Boccaccio (Hesse)
Andrea del Castagno (um 1450): Giovanni Boccaccio

Boccaccio ist eine Biographie von Hermann Hesse, die im April 1904 [1] bei Schuster & Loeffler in Berlin erschien[2].

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Dante Gabriel Rossetti (1878): Fiammetta

Der Vater des Novellenerzählers, in Certaldo im Elsatal (Valdelsa) geboren, lebt als kleiner Kaufmann in Florenz. Als er sich im Auftrag eines florentinischen Bankiers längere Zeit in Paris aufhält, verliebt er sich in eine schöne Witwe. Aus dem Verhältnis geht anno 1313 Giovanni Boccaccio hervor. Als Giovanni geboren wird, hat sich sein Vater längst aus dem Staube gemacht. Die Mutter stirbt viel zu früh, und der Knabe wächst in Florenz beim Vater auf. Natürlich soll Giovanni den väterlichen Beruf ergreifen. Aber das Rechnen und Handeln behagt ihm nicht. Viel lieber eignet er sich die Werke des Dante und des Virgil an. Der Vater reagiert. Er schickt Giovanni nach Neapel auf die Universität. Der Junge soll Rechtsgelehrter werden. Statt kanonischem Recht studiert Giovanni um 1334 Donna Maria, die uneheliche Tochter des Königs Robert. Die Geliebte ist mit dem Grafen von Aquino verehelicht. Das stört das Liebespaar nicht weiter[3]. Anno 1341, als Gautier von Brienne, der Herzog von Athen, über Florenz herrscht, wird Giovanni vom Vater aus Neapel zurückgerufen. 1344 - während die Pest in Italien wütet - reist Giovanni wieder nach Florenz. Als Maria und der Vater sterben, lebt Giovanni in Florenz von seiner Erbschaft. Anfang der 50er Jahre entsteht das Dekameron[4]. Einmal verliebt sich Giovanni noch - in eine vornehme Witwe. Die jagt ihn schließlich davon. Giovanni hat fortan genug von den Frauen und gibt sich als Frauenhasser. Für Florenz geht er als Botschafter zum Papst nach Avignon und studiert auch im Alter weiterhin seinen Dante. Das unsterbliche Dekameron tut er übrigens in seinen späten Jahren als Jugendtorheit ab[5]. Nachdem Giovanni am 21. Dezember 1375 gestorben ist, bekommt er von der Stadt Florenz ein ehrenvolles Begräbnis[6].

Form

Hesse erhebt Giovanni Boccaccio, indem er sich selber klein macht. Boccaccio habe zehnmal besser schreiben können als er. Aus der Vita des Poeten sei wenig überliefert und Hesses Text gerät schmal. Zwei Drittel des Textes nehmen auch noch die Besprechung des Dekamerons ein. Besonders gefallen Hesse zwei Geschichten. Da ist einmal die neunte Novelle am fünften Tag[7]. Darin erzählt Fiammetta von Liebenden, die nach bösen Zwischenfällen doch noch zum Happyend kommen. Das ist jene Geschichte von Federigo deghli Alberighi und seinem Falken. Federigo setzt der Geliebten, als sie ihn besucht, das Tier vor. Und da ist noch die sechste Novelle des vierten Tages[8]. Filostrato erzählt von unglücklicher Liebe. Gabriotto und Andreuola erzählen sich ihre Träume. Da stirbt doch Gabriotto überraschend in den Armen der Geliebten... Hesse schwärmt von "solchen Schönheiten"[9].

Literatur

Quellen
Neuere Ausgabe
Sekundärliteratur
  • Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Deutsche Autoren A - Z. S.271. Stuttgart 2004. 698 Seiten, ISBN 3-520-83704-8

Einzelnachweise

  1. Michels S.678
  2. Michels S.690
  3. Michels S.600
  4. Michels S.601
  5. Michels S.602
  6. Michels S.603
  7. Boccaccio S.435-441
  8. Boccaccio S.339-346
  9. Michels S.618

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Boccaccio — bezeichnet: eine Biographie von Hermann Hesse, siehe Boccaccio (Hesse) eine Oper von Franz von Suppé, siehe Boccaccio (Oper) einen italienischen Episodenfilm aus dem Jahr 1962, siehe Boccaccio 70 einen Asteroid, siehe (19149) Boccaccio Boccaccio… …   Deutsch Wikipedia

  • Boccaccio — (spr. kátscho), Giovanni, ital. Dichter und Humanist, Sohn eines Florentiner Kaufmanns, geb. 1313 zu Paris, Freund Petrarcas, seit 1348 für die Stadt Florenz auch als Diplomat tätig, in Neapel ein Günstling der Königin Johanna und der Prinzessin… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Kurgast (Hesse) — Hermann Hesse 1925 Baden im Aargau Kurgast. Aufzeichnungen von einer Badener Kur sind Glossen von Hermann Hesse …   Deutsch Wikipedia

  • Giovanni Boccaccio — (* 1313 in Florenz oder Certaldo; † 21. Dezember 1375 in Certaldo bei Florenz) war ein italienischer Schriftsteller, Demokrat, Dichter und bedeutender Vertreter des Humanismus. Sein Meisterwerk, das Decamerone, porträtiert mit bis dahin… …   Deutsch Wikipedia

  • Siddhartha (Hesse) — Buddhastatue am Niederrhein. Einen Buddha zu schaffen, der den allgemein anerkannten Buddha übertrifft, das ist eine unerhörte Tat, gerade für einen Deutschen. Henry Miller über Hesses Siddhartha [1] Siddhartha. Eine indische Dichtung ist eine… …   Deutsch Wikipedia

  • Franz von Assisi (Hesse) — Der Hl. Franz Franz von Assisi ist eine Biographie von Hermann Hesse, die, im Mai 1904 vollendet[1], im Herbst desselben Jahres bei Schuster Loeffler in Berlin erschien[2]. Inhaltsverze …   Deutsch Wikipedia

  • Gertrud (Hesse) — Gertrud ist ein Roman von Hermann Hesse, erschienen 1910. Hesse konzipierte den Roman bereits 1901 und schloss ihn 1909 ab.[1] Der Roman beschreibt die Liebe des Musikers Kuhn zur schönen Gertrud Imthor, für die er aber nicht mehr als ein Freund… …   Deutsch Wikipedia

  • Emil Sinclair — Hermann Hesse in Rüschlikon im April 1926[1] Hesse in Rüschlikon (1927) …   Deutsch Wikipedia

  • Kurgast - Aufzeichnungen von einer Badener Kur — Hermann Hesse 1925 Baden im Aargau Kurgast. Aufzeichnungen von einer Badener Kur sind Glossen von Hermann Hesse …   Deutsch Wikipedia

  • Harry Haller — Der Steppenwolf ist ein 1927 erschienener Roman von Hermann Hesse. Der Steppenwolf ist die Geschichte einer tiefen seelischen Erkrankung der Hauptfigur Harry Haller, eines Alter Egos Hermann Hesses. Haller leidet an einer Spaltung seiner… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”