1962 à Columbia Studio A, New York. Durée 39:57 Genre Jazz …   Wikipédia en Français

  • Naked City: The Complete Studio Recordings — Compilation album by Naked City Released 2005 …   Wikipedia

  • David "Buck" Wheat — Birth name David Wheat Also known as Buck, Buckwheat Born March 19, 1922 San Antonio, Texas Died July 15, 1985 Los Angeles, California …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”