Bobby the Great
Bobby Fischer
Fischer bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig
Name Robert James Fischer
Land Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten,
Island Island (seit 2005)
Geboren 9. März 1943
Chicago, USA
Gestorben 17. Januar 2008
Reykjavík, Island
Titel Großmeister (1958)
Schachweltmeister 1972–1975
Beste Elo-Zahl 2785 (Juli 1972)

Robert James „Bobby“ Fischer (* 9. März 1943 in Chicago; † 17. Januar 2008 in Reykjavík) war von 1972 bis 1975 Schachweltmeister. Bereits als 16-Jähriger nahm der Amerikaner am Kandidatenturnier teil, dessen Sieger den Weltmeister herausfordern durfte. Den Titel gewann er dreizehn Jahre später in einem als Match des Jahrhunderts bezeichneten Zweikampf gegen Boris Spasski.

Danach zog sich Fischer vom Wettkampfschach zurück. Als er 1975 gegen den sowjetischen Herausforderer Anatoli Karpow nicht antrat, entzog der Weltschachbund Fischer den Titel. Es folgte nur noch ein einziger öffentlicher Schachauftritt 1992 in einem privat organisierten Wettkampf gegen Spasski. Daneben machte Fischer vermehrt mit antisemitischen und antiamerikanischen Äußerungen Schlagzeilen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Island, dessen Staatsbürgerschaft er angenommen hatte. Angesichts seiner unbestrittenen Leistungen gilt Fischer als eine herausragende Gestalt der Schachgeschichte.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Jugend

Fischer kam als Kind von Regina Fischer (geb. Wender, 1913–1997) zur Welt. Seine Mutter, die in Zürich geboren und in den USA aufgewachsen war, studierte in den 1930er Jahren in Moskau Medizin. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte sie nach Amerika zurück. Juristischer Vater Fischers war Reginas deutscher Ehemann Hans-Gerhardt Fischer, den sie 1933 in Moskau geheiratet hatte und von dem sie sich 1945 scheiden ließ. Nach Spekulationen, die sich auf Berichte des FBI stützen, kann dieser aber nicht Fischers biologischer Vater sein. Letzteres war möglicherweise der ungarische Physiker Paul Neményi, der in der Zeit vor Fischers Geburt eine enge Beziehung mit Regina Fischer hatte und ihr später regelmäßig Geld überwies.[1]

Fischer wuchs zusammen mit seiner fünf Jahre älteren Schwester Joan und seiner alleinerziehenden Mutter, die als Krankenschwester arbeitete, in Brooklyn, New York, auf. Die Schachregeln erlernte er mit sechs Jahren zusammen mit Joan, die jedoch im Gegensatz zu ihrem Bruder bald das Interesse an dem Spiel verlor. Sein erster Trainer war Carmine Nigro, der Vorsitzende des Brooklyn Chess Club. 1955 nahm er erstmals an der Jugendmeisterschaft der USA teil, konnte sich aber noch nicht im Vorderfeld platzieren. Ab 1956 wurde er von John W. Collins trainiert, der auch andere Nachwuchstalente wie William Lombardy und Robert Byrne betreute. Der Psychiater und ehemalige Weltklassespieler Reuben Fine, der Fischer in dieser Zeit kennenlernte, attestierte ihm später schwerwiegende, aus familiären Konflikten resultierende psychische Probleme, die zu Verhaltensauffälligkeiten führten. Laut Fine bot das Schachspiel Fischer die Möglichkeit, sich mittels seiner Erfolge für erlittene Kränkungen zu rächen und Machtphantasien auszuleben. Sein Biograf David Edmonds meint, Fischer habe als Kind deutliche Merkmale des Asperger-Syndroms gezeigt.[2]

Den Titel eines Großmeisters errang er 1958. Im selben Jahr brach er mit 15 Jahren seine von ihm als nutzlos empfundene Schulausbildung an der Erasmus High School in Brooklyn ab, um sich ganz dem Schach zu widmen.

Aufstieg zum Schachgipfel

Bereits als Dreizehnjähriger wurde er der Schachöffentlichkeit durch die sogenannte Partie des Jahrhunderts (Donald Byrne gegen Fischer) bekannt. Im Alter von 14 Jahren war Fischer das erste Mal US-Champion – der bis dahin jüngste überhaupt. Zwischen 1957 und 1966 gewann er achtmal in Folge die amerikanische Meisterschaft, 1964 gelang es ihm sogar, alle 11 Partien zu gewinnen.

Bobby Fischer (links) und sein damaliger Trainer John W. Collins (rechts) in den 1950er Jahren

Der internationale Durchbruch gelang Robert James Fischer mit seinem geteilten fünften Platz beim Interzonenturnier in Portoroz im August/September 1958. Fischer qualifizierte sich damit für das Kandidatenturnier 1959; außerdem wurde ihm für seinen Erfolg der Großmeistertitel verliehen.

Beim 5. Rosenwald-Turnier in New York im Dezember 1958, der US-Meisterschaft, besiegte Bobby Fischer zum ersten Mal Samuel Reshevsky, wobei er schon nach 11 Zügen eine Gewinnstellung erlangte, und wurde deshalb dort erneut Turniersieger. Beim internationalen Turnier in Zürich 1959 besiegte Fischer mit dem Esten Paul Keres das erste Mal einen sowjetischen Großmeister. Beim internationalen Turnier in Mar del Plata im April 1960 gewann Fischer bis auf zwei Partien alle, u.a. gegen Erich Eliskases. Im November 1960, während der Schacholympiade in Leipzig, antwortete Fischer auf die Frage eines Journalisten, wann er glaube, Weltmeister werden zu können: „Vielleicht 1963!“. Im A-Finale dieser Schacholympiade schlug er zum ersten Mal einen früheren Weltmeister, nämlich Max Euwe. Das Turnier in Bled 1961 gewann Tal mit 14½ Punkten aus 19 Partien, einen Punkt vor dem ungeschlagenen Fischer, der die Partie gegen den Turniersieger für sich entscheiden konnte. Bei seinem zweiten Kandidatenturnier in Curaçao 1962 belegte Fischer jedoch nur den vierten Platz. Er beschuldigte die teilnehmenden sowjetischen Spieler, untereinander abgesprochene Remispartien gespielt zu haben, um ihre Kräfte dadurch für den Kampf gegen ihn zu schonen. Diese Kritik führte später dazu, dass die FIDE den Modus für Kandidatenturniere änderte und Zweikämpfe anstelle von Rundenturnieren einführte. 1965 erteilte ihm die US-Regierung kein Visum, um am Capablanca-Gedenkturnier in Havanna teilzunehmen. Fischer spielte daraufhin von New York aus, seine Züge wurden per Fernschreiber übermittelt. Den Piatigorsky-Cup 1966 in Santa Monica gewann Spasski mit 11½ Punkten aus 18 Partien, einen halben Punkt vor Fischer und 1½ Punkte vor Larsen.

Fischers nächster Anlauf zur Weltmeisterschaft scheiterte, als er beim Interzonenturnier in Sousse 1967 nach Streitigkeiten mit den Organisatoren das Turnier abbrach. Viktor Kortschnoi schreibt dazu in seinem 2004 erschienenen Buch Mein Leben für das Schach: „Die Schachspieler der ganzen Welt sind ihm zu Dank verpflichtet, dass Schach diese Popularität erreicht hat, dass die Preise in Turnieren erhöht wurden und dass es in Dutzenden Ländern möglich geworden ist, sich als Schachprofi zu betätigen.“

Partieformular Fischers von der Schacholympiade Siegen 1970

Im folgenden Qualifikationszyklus setzte sich Fischer jedoch durch. 1970 gewann er überlegen das Interzonenturnier in Palma de Mallorca und 1971 die anschließenden Kandidatenwettkämpfe gegen Mark Taimanow, Bent Larsen und Tigran Petrosjan. Im Viertelfinale gegen Taimanow und im Halbfinale gegen Larsen gewann er jeweils mit dem sensationellen Ergebnis von 6:0. Auch den Exweltmeister Petrosjan schlug er im Finale deutlich mit 6½:2½. Fischer gelang es in diesem Zyklus, 20 Partien nacheinander zu gewinnen: zunächst die letzten 7 Runden in Palma de Mallorca, dann 6 Partien gegen Taimanow, anschließend 6 Partien gegen Larsen und schließlich die erste Partie gegen Petrosjan.

Den Titel des Schachweltmeisters eroberte er 1972 in Reykjavík in einem legendären Wettkampf gegen Boris Spasski. Obwohl der Zweikampf wegen Fischers exzentrischem Verhalten mehrfach kurz vor dem Scheitern stand und Fischer sogar eine Partie kampflos verlor, gewann er schließlich nach 21 Partien mit 12½ : 8½. Die Vorentscheidung fiel in der 13. Matchpartie, als es Fischer mit Schwarz gelang ein Endspiel mit Turm und 5 Bauern gegen Turm, Läufer und Bauer nach hartem Kampf zu gewinnen. Es bedurfte allerdings einiger Überredungskunst, um Fischer überhaupt zum Spielen zu bewegen: Henry Kissinger rief ihn an und der britische Millionär James Slater erhöhte das Preisgeld.

Die Jahre nach Reykjavík

Fischers Triumph löste einen Schachboom aus, nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten. Trotzdem wies er alle Angebote ab, an Turnieren oder öffentlichen Schaukämpfen teilzunehmen. Im Jahr 1974 verbreiteten sich die Gerüchte, er werde seinen Titel nicht verteidigen. Als Anatoli Karpow als Gewinner der Kandidatenwettkämpfe feststand, veröffentlichte Fischer einen 179 Punkte umfassenden Forderungskatalog. Um das Titelmatch 1975 zu ermöglichen, akzeptierte die FIDE nahezu sämtliche Bedingungen. Umstritten blieb jedoch Fischers Verlangen, den geplanten Wettkampf auf zehn Gewinnpartien auszulegen; beim Stand von 9:9 sollte der Weltmeister zudem seinen Titel behalten dürfen. Da Remispartien nicht gezählt werden sollten, wäre die Dauer eines solchen Wettkampfs letztlich unabsehbar gewesen. Als klar war, dass diese Forderung nicht erfüllt werden würde, zerschlugen sich die Verhandlungen endgültig.[3]

So wurde Fischer am 3. April 1975[4] der Weltmeistertitel der FIDE aberkannt. Karpow, gegen den er nie eine Partie gespielt hatte, wurde zu seinem Nachfolger ausgerufen. Nach dem Match von Reykjavík spielte Fischer insgesamt fast zwanzig Jahre lang keine Turnierpartie mehr. Nichtsdestoweniger betrachtete sich Fischer in der Folgezeit unverändert als Schachweltmeister, da ihn niemand in einem Weltmeisterschaftskampf geschlagen hatte.

Ein kurzes Comeback feierte er 1992, als er in Jugoslawien während des Bosnienkrieges unter großem Medieninteresse einen Wettkampf gegen seinen alten Rivalen Boris Spasski mit 17,5:12,5 gewann, eine Siegesprämie in Höhe von 5,5 Millionen US Dollar erhielt und damit gegen das Wirtschaftsembargo gegen Serbien-Montenegro verstieß[5]. Die Insel Sveti Stefan, auf der die erste Hälfte des Wettkampfs stattfand, gehörte dem Chef der jugoslawischen Privatbank Jugoskandik, Jezdimir Vasiljević. Fischer hielt sich an verschiedenen Orten in Europa auf, unter anderem in der Pulvermühle in der Fränkischen Schweiz und in Forchheim. Seitdem hatte er sich wieder vom Schach zurückgezogen. Fischer spielte in seinem Leben insgesamt nur 800 Turnierpartien, so wenig wie kein anderer der Schachweltmeister.

Nach 2000 lebte Fischer hauptsächlich in Japan, hielt sich aber zeitweise auch auf den Philippinen auf. Dort hatte er eine Beziehung zu einer Frau namens Marilyn Young, aus der eine 2002 geborene Tochter hervorging.[6]. Im März 2005 erhielt er vor dem Hintergrund der juristischen Auseinandersetzungen mit den USA (siehe folgender Abschnitt) die isländische Staatsbürgerschaft und ließ sich daraufhin mit seiner japanischen Verlobten in dem Aufnahmeland nieder.

Fischer, der seine letzten Jahre in Abgeschiedenheit verbrachte, starb nach schwerer Krankheit am 17. Januar 2008 in Reykjavík an Nierenversagen.[7] An der Beerdigungszeremonie nahmen nur fünf Personen teil. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Laugardælir nahe der Stadt Selfoss.[8]

Gegnerschaft zu den USA und Antisemitismus

Nach Angaben Fischers war seine erste schlechte Erfahrung, als seine Klage gegen das 1972 von Brad Darrach veröffentlichte Buch Bobby Fischer vs. The Rest of the World abgewiesen wurde. Er fühlte sich von seinem Heimatland betrogen.

Fischers Status als genialer Schachspieler ist unbestritten. Sein Charakter bot jedoch vielfach Anlass zu Kontroversen; so äußerte er sich – obwohl selbst Amerikaner sowie jüdischer Herkunft [9] [10] [11] – wiederholt antiamerikanisch und antisemitisch. Im Internet und in Radiointerviews verbreitete er antijüdische Tiraden und leugnete den Holocaust.[12].

Fischer selbst wurde mit einem Personenartikel in der Encyclopaedia Judaica aufgeführt, wogegen er mit einem vom 28. Juni 1984 datierten Brief energisch protestierte. Die Herausgeber sagten ihm daraufhin am 24. September zu, den Artikel aus späteren Auflagen zu tilgen.

Die zunehmende Feindschaft zu seinem Heimatland USA eskalierte, als eine so genannte Grand Jury ihn 1992 anklagte, weil er trotz eines Verbots für eine Siegprämie von 3,3 Millionen Dollar zu dem erwähnten Comeback-Match nach Sveti Stefan in die damals international geächtete Bundesrepublik Jugoslawien gereist war. Eine (nicht vom Senat verabschiedete) Order von Präsident George H. W. Bush hatte seinerzeit alle „kommerziellen Aktivitäten“ mit dem Land wegen dessen Rolle im Bosnienkrieg untersagt. Dem ehemaligen Weltmeister drohten wegen dieses Sanktionsbruchs in den USA bis zu zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe bis zu 250.000 Dollar. Er kehrte daraufhin nicht mehr in die USA zurück, sondern hielt sich zeitweise in Deutschland, Ungarn, den Philippinen und Japan auf.

Empfindlich reizte Fischer seine amerikanischen Landsleute, als er sich nach den Anschlägen am 11. September 2001 noch am selben Tag in einem Radiointerview in Tokio positiv über den Terrorangriff auf das World Trade Center äußerte. Er soll gesagt haben: „Das sind wundervolle Neuigkeiten“ und „Scheiß auf die USA“ (orig. „Fuck the US“). „Die Amerikaner und Israelis haben jahrelang die Palästinenser abgeschlachtet und ausgeraubt. Keiner hat sich darum gekümmert. Nun kommt es zurück und trifft die USA selbst.“ Er forderte, dass die Vereinigten Staaten zugeben, dass ihre gesamte Außenpolitik der letzten Jahrhunderte falsch war. Als ultimatives Ziel gab er an, die Schwarzen sollten nach Afrika, die Weißen nach Europa und das Land den Indianern zurückgegeben werden. Er kritisierte scharf die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sowie die US-Politik in Jugoslawien. Auf die Frage, ob er Angst hätte, von den Vereinigten Staaten inhaftiert zu werden, antwortete er, sie sollten es versuchen, und setzte mit gegen die Juden, Bush und die Vereinigten Staaten gerichteten Tiraden fort. Er meinte dabei auch, dass die Juden den Holocaust erfunden hätten.[13][14] Aufgrund dieser und anderer Aussagen wurde Fischer aus dem US-Schachverband ausgeschlossen. Seine amerikanische Staatsbürgerschaft gab er auf.

Am 13. Juli 2004 wurde er beim Versuch der Ausreise aus Japan von japanischen Beamten aufgrund eines ungültigen Ausweises festgenommen und im Internierungszentrum von Ushiku bei Tokio inhaftiert. Japan lehnte seinen Asylantrag Ende August 2004 ab, da die Anklagen gegen Fischer in den USA nicht politischer Natur seien. Gegen Fischer lag seit 1992 ein amerikanischer Haftbefehl vor, der sich auf den Embargoverstoß im Zusammenhang mit dem Match von 1992 bezog (siehe oben). Da kein Auslieferungsabkommen mit Japan bestand, ließ die Regierung in Washington, die den ehemaligen Weltmeister inzwischen auch eines Steuervergehens beschuldigte, seinen Reisepass für ungültig erklären, um seiner mithilfe der japanischen Regierung habhaft zu werden. Die japanischen Behörden ließen Fischer schließlich festnehmen und bereiteten eine Abschiebung in die USA vor.[15] Auf eine Nachfrage der isländischen Behörden gaben die Vereinigten Staaten an, dass die Anschuldigungen gegen Fischer niemals verjährten.[16]

Fischer bezeichnete dieses Vorgehen als „Entführung“ und legte gegen die Entscheidung Rechtsmittel ein. Dabei fand er Unterstützung beim japanischen Schachverband und dessen Vorsitzender, seiner langjährigen Freundin Miyoko Watai, mit der er sich im August 2004 verlobte. Während seiner Untersuchungshaft wiederholte er Vorwürfe, er fühle sich von den USA und den Juden verfolgt und persönlich bedroht. Die japanischen Behörden ließen Fischer erst frei, als er am 22. März 2005 durch ein vom isländischen Parlament verabschiedetes Gesetz die Staatsangehörigkeit Islands erhielt.

Fischers letzte Jahre in Reykjavík

Der Grabstein Bobby Fischers

Ein Staatssekretär des Außenministeriums teilte mit, die Einbürgerung sei als „rein humanitäre Geste“ zu werten und impliziere keinesfalls die Unterstützung von Fischers politischen Ansichten.[17]

Als er in Island angekommen war, war Fischer in schlechter gesundheitlicher Verfassung. Er führte dort ein Leben abseits der Medien und fühlte sich weiterhin verfolgt. Außerhalb seiner Wohnung besuchte er gelegentlich Restaurants und Cafés sowie regelmäßig den Second-Hand-Buchladen Bókin.[18][8] Nach Aussagen des Inhabers einer Elfenschule, in der Geschichten über übernatürliche Phänomene gesammelt und erforscht werden, redete er mit Fischer über paranormale Phänomene und Verschwörungstheorien und wurde ein Vertrauter Fischers.[19]

Fischer wurde wegen Nierenversagens ins Krankenhaus eingewiesen, wo er eine lebensverlängernde Operation mit Austausch der Nieren verweigerte. Er weigerte sich auch, Schmerzmittel zu bekommen.[8] Fischer verlangte kurz vor seinem Tod ein Foto von seiner Mutter, das er in der Hand hielt, als er starb.[20] Fischers letzte Worte waren: „Nothing eases suffering like human touch.“[18] Er starb am 17. Januar 2008 im Krankenhaus Landspitali in Reykjavik und wurde bei der Kirche Laugardælir beerdigt.[8]

Bücher und Erfindungen

Sein 1969 erschienenes Buch My 60 Memorable Games (dt. Meine 60 denkwürdigen Partien) gilt noch heute als eines der besten Schachbücher überhaupt. Ursprünglich sollte das Werk My Life In Chess heißen, diesen Titel behielt er sich jedoch für eine Autobiographie vor, die nie erschienen ist. Er arbeitete drei Jahre an den Analysen, die Einführungstexte zu den einzelnen Partien wurden von Larry Evans geschrieben. Im Gegensatz zu den Partiesammlungen vieler anderer Großmeister nahm er nicht nur Gewinnpartien auf. 1995 erschien im Verlag Batsford eine Neuausgabe in algebraischer Notation, die wegen unautorisierter Textänderungen heftig kritisiert wurde.[21] 2004 veröffentlichte Robert Hübner das Buch Materialien zu Fischers Partien, in dem er die Analysen Fischers einer eingehenden Überprüfung unterzieht.

Bereits 1966 hatte Fischer, zusammen mit Donn Mosenfelder und Stuart Margolies, ein Lehrbuch Bobby Fischer Teaches Chess (dt. Bobby Fischer lehrt Schach) verfasst. Es ist nach dem Prinzip des Programmierten Lernens aufgebaut und besteht aus 275 Mattaufgaben, die der Leser selbständig lösen soll. Auf erläuternden Text und Schachnotation wird verzichtet, die Lösungen werden durch Pfeile auf den Schachdiagrammen angegeben. Bis heute wurden über eine Million Exemplare verkauft, damit ist es das kommerziell erfolgreichste Schachbuch aller Zeiten. In Deutschland wurde 2003 eine Neuauflage veröffentlicht.

1982 veröffentlichte er im Selbstverlag eine Broschüre I was tortured in the Pasadena jailhouse! (dt. Wie ich im Gefängnis von Pasadena gefoltert wurde), in der er Foltervorwürfe gegen US-amerikanische Polizisten erhebt, die ihn aufgrund einer Verwechslung mit einem Bankräuber für zwei Tage inhaftiert hatten.

Ein 1988 erschienenes und 1993 auch verfilmtes Buch Searching for Bobby Fischer handelt nicht von ihm, sondern von der Schachkarriere des Nachwuchstalents Joshua Waitzkin. Fischer, der keine Zustimmung zu diesem Titel gegeben hatte, war der Meinung, sein Name sei nur zu Werbezwecken missbraucht worden.

Eine von Fischer propagierte neue Art des Schachs ist das Chess960, ursprünglich „Fischer-Random-Chess“, welches der „Eröffnungstheorielastigkeit“ des modernen computergestützten Schachs entgegenwirkt. Erfunden haben soll es aber der Schachgroßmeister Pal Benkő.

Außerdem entwickelte er eine mittlerweile weit verbreitete elektronische Schachuhr, bei der die Spieler für jeden ausgeführten Zug zusätzliche Bedenkzeit zu dem Grundkontingent erhalten. Dadurch wird extreme Zeitnot vermieden. Fischer meldete diese Uhr im August 1988 zum Patent an, wegen nicht bezahlter Gebühren endete der Patentschutz jedoch im November 2001.[22]

Auszeichnungen

Fischer erhielt in den Jahren 1970 bis 1972 jeweils den Schach-Oscar.

Trivia

Fischer hat in mehreren Interviews erwähnt, dass es sein Traum wäre, in einem Haus zu leben, welches „exakt wie ein (Schach-)Turm gebaut“ sein sollte [23]. In Anspielung auf dieses Zitat schrieb die englische Post-Rock-Band iLiKETRAiNS den Song „A Rook House for Bobby“ [24], in dem die Lebensgeschichte Fischers künstlerisch verarbeitet wird.

Bekannte Partien

Veröffentlichungen

  • Bobby Fischer Teaches Chess. 1966
    • Bobby Fischer lehrt Schach. Ein programmierter Schachlehrgang. Bertelsmann-Ratgeberverlag, München/Gütersloh/Wien 1972, ISBN 3-570-06465-4; Neuausgabe Beyer, Hollfeld 2003, ISBN 3-88805-471-0
  • My 60 Memorable Games. 1969; Neuausgabe Batsford Ltd, 1995, ISBN 0-7134-7812-8
    • Meine 60 denkwürdigen Partien. Wildhagen, Hamburg 1972

Einzelnachweise

  1. ChessBase: Fischer versus FBI – FBI versus Fischer, 29. November 2002
  2. The Times: Bobby Fischer, chess genius, heartless son, 28. Januar 2008
  3. Leonard Barden: Nachruf, in: The Guardian, 19. Januar 2008
  4. http://www.rochadekuppenheim.de/figo/fischer/jubel.htm
  5. Spiegel Online: Ex-Weltmeister: Schachgenie Bobby Fischer ist tot, 18. Januar 2008
  6. Philippine Daily Inquirer, 20. Januar 2007
  7. Die Zeit: Eigenwilliges Genie: Schachlegende Bobby Fischer ist tot, 18. Januar 2008
  8. a b c d ChessBase: Robert Fischers geheimes Begräbnis, 26. Januar 2008 (mit Fotografie der Grabstätte)
  9. Interview (letzte Passage)
  10. Artikel auf Timesonline "Bobby Fischer, chess genius, heartless son"
  11. Artikel auf chessbase.de (die zweite Hälfte widmet sich der Mutter)
  12. Telefoninterview, Baguio, Philippinen, 14. Januar 1999; auf seiner nicht mehr existenten Homepage veröffentlichte er mehrere antisemitische Tiraden, etwa die Aussage „The so-called 'Holocaust' of the Jews during World WarⅡ is a complete hoax! It never happened. The Jews are liars.“, abgerufen am 18. Januar 2008.
  13. Nachruf, in: Der Tagesspiegel
  14. Fischer über die Anschläge auf das WTC 11.9.2001
  15. Zu dem komplizierten, juristisch umstrittenen Vorgehen siehe u.a. hier
  16. Dirk Jan ten Geuzendam: A lone king has wandered off / They'll do it every time. In: New In Chess, Ausgabe 2/2008. S. 21
  17. Laura Smith-Spark, Fischer 'put Iceland on the map', BBC News, 23. März 2005.
  18. a b Sara Blask, Bobby Fischer Read Here, The Smart Set, 21. Januar 2008.
  19. Dirk Jan ten Geuzendam: A lone king has wandered off / They'll do it every time. In: New In Chess, Ausgabe 2/2008. S. 13-15
  20. Dirk Jan ten Geuzendam: A lone king has wandered off / They'll do it every time. In: New In Chess, Ausgabe 2/2008. S. 14-15
  21. Edward Winter: Fischer’s fury auf chesshistory.com, 1999, mit Aktualisierungen
  22. Patent US 4884255 Robert J. Fischer: Digital chess clock
  23. The Atlantic: Bobby Fischer’s Pathetic Endgame, Dezember 2002
  24. iLiKETRAiNS: A Rook House for Bobby, 2005

Literatur

  • Elie Agur: Bobby Fischer. Seine Schachmethode. Beyer, Hollfeld 1993, ISBN 3-89168-041-4
  • Christiaan M. Bijl: Die gesammelten Partien von Robert J. Fischer. 2. Aufl. Variant, Nederhorst den Berg 1986, ISBN 90-6448-515-1
  • Hans Böhm, Kees Jongkind: Bobby Fischer. The wandering king. Batsford, London 2004, ISBN 0-7134-8935-9
  • Frank Brady: Bobby Fischer, profile of a prodigy. McKay, New York 1973
  • Robert E. Burger: The chess of Bobby Fischer. San Francisco 1994
  • Wolfgang Daniel: Robert James Fischer: „Ich wollte unbedingt gewinnen!“ Zitate, Notizen, Stationen und Partien aus dem Leben eines Schachprofis. Schneidewind, Halle 2007, ISBN 978-3-939040-16-3
  • David Edmonds und John Eidinow: Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann. Die ungewöhnlichste Schachpartie aller Zeiten. DVA, München, ISBN 3-421-05654-4; Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-596-17168-2
  • Reuben Fine: Die Psychologie des Schachspielers.. Syndikat, Frankfurt 1982, ISBN 3-8108-0204-2 (darin Bobby Fischers Kampf um die Schachweltmeisterschaft. Psychologie und Taktik des Titelwettkampfs)
  • Johannes Fischer: Schachspieler, Sonderling, Genie. In: Karl. Nr. 2/02, S. 38
  • Robert Hübner: Weltmeister Fischer. ChessBase, Hamburg 2003 (CD-ROM), ISBN 3-935602-71-5
  • ders.: Materialien zu Fischers Partien. Rattmann, 2004, ISBN 3-88086-181-1
  • Garry Kasparov: My great predecessors. Part IV. Fischer, London 2004, ISBN 1-85744-395-0
  • H. Kramer und S. H. Postma: Das Schachphänomen Robert Fischer. 2. Aufl. Variant, Nederhorst den Berg 1982, ISBN 90-6448-508-9
  • Aleksander Pasternjak: Bobby Fischer. Copress-Verlag, München 1973; Nachdruck als Schach-Phänomen Bobby Fischer. Edition Olms, Zürich 1991, ISBN 3-283-00242-8
  • Andrew Soltis: Bobby Fischer rediscovered. Batsford, London 2003, ISBN 0-7134-8846-8

Weblinks


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