Bobrun
Start der Bobbahn 1905

Der Olympia Bobrun St.Moritz-Celerina wurde 1904 in Betrieb genommen und ist die älteste Bob-Natureisbahn der Welt. Zugleich ist der Eiskanal im Oberengadin die letzte noch übriggebliebene Natureispiste der Welt. Alle übrige Bobbahnen in Europa, Nordamerika und Japan müssen aufgrund fehlender klimatischer Höhenlage künstlich vereist werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorwiegend britische Wintergäste suchten einen Ort für die Ausübung ihrer eben erfundenen Sportart, dem Bobsport. Sie waren im 1897 in St. Moritz gegründeten Bobsleigh Club, dem ältesten Bobclub der Welt vereint. Nachdem sich diese elitären Bobenthusiasten innerhalb des St Moritz Tobogganing Club mit ihren Kollegen aus dem Skeletonlager wegen der Benützung des Cresta Run in den Haaren lagen, dauerte es noch bis ins Jahr 1903, ehe anlässlich eines Galaabends eine Sammlung durchgeführt wurde, welche den schönen Ertrag von knapp 11.000 Schweizer Franken ergab. Mit diesem Ertrag wurde unverzüglich mit dem Bau einer Bobbahn begonnen. Dank der Unterstützung von Alphonse Badrutt und des zur Verfügung gestellten ausgedehnten Areals des Kulm Hotels wurde die Bahn am 1. Januar 1904 mit einem Bobrennen eingeweiht.

Die eisige Rinne führt heute noch durch den im Sommer so herrlich duftenden Arvenwald vom St. Moritzer Badrutt's Park nach Celerina-Cresta. Technik und Ausrüstung der Bobsportler haben sich während des vergangenen Jahrhunderts grundlegend verändert; der Verlauf der St. Moritzer Bobpiste ist bis heute mehr oder weniger gleich geblieben.

Änderungen der Streckenführung

Die augenfälligsten Änderungen wurden im untersten Teil der Bahn vorgenommen. In Folge der immer höher werden Geschwindigkeiten wurde das Bremsen mehr und mehr erschwert, bis die Bremszone den Anforderungen der Sportgeräte nicht mehr genügte. Nach den Weltmeisterschaften 1957 wurde die Bahn erstmals abgeändert. Weitere Streckenänderungen erfolgten in den achtziger Jahren und 2002. Im Winter 1955/56 wurde die Horse-Shoe-Kurve, das Herzstück der Bahn, mit Natursteinen verstärkt und der Radius um 2,5 m vergrössert. Eine 4,5 m hohe Mauer mit einer 1,75 m hohen Brettwand darauf erlaubte zudem den "Horse Shoe" auch bei geringen Schneemengen rasch betriebsbereit zu machen. Dennoch musste die Kurve im Jahr 1995 ein zweites Mal den modernen Gegebenheiten angepasst werden. Vor allem der Druck durch die rasenden Bobs wurde immer grösser, so dass sogar die Gäste der beliebten "Bobtaxi-Fahrten" bis zu 5 g, d.h. fünfmal ihr eigenes Körpergewicht, ertragen mussten. Durch diesen Druck und die schmalen Kufen entstanden im Verlaufe der Saison sehr schnell Rillen und Löcher, welche einen geregelten Trainings- und Fahrtbetrieb mehr und mehr beeinträchtigten. Binnen drei Monaten wurde der Radius um weitere 2,5 m erweitert, indem die Einfahrt um knapp 4 m nach rechts in den Hang hinein verlegt wurde, was die Kurve noch runder und etwas grösser machte. Gleichzeitig wurde die Einfahrt um 1,5 m erhöht, womit die Geschwindigkeit um etwa 2 km/h reduziert und die Schäden im Eis wesentlich verringert werden konnte.

Gebäude

Nicht nur der Bahnverlauf und die Kurven mussten im Verlaufe der Geschichte des Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina angepasst werden. Das kleine altehrwürdige Starthaus, das Bar und Garderobe zugleich war, musste sich im Jahre 1972 einem Neubau unterziehen. Ein neues Starthaus mit Büroräumlichkeiten, Garderoben, dem Clublokal des St. Moritz Bobsleigh Club und dem legendären Dracula Club wurde gebaut. Dieser Neubau wurde 1992, 1993 und 2002 erneut ausgebaut, um den steigenden Anforderungen entsprechen zu können. Das Sunny Haus war in den frühen Jahren des Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina der Treffpunkt entlang der Bahn. Die Damen und Herren der High Society hatten in der geheizten Bar durch eine grosse Fensterfront einen wunderbaren Blick auf den Sunny Corner. Im Verlauf der Jahre wurde dieser Treffpunkt aufgehoben und das Sunny Haus zum Lagerraum für diverse Baumaterialien umfunktioniert. Was früher die Bar im Sunny Corner war, ist heute die Bar am Horse Shoe. Alljährlich wurde ein Provisorium erstellt, das den Zuschauern aber nicht die Möglichkeit bot, sich bei Temperaturen bis Minus 25 Grad aufzuwärmen. Dieser Mangel wurde im Jahre 2005 mit dem endgültigen Bau der Horse Shoe Lodge behoben. Am Ende des alten Zielauslaufs Richtung Crasta Hügel wurde 1992 ein kleines Zielhaus mit sanitären Einrichtungen aufgebaut.

Grossanlässe

Während seiner über 100jährigen Geschichte war der Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina Austragungsort von zwei Olympischen Winterspielen in den Jahren 1928 und 1948. Der Wettkampf anlässlich der Spiele von 1928 stellt in dieser Beziehung ein Unikum dar. Es war der einzige Wettkampf, der im Fünferbob ausgetragen wurde. 1948 dann wurde bereits in den heute gängigen Disziplinen Zweier- und Viererbob gefahren. Insgesamt war der Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina Austragungsort von 22 Weltmeisterschaften (18 im Bob, 3 im Skeleton und 1 im Rennrodeln). Im Weiteren wurden diverse Bob-Europameisterschaften, eine Skeleton-Europameisterschaft und unzählige Weltcupcups in den Disziplinen Zweier-und Vierbob, Skeleton und Rennrodeln ausgetragen.

Bahnbau

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Die Natureis-Bobbahn ist ein kleines Kunstwerk. Innerhalb von drei Wochen wird die grösste Schneeskulptur der Welt in die beeindruckende Landschaft des Oberengadins gebaut.

Von den Anfängen der vereisten Bobbahn von St. Moritz nach Celerina bis Anfangs der achtziger Jahre lag die Verantwortung des Baus in den Händen der einheimischen Familie Angelini, die die Bahn in drei Generationen baute. 1985 übernahm Louis Prantl die Verantwortung für den Bahnbau. Er wurde 1990 durch den Celeriner Christian Brantschen abgelöst, der mit seinem Baugeschäft der Brantschen AG bis heute für den Bau verantwortlich ist.

Mitte November beginnt das bange Warten der Betriebsleitung auf den ersten Schnee, das Baumaterial für den Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina. Denn in der letzten Novemberwoche reist die Südtiroler Bahnmannschaft an, um innerhalb dreier Wochen aus 5000 m3 Schnee und 4000 m3 Wasser die grösste Schneeskulptur der Welt in die herrliche Naturarena des Oberengadins zu bauen. Die Bahn wird jedes Jahr von Grund auf neu gebaut, und obwohl jede Kurve im Terrain genau ausnivelliert ist, gibt es alle Jahre minimale Änderungen in der Linienführung.

Das Vorgehen während der Bauphase ist genau abgestimmt. Der Bau beginnt Ausgang Sunny Corner. Die Bauequipe arbeitet sich in Fahrtrichtung zum Horse Shoe weiter durch den Wald bis zum Bridge, anschliessend hinunter zum Martineau und hoch zum Portago bis schliesslich mit dem Auslauf das Zielhaus erreicht wird. Zum Schluss wird die Strecke vom Start bis in den Sunny Corner gebaut und mit dessen Endausbau die Bahn zu einem Stück vereint. Der gewünschte Ablauf kann jedoch durch hohe Temperaturen oder Schneemangel beeinträchtigt werden.

Nach Abschluss des Rohbaus der Bahn teilt sich die Bahnmannschaft auf. Jeder Bahnarbeiter bekommt einen Streckenteil zugewiesen und ist für dessen Endausbau und Pflege verantwortlich. Die täglichen Ausbesserungsarbeiten werden hauptsächlich am Nachmittag vorgenommen und dauern pro Abschnitt bis 4 Stunden.

Ist der letzte Bob der Saison im Ziel angekommen wird unverzüglich mit dem Abbau begonnen. Die schützenden Sonnensegel werden entfernt. Bis Mitte Juni ist, nach der Gesamtreinigung des Bahnareals, vom winterlichen Treiben "fast" nichts mehr zu sehen!

Schulen

Der Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina bietet während jeder Saison je eine Bob- und eine Skeletonschule an. Die Bobschule wird durch Donald Holstein geleitet, der Boberfahrung auf diversen internationalen Bahnen aufweist und täglich Taxi Bobfahrten am Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina pilotiert. Schon diverse Piloten die seinen Kurs besucht haben, stehen heute im Rampenlicht. Um nur einige zu nennen: Martin Annen, Daniel Schmid, Martin Galliker, Urs Hefti, Sabina Hafner und Maya Bamert. Voraussetzungen zur Teilnahme ist ein Mindestalter von 18 Jahren und gute körperliche Fitness. Der Kurs dauert 5 Tage und wird, je nach allgemeinem Saisonprogramm, meist im Januar organisiert. Die Skeletonschule wird geleitet durch Lorenzo Buzzetti und Michaela Pitsch. Zwei erfahrene Athleten des Skeleton Club Engiadina. Voraussetzung zur Teilnahme ist ein Mindestalter von 16 Jahren und ebenfalls eine gute körperliche Fitness. Der Kurs dauert 3 Tage und wird meist Anfangs Februar ausgetragen.

Gästebobfahrten

Der Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina ist nicht die einzige Bahn der Welt, die Gästebobfahrten durchführt, doch geht auch in diesem Bereich die Oberengadiner Geschichte weit zurück. Ende der Dreissiger Jahre fuhr Nino Bibbia bereits mit unerschrockenen Damen der Gesellschaft per Bob von St. Moritz nach Celerina. Die Gästebobfahrten im heutigen Sinn sind erst seit 1973 bekannt, als der damalige Betriebsleiter nach einer Möglichkeit suchte, die weniger frequentierten Öffnungszeiten zu überbrücken. Die Fahrten wurden damals mit den Bobs vom Typ "Feierabend" absolviert. Die heutige 15 Bobs umfassende Flotte für Gästefahrten hat nichts mehr mit den "Feierabend"-Modellen von damals zu tun. Die Bobs, die für die Fahrten eingesetzt werden, sind leicht modifizierte Rennviererbobs aus der Werkstätte von Renzo Podar in Cortina. Um eine Gästebobfahrt zu absolvieren ist eine vorgängige Reservation unumgänglich. Gefahren wird täglich im Anschluss an die Trainings- und/oder Rennfahrten, wobei die Wochenenden den Sponsoren vorbehalten sind. Im Weiteren können während internationaler Anlässe nur beschränkt oder gar keine Gästefahrten durchgeführt werden.

Weblinks

46.5039166666679.84861111111117Koordinaten: 46° 30′ 14″ N, 9° 50′ 55″ O; CH1903: (784960 / 153130)


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