APS-Kamera
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kleine APS-Kamera mit Film

Das Advanced Photo System (APS) war der Versuch einer umfassenden Modernisierung der Fototechnik, bevor die Digitalfotografie ihren Siegeszug begann.

APS wurde offiziell am 22. April 1996 von den Kamera- und Filmherstellern Canon, Fujifilm, Kodak, Minolta und Nikon vorgestellt. Das APS-System ist eine Hybridtechnik, die auf einem neuen Filmmaterial zusätzliche digitale Informationen über Aufnahme- und Verarbeitungsdaten aufzeichnet.

Die APS-Technik erreichte nie die Verbreitung des 35 mm-Kleinbildfilms. Mit dem kommerziellen Erfolg der Digitalkameras verschwanden Kamerabaureihen für den APS-Film nach 2001 allmählich vom Markt, Weiterentwicklungen wurden eingestellt.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Der Kleinbildfilm besitzt beidseitig eine Perforation, da er aus der Kinotechnik übernommen wurde. Diese Perforation ist aber in der Fotokamera weitenteils überflüssig; nur ganz wenige Kameras nutzen eine Rückpositioniermöglichkeit. So kommen die Rollfilme schon von jeher ohne Perforation aus. Da die Perforation die Filmpatrone und somit die Kamera vergrößert, kam mit fortschreitender Miniaturisierung immer wieder mal die Diskussion nach einem neuen Filmtyp auf. Weil aber der bisherige Film weltweit verfügbar war und eine Umstellung keine gewaltigen Vorteile gebracht hätte, kam es lange nicht zu einer Neuerung. Erst kurz vor Einführung der Digitaltechnik wurde dann schließlich doch noch ein neuer Standard herausgebracht, wobei man konsequenterweise dafür Sorge trug, dass die Belichtungsdaten auf Magnetstreifen mit abgespeichert werden.

Merkmale

Bei dem Advanced Photo System handelt es sich nicht nur um ein neues Filmformat, es wurde vielmehr versucht, vor allem in drei Aspekten fototechnische Neuerungen einzuführen:

  • Neues Filmmaterial: Die zum Marktstart neu eingeführten APS-Filme bieten eine geschlossene Filmkassette, besonders dünne Schichtträger und verbesserte Filmemulsionen sowie ein ebenfalls neues Negativformat (30,2 mm × 16,7 mm).
    Der APS-Film verfügt außerdem über optische und magnetische Datenspuren, die einen Datenaustausch zwischen Kamera, Film und verarbeitendem Labor möglich machen (IX, Information Exchange); er wird in Konfektionierungen mit 15, 25 oder 40 Aufnahmen angeboten. Der APS-Film verbleibt außer zur Belichtung und Entwicklung immer in der Kassette und muss in geeigneten Archivsystemen aufbewahrt werden.
  • Neuartige Kameras: Durch APS konnten besonders leichte und kompakte Kameras mit neuartigen Funktionen realisiert werden; dazu gehört beispielsweise das komfortable Filmeinlegen durch Drop-In-Loading sowie der Datenaustausch zur Erzielung einer konstanten Bildqualität (PQI, Print Quality Improvement). Eine Besonderheit war die Auswahl verschiedener Bildformate mit drei definierten Seitenverhältnissen: Standard war das High-Definition-Format (H) mit einem Seitenverhältnis von 16:9, daneben gab es das Classic-Format (C) mit einem Verhältnis von 3:2 (dies entspricht dem Seitenverhältnis von Kleinbildkameras) und das Panorama-Format (P) mit dem extremen Verhältnis von 3:1. Dabei wird der Film stets im H-Format belichtet, die entsprechenden Randbereiche werden nur im Sucher und bei der Erstellung von Papierabzügen ausgeblendet. Durch das recht kleine Filmformat wurden kleine und leichte Kameras möglich: Typische APS-Kompaktkameras wie die Canon IXUS II wiegen nur etwa 170 Gramm.
  • Optimierte Laborverarbeitung: APS-Kameras können aufnahmespezifische Daten auf den APS-Film speichern; entsprechend eingerichtete Foto-Labors können diese Informationen auswerten und beispielsweise den Titel eines Bildes auf die Rückseite des Prints aufdrucken. Das Labor erhält über APS außerdem das gewünschte Seitenverhältnis sowie die gewünschte Anzahl der Abzüge mitgeteilt. Mit den für die Verarbeitung von APS-Filmen modernisierten Labormaschinen fand auch der Index Print erstmals Verbreitung.

APS-Kameras

Zu den erfolgreichsten APS-Kameras gehören die Modelle der IXUS-Serie von Canon, deren Design und Ausstattungsmerkmale auch in eine entsprechende Digitalkamera-Modellreihe übernommen wurden. Diese Kameras bieten typische APS-Funktionen wie die Möglichkeit, teilbelichtete Filme auszuwechseln (Mid-Roll-Change) sowie zahlreiche PQI-Daten (Laufrichtung des Films, Blitzeinsatz, Blitzmodus, Zoomfaktor, Motivhelligkeit, Kunstlicht und Lichtverhältnisse).

Nur wenige APS-Kameras nutzen alle Möglichkeiten des Advanced Photo System aus; zu diesen wenigen Ausnahmemodellen gehört beispielsweise die Vectis S1 von Minolta, die über eine so genannte FTPM-Funktion für feste Print-Belichtungszeiten verfügt. Ein weiterer "Sonderling" ist die Fotonex 3500 ix Zoom MRC von Fujifilm, die auch teilbelichtete Filme weiterbelichten kann (Mid-Roll-Change).

Zusatzgeräte

Als Ergänzung zu den APS-Kameras bieten Zubehörhersteller eine Reihe von Zusatzgeräten an. Beispielsweise gibt es APS-Player, mit denen die Bilder einer APS-Kassette am Fernseher betrachtet und die Daten auf der Magnetspur des Films modifiziert werden können. Mit einem APS-Scanner können Bilder von APS-Filmen in den Computer eingelesen und digital weiterverarbeitet werden.

Nachteile

Das Advanced Photo System bietet eine Reihe praktischer Neuerungen, die sich in erster Linie an Fotoamateure richten. Dem gegenüber stehen jedoch eine Fülle von Nachteilen.

So ist das System in nahezu jeder Beziehung inkompatibel mit dem 35 mm-Kleinbildfilm oder dem Mittelformat, vorhandenes Systemzubehör müsste in der Regel neu angeschafft werden und eine Verarbeitung im eigenen Labor ist nahezu unmöglich. Der Profisektor wird im Kamerabereich wenig oder nicht abgedeckt, aber auch im Billigbereich fehlten Kameras.

Auch die kommerziellen Fotolabors brauchen neue Maschinen zur Verarbeitung von APS-Filmen; diese relativ teuren Geräte verbreiteten sich erst Jahre nach der Markteinführung von APS und unterstützten nur die Grund-Informationen, die durch Datenaustausch (IX und PQI) eigentlich möglich gewesen wären.

Die APS-Filme bieten, trotz dünnerer Schichtträger und verbesserter Emulsionen, aufgrund ihres verringerten Negativformats, eine deutlich geringere Bildqualität als das Kleinbildformat. Die besseren Emulsionen wurden zudem sehr schnell auch bei Filmen im Kleinbildformat eingesetzt, sodass dieser ursprüngliche Vorteil wegfiel.

Ambitionierte Fotografen sind bei APS außerdem mit einem sehr begrenzten Angebot an Filmmaterialien konfrontiert: Schwarzweiß- oder Diafilme sowie hochempfindliche Filme werden nur selten oder gar nicht angeboten. Auch die Kamerahersteller versäumten es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Möglichkeiten des APS in ihren Produkten vollständig zu implementieren.

Nicht zuletzt waren (und sind) die Kosten für die APS-Filmpatronen wie auch für das APS-Entwickeln meist höher, zum Teil wesentlich höher. Der gewohnte und eingeführte 35 mm-Film bietet folglich zusammenfassend bei etwa gleichen Leistungen eine größere Auswahl und geringere Kosten.

Marktbedeutung

Das APS-Format konnte sich am Markt nicht durchsetzen, was nicht ausschließlich an seinem späten Erscheinen lag. 1996 kamen bereits die ersten Digitalkameras auf und es erschien vollkommen unsinnig, parallel zum bewährten 35 mm-Film und zur neuen Digitaltechnik noch ein neues Format einzuführen.

Hätte man APS etwa anstatt der Kodak Disc oder des Instamatic-Kassettenfilms, als Nachfolger des Pocketfilms in der ersten Hälfte der 1980er Jahre eingeführt, dann wäre der Erfolg vermutlich garantiert gewesen. Ein Teil der fortschrittlichen Merkmale des Films hätte allerdings aufgrund der damaligen Technik zunächst nicht realisiert werden können und wäre erst mit fortschreitender Kameratechnik machbar gewesen.

Aufgrund des schwindenden Markterfolgs ließen die meisten Kamerahersteller ihre APS-Modellreihen zwischen 2001 und 2002 auslaufen. Auch die Eastman Kodak Company, einer der Initiatoren von APS, stellte die Produktion von APS-Kameras weltweit 2004 ein.[1] Gegen Ende verkauften sich nur die Canon IXUS Baureihen erfolgreich in nennenswerter Stückzahl, wobei viele Kunden mehr am Design der Kamera als am APS-System selbst interessiert waren.

Die Neuerungen des APS hätte man auch im bisherigen Kleinbildfilm integrieren können, etwa mit einem Chip im Spulenkern, stattdessen setzte man auf ein neues Format. Einige APS-Eigenschaften wurden mit der fortschreitenden Kamera- und Labortechnik für den 35 mm Film übernommen, so etwa die Möglichkeit zum komfortablen Auswechseln eines teilweise belichteten Films (Mid-Roll-Change bzw. Mid-Reload) sowie der Index Print, der Nachfolger des Kontaktabzuges. Das Speichern der Belichtungsdaten etwa wurde für Digitalkameras übernommen, das EXIF-Dateiformat zeichnet diese Informationen auf, analog den PQI-Daten beim APS-Film.

Quellen und Literatur

  • Foto Magazin, Ausgaben 8/1997, S. 57; 2/1998, S. 36 ff.; 8/1998, S. 56 f.; 6/1999, S. 80 f., 178.
  • Foto Hits '98 (Einkaufsführer).

Siehe auch: APS-C

Einzelnachweise

  1. http://faqs.kodak.com/103_en/FAQ_75_197.shtm

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